Motorradfahren kann mit einem Beifahrer zum doppelten Vergnügen werden. Eine wesentliche Voraussetzung für gemeinsame Freude an Ausfahrten mit dem Motorrad ist, dass nicht nur der Fahrer auf seine Kosten kommt, sondern auch der Beifahrer eine gute Zeit auf dem Rücksitz hat.
Voraussetzungen und Vorbereitung
Das Körpergewicht hat beim Motorradfahren einen wesentlich größeren Anteil am Gesamtgewicht als beim Autofahren. Daraus ergibt sich der Umstand, dass eine Person mehr am Fahrzeug wesentliche Veränderungen bedeutet: Mehr Masse, andere Gewichtsverteilung. Außerdem kann sich auch die kleinste Bewegung des Beifahrers auf die Dynamik und Fahrtrichtung des Motorrads auswirken.
Hast du einmal die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt, also dich versichert, dass dein Fahrzeug auf zwei Personen zugelassen ist und dass die mitfahrende Person das erforderliche Mindestalter hat und körperlich sowie geistig dazu in der Lage ist, musst du schon vor dem Aufsteigen einige Dinge klären.
Das richtige Motorrad
Der Sitz auf dem Motorrad sollte sich für einen Beifahrer eignen. Je bequemer, desto besser. Das Motorrad muss für den Soziusbetrieb ausgelegt sein. Das setzt erst mal eine passende Sitzgelegenheit für den Beifahrer voraus. Damit scheiden schon einige Bobber-Versionen von aktuell beliebten Retro-Bikes aus, denn sie setzen auf Einzelsitze.
Verfügt das Bike über einen zweiten Sitz, sollte der bequem und rutschfest sein und eine angenehme Sitzposition mit nicht allzu stark angewinkelten Knien ermöglichen.
Im Idealfall hat die Maschine ein einstellbares Fahrwerk, das das zusätzliche Gewicht und die veränderte Fahrdynamik abbilden kann. Eigene Haltegriffe für den Beifahrer sind nicht unbedingt notwendig, weil sich der Sozius primär am Fahrer festhalten sollte, aber sie sind kein Nachteil.
Ausrüstung für Fahrer und Beifahrer
Dass der Sozius dem gleichen Unfallrisiko ausgesetzt ist wie der Fahrer und daher über die gleiche Sicherheitskleidung verfügen sollte, versteht sich von selbst. Ein Motorrad-Schutzhelm ist auch für den Sozius vom Gesetz vorgeschrieben. Der Helm muss perfekt passen und sollte über die aktuelle Prüfnorm verfügen, nur dann bietet er optimalen Schutz.
Neben elementaren Vorbereitungen der Maschine auf den Motorradausflug zu zweit - wie eben Anpassung an Soziusbetrieb und Sorge für einen bequemen Sitzplatz für den Beifahrer - kann auch die Person am Lenker viel dazu beitragen, den Trip für den Passagier so angenehm und sicher wie möglich zu gestalten: Indem er oder sie „sportliche“ Fahrmanöver möglichst reduziert sowie ausreichend Pausen einplant und einlegt, damit sich der oder die Mitfahrende immer mal wieder die Beine vertreten kann.
Anpassung des Motorrads
Durch das höhere Gewicht auf dem Hinterrad verändert sich die Fahrdynamik. Das Beschleunigen verliert an Zackigkeit, der Bremsweg wird länger. Die vorderen Federn und Dämpfer werden weniger stark belastet, die hinteren mehr. Um das auszugleichen, sollte(n) hinten die Feder(n) vorgespannt werden. Lässt sich das Fahrwerk einstellen, können gleichzeitig noch die Druck- und die Zugstufe erhöht werden.
Wer kann, sollte zudem die Dämpfung der Gabel etwas härter drehen, damit das Vorderrad beim Bremsen nicht so stark eintaucht. Der hintere Reifen kann mehr Luftdruck vertragen, er darf gerne auf den in den Fahrzeugpapieren angegebenen Maximalwert gebracht werden. Schließlich ist es sinnvoll, die Einstellung des Scheinwerfers zu überprüfen, um bei Dunkelheit keine entgegenkommenden Fahrzeuge zu blenden.
Kommunikation und Absprachen
Fahrer und Beifahrer sind ein Team. Sie müssen sich koordinieren. Im Sattel könnt ihr dann das Besprochene präzisieren. Wo hält sich der Beifahrer besonders beim starken Beschleunigen an? Wie kann er sich bei stärkeren Bremsungen abstützen? Man kann sich natürlich haptische Zeichen ausmachen, um während der Fahrt miteinander zu kommunizieren, etwa Klopfen auf den Oberarm.
Viele eingespielte Fahrer-Beifahrer-Paare wählen die angenehmere aber technisch aufwendigere Form: Intercom. Es gibt zahlreiche Lösungen mit Helmmikrofon und Helmlautsprecher, die das miteinander Reden während der Fahrt ermöglichen. Alle anderen müssen halt in den Pausen ihre Eindrücke und Wünsche kommunizieren.
Das richtige Verhalten während der Fahrt
Die gemeinsame Fahrt sollte von Rücksicht auf die Bedürfnisse des anderen und Kommunikation geprägt sein. Klar, am einfachsten lässt es sich mit Hilfe einer Sprechanlage zwischen den Helmen kommunizieren. Doch auch beim Stopp an der Ampel und per Handzeichen lässt sich einiges klären.
Der Fahrer sollte sanft anfahren und sachte abbremsen, damit der Beifahrer keinen Schrecken bekommt. Außerdem sinkt so die Wahrscheinlichkeit, dass die Motorradhelme aneinanderknallen.
Am komfortabelsten für den Beifahrer ist sicher, wenn er sich an deinen Schultern oder (so vorhanden) an einem günstig gelegenen Haltegriff deines Motorrads festhält und (wenn er von links aufsteigt) mit dem linken Fuß auf seinen Fußraster steigt und dann wie auf ein Pferd aufsteigend das rechte Bein über den Sattel und den Körper in den Sattel schwingt. Das sollte aber erst geschehen, wenn du bereit bist.
Die richtige Sitzposition
Im Grunde gibt es zwei Varianten, die bei Soziusfahrten erfolgversprechend sind:
- Der Beifahrer hält sich am Fahrer an. Der Beifahrer legt die Arme um den Fahrer sanft (nicht das Mittagessen herauspressen!) aber entschlossen herum an dessen Hüfte oder Bauch und macht mit leichtem Kontakt zwischen Fahrerrücken und Beifahrerbrust die Bewegungen des Fahrers mit.
- Der Beifahrer findet genug Haltegriffe, an denen er sich in jeder Fahrsituation richtig festhalten kann. Dabei wird er nahezu Eins mit dem Motorrad.
Am einfachsten finden Beifahrer in den Fluss der Bewegung hinein, wenn sie dem Fahrer jeweils auf der Kurveninnenseite über die Schulter schauen.
Fahrstil anpassen
Wegen des höheren Gewichtes ändert sich das Fahrverhalten. Beschleunigung und Bremsweg dauern länger. Außerdem benötigt der Pilot mehr Druck für den Bremshebel. Durch eine deutliche Schwerpunktverlagerung nach hinten kann eher der Negativeffekt Pendeln eintreten.
Deshalb musst du dir als Fahrer, wenn du zum ersten Mal mit einem neuen Beifahrer unterwegs bist, immer mehr Reserven bei deinen Fahrmanövern halten. Durch Üben und das aufeinander Abstimmen wird dir das Fahren mit Beifahrer immer leichter von der Hand gehen, deine Linien werden präziser und sicherer werden.
Verhalten in Kurven
Nicht nur die Kurvenfahrtechnik Drücken braucht ein eingespieltes Team am Motorrad. Der Beifahrer darf sich zum Beispiel niemals dagegenlegen, wenn sich das Bike in Schräglage befindet. Zudem sollte er den Fahrer an der Taille umfassen.
Immens wichtig ist, dass der Beifahrer sich auf den Fluss der Bewegung einlässt und sich keinesfalls gegen die Schräglage lehnt! Das kann im schlimmsten Fall zum Sturz führen. Am einfachsten finden Beifahrer in den Fluss der Bewegung hinein, wenn sie dem Fahrer jeweils auf der Kurveninnenseite über die Schulter schauen.
Pausen einlegen
Neben ausgiebiger Kommunikation stehen regelmäßige Pausen ganz oben auf der Prioritäten-Liste für die Ausfahrt mit Beifahrer. Kurzes Strecken von Armen und Beinen beim Ampelstopp reicht nicht aus. Stattdessen lieber ein schönes Ziel aussuchen, die Maschine parken und gemeinsam ein paar Schritte gehen.
Die Distanzen zwischen zwei Stopps wachsen am besten mit der Erfahrung des Beifahrers. Während ein Neuling schon nach 50 Kilometer ächzen könnte, beschwert sich der abgebrühte Sozius vielleicht, gar nichts von der Fahrt gehabt zu haben.
Besondere Situationen
Langsamfahrt
Wir haben schon besprochen, dass das Balancieren bei langsamer Fahrt schwierig ist. Deshalb empfiehlt es sich, dass der Beifahrer in solchen Fahrsituationen besonders ruhig am Motorrad sitzt und keine plötzlichen Bewegungen macht.
Helmpeppeln
Beim Gangwechsel oder eigentlich bei jeder ruckartigen Geschwindigkeitsänderung, kann es vorkommen, dass die Helme von Fahrer und Beifahrer aneinander klopfen oder peppeln. Das ist eigentlich ein Zeichen dafür, dass der Fahrer nicht mitgedacht hat oder dass der Beifahrer zu wenig Körperspannung hatte.
Motorradfahren mit Kindern
Der Gesetzgeber schreibt zwar kein Mindestalter für den Kinder Sozius vor, aber die Vernunft sollte hier siegen. In jedem Fall sollte dein Kind geistig und körperlich so weit entwickelt sein, dass es den Anforderungen als Sozius gerecht werden kann.
Falls dein Kind noch nicht bis zu den Fußrasten reicht, muss unbedingt eine Verkleidung am Hinterrad angebracht werden. Gewöhne dein Kind Schritt für Schritt an das Motorradfahren und unterlasse Highspeed-Fahrten auf der Autobahn.
Ein Motorradhelm für Kinder ist ebenso obligatorisch wie auch sonstige Schutzbekleidung. Falls ihr kein Kommunikationssystem nutzt, dann vereinbart einfache (Klopf-)Zeichen.
Zusammenfassung der wichtigsten Punkte
Hier ist eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte für eine sichere und angenehme Motorradfahrt zu zweit:
- Vorbereitung: Stelle sicher, dass das Motorrad für den Soziusbetrieb geeignet ist und passe es entsprechend an.
- Ausrüstung: Sowohl Fahrer als auch Beifahrer sollten die richtige Schutzkleidung tragen.
- Kommunikation: Sprich dich vor der Fahrt ab und vereinbare Zeichen zur Verständigung.
- Fahrweise: Passe deine Fahrweise an und fahre defensiv und vorausschauend.
- Sitzposition: Achte auf eine bequeme und sichere Sitzposition für den Beifahrer.
- Pausen: Lege regelmäßige Pausen ein, um die Fahrt angenehm zu gestalten.
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