Die Motorradkette ist ein wichtiges Bauteil, dessen Pflege und Wartung man nicht vernachlässigen sollte. Andernfalls drohen schneller Verschleiß, Leistungsverlust und stärkere Lastwechselreaktionen. Zudem birgt eine verschlissene oder falsch gespannte Kette auch ein Sicherheitsrisiko.
Warum ist die Kettenpflege so wichtig?
Eine gut gepflegte Kette kann bis zu 50.000 Kilometer halten, während ungepflegte Exemplare oft schon nach weniger als 10.000 Kilometern am Ende ihrer Lebensdauer sind. Regelmäßige Kontrolle ist daher unverzichtbar.
- Sicherheit: Eine schlecht gewartete Kette kann reißen oder überspringen, was zu einem plötzlichen Verlust der Antriebskraft führen kann.
- Leistung: Eine verschlissene Kette kann die Gesamtleistung des Motorrads beeinträchtigen.
- Lebensdauer: Regelmäßige Pflege verlängert die Lebensdauer der Kette und Antriebskomponenten erheblich.
Wie oft sollte man die Kette fetten?
Die Frage, wie oft man die Kette fetten sollte, hängt von verschiedenen Faktoren ab:
- Einsatzbedingungen
- Verwendetes Kettenspray
- Fahrstil
Ein grober Richtwert sind 500 bis 1.000 km. Bei Fahrten im Regen oder auf staubigen Straßen sollte die Kette häufiger gefettet werden.
Wenn keine Erfahrungen vorliegen, ist es sinnvoll, bei jeder Tankfüllung die Kette und die Kettenspannung zu prüfen, um den richtigen Intervall selbst zu erfahren.
Die richtige Schmierung der Motorradkette
Während eine gut geschmierte Kette bis zu 40.000 km halten kann, sind ungepflegte Exemplare oft schon nach weniger als 10.000 km am Ende ihrer Lebensdauer. Eine regelmäßige (Sicht-)Kontrolle ist daher unverzichtbar.
Ist die Kette blank oder weist gar Rostspuren auf, greift man zum Kettenspray, das die Kette nicht nur vor Korrosion schützt, sondern auch die Reibung erheblich reduziert. Damit es gut haften kann, muss die Kette allerdings sauber und trocken sein.
Versierte Tourenfahrer schmieren deshalb am Ende einer Tour sofort die dann noch warme Kette und können so am nächsten Morgen direkt starten. Wer dagegen unmittelbar nach dem Schmieren losfährt, verteilt den Schmierstoff wunderbar auf Felge, Bremsscheibe und Reifen.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Schmieren der Kette:
- Motorrad auf Haupt- oder Montageständer stellen.
- Reifen und Felge am besten mit Pappe etc. abdecken.
- Kettenspray auf die Innenseite der Kette am unteren Kettenstrang sprühen. Das Rad dabei von Hand durchdrehen.
- Pappe wegwerfen und fertig.
Wichtig: Nicht die Menge macht’s - lieber öfter nachschmieren!
Als Sprühstelle ist die Mitte zwischen Ritzel und Kettenrad ideal. Grundsätzlich sollten Sie beachten, dass wenig Schmiermittel in kürzeren Intervallen deutlich besser ist als selten nachzuschmieren, dafür aber viel Schmiermittel aufzutragen.
Bei Kettenspray ist ein Indiz für zu viel Kettenspray, mit Öl verspritzte Felge oder Seite des Hinterreifens.
Auf Tour, am besten schmieren nach Ankunft am Ziel, damit der Kettenspray über Nacht trocknen kann.
Egal, welches Spray: Nie direkt vorm Fahren sprühen! Da sind Lösemittel drin, die ausdampfen müssen, sonst fliegt die ganze Chose auf den Reifen und die sonstige Umgebung. Eine Stunde warten ist ideal.
Alternativen zum Kettenspray
Eine Alternative zum Spray sind Permanent-Schmiersysteme z. B. der Scottoiler. Diese allerdings nicht gerade günstigen Kettenöler werden per Zündstrom oder Unterdruck aktiviert, und ein dünnflüssiges Öl tropft während der Fahrt direkt auf das Kettenrad. Je nach Bedingungen (Regen/Staub) und Strecke muss aber nachjustiert werden.
Die Reinigung der Motorradkette
Verbinden sich Schmutz und Staubpartikel mit dem Kettenfett, wird die Schmierwirkung reduziert. Verschmutzte Ketten sollten daher gereinigt werden. Leichte Verschmutzungen lassen sich ganz gut mit einer Kunststoffbürste entfernen.
Bei grober Verschmutzung sollte man weder Dampfstrahler noch Bremsenreiniger (greift die O-Ringe an) verwenden, sondern einen speziellen Kettenreiniger benutzen.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Reinigung der Kette:
- Trage Kettenreiniger auf die Kette auf.
- Bearbeite die Kette mit einer Bürste oder einem Pinsel, um den Schmutz zu lösen.
- Lasse den Reiniger einwirken.
- Wische die Kette mit einem Lappen ab oder spritze sie gegebenenfalls ab.
Um die logischerweise dabei entstehende Sauerei in Grenzen zu halten, hat sich der Kettenmax (Polo, ab ca. 20 Euro) bewährt. Er reinigt die Kette mithilfe von kleinen Bürsten und einer Reinigungsflüssigkeit von allen Seiten, vor allem aber wird der Dreck über einen Schlauch in einen Auffangbehälter geleitet.
Ich habe einiges probiert, verwende jetzt seit langer Zeit Petroleum (zum Reinigen, nicht zum Verbrennen) und bin damit zufrieden. Reinige nur die Kettenrollen damit. Mit Papiertuch, leicht getränkt mit Petroleum, Kettenrollen abwischen. Dann mit Papiertuch trocken reiben. Schmieren mit Kettenspray.
Die Spannung der Motorradkette
Eine Kette dehnt sich im Laufe ihres mehr oder weniger langen Lebens kontinuierlich. Grund ist der Verschleiß an den Reibflächen der Bolzen. Deshalb muss die Spannung auch regelmäßig geprüft werden.
Schon der Begriff "Kette spannen" ist irreführend, denn es geht dabei um die Einstellung des sogenannten Durchhangs, d. h. des Spiels, das die Kette haben muss. Dieses Spiel ist notwendig, damit die Schwinge sich beim Ein- und Ausfedern bewegen kann, während eine schräg gestellte Schwinge die Distanz zwischen Ritzel und Kettenrad verkürzt.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Spannen der Kette:
- Motorrad aufbocken und Gang einlegen.
- Zuerst muss die Hinterachse an der Seite der Achsmutter gelöst werden.
- Zum Spannen der Kette muss das Hinterrad nach hinten gezogen werden (das passiert automatisch durch die Kettenspanner), zum Lockern nach vorne gedrückt werden (dazu muss man nach dem Lockern der Kettenspanner kräftig gegen das Rad drücken/schlagen).
- Durch gleichmäßiges Drehen der Schrauben auf beiden Seiten spannt/lockert man die Kette.
- Nach dem Festziehen der Achsmutter (Drehmoment beachten) unbedingt noch einmal die Kettenspannung kontrollieren.
Zur Prüfung des korrekten Durchhangs wird die Maschine wieder aufgebockt, damit das Hinterrad gedreht werden kann. Da ältere Ketten oft ungleichmäßig gelängt sind, prüft man den Durchhang in der Mitte des unteren Kettenstrangs durch Anheben der Kette mit den Fingern. Dann wird das Rad immer ein Stück weitergedreht und die Prozedur so lange wiederholt, bis die strammste Stelle gefunden ist. Die ist maßgeblich für die Spannung.
Wenn die Kette komplett ungleichmäßig gelängt ist, dann kann sie nur noch getauscht werden, da eine vernünftige Spannung nicht mehr möglich ist. Der Durchhang der Kette ist theoretisch in Ordnung, wenn er bei aufgebockter Maschine ca. 3 bis 5 cm beträgt. Exakte Angaben stehen im Fahrerhandbuch oder sind bei manchen Typen auch auf der Schwinge aufgeklebt.
Wann muss die Kette gewechselt werden?
Eine Motorradkette ist spätestens dann reif für den Müll, wenn sie sich bis zu den Zahnspitzen des Kettenblatts abheben lässt oder sich sogenannte Haifischzähne gebildet haben. Kette, Ritzel und Kettenrad übrigens immer gemeinsam tauschen, sonst verschleißen die neuen Teile viel schneller, das kurzfristige Sparen entpuppt sich als Reinfall.
Auch wenn die Kette nach immer weniger Kilometern nachgespannt werden muss, ist der Austausch sofort fällig.
Merke: Die Kette wird grundsätzlich nicht alleine gewechselt. Nur der Austausch der Kettensatzes macht Sinn. Finger weg vom Austausch einzelner Komponenten wie Ritzel, Kettenrad oder Kette.
Empfohlene Produkte für die Kettenpflege
Es gibt zahlreiche Produkte auf dem Markt, die speziell für die Kettenpflege entwickelt wurden. Hier eine kleine Auswahl:
- Kettenreiniger: Entfernt zuverlässig Schmutz und Ablagerungen von der Kette.
- Kettenspray: Schützt die Kette vor Korrosion und reduziert die Reibung.
- Kettenöler: Sorgt für eine automatische und kontinuierliche Schmierung der Kette.
Zusammenfassung
Die richtige Kettenpflege ist entscheidend für die Lebensdauer und die Sicherheit Ihres Motorrads. Regelmäßiges Reinigen, Schmieren und Spannen der Kette sind unerlässlich. Achten Sie auf hochwertige Produkte und führen Sie die Arbeiten sorgfältig durch.
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