Jeder Biker möchte nicht nur unbeschwert Motorrad fahren, sondern dabei auch noch gesund und unversehrt sein Ziel erreichen. Dabei helfen die Fahrtipps der ADAC Experten. Entwickeln Sie persönliche Strategien, um besser Motorrad zu fahren.
Vorbereitung für eine sichere Fahrt
Mensch und Motorrad - beide müssen fit sein. Halten Sie sich körperlich mit Sportarten fit, die Ausdauer und Schnelligkeit trainieren. Dann sind auch lange Ausfahrten kein Problem. Je nach Wetter und Fahrweise: gesund und ausgewogen essen, viel trinken (Mineralwasser, Saftschorlen).
Die Technik des Motorrads muss zu 100 Prozent funktionieren: Bremsanlage, Reifen, Feder-Dämpfer-Elemente, Fahrwerklager (Schwingen-, Lenkkopf-, Radlager), Beleuchtungsanlage, Antrieb (z.B. Kette) und Motor sollten in optimalem Zustand sein.
Stellen Sie alle Bedienelemente passend ein, dazu zählen Hand- und Fußhebel, Lenker und ggf. Sitzbankhöhe.
Die richtige Ausrüstung
- separater Rückenprotektor
- Eine Jacke mit großflächigen Protektoren an Schulter, Ellenbogen/Unterarm, Rücken
- Eine (Leder-)Hose mit Protektoren an Hüfte und Knie/Unterschenkel
Tourenfahrer kombinieren gern Textiljacken und Lederhosen. Endurofahrer bevorzugen zudem Cross-Stiefel. Sie schützen die gefährdeten Unterschenkel und Füße am besten.
Testen Sie zu Beginn jeder Fahrt die Bremsen. Dies gilt besonders nach längerer Standpause der Maschine. Beseitigen Sie eventuelle Mängel sofort. Achten Sie darauf, dass das Abblendlicht beim Fahren immer brennt!
Besser Motorrad fahren: So gelingt's
Aufwärmen
Motorradfahren ist Sport, und Sport braucht eine Aufwärmphase. Fahren Sie sich und das Motorrad deshalb zu jedem Fahrtbeginn "warm". Je seltener Sie fahren, desto länger dauert diese Warmlaufphase.
Selbst wenn man Motorradfahren ebenso wenig verlernt wie Fahrradfahren: Üben Sie die Bewegungs- und Bedienungsabläufe konzentriert und in Ruhe ein. Auch die Reifen benötigen eine Mindesttemperatur. Bleiben Sie positiv lernfähig. Schätzen Sie Ihr Können und das der anderen jeden Tag aufs Neue realistisch ein und sammeln Sie ständig und bewusst neue Erfahrungen. Nehmen Sie dabei aber auch Seele und Körper mit, sonst bleibt der Spaß auf der Strecke.
Verbessern Sie Ihre Fähigkeiten auf dem Motorrad vor allem durch ständige bewusste Wahrnehmung und die Anwendung des Gelernten. Dies gilt besonders, wenn Sie nur gelegentlich Motorrad fahren. Als Basisausbildung hilft ein fundiertes Sicherheitstraining. So erfahren Sie, wo Ihre Schwächen und Grenzen liegen.
Volle Konzentration
Wenn Sie Motorrad fahren, fahren Sie nur Motorrad. Lassen Sie keine Ablenkungen und Störungen zu. Zum Fotografieren, Programmieren des Navigationssystems oder fürs Studium der Landkarte halten Sie an einem sicheren Platz.
Gesammelte Sitzhaltung
Achten Sie auf eine entspannte und gesammelte Sitzhaltung, besonders wenn es zur Sache geht. Die Füße bleiben (möglichst) immer auf den Fußrasten. Wer entspannt eine gute Verbindung zu seinem Untersatz hat, muss sich bei schneller Reaktion nicht erst sortieren, um das Beste aus der Situation herauszuholen.
Auf Signale des Körpers achten
Fahren Sie so zügig, dass Sie immer noch entspannt und ausreichend konzentriert bleiben bzw. bleiben können. Bei höheren Geschwindigkeiten muss das Konzentrationslevel steigen. Auf schwierige Ereignisse können Sie meist nur dann schnell und angemessen reagieren, wenn Sie nicht nur konzentriert, sondern dabei auch weitgehend entspannt sind.
Die Anspannung und die Reaktionen Ihres Körpers sind ein guter Gradmesser für die körperliche und mentale Beanspruchung beim Fahren. Achten Sie also auf entsprechende körperliche Signale wie einen angespannten Schulter-/Nackenbereich oder zusammengepresste Zähne. Entspannte Konzentration ermöglicht höhere Ausdauer. Aber auch langsames "Herumschleichen" ohne wirkliche Anforderungen kann die Konzentration abebben lassen. Machen Sie in solchen Phasen ruhig eine Pause.
Bremsen, bremsen, bremsen
Überwinden Sie die Angst vor dem Bremsen, trainieren Sie es bis zum Maximum. Eine Voll- oder Notbremsung mit dem Motorrad in einer kritischen Verkehrssituation gehört zu den schwierigsten Aufgaben, die beim ersten Versuch perfekt gelingen muss. Deswegen kann das Bremsen auch aus hohen Geschwindigkeiten nicht häufig genug geübt werden. Übrigens: Es erhöht den Fahrspaß, die Bremsen auch in Schrecksituationen gewohnheitsgemäß professionell bedienen zu können.
Tipps für das Kurvenfahren
Blickführung
Trainieren Sie die spezielle Blickführung für Kurvenfahrt:
- Einlenkpunkt
- Scheitelpunkt
- Kurvenausgang
- weiterer Straßenverlauf
Ganz gleich auf welcher Maschine: Bei zügiger Kurvenfahrt kommt auf dem Motorrad so richtig Freude auf. Für einen flüssigen Ablauf der Fahrt ist die kontinuierliche Blickführung entscheidend. Trainieren Sie den schnellen und ausgeprägten Schräglagenwechsel. Die schräge Kurvenfahrt hat für Motorradfahrer etwas Faszinierendes, löst bei manchen Bikern ab einem gewissen Level allerdings auch Unbehagen aus.
In schwierigen Situationen wird dann nur ein Teil der physikalischen Möglichkeiten genutzt. Es werden zu große Kurvenradien gefahren, obwohl kleinere möglich gewesen wären. Viele Biker wissen nicht, dass je nach Maschinentyp und Lenkerbreite bei mittleren und höheren Geschwindigkeiten für einen schnellen Richtungs- und Schräglagenwechsel entschlossene und kräftige Lenkimpulse erforderlich sind.
Mit diesem Thema kann sich der Motorradfahrer hervorragend bei einem Sicherheits- und Rennstreckentraining im sogenannten Kreisel vertraut machen. Das Training sollte nicht dazu führen, dass Sie in öffentlichen Straßenkurven immer auf der letzten Rille fahren. Sonst ist der hinzugewonnene persönliche Handlungsspielraum wieder voll ausgeschöpft und kein Sicherheitsgewinn entstanden.
Zusammenspiel der Komponenten
In Schräglage hält die Physik für den Motorradfahrer einige Überraschungen bereit, die gefährlich werden, wenn die Komponenten falsch bedient werden. Trainieren Sie deshalb das Zusammenspiel von Gas, Kupplung, Vorderrad- und Hinterradbremse bei zügiger Kurvenfahrt und in Schräglage.
Eigener Fahrstil
Vorrangig bei sportlichen Gruppenfahrten auf anspruchsvollen Kurvenstrecken oder auf Straßen mit hohem Verkehrsaufkommen kann sich eine besondere Gruppendynamik entwickeln, in der die Gangart der Vorausfahrenden sich sukzessive beschleunigt. Wer weiter hinten in der Gruppe fährt, müsste bei dem Versuch, den Anschluss zu halten, über seine und allgemein gültige Grenzen hinausgehen. Wer in dieser Situation rechtzeitig erkennt, wo vernünftige Grenzen liegen, kommt zwar später an, ist aber der eigentliche Sieger. Lassen Sie sich also nicht zu Aktionen provozieren, die nicht zu Ihnen und Ihrem Fahrstil passen. Jeder ist für sich und sein Tun verantwortlich.
Flow
Auch wenn das Adrenalin auf anspruchsvoller (Kurven-)Strecke den Körper pusht und Sie in den Flow kommen, dürfen Sie nicht alles um sich herum vergessen.
Achten Sie auch auf kleine Fehler, die Ihnen unterlaufen. Bewerten Sie Ihre aktuelle Konzentration und Kondition. Und legen Sie lieber eine Extrapause ein.
Mentales Training
Jeder Motorradfahrer kennt diese Situation: Aus dem entspannten Fahren heraus wird die Verkehrs- und Risikosituation schlagartig brenzlig. Meist werden Bremse und Kupplung betätigt und ansonsten nur abgewartet.
Doch Sie können solche Situationen auch mental trainieren. Spielen Sie in vergleichsweise harmlosen Verkehrs- und Fahrsituationen im Geiste durch, welche Möglichkeiten Sie in einer tatsächlich schwierigen Situation gehabt hätten. Geben Sie nicht zu schnell auf.
Trickkiste der Physik
Beschäftigen Sie sich mit der Fahrphysik des Motorrads und setzen Sie abseits des öffentlichen Verkehrs das neue Verständnis spielerisch um, etwa in einem Motorrad-Sicherheitstraining.
So wie die Physik unliebsame Überraschungen für den Motorradfahrer bereithält, so kann sie auch trick- und segensreich eingesetzt werden. Beispiel gefällig? Wohin man schaut, dorthin fährt man auch. Außerdem können Sie Gefahren durch einen weitreichenden Blick früher erkennen. Vorausschauendes Fahren gibt Ihnen immer auch Gelassenheit im Zeit- und Bewegungsablauf.
Schauen Sie so weit wie möglich nach vorn, ohne die Details direkt vor Ihnen zu übersehen. Lassen Sie sich von Ihrem Blick leiten. Beobachten Sie gut, nutzen Sie alle wichtigen Hinweise im Verkehrsgeschehen und auf der Straße, bleiben Sie im Zweifel misstrauisch.
Unfallvermeidung hat höchste Priorität
Für Motorradfahrer sollte immer die Unfallvermeidung an erster Stelle stehen. Die Fragen des Vorrechtes und der Fehler eines anderen spielen eine untergeordnete Rolle. Verzichten Sie deshalb auch auf mögliche Vorrechte. Die Vermeidung von Konflikten und Unfällen hat absoluten Vorrang. Versuchen Sie keine Fahrmanöver mit der Brechstange.
Situations-Scan
Besonders im dichten Verkehr und bei Gruppenfahrten ist die Position anderer Verkehrsteilnehmer für geplante Fahrmanöver entscheidend. Hier gilt es, den Überblick zu bewahren. Überwachen und erahnen Sie so oft und so gut es geht die Beschaffenheit der Straße sowie den Verkehr um sich herum, auch wenn kein Spur- und Richtungswechsel ansteht.
Vorstellungskraft
Wenn der Blick auf den nächsten Strecken- und Verkehrsbereich versperrt ist, kann es helfen, sich eine realitätsnahe Vorstellung von dem zu machen, was auf einen zukommen könnte. Die Reaktionszeiten und die Anpassung an die realen Gegebenheiten verkürzen sich damit.
Erwarten Sie stets das Unerwartete. Je weniger Sie sehen, desto wichtiger wird Ihre Vorstellungskraft von möglicherweise bevorstehenden Abläufen und Ereignissen.
Sichtbarkeit
Machen Sie sich immer so gut sichtbar wie möglich. Bringen Sie sich so zu den anderen Verkehrsteilnehmern in Position, dass Sie auch gesehen werden können. Schalten Sie im Zweifelsfall am Tag auf das Fernlicht um. Auch wechselnde Fahrlinien können die Auffälligkeit erhöhen. Bleiben Sie vor allem bei mehrspurigem Verkehr nicht zu lange im toten Winkel des Nebenmanns.
Kontrastreiche Kleidung und Fahrzeuglackierungen sowie Scheinwerferlampen mit erhöhter Lichtausbeute sind in diesem Zusammenhang ebenfalls sinnvoll.
Schnell, entschlossen und berechenbar
Selten werden kritische Verkehrssituationen oder gar Unfälle durch einen einzigen Fehler verursacht. Meist werden die möglichen Folgen dieses Fehlers von den Beteiligten falsch eingeschätzt. Umso wichtiger ist es, eigene und fremde Fehler möglichst schnell zu erkennen und sofort entschärfende Maßnahmen zu ergreifen, also meist die Geschwindigkeit stark reduzieren. Auch die Fehlererkennung können Sie trainieren. Bei Unklarheit der Verkehrsabläufe sollten Sie nach folgender Maxime handeln: Reagiere schnell, sehr schnell, entschlossen und für andere berechenbar.
Nicht über die anderen ärgern
Im heutigen Verkehrsgeschehen sind gegenseitige Störungen und Behinderungen unvermeidbar. Die wenigsten Verkehrsteilnehmer haben schlechte Absichten, wenn sie andere stören oder behindern. Gelegentlich stellen sie sich einfach nur ungeschickt an. Ärgern Sie sich also nicht über diese Fahrer. Nehmen Sie sie als Realität wahr und überlegen Sie sich, wie Sie in Zukunft solchen Störungen entgehen können.
Für eine ungetrübte Freude am Motorradfahren sollten Sie Ihre bevorzugten Strecken möglichst nur in jenen Zeiträumen befahren, in denen dort keine Rushhour herrscht.
Abstand halten
Ausreichend Abstand zu halten hat nur Vorteile. Sie können bei größerem Abstand zu vorausfahrenden Fahrzeugen gelassener und überlegter reagieren. So bewahren Sie den Überblick und können die Ausweichmöglichkeiten nutzen. Halten Sie also Abstand und erhalten Sie sich damit die Möglichkeit, Unfälle zu vermeiden oder Situationen zu entschärfen. Suchen Sie dazu Raum und Platz im Verkehrsgeschehen.
Die Fahrlinie
Die schlimmsten Unfälle sind Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen. Da das Ausweichen mit dem Motorrad nicht so einfach abläuft, wie die meisten Nichtbiker es sich vorstellen, sollten Sie, wann immer möglich, einen großen Abstand zum Gegenverkehr einhalten. Besonders bei schräger Fahrt in Linkskurven brauchen auch Motorradfahrer viel Platz.
Wählen Sie die Fahrlinie auf Ihrem Fahrstreifen möglichst rechts, vor allem in Linkskurven.
Die richtige Kurvenlinie - nicht nur am Stilfser Joch wichtig
Es ist wie verhext: Eigentlich, weiß doch jeder, dass eine Kollision mit dem Gegenverkehr einem ziemlich den Tag versauen kann. Und dann bietet sich immer wieder das gleiche Bild auf kurvigen Strecken: 9 von 10 Motorrädern kommen einem in den Rechtskurven beim Begegnen gefährlich nahe. Dabei schneiden sie ihre Linkskurve noch nicht einmal richtig, sondern fahren einfach nur mit den Reifen nahe am Mittelstrich oder an der Fahrbahnmitte. Versuche ich dann selbst, meine Rechtskurve richtig anzufahren, nämlich von außen, kann es eng werden.
Will ich deren Kopf nicht an meiner Gabel kleben haben, bleibt nur, nach rechts wegzuziehen. Das fällt mir nicht schwer, stört allenfalls den Fahrfluss. Das entgegenkommende Motorrad ist da schlechter dran: Wer zu weit innen war, sprich die Kurve geschnitten hat, kann nur "aufmachen", das heißt, seine Fahrlinie in Richtung Kurvenaußenrand verlassen.
Tempo passt oft nicht zum Fahrkönnen
Hat vorher das Tempo zu der flachen Linie gepasst, wird es beim nun nötigen Wiedereinlenken in den Kurvenradius richtig eng. Kommt einem in der Situation dann nicht ein schmales Motorrad entgegen, sondern ein Pkw oder gar ein Bus - wie im Bild unten -, kann die Sache ganz schnell schiefgehen. Denken Sie doch mal an die letzten Ausfahrten: Wie oft passiert es, dass Sie bei Gegenverkehr in Linkskurven einen Schlenker drumherum machen müssen?
Wer Linkskurven nicht weit genug rechts anfährt, wird später gesehen, sieht später den Kurvenausgang und läuft Gefahr, mit unerwartetem Gegenverkehr zu kollidieren.
Die wenigsten Motorradfahrer rutschen wegen einer tatsächlich für die Kurve zu hohen Geschwindigkeit aus der Kurve. Eher geht es geradeaus in den Graben. Meist passt einfach das Tempo nicht zum Fahrkönnen. Denn dazu gehören die aktive, dynamische Blickführung, das richtige Lenken über Lenkimpuls, keine Angst vor Schräglage und die dynamische Sicherheitsfahrlinie. Ganz schön viel auf einmal? Stimmt. Es lohnt sich aber, das mal aufzudröseln. Denn eines sollte klar sein: Kurvenfahren wird nicht nur erst sicher mit dem nötigen Können, es macht vor allem erst dann richtig Spaß, wenn man es beherrscht.
Blickführung und Lenkimpuls
Ganz wichtig dabei: Der Blick darf nicht nur vor dem Vorderrad auf der Straße oder gar am Straßenrand kleben, sondern sollte immer wieder weit Richtung Kurvenausgang gehen. So kann ich mich von meinem Blick regelrecht durch die Kurve ziehen lassen. Zum Einleiten der Kurve brauchen wir den Lenkimpuls, also das mehr oder weniger kräftige Nach-vorne-Schieben des kurveninneren Lenkerendes. Es wird gerne auch als Drücken bezeichnet, wichtig ist jedenfalls, dass dabei Bewegung im Lenkkopf zu sehen und zu spüren ist. Und ja, dabei wird kurz in die "falsche Richtung" gelenkt, das ist nun mal Physik. Man hat allerdings mit dieser Lenktechnik das Motorrad stets zielgenau unter Kontrolle.
Schräglage und Linienwahl
Als Nächstes sollte konsequent Schräglage trainiert werden. Nur wer die mögliche Schräglage kennt und sich traut, sie auszunutzen, kann sicher um Kurven fahren, wird nicht aus Angst vor Schräglage geradeaus ins Verderben rauschen.
Nun sind die Voraussetzungen da, um sich mit der Linienwahl zu beschäftigen. Weil zu viele Leute die falsche Linie wählen, haben Unfallforscher in Österreich diese Markierungen entwickelt, die oben im Bild zu sehen sind. Der Sinn: genügend Abstand zum Gegenverkehr. Die Räder des Motorrades sollten dort rollen, wo die kurvenäußeren Räder eines Autos rollen würden. Das gilt vor allem in Linkskurven, eingeschränkt aber auch in Rechtskurven. Warum? Weil wir weiter schauen können, früher sehen, wie es weitergeht und ob frei ist, und so früher ans Gas können. Dort nämlich beginnen in den Zeichnungen (siehe Bildergalerie und Zeichnung unterhalb dieses Absatzes) stets die grünen Linien. Selbstverständlich kann ich mit passendem Tempo auch ohne Bremsen konstant durch die Kurven schwingen. Das ist sogar eine wunderbare Übung für den Kurvenalltag und nebenbei sehr entspannend, zugleich wird klar, ob Linie und Tempo wirklich passen.
Wir wechseln also ständig von der einen auf die andere Seite unseres Fahrstreifens. Man sollte sich diese Linie konsequent angewöhnen, auch wenn es gerade nicht nötig erscheint. Lediglich Störungen in der Fahrbahnbeschaffenheit sollte einen davon kurz abbringen, wenn also Stellen mit mangelndem Grip umfahren werden müssen. Auch bei Regen sollte von der Sicherheitslinie nicht abgewichen werden, stattdessen sollte man lieber einfach etwas langsamer fahren.
Wir wissen einfach nicht, was als Nächstes kommt. Ich darf daher nicht die Ideallinie suchen wie auf der Rennstrecke, die möglichst flach die komplette Fahrbahn völlig ausnutzt, um möglichst schnell zu sein. Sondern muss so fahren, dass ich möglichst früh viel sehe und mit allem rechne.
Welche Kurventechnik für Kehren, Serpentinen und Spitzkehren?
Inspiriert durch die vielen Videos im Internet, wie einige Motorradfahrer in den engen Kurven und Spitzkehren am Stilfserjoch, oft durch kleine Fehler im Handling, umfallen, will ich mich hier auch einmal dem Thema Kurvenfahren in Kehren und Spitzkehren widmen und Euch hoffentlich einige hilfreiche Tipps geben. Ich bin sicher nicht der perfekte Kurvenfahrer, aber ich komme die Alpenpässe so halbwegs hoch und runter und bin laufend am Üben und am Verbessern meiner Kurventechnik.
Diesen Spruch haben wir wohl alle schon gehört und er drückt sehr direkt aus, wie wichtig eine gute Blickführung beim Kurvenfahren ist. Fahrstile LEGEN, DRÜCKEN und HANG-OFF sind bei uns in Europa bekannt, wobei Hang-off, meiner Meinung nach, nur auf die Rennstrecke gehört. Natürlich gibt es immer wieder Motorradfahrer, die die öffentlichen Straßen mit einer Rennstrecke verwechseln und geeignete Kurven zum Knieschleifen mehrmals wiederholt fahren. Was dies der gesamten Motorradgemeinschaft einbringt haben wir ja gesehen, DB-Beschränkungen, Streckensperrungen usw..
Hinterschneiden von Rechtskurven bringt uns sicherer um die Kurve und man kommt am Kurvenausgang dem Gegenverkehr nicht zu nahe. Doch gibt es auch hier einige Dinge zu beachten und es macht einen Unterschied wie ich die Kurve fahre, ob sie einsehbar ist oder nicht.
In den letzten Jahren hört und liest man immer mehr von MOTO GYMKHANA, wo sich auch bei uns in Europa immer mehr Clubs gründen. Ein Motorsport, der ein perfektes Handling des Motorrades in engsten Radien voraussetzt um einen Hütchen-Parcours in der schnellst möglichen Zeit zu fahren.
In den letzten Videos auf der Seite nennt es Clubman Swiss, den japanischen Fahrstil, da diese Motorsportart aus Japan kommt. Den Fahrstil der "Hütchen-Flitzer" kann man perfekt durch die engen Spitzkehren anwenden.
| Aspekt | Empfehlung |
|---|---|
| Reifendruck | Klare Angaben vom Hersteller beachten; oft machen 0,2 bis 0,3 bar mehr oder weniger schon einiges aus. |
| Reifenzustand | Motorradreifen darf nicht zu alt sein, da mit den Jahren die Gummimischung zu hart wird und dadurch kein richtiger Grip mehr entstehen kann. |
| Aufwärmen der Reifen | Die ersten Kilometer sollte man die Reifen etwas warm fahren, bevor man sich damit in stärkere Schräglagen begibt. |
| Gepäckverteilung | Wird oft vergessen! und nicht einseitig verteilt ist, denn das macht sich dann beim Kurvenfahren gleich bemerkbar. Das Topcase möglichst mit leichteren Sachen befüllen und auch nicht noch etwas Schweres auf das Gitter vom Topcase packen. Je höher aufgepackt wird, um so schlechter ist das Fahrverhalten und die Stabilität des Motorrades bei engen Kurven und Spitzkehren. |
| Atemübungen | 4 bis 6 mal durch die Nase bis in den Bauch einatmen, die Luft ein wenig anhalten und dann die ganze Luft durch den Mund ausatmen. Vorsicht, nicht zu oft, sonst wird einem schwindelig. |
| Blicktechnik | Blicktechnik beachten!!!Probiert es anfangs ohne Fixpunkte, dann seid Ihr flexibler in der Kurvenführung. Hier seht Ihr die richtige Blickführung. Als Fixpunkte Tennisballhälften auslegen. nicht dahin, wohin du fährst, sondern dahin, wohin du fahren willst!!!Du fährst immer dahin, wohin Du schaust. |
Wenn die Kurve einsehbar ist, immer schauen, ob größere Fahrzeuge, wie Bus oder LKW entgegenkommen, denn bei engen Kehren brauchen diese die ganze Fahrbreite. Bleibt dann weit genug vor der Kurve stehen, damit diese Fahrzeuge Platz zum Ausholen haben. Die Linkskurve wird im äußeren Drittel angefahren, als Anhaltspunkt könnt Ihr die Fahrspur vom rechten Reifen bei einem Auto nehmen.
Hier wird der Fahrstil und die Kurventechnik vom japanischen Fahrstil, wie es Clubman Swiss nennt, genauer erklärt. So funktioniert es auch bei den Spitzkehren am Stilfserjoch und bei anderen Alpenpässen mit engen Kurven.
Daher sollte man einige Regeln schon vorher beachten, dass man die Fahrt auch genießen kann.
Die Einfahrt in die erste Kehre sollte möglichst vor 9 Uhr oder nach 16 Uhr sein, dann kann man das Stilfserjoch noch mit weniger Verkehr genießen.
Zwischen 9.00 Uhr und 16.00 Uhr tummeln sich hier im Hochsommer und an den Wochenenden viele Radfahrer, Sportwagen, und auch Wohnmobile kämpfen sich über das Stilfserjoch, welche ab und zu in den Spitzkehren hängen bleiben.
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