Während des Zweiten Weltkriegs setzte die Wehrmacht eine Vielzahl von Motorrädern ein, die sowohl aus zivilen Beständen requiriert als auch speziell für militärische Zwecke entwickelt wurden. Es herrschte oft Mangel an Kraftfahrzeugen, weshalb zivile Modelle von Herstellern gekauft oder aus Privatbesitz beschlagnahmt wurden.
Beschaffung und Vielfalt
Grundsätzlich wurde alles gefahren, was noch einigermaßen lief. Egal ob DKW500, BMW, NSU oder eine kleine 98ccm Maschine. Fast jedes Motorrad bis Baujahr 1945 wurde von der Wehrmacht gefahren oder eingezogen. Man muss aber unterscheiden zwischen gefahren/eingezogen und gebaut für die Truppe.
Viele zivile Modelle wurden so belassen, wie man sie eingezogen hat. Es kamen Nummerschilder dran und schon waren es WH-Fahrzeuge. Diese kleineren Modelle z.B. NSU Quick oder 98ccm Motorräder wurden vorallem im Innland eingesetzt. Ganz vorne an der Front waren dann schon die richtigen Kräder, wie DKW 350, BMW R35 oder die bekannten BMW und Zündapp Gespanne.
Bekannte Modelle
Einige der bekanntesten Motorräder, die von der Wehrmacht eingesetzt wurden, umfassen:
- BMW R75: Besser bekannt als "Wehrmachtsgespann".
- Zündapp KS 750: Ein schweres geländegängiges Gespann mit zusätzlich angetriebenem Beiwagen.
- DKW RT 125: Ein kleineres Motorrad, welches für die WH gebaut wurde.
BMW im Zweiten Weltkrieg
BMW verschrieb sich als Lieferant von Flugmotoren für Kampfflugzeuge der deutschen Kriegswirtschaft. Dem musste sich die Produktion von Motorrädern unterordnen: Der Bau der sportlichen R 51 wurde bereits im Jahr 1940, die Fertigung aller übrigen Typen 1941 eingestellt. Motorräder von BMW waren allerdings bei Behörden beliebt, auch bei der Wehrmacht. Als leichte Kurier- und Ausbildungsmaschinen waren die Modelle R2, R4 und R 35 im Einsatz. Sie alle wurden in den 30er-Jahren entwickelt, genau wie die R 12. Diese wurde mit Beiwagen an die Wehrmacht geliefert.
Im Prinzip waren das alles zivile Serienmodelle, die mit geringen Modifikationen - wie Lackierung, anderen Schutzblechen oder größeren Halterungen für Gepäck - "kriegstauglich" angepasst wurden. Die deutsche Expansions- und Kriegspolitik erforderte ein Motorrad-Gespann, das auf verschiedensten Untergründen vorankommen konnte, von Schotter über Schlamm, Eis und Schnee bis hin zu Wüstensand. Es musste also unter extremen Bedingungen sowie Temperaturen funktionieren und dazu möglichst wartungsfreundlich aufgebaut sein.
Entwicklung des BMW R75 Wehrmachtsgespanns
Zündapp und BMW erhielten 1938, noch vor dem Krieg, einen entsprechenden Entwicklungsauftrag und arbeiteten eng zusammen. BMW nutzte zunächst die R 71 als Basis. Doch deren seitengesteuerter Motor machte bei längeren Fahrten im Geländeeinsatz mit niedrigen Tempi thermische Probleme. Als Antwort darauf entwickelte BMW einen komplett neuen Motor. Heraus kam die R 75, besser bekannt als "Wehrmachtsgespann". Es konnte bis zu drei Mann Besatzung samt Maschinengewehr tragen.
Technische Details des BMW R75
Sein 745-Kubik-Boxer leistete moderate 26 PS bei 4.000 Umdrehungen, drückte aber ein bulliges Drehmoment. Zudem kam der Quadrathuber (Bohrung wie Hub 78 Millimeter) durch seine niedrige Verdichtung von nur 5,8 zu eins selbst mit qualitativ schlechtem oder synthetisch erzeugtem Kraftstoff klar. Das Getriebe hielt vier Gänge für Straßenbetrieb und drei für den Einsatz im Gelände parat. Zudem gab es für beide Übersetzungen je einen Rückwärtsgang - wichtig beim Rangieren des bereits leer 400 bis 420 Kilogramm schweren Trumms (ohne Anhänger). Hinzu kamen rund 250 bis 270 Kilogramm Nutzlast.
Zum technischen Aushängeschild wurde das permanent angetriebene Beiwagenrad. Das dazu notwendige Differenzial besaß eine Sperre, um bei widrigen Bedingungen an Hinter- beziehungsweise Beiwagenrad das volle Drehmoment abgeben zu können. Auf der Straße schaffte dieser Büffel auf Rädern bis zu 95 km/h, der Verbrauch pendelte sich bei zirka 6,3 Liter, offroad eher bei 8,5 Liter je 100 Kilometer ein. So ermöglichte der 24-Liter-Tank einen Aktionsradius von etwa 280 bis 380 Kilometern.
Die widerstandsfähige Maschine mit dem ungepanzerten Beiboot verfügte über einen verschraubten, teilbaren Rahmen, um einen leichten Motor-Ausbau für Wartungsarbeiten zu ermöglichen. Die drei 4,5 Zoll breit bereiften 16-Zoll-Räder waren untereinander und zur Zündapp identisch. Innovativ: Die Trommelbremsen in Hinterrad und Beiwagenrad wurden hydraulisch betätigt! Der Luftfilter wurde in der laufenden Serie auf den Tank verlegt, um sich im Gelände nicht so schnell zuzusetzen.
Die Produktion lief 1941 in München an, wurde jedoch im Oktober 1942 komplett ins Werk nach Eisenach verlegt - in Bayern liefen nur noch Flugmotoren vom Band. Nach rund 18.000 Exemplaren wurde die R 75 im Jahr 1944 eingestellt; das Modell wurde vom billiger zu produzierenden VW Kübelwagen abgelöst.
Zündapp KS 750
Die Zündapp KS 750 ist ein schweres geländegängiges Gespann mit zusätzlich angetriebenem Beiwagen und war gemeinsam mit der BMW R 75 das fortschrittliches Motorrad seiner Zeit gewesen. Der Viertakt-Zweizylinder-Boxermotor mit hängenden Ventilen hat 751 ccm Hubraum und leistet 26 PS. Die Zündung erfolgt über Bosch- oder Noris Stabmagnetzünder und der Solex-Vergaser mit Kaltstarteinrichtung ist im oberen Teil des Kurbelgehäuses vollständig gekapselt untergebracht.
Der Tank fasst 23 Liter, womit ein Fahrbereich von 375 km möglich ist. Das Wechselgetriebe mit vier Vorwärts- und einem Rückwärtsgang hat eine zusätzliche Geländeübersetzung, was Geschwindigkeiten von nur 3 km/h bis zu 95 km/h ermöglicht. Bei Fahrten in schwierigem Gelände kann das Differential zum Beiwagen gesperrt werden. Der Rahmen besteht aus ovalen Rohrprofilen, die zu einem geschlossenen Kastenrohrrahmen einteilig in Dreickform verschweißt wurden und bei der Vorderradgabel sind die Federn mit Öldruckdämpfer vollständig gekapselt. Zahlreiche Bauteile waren mit der BMW R 75 vereinheitlicht und sind untereinander austauschbar.
Einsatz und Taktik
Beiwagenkräder wurden in erster Linie von den Kraftradschützen, kurz Kradschützen, verwendet. Für Melde- und Verbindungsaufgaben wurden in der Regel Solokräder eingesetzt. Kradschützen waren nur jene Soldaten, die in den Kradschützen-Bataillonen ihre schweren Beiwagenkräder als Gefechtsfahrzeuge führten. Kradfahrer in den Kradschützen-Bataillonen, die auf Solokrädern fuhren, waren keine Kradschützen. Sie gehörten zwar ebenfalls der Kradschützentruppe an, waren aber die Melder dieser Einheiten. Auch in den motorisierten Aufklärungsabteilungen waren Kradschützen in Kompaniestärke vorhanden.
Das Ende der Kradschützen
Ab 1942 war dann die große Zeit der Kräder vorbei. Die Kradschützen wurden nun vermehr mit VW-Kübelwagen und VW-Schwimmwagen ausgestattet. Diese waren deutlich billiger in der Herstellung, vielseitiger verwendbar und sie boten einen besseren Wetterschutz. Die Kradschützen erhielten in dieser Zeit auch ihr erstes wirkliches Gefechtsfahrzeug, den gepanzerte leichten Schützenpanzerwagen (Sd. Kfz. 250). Die Kradschützen-Bataillone wurden deshalb in Panzeraufklärungs-Abteilungen umgewandelt bzw. integriert. Kräder blieben aber bis Kriegsende zur Verbindung, für Meldefahrer und für viele andere Aufgaben unverzichtbar.
Weitere Wehrmachtsfahrzeuge
Neben den Motorrädern nutzte die Wehrmacht auch verschiedene Personenkraftwagen (Pkw) und andere Fahrzeuge:
- VW Kübelwagen: Auch »Kübel« bezeichnet.
- VW Schwimmwagen: Für Straße und Gewässer.
- Steyr 1500 A 4 x 4: Ein geländegängiger Wehrmachtspersonenwagen.
Tabelle: Technische Daten ausgewählter Motorräder der Wehrmacht
| Modell | Hubraum | Leistung | Höchstgeschwindigkeit | Bemerkungen |
|---|---|---|---|---|
| BMW R75 | 745 cm³ | 26 PS | 95 km/h | Wehrmachtsgespann, angetriebenes Beiwagenrad |
| Zündapp KS 750 | 751 cm³ | 26 PS | 95 km/h | Schweres geländegängiges Gespann, zuschaltbarer Beiwagenantrieb |
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