Motorrad Unterziehjacke mit Protektoren im Test

Im Sommer greifen viele Motorradfahrer zu T-Shirt, Sneakern und kurzer Hose, da Lederkombi oder Touren-Textilanzug zwar zuverlässigen Schutz, doch nur wenig Belüftung bieten. Bitte tun Sie das nicht! Denn Baumwolle löst sich bei Asphaltkontakt in Missfallen auf - verdreckte und schlecht heilende Schürfwunden sind die Folge. Die wesentlich bessere Alternative sind Meshjacken, die großflächig auf ein Netzgewebe aus Polyester oder Polyamid setzen. Diese versprechen beste Belüftung und dennoch ausreichend Schutz.

Können Löcher sicher sein?

Die mittlerweile für Motorradbekleidung gültige Norm EN 17092 soll es leichter machen, die zu erwartenden Schutzeigenschaften einer Jacke zu erkennen. Dazu findet sich auf dem Etikett einer von drei Buchstaben, nämlich C (Aufprallschutz), B (Abriebschutz) oder A (Aufprall- und Abriebschutz). Je nachdem, wie gut bzw. lange die Schutzkleidung bei einem (simulierten) Sturz hält, kann sie auch mit AA oder AAA ausgezeichnet sein. Letzteres erreichen robuste Textil- und Lederkombis sowie manche Jeans. Meshjacken hingegen sind in der Regel "nur" mit einem A zertifiziert.

Solche Bekleidung soll laut Norm auf möglichst geringe Ergonomie- und Gewichtsbelastungen ausgerichtet sein und darf sich dafür auf ein Mindestmaß an notwendigem Schutz konzentrieren. Konkret sieht dieses Mindestmaß so aus, dass Zone 3 (siehe Grafik, hellblau) gar nicht auf Abriebfestigkeit geprüft wird - also all jene Bereiche, die bei einer Meshjacke typischerweise aus Netzgewebe bestehen. Von daher sollten Käufer auf vertrauenswürdige Materialien achten, zum Beispiel Polyamid oder robusteres Polyester (z. B. 600D).

Was ist eine Protektorenjacke?

Eine Protektorenjacke für Motorradfahrer wird auch als Protektorenhemd bezeichnet. Zudem gibt es noch ärmellose Protektorenwesten. Diese dienen alle zum Schutz bei einem Unfall. Besonders betroffen sind häufig die Körperregionen Brustkorb, Schulterblätter, Rücken und Ellenbogen. Eine solche Jacke ist meist als Unterziehjacke ausgeführt. Vielfach besteht diese aus einem luftigen Mesh-Gewebe, in welchem an den betreffenden Stellen Protektoren eingearbeitet sind.

Egal, ob Jacke, Hemd oder Weste, sie helfen dir, das Verletzungsrisiko zu minimieren. Die Bezeichnung Protektor ist geschützt und darf nur in Verbindung mit dem Motorradsport benutzt werden. Ebenso müssen Protektorenjacken der DIN EN 1621 entsprechen.

Eine Protektorenjacke kannst du in aller Regel unabhängig von der übrigen Motorradbekleidung tragen. Diese wird körpernah getragen und mit speziellen Verschlüssen geschlossen. Einige Modelle sind auch mit abnehmbaren Ärmeln versehen. In diesem Fall handelt es sich um eine Protektorenweste. Sie können problemlos auch unter einem Lederkombi verwendet werden. Es gibt Protektorenjacken für Damen, Herren und Kinder.

Vorteilhaft ist zum Beispiel, dass Fahrer mit älterer Motorradbekleidung sich hiermit ausreichend schützen können. So gibt es zahlreiche Biker, die entsprechend ihres Motorrades in einem nostalgischen Outfit unterwegs sind. Mit einer unter dieser Kleidung befindlichen Protektorenjacke bleibt die Sicherheit immer bestehen.

Verschiedene Varianten von Protektorenjacken

Auf dem Markt werden die unterschiedlichsten Protektorenjacken angeboten. Einige Modelle können direkt als Motorradjacke mit Protektoren getragen werden, andere lassen sich unter der Motorradbekleidung tragen.

Hier ist eine Übersichtstabelle der verschiedenen Arten von Protektorenjacken:

Art der ProtektorenjackeUnterziehbarOberhalb tragbar
ProtektorenjackeJaJa
ProtektorenwesteJa
ProtektorenpulliJa
Integriert in LederkombiJa

Die unterziehbaren Protektorenjacken bzw. Unterziehjacken sind meist relativ leicht und bestehen aus einem dünneren Material. Dieses ist aber so stabil, dass die dort integrierten Protektoren ausreichend Platz finden. Zudem sind diese Jacken so ausgeführt, dass die Protektoren eng anliegen und nicht verrutschen können. Unter einer Lederkombi sind diese kaum erkennbar.

Es gibt aber auch dicke Protektorenjacken, die anstelle eines Lederkombis genutzt werden können. Hier fallen optisch die separaten Protektoren sofort ins Auge. Das Material kann luft- und wasserdicht sein, aber auch aus atmungsaktiven Mesh bestehen.

Ebenfalls zum Unterziehen eignen sich die Motorrad-Protektorenwesten oder Airbag-Westen. Wegen der fehlenden Ärmel bieten diese zwar mehr Bewegungsfreiheit, jedoch sollte in diesem Fall ein Lederkombi verwendet werden, in denen Schulter- und Ellenbogen-Protektoren enthalten sind.

Besonderheiten

Protektorenjacken für Motorradfahrer gibt es in vielen verschiedenen Ausführungen für Damen, Herren und Kinder. Bei Frauen sind die Protektorenjacken meist etwas filigraner ausgeführt. Zudem ist der Brustbereich besonders geschützt. Neben verschiedenen Kurzarm-Varianten bieten die Langarm-Modelle natürlich den besten Schutz.

Generell eignen sich Protektorenjacken sehr gut zum Nachrüsten. Eine Weste oder ein Hemd lassen sich zum Beispiel problemlos unter einer Motorradjacke (z.B. einer Lederjacke) tragen. Diese sollte daher in der Größe noch etwas Spiel aufweisen. Wie zuvor erwähnt, eignen sich diese Jacken sehr gut, um nostalgische und ungeschützte Motorradbekleidung sicherer zu machen.

Du musst zudem zwischen Level-1- und Level-2-Protektoren unterscheiden. Da innerhalb einer Jacke unterschiedliche Protektoren verbaut sind, sollten der Norm EN 1621-2 entsprechen.

Vor- und Nachteile von Protektorenjacken

  • Vorteile:
    • Guter Tragekomfort
    • Vielfach bieten die leichten Jacken und Westen eine gute Luftzirkulation
    • Nach DIN-EN-Norm
    • Hohe Schutzwirkung
    • In vielen Ausführungen erhältlich
  • Nachteile:
    • Sollten immer in Verbindung mit guter Motorradkleidung getragen werden
    • Alleine getragen können beim Sturz Schürfwunden auftreten
    • Ohne Kombi oder Jacke nur bei gutem Wetter verwendbar

Normen, Prüfsiegel & Schutzklassen

Ähnlich wie bei Rückenprotektoren ist für Protektorenjacken die EU-Norm 1621-2 zu erfüllen. Neben dieser Kennzeichnung tragen die meisten Jacken auch eine CE-Kennzeichnung. Diese Jacken und Westen müssen bestimmte Dämpfungseigenschaften aufweisen. Aus einer Höhe von 1 m wird ein etwa 5 kg schwerer Stempel auf die Protektorenjacke fallen gelassen. Dabei tritt eine Durchschlagkraft zwischen 150 und 180 kN auf.

Bei Protektorenjacken sind folgende Restkraftwerte zulässig:

LevelRestkraftwert
Level 1größer als 18 kN
Level 2größer als 9 kN

Kauftipps für Protektorenjacken für Motorradfahrer

Beachte die folgenden Hinweise und überlege dir, wie du deine Protektorenjacke tragen willst. Denn unabhängig davon, ob du eine Protektorenjacke unter dem Lederkombi oder dem Pullover/Pulli tragen möchtest, sollte die Schutzausrüstung folgende Kriterien aufweisen:

  • Die richtige Größe: Natürlich muss deine neue Protektorenjacke optimal auf deine Körpergröße ausgerichtet sein.
  • Die Passform: Eine Protektorenjacke für dein Motorrad muss auf jeden Fall richtig sitzen. Wichtig ist, dass die integrierten Protektoren immer an der richtigen Stelle sitzen bleiben und nicht verrutschen.
  • Anprobe erwünscht: Wenn du dich für eine neue Protektorenjacke für Motorradfahrer entschieden hast, kannst du diese gegebenenfalls auch anprobieren.
  • Gebraucht kaufen?: Bei gebrauchten Protektorenjacken solltest du eher vorsichtig sein.
  • Lebensdauer: Gute Protektorenjacken halten in etwas bis zu 5 Jahren. Danach wird das dämpfende Material spröde und kann unter Umständen brechen. In diesem Fall ist die Sicherheit nicht mehr gewährleistet.

Materialkunde

Die unterziehbaren Protektoren Jacken bestehen aus einem atmungsaktiven Mesh. Hierbei handelt es sich um ein elastisches Gewebe aus Polyamid und Elasthan. Darin sind in festen Kammern die eigentlichen Protektoren eingearbeitet. Andere Modelle bestehen aus einer Mischung aus Polyamid, Polyester, Polypropylen und Polyethylen. Du siehst, dass hier eine vollständige Mischung aus Kunststoffen zusammentrifft. Dabei handelt es sich um Materialien, die auf der einen Seite sich gut der Körperfigur anpassen, auf der anderen zusätzlich einen hohen Dämpfungsschutz gewährleisten.

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