Sardinien steht bei Kurvenliebhabern seit vielen Jahren hoch im Kurs, wenn es um Motorradspaß geht. Die zweitgrößte Insel im Mittelmeer überzeugt mit Erhebungen bis über 1.800 Meter und einer Küste von fast 2.000 Kilometern. Dazwischen liegt ein unglaublich gewundenes Straßennetz, das zudem mit geringem Verkehrsaufkommen überzeugt.
Vorbereitung und Anreise
Wer sich auf ein solches Abenteuer einlässt, sollte aber auch einiges bedenken! Menschenleere Bergpässe sind wunderschön für die Touren, Tankstellen oder Werkstätten sind hier aber eher die Ausnahme.
- Technischer Check: Bremsen, Reifen, Kette und Gepäckträger sind besonderen Belastungen ausgesetzt. Deswegen vor der Abreise noch einmal gründlich durchchecken! Biker-Werkstätten sind vor allem im kaum besiedelten Bergland rar.
- Spritversorgung: Nie leer losfahren! Tankstellen sind nicht eng gesät, die sardischen Tankautomaten haben so ihre Tücken (und schlucken nicht alle ausländischen Kredit- und EC-Karten) und Tankwarte machen von 13 bis 16 Uhr Mittagspause - ungefähr.
- Reifenprofil: Der raue Straßenbelag auf sardischen Straßen sorgt für perfekten Grip, aber auch für hohen Verschleiß - deshalb auf ausreichende Profiltiefe achten! Spitze Steine können den Gummisohlen zusetzen.
Anreise mit der Fähre
Es gibt verschiedene komfortable Möglichkeiten, von aus Deutschland gut zu erreichenden Häfen wie Genua oder Livorno das eigene Motorrad an Bord der Fähre ganz problemlos mit in den Urlaub auf die Mittelmeerinsel zu nehmen. Der Preis gilt pro Person für die einfache Fahrt.
Für die Sicherung der Motorräder auf der Fähre ist das Bordpersonal verantwortlich, die Bikes mit Gurten an Befestigungen an Wänden und Böden festzurren.
Viele Traumdestinationen zum Motorradfahren sind mit dem eigenen Eisen nur über Fährverbindungen erreichbar. Wie funktioniert eine Überfahrt und welche Dinge können die Reise vereinfachen? Wir geben euch die wichtigsten Tipps!
Die Organisation von Motorradreisen übersee wird oft durch die Herausforderungen bei der Buchung der Fähre erschwert. Die Suche nach passenden Überfahrten, das Verständnis der Buchungsoptionen und die Berücksichtigung der Transportbedürfnisse für das Motorrad erfordern eine gründliche Vorbereitung.
Die Fährfahrt beansprucht in der Regel mehr Zeit als nur die eigentliche Fahrzeit. Etwa 2-3 Stunden vor Abfahrt ist der physische Check-in bei der Reederei erforderlich, gefolgt von der Grenzkontrolle und einer längeren Wartezeit, bis das Einladen beginnt. Es ist entscheidend, ausreichend Zeit einzuplanen, besonders an südlichen Grenzübergängen, wo es oft hektisch zugeht.
Die Motorräder werden üblicherweise vorne oder hinten im Schiff mit Spanngurten sicher befestigt. Der Zugang zum Fahrzeugdeck ist während der Fahrt nicht gestattet. Die zusätzliche Buchung einer Kabine ist besonders bei Nachtüberfahrten zu empfehlen. Dies aus zwei Gründen: Zum einen kann der Lärmpegel in den öffentlichen Bereichen je nach Fähre extrem sein, und eine eigene Kabine ermöglicht eine komfortable Nachtruhe. Zum anderen neigen die Sanitäreinrichtungen in den öffentlichen Bereichen dazu, schnell unangenehm zu werden.
Wichtige Fährlinien:
- Genua - Olbia oder Genua - Porto Torres (12 bis 13 Stunden Überfahrt)
- Livorno - Olbia respektive Golfo Aranci (9 bzw. 11 Stunden Überfahrt)
- Civitavecchia - Olbia (gut 8 Stunden Überfahrt)
- Civitavecchia - Cagliari (gut 16 Stunden Überfahrt)
Verkehrsregeln und Besonderheiten
Selbstverständlich gilt in Italien Helmpflicht, Handy ohne Freisprechanlage ist tabù und die Promillegrenze liegt bei 0,5. Auf Landstraßen gilt ein Tempolimit von 90 km/h und 50 km/h innerorts.
Wie eigentlich überall in Italien scheinen auch hier die Straßenbauer ein Herz für uns Biker zu haben. Kurve an Kurve, griffiger Belag. Eine Kombination, die nicht nur Fahrspaß, sondern auch Reifenabrieb garantiert.
Selbst wenn die freien Straßen zum Heizen einladen, kann hinter der nächsten schlecht einsehbaren Kurve das nächste Schlagloch, ein Steinschlag oder Erdrutsch lauern.
Beste Reisezeit
Wie fast im gesamten Mittelmeerraum beginnt auch auf Sardinien ab Ostern die Tourismus-Saison. Wer also seine Motorradtouren auf Sardinien in aller Ruhe fahren will, sollte in den Monaten April bis Juni oder September und Oktober kommen.
Kann das Wetter im Frühjahr noch Kapriolen schlagen, ist der Herbst ein zuverlässiger Reisebegleiter - stabile Wetterlagen, milde Temperaturen, entspannte Gastronomen. Aber auch der Winter hat seinen Reiz.
Die beste Reisezeit für die Motorrad-Trauminsel Sardinien ist die mildere Nebensaison im Frühjahr (Mai) und im Herbst (September/ Oktober), wenn man in beliebten Touristengebieten wie der Costa Smeralda und an der Costa del Sud wenig befahrene Straßen vorfindet und die Kurvenstrecken der SS125 Orientale Sarda sowie die Bergpässe des Supramonte in Zentralsardinien herrlich einsam sind.
Motorradtouren und Regionen
Eigentlich reicht schon ein grober Blick auf die Landkarte, um die besten Kurvenstrecken auszumachen - die Insel ist ein einziges Geflecht aus Kurven und Kehren.
Verkehrstechnisch ist Sardinien sehr gut erschlossen. Die SS 131 im Westen, die SS 131 dcn im Nordosten und die SS 125 im Osten verbinden die einzelnen Regionen der Insel miteinander und lassen bei Motorradtouren auf Sardinien schnelle Ortswechsel zu. Das Sahnehäubchen der Sardinen-Motorradtouren sind jedoch die Land- und Gebirgsstraßen.
Nordosten Sardiniens
Kurvensüchtige Motorradfahrer werden von dieser Route in den Nordosten Sardiniens begeistert sein. Ausgangsort ist die Küstenstadt Santa Maria Navarrese, nördlich der Stadt Arbatax gelegen. Von dort aus beginnt der Kurvenspaß auf der bei Motorradfahrern beliebten Strada Statale 125 Orientale Sarda, gemeinhin als SS125 bekannt, gen Norden.
In engen Kehren durch endlose Korkeichenwälder geht es rund um Tempio Pausania und Aggius im Herzen der Gallura. Herrlich ist auch das Mondtal Valle della Luna oder auch Piana dei Gran Sassi genannt. In der letzten Eiszeit haben hier Gletscher, Wind und Wetter bizarre Felsen und Hügel aufgetürmt. Hoch hinaus geht es auch auf das Limbara-Massiv.
Zentral- und Ostsardinien
Vielfahrer und Kurvensammler kommen auf den extremen Touren durch die südliche Barbagia, zum Beispiel auf der Strecke von Mandas nach Lanusei auf ihre Kosten. Viel Fahrkönnen erfordern die extremen Pässe im Gennargentu zum Beispiel von Fonni bis Seui. Idealer Treffpunkt: Sadali.
Die Staatsstraße SS 125 von Baunei nach Dorgali ist bei Bikern legendär: Endlos viele Haarnadelkurven, Panoramastrecken mit super Grip und gutem Asphalt, dazu eine einmalige Berglandschaft, die hinter jeder Wendung ein neues Panorama zu bieten hat.
Diese Motorradroute rund um das höchste Gebirge Sardiniens, den Gebirgskamm Monti del Gennargentu, führt durch die Gemeinden Fonni, Desulo, Aritzo, Seui, Ussassai sowie Gairo und damit in das fahrtechnisch sowie landschaftlich reizvollste Tourenrevier auf der Mittelmeerinsel.
Provinz Ogliastra
Die nachfolgende Motorradtour führt von Tortoli aus in die unberührte und erstaunliche Naturlandschaft des Nationalparks Parco nazionale del Golfo di Orosei e del Gennargentu und hält einige Motorrad-Highlights bereit.
Unterkünfte
Mit dem MOTORRADSTRASSEN-Partnerhotel „Cardedu“, im gleichnamigen Ort laden motorradfreundliche Gastgeber zum Tourenvergnügen ein. Überdachte Unterstellplätze fürs Bike oder ggf. Parkmöglichkeiten für einen Anhänger sind ebenso vorhanden wie eine kleine Werkstatt.
Das familiär geführte Haus ist schon lange ein beliebter Ausgangspunkt für einen Sardinienaufenthalt mit Motorrad. Loc. Zu erwähnen ist auf jeden Fall auch die vorzügliche Küche. Vom leckeren Fisch und Meeresfrüchten bis hin zum Wildschwein und Lamm gibt es alles, was die Genießer nach der Kurvenschlacht erwarten.
Dass man auch ein Herz für Naschkatzen hat wird mit Desserts wie Schokoladenmousse und Ricottakuchen unterstrichen.Die gemütlichen Zimmer, mit Blick auf die Gartenanlage, sind nach sardischer Tradition in Pastelltönen angelegt.
Weitere Tipps
- Tankstellen: War das Tanken auf Sardinien früher oft ein Problem, so hat sich die Lage inzwischen entspannt. Es gibt überall genügend Tankstellen, gezahlt werden kann bar oder mit Karte.
- Italienische Mittagspause: In die Zeitplanung einrechnen sollte man die heilige italienische Mittagspause, während der die meisten Tankstellen zwischen 13.00 und 15.00 Uhr geschlossen haben und man nur am Automaten gegen Scheine oder Karte Sprit bekommt.
- Bedienung an der Tankstelle: Wer Benzin vom Tankwart einfüllen lässt, statt selbst zu zapfen, zahlt bis zu 20 Cent mehr pro Liter.
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