Autowäsche zu Hause in Deutschland: Was ist erlaubt und was nicht?

Jeder Autobesitzer weiß, dass das eigene Fahrzeug sehr viel Pflege benötigt. Ein gepflegtes Auto erfüllt seinen Besitzer mit Stolz, weshalb unzählige Menschen ihr Auto auch regelmäßig selbst waschen. Regelmäßig geschieht der Waschvorgang auf dem heimischen Grundstück. Die Antwort auf diese Frage ist nicht einfach zu beantworten, da die Thematik komplex ist und zahlreiche Faktoren zu berücksichtigen sind.

Obgleich der Gesetzgeber in Deutschland diesbezüglich keine bundesweit geltenden Gesetze geschaffen hat, existieren dennoch lokale Vorschriften. Werden diese nicht eingehalten, so können Bußgelder respektive Strafen drohen. Obwohl es in Deutschland kein bundesweites Verbot für das Autowaschen zu Hause gibt, sind lokale Vorschriften zum Umwelt- und Gewässerschutz zu beachten.

Gesetzliche Grundlagen und Vorschriften

Die Bundesrepublik Deutschland kennt keine generell anzuwendende gesetzliche Regelung, durch welche eine Autowäsche zuhause verboten wird. Es existieren jedoch lokal geltende Vorschriften, die sich mit dem Umwelt- sowie Gewässerschutz beschäftigen und diesen gewährleisten sollen. Maßgeblich ist der § 326 Abs. 1 StVO. Dieser Paragraf verbietet die Verunreinigung von öffentlichen Straßen, sofern diese vermeidbar ist.

Der Waschvorgang des eigenen Fahrzeugs am Straßenrand ist gerade in Wohnsiedlungen, in denen die Fahrzeugbesitzer keine ausreichende eigene Grundstücksfläche zur Verfügung haben, nicht selten zu beobachten. Der Waschvorgang des eigenen Fahrzeugs am Straßenrand kann aus rechtlicher Sicht problematisch werden, da in Deutschland in zahlreichen Kommunen lokale gesetzliche Bestimmungen zur Anwendung kommen.

Bedingt durch den Umstand, dass bei dem Waschvorgang des Fahrzeugs Waschwasser benötigt wird und dieses Wasser sowohl mit Chemikalien als auch mit Schmutz in Berührung kommt, ist ein Abfluss dieser Mischung in die vorhandene Kanalisation nicht ausgeschlossen. Ein weiterer Aspekt, der hierbei berücksichtigt werden muss, sind Verkehrsbehinderungen durch den Waschvorgang.

Es ist denkbar, dass der Autobesitzer durch das Autowaschen am Straßenrand die Sicht anderer Verkehrsteilnehmer auf die Straße einschränkt oder wichtige Parkplätze blockiert.

Wasserschutzgebiete

In Deutschland unterliegen Wasserschutzgebiete strengen Regelungen, um die Qualität des Grundwassers und damit die Trinkwasserversorgung zu schützen. Diese Gebiete sind in verschiedene Schutzzonen unterteilt, in denen jeweils spezifische Beschränkungen gelten. In Wasserschutzgebieten ist die Autowäsche auf unbefestigtem Grund grundsätzlich verboten, da das dabei entstehende Abwasser Schadstoffe wie Öle und Reinigungsmittel enthalten kann, die ins Grundwasser gelangen und dieses verunreinigen könnten.

Selbst auf befestigtem Grund sind besondere Vorkehrungen notwendig, um sicherzustellen, dass das Abwasser ordnungsgemäß behandelt wird und nicht in das Grundwasser oder in Oberflächengewässer gelangt. Die Einstufung eines Gebiets als Wasserschutzgebiet und die damit verbundenen Regelungen werden von den zuständigen Wasserbehörden festgelegt.

Diese können auf verschiedenen Verwaltungsebenen angesiedelt sein, wie beispielsweise bei den unteren Wasserbehörden der Landkreise oder kreisfreien Städte. Informationen über die Einstufung und die genauen Regelungen eines Wasserschutzgebiets können bei den zuständigen Wasserwirtschaftsämtern, den Gemeindeverwaltungen oder den Stadtwerken eingeholt werden.

Wasserhaushaltsgesetz (WHG)

Maßgeblich für die Autowäsche auf dem eigenen Grundstück ist der § 48 WHG. Dieser Paragraf regelt sämtliche Anforderungen, die an die Abwassereinleitung in deutsche Gewässer gestellt werden. Gem. § 48 Abs. 1 WHG ist dies nur zulässig, wenn zuvor eine behördliche Erlaubnis erteilt wurde. Der § 48 Abs. 2 WHG besagt, dass die Abwasserableitung in die Kanalisation unter der Maßgabe zu erfolgen hat, dass die Gewässerbeeinträchtigung durch schädliche Verunreinigungen ausgeschlossen sind.

Problematisch ist hierbei allerdings der Umstand, dass die unterschiedlichen Kommunen die gesetzlichen Regelungen des WHG unterschiedlich auslegen und dass es dementsprechend keine bundeseinheitliche Regelung hierfür gibt. Wer sein Fahrzeug auf seinem eigenen Grundstück waschen möchte, muss sich vorher mit den lokal geltenden Regelungen auseinandersetzen. Maßgeblich ist auch, welche Reinigungsmittel bei der Autowäsche zum Einsatz kommen.

In der gängigen Praxis gestatten die Kommunen die Autowäsche in Verbindung mit der Anwendung von Reinigungsmitteln auf chemischer Basis nicht, da die Gewässerbelastung nicht ausgeschlossen werden kann. Als Alternative stehen jedoch Reinigungsmittel auf biologischer Basis zur Verfügung. Dies bringt jedoch nicht die Garantie mit sich, dass der Waschvorgang auf dem eigenen Grundstück dadurch erlaubt ist.

Bußgelder und Strafen

Den wenigsten Fahrzeugbesitzern ist der Umstand bewusst, dass die Autowäsche zu Hause Bußgelder oder Strafen nach sich ziehen kann. Das Waschen des eigenen Autos zu Hause kann, sofern es in der jeweiligen Kommune nicht ausdrücklich gestattet ist, Bußgelder nach sich ziehen. Die Höhe dieser Bußgelder hängt von unterschiedlichen Faktoren ab und variiert von Bundesland zu Bundesland. In der gängigen Praxis bewegt sich das Bußgeld in minderschweren Fällen in einem Rahmen von 20 bis 100 Euro. In sehr schwerwiegenden Fällen, die erhebliche Umweltbelastungen nach sich gezogen haben, können die Bußgelder auch merklich höher ausfallen. Gleichermaßen verhält es sich, wenn es zu wiederholten Verstößen durch den Fahrzeugbesitzer gekommen ist.

Wenn ein Bußgeldbescheid wegen unerlaubter Autowäsche zugestellt wird, hat der Betroffene das Recht, innerhalb einer bestimmten Frist Einspruch einzulegen. Die Einspruchsfrist beträgt zwei Wochen ab Zustellung des Bußgeldbescheids. Der Einspruch muss schriftlich bei der Behörde eingereicht werden, die den Bußgeldbescheid erlassen hat. Es ist empfehlenswert, den Einspruch per Einschreiben zu versenden, um einen Nachweis über die fristgerechte Einreichung zu haben.

Im Einspruch sollte der Betroffene die Gründe darlegen, warum er der Meinung ist, dass der Bußgeldbescheid unrechtmäßig ist. Wenn der Betroffene nach Einlegung des Einspruchs zu der Überzeugung gelangt, dass der Einspruch nicht erfolgversprechend ist oder wenn er die Auseinandersetzung mit den Behörden vermeiden möchte, kann er den Einspruch zurücknehmen.

Es ist auch möglich, dass ein Bußgeldbescheid inhaltliche Mängel aufweist, die zu seiner Unwirksamkeit führen können. Allerdings tritt die Unwirksamkeit nur bei besonders schwerwiegenden Mängeln ein. Zusammengefasst hat der Betroffene das Recht, gegen den Bußgeldbescheid Einspruch einzulegen, sollte er der Ansicht sein, dass der Bescheid fehlerhaft ist. Dabei muss der Einspruch innerhalb von zwei Wochen nach Zustellung erfolgen und sollte gut begründet sein.

Bußgelder in verschiedenen Bundesländern

Die Höhe der Bußgelder kann je nach Bundesland variieren. Hier einige Beispiele:

  • Rheinland-Pfalz: 25,56 Euro bis zu 50.000 Euro
  • Baden-Württemberg: Ab 500 Euro, kann ebenfalls bis zu 50.000 Euro betragen

Wie man Strafen vermeidet

Um derartige Strafen zu vermeiden, ist es besonders ratsam, vor dem Waschen des eigenen Fahrzeugs zuhause zunächst erst einmal eine Anfrage an die zuständigen Behörden zu stellen. Zuständig hierfür ist das regionale Gemeindeamt respektive die Stadtverwaltung. Dort wird der Fahrzeugbesitzer erfahren, ob dies unter Auflagen erlaubt ist oder ob ein generelles Verbot vorherrscht.

Alternativen zur Autowäsche zu Hause

Die Autowäsche zu Hause ist nicht alternativlos. In den sogenannten SB-Waschboxen ist die eigenständige Autowäsche für den Fahrzeugbesitzer möglich und es wird ein guter Kompromiss zwischen der Selbstwäsche und professionellem Service bei der Einhaltung von Wasserstandards gewährleistet. Hierbei handelt es sich um Boxen, in die das Fahrzeug eingefahren und gewaschen werden kann.

Die Fahrt in eine professionelle Waschanlage wird hierzulande sehr gern genutzt, da der Autobesitzer auf einen rundum Service zurückgreifen kann und überdies der Waschvorgang auch automatisiert abläuft. Auch der Kostenfaktor spricht für die professionelle Waschanlage, da die durchschnittlichen Preise je Wäsche bei rund 11 Euro liegen. Die Betreiber bieten jedoch für gewöhnlich unterschiedliche Waschpakete an, sodass die Preise variieren.

SB-Waschboxen vs. Waschanlagen

Hier ist ein Vergleich zwischen SB-Waschboxen und traditionellen Waschanlagen:

Merkmal SB-Waschboxen Waschanlagen
Service Selbstbedienung Professioneller Service
Wasserstandards Einhaltung der Standards Einhaltung der Standards
Automatisierung Manuell Automatisiert
Kosten Variabel Durchschnittlich ca. 11 Euro

Regionale Unterschiede und Beispiele

Die Erlaubnis zur Autowäsche variiert stark von Stadt zu Stadt. Hier einige Beispiele:

  • Aachen: Keine Information verfügbar
  • Arnsberg: Erlaubt mit klarem Wasser
  • Berlin: Teilweise erlaubt, strenge Auflagen in Wasserschutzgebieten
  • Bielefeld: Teilweise erlaubt, nur mit klarem Wasser
  • Bocholt: Erlaubt mit klarem Wasser
  • Bochum: Erlaubt mit klarem Wasser, biologisch abbaubare Reinigungsmittel auf befestigten Flächen erlaubt
  • Bremen: Keine Information verfügbar
  • Bremerhaven: Erlaubt mit klarem Wasser
  • Dinslaken: Erlaubt nur mit Abscheideranlage
  • Dortmund: Erlaubt unter bestimmten Bedingungen
  • Dresden: Erlaubt mit klarem Wasser
  • Duisburg: Erlaubt mit klarem Wasser
  • Düsseldorf: Verboten
  • Essen: Keine Information verfügbar
  • Frankfurt am Main: Teilweise erlaubt, Abwasser muss in Schmutzwasserkanal geleitet werden
  • Freiberg: Erlaubt mit klarem Wasser

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0