Motorrad für kleine Frauen unter 160 cm Körpergröße

Die Ausrede "Ich bin zu klein zum Motorradfahren" ist schon lange nicht mehr gerechtfertigt.

Möchte man ein neues Motorrad kaufen, lohnt es sich, in jeder Hinsicht genau hinzuschauen. So gilt es nicht nur, den passenden Maschinentyp zu finden, sondern es kommt auch darauf an, dass man die richtige Größe des Motorrads wählt.

Es wird klar: Ein absolut dringend zu beachtender Faktor für den Kauf eines Bikes ist die Körpergröße, beziehungsweise Sitzhöhe. Ist das Bike zu groß, harmoniert es nicht optimal mit den eigenen Körpermaßen. Das bedeutet unter anderem, dass der Komfort beim Fahren zu wünschen übriglässt. Zudem erhöht sich das Unfallrisiko erheblich, wenn das Motorrad nicht zum Körperbau passt.

Ist die Maschine zu klein, melden sich bald Rücken und Gelenke - ist sie indes zu groß, besteht die Gefahr, mit dem Bike umzukippen oder die Kontrolle zu verlieren. Ist das Gewicht des Motorrades zu hoch, führt das zu einem unsicheren Fahrgefühl. So ist es zum Beispiel bei einem Körpergewicht von etwa 60 kg nicht empfehlenswert, ein 500 kg schweres Motorrad zu kaufen. Schon das Schieben der Maschine würde sich in diesem Fall als äußerst herausfordernd herausstellen und könnte gefährlich werden.

Die Angaben der Sitzhöhe sind leider nur die halbe Wahrheit. Sie zeigen zwar, wie hoch oder niedrig die Sitzbank positioniert ist, doch bedeutet das nicht sofort einen sicheren Stand. Auch die Breite der Sitzbank entscheidet, wie lange die Schrittbogenlänge sein muss.

Zur Erklärung: Enduros wie die GASGAS ES 700 können zwar eine Sitzhöhe von 935 mm haben, aber dennoch für kleine Piloten fahrbar sein. Die Sitzbank ist schmal, weshalb die Beine relativ senkrecht sind. Cruiser und Roller mit niedriger Sitzbank bieten hingegen oft eine breite Sitzfläche für hohen Komfort.

Die richtige Sitzhöhe finden

Sie können die Suche nach einem Motorrad, das Ihrer Körpergröße besonders gut entspricht, mit einem Kniff vereinfachen. Messen Sie dafür den Abstand von Ihrer Fußsohle bis nach oben zu Ihrem Schritt aus. Somit ergibt sich die Sitzhöhe. Nehmen Sie die Messung zunächst ohne Schuhe vor.

Eine Tabelle wie diese sollte ausschließlich als ungefährer Anhaltspunkt dienen, wie die Erfahrung zeigt. Doch Vorsicht: Selbst, wenn die Sitzhöhe eines Motorrads laut Tabelle zu den eigenen Maßen passt, können andere Faktoren die Maschine trotzdem als unpassend ausschließen. Ist der Sitz beispielsweise sehr breit und vielleicht auch etwas kantig, kann dies die Strecke vom Sitz bis zum Boden verlängern - und sich zudem als unbequem erweisen.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass viele Motorradfahrer in erster Linie das Design und die Bauweise der Maschine im Fokus haben: Wenn sich bei der Testfahrt ein Gefühl der Unsicherheit bemerkbar macht, wird dieses Empfinden mitunter bagatellisiert oder heruntergespielt. So setzen viele Käufer voraus, dass sie zunächst lediglich eine Gewöhnungsphase überstehen müssen. Experten sind sich allerdings einig, dass dies nur in den seltensten Fällen zutrifft. Vielmehr sollte sich der Fahrer von Anfang an wohlfühlen, wenn er auf der Maschine sitzt.

Anpassungen und Modifikationen

Anpassungen sind in gewissem Umfang möglich, beispielsweise das Auf- oder Abpolstern eines Motorrads. Manche Hersteller haben zudem weitere Sitzbänke oder Kits für die Tieferlegung im Angebot. Natürlich sollten Änderungen dieser Art unbedingt von einem Profi vorgenommen werden. In der Werkstatt wird man Sie auf die Folgen einer Tieferlegung des Motorrads aufmerksam machen - von der Kürzung des Seitenständers über die Neuausrichtung des Abblendlichts bis auf das leicht veränderte Fahrverhalten in der Schräglage.

Generell können bei Motorrädern auch Lenker und Fußrasten sowie andere Teile, welche die Sitz- und Fahrergonomie beeinflussen, angepasst werden. Auch hier lohnt sich die Beratung in einer Fachwerkstatt oder im Fachhandel.

Wer das Tieferlegen seines Motorrads scheut oder wem das noch nicht ausreicht, kann aufatmen, denn mittlerweile gibt es zahlreiche Motorradstiefel und -schuhe, mit denen sich einige fehlende Zentimeter gut ausgleichen lassen.

Empfehlenswerte Motorradtypen und Modelle

Im Modelljahr 2024 gibt es eine gewaltige Vielfalt an Motorrädern mit niedriger Sitzhöhe - und nicht nur Cruiser! Der Führerschein mag sich vielleicht verändern und die Möglichkeiten an Leistungsklassen wachsen - die eigene Körpergröße macht aber leider selten.

Leichte Tourer, Supermotos oder so genannte „Naked Bikes“ zeichnen sich durch ihre vergleichsweise einfache und recht kompakte Bauweise aus. Darüber hinaus verfügen sie meist über einen breiten Lenker und ermöglichen eine aufrechte Sitzposition.

Für Anfänger ist es nicht ratsam, sich für eine schwere Maschine zu entscheiden. Stattdessen hilft ein leichtes Modell dabei, ein Gespür für das Motorradfahren über längere Strecken zu entwickeln. Auch für das richtige Motorradgewicht gilt demnach die Probefahrt als guter Test.

Egal ob USA, Europa oder Japan: Cruiser sind die offensichtlichste Möglichkeit, auf niedrige Sitzhöhe aufzusteigen. Man muss aber auch mit offenem Führerschein nicht gezwungenermaßen zu einem Cruiser greifen. Klassische Tourer punkten zwar mit niedriger Sitzhöhe, es darf aber nicht ihre Sitzbreite, sowie ihr Gewicht vergessen werden. Somit kommt man zwar vielleicht zum Boden, doch Rangieren wird zu einer Qual.

Beliebte Modelle mit niedriger Sitzhöhe:

  • Honda Monkey 125 / MSX 125 / DAX 125: Bieten niedrige Sitzhöhen von 775 mm (Monkey und Dax) bzw. 761 mm (MSX 125).
  • UM Renegade 125: Cruiser mit einer Sitzhöhe von bis zu 730 mm.
  • Hyosung GV125S Aquila: Bietet eine Sitzhöhe von nur 710 mm.
  • Honda PCX 125: Roller mit einer niedrigen Sitzhöhe von 764 mm.
  • Yamaha NMAX 125: Roller mit einer Sitzhöhe von nur 765 mm.
  • Suzuki GSX-S 125: Naked Bike mit einer Sitzhöhe von 785 mm.
  • Honda CB125F: Bietet einen niedrigen Sattel von 790 mm.
  • Suzuki GSX-R 125: Supersportler mit einer Sitzhöhe von 785 mm.
  • Honda CMX500 Rebel: Cruiser mit einer sehr niedrigen Sitzhöhe von 690 mm.
  • Kawasaki Eliminator 500: Bietet einen niedrigen Sattel von 735 mm Höhe.
  • Yamaha R3: Supersportler mit einer niedrigen Sitzhöhe von 780 mm.
  • CFMOTO 300 SR: Bietet eine Sitzhöhe von 780 mm.
  • Honda CBR500R und Kawasaki Ninja 500: Supersportler mit jeweils 785 mm Sitzhöhe.
  • Suzuki Burgman 400: Rollerklassiker mit einer niedrigen Sitzhöhe von 755 mm.
  • BMW C 400 GT und C 400 X: Roller mit einer Sitzhöhe von 775 mm.
  • BMW R12: mit ihrer niedrigen Sitzhöhe von nur 754 mm.
  • Triumph Speed Twin 900 mit 765 mm.
  • Kawasaki W800 mit 770 mm über dem Boden - alles Modelle im Retro Segment.

Probefahrt und Ergonomie

Probesitzen und Probefahren sind vor dem Kauf eines Motorrads deshalb unerlässlich. Auch das Schieben des Bikes sollte getestet werden. Nachspüren: Sitzt es sich bequem? Probefahrt machen: Wie sicher fühlt sich das Anhalten an der Ampel an? Wie gut funktionieren Auf- und Absteigen? Für das richtige Motorradgewicht gilt demnach die Probefahrt als guter Test.

Viele Einsteigerinnen und Einsteiger wissen das nicht, bevor sie nicht das erste professionelle Fahrtraining hinter sich haben: Ob ein Motorrad von der Größe her zu einem passt, entscheidet neben der Sitzhöhe auch die Sitzergonomie. Kann ich mehrere hundert Kilometer auf dem Motorrad sitzen, ohne mich auf dem Lenker abzustützen? Wer sich nämlich beim Kurvenfahren abstützen muss, verkrampft schnell und wird dadurch langsamer.

Deshalb beim Probesitzen und Probefahren: auf den Kippwinkel achten. Wie ist der Winkel von Oberschenkel und Oberkörper? Sind die Oberarme entspannt? Oder muss ich mich per Bauch- und Rückenmuskulatur davon abhalten, mich auf dem Lenker abzustützen?

Die Sitzhöhenangabe ist für kleine Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer ein wichtiger erster Richtwert, der zur Orientierung dient. Fast alle Hersteller geben die Sitzhöhe ihrer Modelle deshalb an. Am Ende ausschlaggebend ist aber die Schrittbogenlänge. Im Motorradkontext beschreibt die Schrittbogenlänge den tatsächlich zurückgelegten Weg entlang einer Kurvenbahn. Hier spielt also mit hinein, wie breit das Motorrad in der Mitte baut, wie die Sitzbank geformt ist und wo die Fußrasten platziert sind. Deshalb ist es für kleine Personen umso wichtiger, sich nicht nur auf die Sitzhöhenangabe zu verlassen, sondern unbedingt Probe zu sitzen.

Checkliste vor dem Kauf

  • Probesitzen und Probefahren: Unverzichtbar, um Komfort und Handling zu testen.
  • Schrittbogenlänge beachten: Wichtiger als die reine Sitzhöhe.
  • Gewicht des Motorrads: Für Anfänger sind leichtere Modelle empfehlenswert.
  • Anpassungsmöglichkeiten prüfen: Tieferlegung, Sitzbankänderungen, etc.
  • Sitzergonomie: Auf entspannte Sitzposition achten.
Empfehlenswerte Modelle für kleine Fahrerinnen
Hersteller Modell Gewicht (kg) Sitzhöhe (mm)
Kawasaki Z650 188 790
Yamaha MT-07 184 805
Honda CMX 500 Rebel 191 690
Suzuki SV650 200 785
Kawasaki Z900 210 820
KTM 390 Duke 149 830
Honda Monkey 125 - 775
Hyosung GV125S Aquila - 710

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