Motorrad-Ikonen der 70er Jahre: Eine Zeitreise

Die 1970er Jahre waren ein goldenes Zeitalter für Motorräder. In dieser Zeit entstanden legendäre Modelle, die bis heute Kultstatus genießen. Diese Ära war geprägt von Innovationen, technischen Fortschritten und einem unverkennbaren Stil, der die Motorradwelt nachhaltig beeinflusste. Die Motorräder der 70er Jahre stehen für eine Zeit des Aufbruchs, der Freiheit und des unbeschwerten Fahrgefühls.

Aufbruch in ein neues Zeitalter

Mitte der 1970er-Jahre versuchte die europäische Motorrad-Industrie zum Teil mit neuen, zum Teil mit traditionellen Konzepten der Übermacht der japanischen Hersteller Paroli zu bieten. Der Kampf um Anteile am deutschen Motorradmarkt war um 1975 längst zugunsten Japans entschieden. Trotzdem versuchten traditionelle europäische Hersteller, sich selbst in der prestigeträchtigen Oberklasse mit ihren Topmodellen zu behaupten. Die Einführung der S 1000 RR setzt neue Maßstäbe im Superbike-Segment. Hinzu kommt ein völlig neues Segment - die Heritage Motorräder. Sie bringen jede Menge Retro-Charme in die Modellpalette, während die GS-Modelle weiterhin Abenteuerlustige begeistern.

In den 1970er Jahren waren sie es - die Motorräder der Dreiviertelliter-Klasse. Mit den magischen Zahl 750 auf dem Seitendeckel waren sie vor fast 50 Jahren die Träume aller 15- bis 25jährigen. Mit ordentlicher Leistung ausgestattet, manifestierten sie Motorradfahren zum sportlichen Vergnügen auf zwei Rädern ohne dabei den Komfort auf der Strecke zu lassen. Zudem haftet den frühen 750-ccm-Boliden eine unerschütterliche Solidität und Qualität an, die das Image der Maschinen bis heute prägt und sie zu begehrenswerten Klassikern macht.

Zu einer Zeit, als BMW-Boxer mit 40 PS als schwere Maschinen galten, war die Honda CB 750 mit ihrem Vierzylinder-Reihenmotor und 67 PS eine Unverschämtheit. In ihrem Sog kam zum Beispiel auch Kawasaki mit der Z1 zu großen Erfolgen, der deutsche Motorradmarkt war innerhalb weniger Jahre völlig umgekrempelt, kleinere Marken verschwanden und die Japaner - allen voran Honda - dominierten den Markt.

Die Ikonen der 70er im Detail

Ein halbes Dutzend, das Motorradgeschichte geschrieben hat. Und nun - dem grauen deutschen Schmuddel-Winter entrissen - zu einer Zeitreise verführt, die in die frühen 1970er-Jahre zurückreicht. Hier werden einige der wichtigsten Modelle der 70er Jahre näher betrachtet:

Benelli 750 Sei

Davon konnte bei der Benelli 750 Sei keine Rede sein, wenngleich beim weltweit ersten Serien-Sechszylinder-Motorrad zwischen der Präsentation Ende 1972 und dem Serienanlauf 1974 von den ursprünglich genannten 76 PS deren 13 auf der Strecke geblieben waren. Was am wuchtigen Auftritt der roten Diva nichts ändert. Sie gehört „Cheffe“ Michael Pfeiffer, der mit seiner Schwärmerei über Sound und Laufkultur keinen Hehl daraus macht, dass er seinem Jugendtraum schon lange verfallen ist. Nun, imposant wirkt das italienische Sixpack tatsächlich.

BMW R 90 S

Vor genau 40 Jahren stellte BMW mit der R 90 S sein neues Topmodell in die Schaufenster, als „Sportmotorrad mit exklusivem Anspruch“. Die R 90 S ist das erste BMW Modell über 750 ccm, und die erste BMW, die eine Spitze von 200 km/h erreicht, die dank Doppelscheibe vorne auch sicher gebremst werden kann. Mit aufrechtem Oberkörper sitzt man vom ersten Moment an entspannt, und der schmale, günstig gekröpfte Lenker liegt komfortabel in der Hand. Ebenso problemlos gestaltet sich der Umgang mit der Bayerin: Der Boxermotor zieht schon aus niedrigen Drehzahlen bereitwillig durch, bietet auch in der Mitte ordentlich Drehmoment und erscheint nur im oberen Drehzahlbereich etwas angestrengt.

Honda CB 750 Four

Mit nominell 67 PS zielte der bis dahin stärkste Bayern-Boxer auf die gleich starke, 1969 präsentierte Honda CB 750 Four, die mit geschmeidigem und zuverlässigem Vierzylinder sowie Scheibenbremse vorn zum Meilenstein wurde, der die Welt im Sturm eroberte. Spätestens mit der CB 750 Four mauserte sich Honda 1968 Jahre zum Klassen-Primus im wachsenden Segment großvolumiger Motorräder. Die 750er Honda war ein enorm leistungsstarkes und sportliches Motorrad, das gleichzeitig mit Allrounder-Qualitäten aufwarten konnte.

Kawasaki 750 H2 Mach IV

Zum Establishment der Oberklasse zählten damals auch leistungsstarke Zweitakter wie die sportliche Kawasaki 750 H2 mit ihrem sägenden Dreizylinder. Ein echter Hecht im Karpfenteich war die Kawasaki 750 H2 Mach IV. Sofern der Fahrer den Mut dazu besaß, war die Kawasaki H2 allemal in der Lage der 750er Konkurrenz das Leben höllisch schwer zu machen. Nominell war sie damals die vorläufig Stärkste in der 750er-Hubraumklasse. Bis heute zieht die Kawasaki 750 H2 weltweit Fans in ihren Bann. Wer eindrucksvolle 71 PS abrufen, über 200 km/h aufdrehen und in vier Sekunden die 100 km/h Marke durchbrechen wollte, brauchte das zu Beginn der 1970er Jahre niemanden mehr zu beweisen. Denn er saß auf einer Kawasaki 750 H2 Mach IV.

Norton Commando 750 Roadster

So baute Norton die 1973 mit größerer Bohrung versehene Commando 850 noch immer nach dem klassisch-englischen Rezept. Relaxt wie die Sitzposition gestaltet sich das Fahren mit der Norton auch wegen ihrer Handlichkeit: Am breiten Lenker geführt, zirkelt sie ganz locker selbst um Spitzkehren und zieht nach Öffnen des Gasgriffs leichtfüßig wieder heraus.

Suzuki GT 750

Zum Establishment der Oberklasse zählten damals auch leistungsstarke Zweitakter wie die eher touristisch ausgelegte Suzuki GT 750 mit wassergekühltem Motor. Mit dem Prototypen der Suzuki GT 750 präsentierte der japanische Hersteller einen absoluten Knaller auf der Tokio Motor Show 1970. Ihrer bulligen Durchzugskraft schon bei niedrigen Drehzahlen verdankte die Suzuki ihren Spitznamen „Wasserbüffel“, der sie in den kommenden Jahren berühmt und berüchtigt machte. Sie überzeugte Tester und Fahrer gleichermaßen mit einer souveränen Leistungsentfaltung, ruhigem Motorlauf und durch die Wasserkühlung gedämpfte Geräuschkulisse.

Europäische Konkurrenz

Gleich mehrere italienische Hersteller kämpften mit ganz unterschiedlichen Konzepten um Marktanteile: Ducati hatte nur wenige Jahre zuvor die Königswellen-Zweizylinder mit 90-Grad-V-Motor eingeführt, welche vor allem durch sportliche Erfolge die Marke wiederbelebten. Moto Guzzi vertraute ebenfalls auf einen 90-Grad-V2-Motor, allerdings mit längs liegender Kurbelwelle. Der hatte bereits in der V7 sein Debüt gefeiert und sorgte vom Tourer bis zum Sportmotorrad für Vortrieb. Laverda in Breganze setzte ebenfalls auf ein eigenes Konzept: Zu den Reihenzweizylindern mit 750 cm³ gesellte sich 1973 ein wuchtiger Dreizylinder mit 1000 cm³, zwei oben liegenden Nockenwellen und ungewöhnlichen 180 Grad Hubzapfenversatz.

Zumindest Triumph und Norton boten in den großen Hubraumklassen noch Modelle an. Der klassische Norton-Paralleltwin basierte noch auf den Nachkriegs-Zweizylindern und hatte im Lauf der Jahre bis auf 850 cm³ Hubraum zugelegt. Mit der Commando war die elastische Motorlagerung Isolastic ins Fahrwerk eingekehrt. Sie sollte die kernigen Vibrationen des Twins vom Fahrer fernhalten.

Die Entwicklung geht weiter

Eine neue Ära wird eingeleitet: Cockpit- und Vollverkleidungen machen das Fahren auf dem Motorrad komfortabler. Es entstehen sportliche Reisemotorräder. Mit der R 100 RS präsentiert BMW Motorrad das erste Serienmotorrad mit einer im Windkanal entwickelten Vollverkleidung. Hierbei standen neben aerodynamischen Überlegungen auch der Schutz des Fahrers vor Wind und Wetter im Vordergrund der Entwicklung. Zusätzlich ist die R 100 RS die erste BMW mit einem Liter Hubraum. Mit 200 km/h ist das Motorrad auch in der Disziplin Höchstgeschwindigkeit ganz vorne - im Gegensatz zur Konkurrenz kann der Fahrer jedoch ganz entspannt hinter der Verkleidung aufrecht sitzen. Die R 100 RS ist das erste Serienmotorrad der Welt mit im Windkanal entwickelter Vollverkleidung zum Wind- und Wetterschutz.

Beliebtheit von Motorrad-Klassikern

Im Markt klassischer Motorräder sind Trends ebenso deutlich sichtbar wie bei klassischen Autos. Die Top-5 der beliebtesten Motorräder auf Classic Trader im Jahr 2021 stammen allesamt mehrheitlich aus den 1970er Jahren. Unangefochtener Sieger mit 35 % Anteil hierbei ist das erste Großserienmotorrad mit Reihenvierzylindermotor: die Honda CB 750 Four!

Auf den weiteren Plätzen finden sich die seltene Münch Mammut TTS, Ducatis 900 SS, die Kawasaki Z900 und die Honda CB 500 Four, die kleinere Version der Siegerin. Besonderes Augenmerk sollte man auch auf die regelmäßig stattfindenden Auktionen der großen Auktionshäuser legen, bei denen immer wieder besondere Exemplare angeboten werden.

Die Gründe für die Beliebtheit von Oldtimer-Motorrädern:

  • Industrie schreibt nicht mehr vor, was man zu fahren hat.
  • Liebe zu alter Technik, die es nicht mehr zu kaufen gibt.
  • Man lernt viel über Motoren.
  • Weniger Platzbedarf als bei Autos.
  • Geringere Kosten und einfachere Instandhaltung als beim Auto.
  • Günstigere Versicherung.

Versicherung von Motorrad-Klassikern

Eine Versicherung bei OCC ist sinnvoll, wenn der aktuelle Wert des Motorrads den ehemaligen Neuwert übersteigt. Außerdem gibt es bei Sammlungen attraktive Rabatte. Mit der OCC-Versicherung kann man auch an Veteranen-Treffen und gemeinsamen Ausfahrten teilnehmen. Nur auf die Rennstrecke darf man mit dem Motorrad nicht.

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