Die Harley-Davidson FXR: Ein revolutionäres Motorrad

Zum Start der Harley-Davidson FXR haute die Company ordentlich auf die Pauke: »Dieses Jahr führen wir erneut ein revolutionäres Motorrad ein. Die FXRS Super Glide II. Ein rundherum innovatives Design macht die FXRS zu einem der handlichsten Motorräder, die wir jemals gebaut haben. Die FXRS ist sauber und einfach aufgebaut, sie ist technisch nicht überladen.

Wenn Harley-Davidson in einem Punkt schon immer stark war, dann in der Selbstvermarktung. Das obige Zitat stammt aus einem Werbetext zur Einführung von Harleys neuer Modellreihe, der FXR.

Dabei lag gerade einmal etwas mehr als ein Jahrzehnt zwischen der Entwicklung der beiden Modelle und trotzdem schien es, als würde sich die Geschichte wiederholen. Wie schon beim Vorgängermodell der FX Superglide, dem kongenialen Entwurf von Willie G. Grund dafür waren, mal wieder, japanische Motorräder, die mit ihren Reihenvierzylindern und guten Fahrwerken genau das lieferten, was den amerikanischen Bikes fehlte: Handling und Performance.

Mit der FX hatte man in der Vergangenheit die Lücke zwischen den großen Tourern und den agileren Sportstern schließen können, doch irgendwie herrschte auch Stillstand. Um sich weiteren Verlusten entgegenzustemmen, wurde mit der Entwicklung der FXR begonnen. Man übernahm also den Modellcode der FX, der für »Factory Experimental« satnd, und ergänzte ihn um ein »R«.

Den Auftrag erhielt ein relativ junges Ingenieurs- und Designteam, das von Steve Pertsch angeführt wurde und aus Eric Buell, Bill Brown, Rit Booth, Rob LeRoy und vielen anderen bestand. Gerade weil das Team so jung und enthusiastisch vor allem aber sportlich orientiert war. Also konstruierten sie einen neuen Rahmen, der fünfmal steifer war als der der FX-Modelle. Batterie und Öltank wanderten unter den Sitz und dem Fahrwerk wurde viel Aufmerksamkeit geschenkt. Schließlich war das Teil der DNA, die Harley unter anderem bis heute auszeichnet und das Markenzeichen geworden ist.

Im Jahr 1981 war die Entwicklung abgeschlossen, die FXR Super Glide II, in Anlehnung an die FX Superglide, und die FXRS wurden als die neuen 1982er Modelle präsentiert. Sie vereinte die Performance des drehmomentstarken Big Twins mit einem wirklich guten Handling. Sie verurteilten das Fahrgefühl, das einige mehr an Hondas oder Yamahas erinnerte. Vorbei die Zeiten von schleifenden Fußrasten und funkenschlagenden Primärkästen. Wobei Harley-Davidson »Sport« immer noch anders definiert, als es Fahrer japanischer Bikes gewohnt sein mögen. Den Verkaufszahlen tat das allerdings keinen Abbruch.

Waren die ersten FXR-Modelle noch mit dem Shovelhead-Motor ausgestattet, so hielt ab 1984 der in Zusammenarbeit mit Porsche entwickelte Evolution-Motor Einzug. Mit dem Evo erreichten die FXR-Modelle die nächste Entwicklungsstufe.

Die Geschichte der FXR als Massenmodell endet schließlich im Jahr 1994 nach rund zwölf Jahren Bauzeit. Es war ein schleichendes Ende, das mit der Entwicklung der FXD, der Dyna, seinen Anfang nahm.

Modellvarianten der FXR

  • 1982 - Das Standardmodell FXR Super Glide II wird in den Markt eingeführt
  • 1984 - das kompakte, hintere Gussscheibenrad gab der FXRDG Disc Glide ihren Name
  • Ein Jahr später erschien die FXRC Low Glide Custom Limited Edition mit einer braunen Kunstledersitzbank
  • Die FXRT Sport Glide (in der Standardausführung) wurde immerhin acht Jahre lang gebaut, bevor sie 1992 in den Ruhestand geschickt wurde
  • FXRS Convertible von 1993 mit abnehmbarer Frontscheibe
  • FXRS-SP mit kleinen Modifikationen wie Lachgaseinspritzung

Die Fahrwerke wurden tiefergelegt, es gab Tourenkoffer, Windschilde sowie Halbschalenverkleidungen. Immerhin konnten Käufer gegen Aufpreis die FXR wieder ursprünglicher werden lassen, indem sie ein Sportpaket orderten.

In jenem Jahr erschien auch ein besonders stilprägendes Bike, die FXRP Sport Glide Police, die allerdings nur in den Staaten verkauft wurde. 1984 stattete Harley-Davidson große Teile der Motorradpolizei mit der FXRP aus, die den Zusatz »Police Bike« bekam, allerdings nur für die Staaten.

Auch wenn die Nova nie in Serie ging und letztlich als Versuchsträger das Potenzial einer Reisemaschine ausloten sollte, so übernahmen die Ingenieure für die FXR-Baureihe immerhin die Frontverkleidung, die künftig an der FXRT Sport Glide sowie den Police-Bikes zum Einsatz kam

Als CVO-Sondermodell erlebt die FXR ein kurzfristiges Revival. In seinem Werbeprospekt bezeichnet Harley-Davidson die erste FXR als »Motorrad mit einer Mission«, die sich bis heute nicht geändert hat. Es war gleichzeitig der Startschuss für ein neues Programm, das unter der Bezeichnung »Custom Vehicles Operation« oder kurz CVO, fortan für teure und spezielle Sondermodelle der Company stehen sollte. Dabei waren die ersten CVO-Modelle (im Bild die FXR3) letztlich auch nur Versuchsballons, um herauszufinden, ob teures Werkscustomizing bei der zahlungskräftigen Kundschaft Zuspruch finden würde.

1981 - Nova-Attrappe: Dieser Tourer wurde lediglich als Anschauungsmodell gebaut. Der wassergekühlte V4-Motor für die Nova entstand in einer technischen Zusammenarbeit mit Porsche. Insbesondere im Bereich des Motors und des Antriebs bestand die Attrappe tatsächlich aus Holz. Markant sind aber vor allem Frontverkleidung und Koffer. Für die Gestaltung verbrachte das Modell zahlreiche Stunden im Windkanal.

Wer fuhr in den USA FXR? Klar, die Bullen und die Rocker. Hells-Angels-Gründer Sonny Barger und sein Club machten früh den Anfang, die Fernsehserie »Sons of Anarchy« begründete den »Clubstyle« neu - als Basis der neuen Stilrichtung dienen fast ausschließlich Dynas und eben FXRs.

Dass seit wenigen Jahren ein kleiner Hype um die FXR-Modelle entfacht wird, mag Harleys bestem Motorrad zur Ehre gereichen, denn die FXR wurde jahrelang kaum beachtet. Eine Liebeserklärung an die Dicke. Auf dem Gebrauchtmarkt sind FXRs leider rar gesät, obwohl ihre produzierten Stückzahlen nicht unerheblich waren.

Factorize, don’t customize: Marco Sailer entschied sich nach dem Kauf seiner FXRT bewusst für einen weitgehenden Originalzustand. »Gerade weil diese Harley so anders ist als alle anderen wollte ich sie ja haben. Zu viel Customizing war mir da nix, dafür taugen andere Harley-Modelle besser«, erklärt der Mannheimer. Es gab zwar auch Versuche eine FLT abzuspecken, doch unterm Strich blieb ein Tourer ohne Koffer und Verkleidung einfach nur merkwürdig.

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