Das Jubiläumsjahr 2023 begann für BMW mit einem Rekord: 202.895 Motorräder und Roller hat die Münchner Marke im vergangenen Jahr ausgeliefert - so viele wie noch nie in der exakt hundertjährigen Unternehmensgeschichte. Und anders als bei den Automobilen, wo für viele Hersteller inzwischen China der größte Absatzmarkt ist, gab es für BMW Motorrad einmal mehr auf dem Heimatmarkt Deutschland das beste Ergebnis: 24.129 Verkäufe standen zu Buche. Der Höhenflug dürfte 2023 weitergehen, denn zum Jubiläum werden ein paar besondere BMW-Bike Highlights erwartet.
Es gehört viel gestalterisches Feingefühl dazu, aus zwei Zylindern eine Legende zu formen - genau das gelang BMW, der deutschen Edelschmiede. Seit 1923 im Motorradbau tätig, entstanden vor allem in den Jahren nach 1945 Motorräder, die Geschichte schrieben. Mit seinem vielfältigen Produktportfolio steht BMW heute mehr denn je für eine einzigartige Erfolgsstory mit Stück- und Absatzzahlen, die eigentlich nur eine Richtung kennen: steil nach oben.
Die Anfänge: BMW R 32
In lediglich vier Wochen, so die Legende, konstruierte Max Friz, Ingenieur beim damaligen Flugmotorenhersteller BMW, das erste Motorrad des Unternehmens: die R 32. Ein schlankes Zweirad mit Zweizylinder-Boxermotor und Kardanwelle anstatt des üblichen Kettenantriebs. Beleuchtung, Hupe, Tacho und Soziussitz wurden ebenfalls angeboten, allerdings als Extras. Bei Renneinsätzen holte die BMW R 32 mehrere Siege, rasch galt die Maschine als zuverlässig, schnell und wartungsarm.
Dieses Bike beeinflusste die Motorradtechnik bei BMW für die nächsten Jahrzehnte.
Die Sportliche: BMW R 68
Die komplett neu entwickelte Sportmaschine mit 500-Kubik-Motor und einer Leistung von 24 PS war mit einem Rahmen aus elektrisch verschweißten Ovalrohren, einer Teleskopgabel und erstmals überhaupt mit einer Fußschaltung ausgestattet. Die Fahreigenschaften waren für die damalige Zeit phänomenal, die Höchstgeschwindigkeit lag bei 135 km/h. Doch die R 68 setzte abermals technische Maßstäbe, und sie war zudem der erste „100-Meilen-Renner“ von BMW, also die erste Maschine, die eine Geschwindigkeit von gut 160 km/h erreichte.
3.950 Mark kostete dieses Luxus-Sportmotorad bei seiner Premiere im Jahr 1952 - das war eine Menge Geld im Nachkriegsdeutschland. Ein Bestseller wurde die Maschine daher nicht, lediglich 1452 Exemplare wurden gebaut.
Das schnellste Serienmotorrad: BMW R 69 S
Das Wirtschaftswunder hatte Deutschland zum Blühen gebracht, immer mehr Menschen konnten sich ein Auto leisten. Für die heimische Motorradindustrie war das ein massives Problem. Und BMW setzte ein Zeichen! Die Münchner stellten die R 69 S vor, mit 175 km/h das damals schnellste deutsche Serienmotorrad. Eine Doppelsitzbank war serienmäßig, und zudem gab es die Maschine auch mit einer eleganten, bis dahin nur für Behördenmodelle reservierten, weißen Lackierung.
Design-Ikone: BMW R 90 S
Wieder so ein Knaller von BMW: 1973 stellten die Marke die R 90 S vor, ein neues Spitzenmodell. Einerseits gehörte die Maschine mit 200 km/h Toptempo zu den schnellsten Serienmotorrädern der Welt, andererseits wurde erstmals ein BMW-Bike von einem Designer gestaltet. Hans Muth schuf für die R 90 S die weltweit erste, am Lenker fest montierte Cockpitverkleidung. Und als besonderes Extra gab es ab 1975 auch die hinreißende Lackierung „Daytona-Orange metallic“.
Die erste Reiseenduro: BMW R 80 G/S
Diese Maschine war die erste Enduro mit Mehrzylindermotor und das erste BMW-Bike mit Einarmschwinge. Der Zweizylinder-Boxer leistete 50 PS, und BMW gewann mit dem Feger die Rallye Paris-Dakar in den Jahren 1981, 1983, 1984 und 1985. Dieses Motorrad begründete den Mythos der robusten, zuverlässigen und kaum zu stoppenden Reiseenduros von BMW.
Aerodynamik-Pionier: BMW K1
Dieses Bike sorgte bei seiner Premiere für heftige Diskussionen. Noch nie zuvor hatte ein Serienmotorrad eine aerodynamisch derart ausgefeilte Karosserie getragen wie die K1. Das Vorderrad war umfassend verkleidet, es folgte eine Vollverkleidung für den Fahrerplatz und auch am Heck gab es etliche Karosserieteile. Der cW-Wert, der den Luftwiderstand klassifiziert, lag bei bis dahin unerreichten 0,36.
Die hubraumstärkste Reiseenduro: BMW R 100 GS Paris Dakar
Das Basismodell R 100 GS debütierte bereits 1987 als „hubraumstärkste Reiseenduro“ der Welt mit einem 980-Kubik-Zweizylinder-Boxermotor. Drei Jahre später dann kam die Variante „Paris Dakar“ auf den Markt.
Moderne Reiseenduro: BMW R 1200 GS
Diese völlig neu entwickelte Reiseenduro wurde 2012 auf der Zweiradmesse Intermot in Köln vorgestellt und ab dem folgenden Jahr verkauft. Charakteristisch an der Maschine ist der wie ein Schnabel weit nach vorn ragende Kotflügel für das Vorderrad. Der 1200-Kubik- Motor leistet 125 PS. Zur Ausstattung gehören unter anderem eine elektronische Fahrwerksanpassung, ABS und eine automatische Stabilitätskontrolle. Außerdem sind für die Maschine auch LED-Scheinwerfer verfügbar.
Jubiläumsmodelle: BMW R nineT und R 18 "100 Years"
Für das Jubiläumsjahr hat BMW zwei Editionsmodelle „100 Years“ aufgelegt, den Roadster R nineT und den Cruiser R 18. Beide Modelle sind auf jeweils 1923 Exemplare limitiert. Klassische Elemente wie das Zusammenspiel von verchromten und lackierten Oberflächen, weiße Doppellinien am Tank und Vorderradabdeckung sowie eine zweifarbige Sitzbank prägen den Look beider Maschinen. Dazu gibt es für die Editionsmodelle etliche Extras schon ab Werk, etwa adaptives Kurvenlicht sowie beheizbare Lenkergriffe.
Beide Modelle werden im BMW Motorradwerk in Berlin-Spandau produziert, wo seit 1949 Motorradteile und seit 1969 die Komplettmontage von BMW-Bikes stattfindet.
Technische Meilensteine in der BMW Motorrad Geschichte
| Jahr | Innovation |
|---|---|
| 1950 | Gemeinsamer Ölkreislauf für beide Zylinder, schräg montierte Vergaser und verrippte Ventildeckel für BMW R 51/2. |
| 1955 | Neues Dreiwellengetriebe und Kardanwelle mit nunmehr vorn angeordnetem Kreuzgelenk. |
| 1969 | Gleichdruck-Vergaser und E-Starter für BMW R 75/5. Neukonstruktion des Boxers für die Baureihe /5 mit unterhalb von Kurbelwelle und Zylinder platzierter Nockenwelle und Stößelstangen. Comeback der Teleskopgabel. |
| 1973 | Die R 90 ist das weltweit erste Großserienmotorrad mit lenkerfest montierter Verkleidung. |
| 1988 | Einführung von Vierventil-Technik, DOHC-Zylinderkopf und der weltweit ersten digitalen Motorelektronik für Motorräder im Vierzylinder-Motor. |
| 1993 | Einführung des Vierventil-Boxers mit Saugrohr-Einspritzung und Dreiwege-Katalysator. |
| 2004 | In der BMW K 1200 S debütiert der neue, nun quer eingebaute Vierzylinder. |
| 2007 | Die BMW HP 2 Sport ist bis dato stärkster Serien-Boxer mit 133 PS. |
| 2009 | Der kurzhubige Vierzylinder-Motor der BMW S 1000 RR leistet 193 PS. |
| 2012 | Die jüngste Generation des BMW Boxer-Motors erhält eine Luft-/Flüssigkeitskühlung. Das Getriebe ist jetzt in den Motorblock integriert. |
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