Die Motivation: Warum im Herbst Motorrad fahren?
Auch wenn die Ausrüster mit ihren Saisonschlußangeboten den Eindruck erwecken, ihre werte Kundschaft habe nunmehr den Zündschlüssel mit dem Schraubenschlüssel vertauscht und erlebe das Motorradvergnügen für die nächsten Monate aus der Garagenperspektive: Das Verlangen nach Freiheit und Bewegung bleibt.
Was auch bleibt, ist die Suche nach Motivation. Fahren, selbst wenn’s draußen mal mies ist. Einfach das Fahrvergnügen aus der momentanen Befindlichkeit herausholen. Wie bei der Mazeration, die mir einmal ein Schnapsbrenner erklärt hat - das Aroma wird auf natürliche Weise aus dem Grundstoff herausgezogen. Motorradfahren im Herbst.
- Beschauliche Stille und leuchtende Farben: Städtischer Trubel und Alltagseinerlei bleiben weit hinter uns, sobald der Motor einmal warmgefahren ist. Jetzt regiert draußen das milde Herbstlicht, mit dem Fotografen ihre Motive wunderbar in Szene setzen können.
- Weniger Verkehr: Je weiter die Ferienzeit zurückliegt und je mehr Wind und Wetter das Regiment führen, desto eher sind nur diejenigen unterwegs, die raus wollen oder müssen - wir als unerschütterliche Motorradfahrer und all jene, die ihr Beruf auf die Straße treibt.
- Günstigere Preise: Wer infolge der Sommer-Urlaubsplanung in der Firma Stallwache halten oder den Anderen mit Familie Vortritt lassen mußte, kommt jetzt im besten Sinne auf seine Kosten: Selbst in beliebten Urlaubsgegenden findest du im Lokal noch einen freien Tisch und mußt nicht lange auf das Essen warten. Ganz zu schweigen von den Übernachtungstarifen, die bis zum Beginn der Wintersportsaison viel kontofreundlicher ausfallen.
- Fahrpraxis nutzen: Daran denken wohl die wenigsten: Die ganze Saison über hast du über viele Kilometer Fahrpraxis gesammelt und dadurch Sicherheit gewonnen. Und jetzt im Herbst hängst du die Motorradschlüssel einfach ans Schlüsselbrett und der ganze Benefit soll schon dahin sein? Das kann ja wohl nicht angehen. Denn je länger du fährst, desto länger bleibst du im Training und desto kürzer wird deine herbst-/winterliche Auszeit.
Wenig verwunderlich, daß herbstliche Motorradtouren wesentlich umfangreichere Vorbereitungen verlangen als eine abendliche Hausrunde im Sommer. Vor allem verschafft sie wichtige Routine und bereichert letztlich unsere Erfahrungen.
Vorbereitung ist alles: Worauf du achten musst
Motorradfahren im Herbst erfordert eine besondere Einstellung und besondere Vorbereitung. Wenn der goldene Oktober nicht recht erglänzen will, läßt der Ausklang der Motorradsaison leicht fade Gefühle aufkommen: Die Tourentage werden kürzer, die Regenschauer häufiger und die Winde frischer. Die Sonnenschirme in den Biergärten am Streckenrand bleiben zugeklappt. Tourenpausen auf freier Strecke werden zunehmend ungemütlich, sobald der frische Herbstwind das unbehelmte Haupt umweht.
Im Herbst sind vermehrt Erntefahrzeuge im Einsatz. So sollte speziell auf engen und unübersichtlichen Streckenabschnitten immer mit entgegenkommenden oder unvermittelt von der Seite auf die eigene Fahrbahn einbiegenden Erntefahrzeugen gerechnet werden. Abbiegende Traktoren mit Anhänger können dabei schnell die ganze Straße versperren. In Kurven kann es bei überbreiten Fahrzeugen auch schnell mal eng werden. Vorsicht ist auch geboten, wenn eine Erntemaschine oder ein Traktor überholt werden soll. Hat der Traktor dann keinen Blinker gesetzt, ist dessen Blinkleuchte defekt oder die Bremsleuchte verschmutzt, kann ein Auffahrunfall meist nicht mehr vermieden werden.
Hier sind einige wichtige Punkte, die du bei der Vorbereitung deiner herbstlichen Motorradtour beachten solltest:
- Gesundheit: Das aller Wichtigste vor Antritt deiner Tour ist, dass du dich fit und gesund fühlst. Du solltest nur aufsteigen, wenn du dir sicher sein kannst, dass du konzentriert bei der Sache bist. Das ist beim Motorrad fahren das A und O. Nur eine kleine Unaufmerksamkeit im Straßenverkehr kann schnell böse enden.
- Motorrad-Check: Funktionieren Lichter, Blinker und Bremsen? Sind die Reifen und der Reifendruck in Ordnung? Stimmt die Kettenspannung? Diese Fragen solltest du dir vor Fahrtantritt gewissenhaft beantworten. Die technischen Anlagen am Motorrad wie Lichtanlage, Blinker und Bremsen müssen einwandfrei funktionieren. Zu überprüfen sind auch Reifendruck und Reifenprofil.
- Gepäck und Ausrüstung: Das wohl Wichtigste und Essenziellste, was du bei deiner Tour immer dabeihaben und auch anhaben solltest: die Schutzkleidung. Dazu gehört natürlich auch ein ordentlicher Helm. Bei Jacke und Hose kommt es darauf an, dass die Arme, Beine und dein Rücken mit Protektoren geschützt sind. Je nachdem, wo deine Reise hingeht und zu welcher Jahreszeit du unterwegs bist, solltest du zusätzlich entsprechende Kleidung dabeihaben. Bei mir darf das Regencape auf keinen Fall fehlen. Wer schon einmal stundenlang durchgefroren und nass Motorrad fahren war, weiß wovon ich spreche.
Die richtige Kleidung: Zwiebelschalenprinzip und mehr
Frösteln auf einer herbstlichen Motorradtour ist eklig, verdirbt den Spaß und geht auf Kosten von Konzentration und Sicherheit. Deshalb gibt es ab Herbst das volle Programm an warmer Winterbekleidung, von unten bis oben: warme Stiefel, Strümpfe und Unterwäsche, Pullover, Winterkombi mit Futter, Winterhandschuhe, Halswärmer und Sturmhaube. Stichwort: Zwiebelschalenprinzip.
Zur Standardausrüstung gehört neben einem wind- und wasserdichten Motorradanzug mit Thermofutter deshalb wärmende Funktionswäsche. Dabei hat sich die Kombination diverser Kleidungsschichten von unterschiedlicher Dicke aus mehreren Materialien bewährt, das sogenannte Zwiebelprinzip. Ein nach ECE-Norm geprüfter Helm ist Pflicht. Das Helmvisier muss sauber sein und darf keine Kratzer aufweisen, da es bei tief stehender Sonne sonst zu Streulicht und so zu einem gefährlichen "Blindflug" kommen kann. Besonders im Winter kann ein beschlagenes Visier zum Sicherheitsproblem werden. Ein Pinlock-Innenvisier, das beschichtete Visiere in puncto Beschlagfreiheit übertrifft, ist die richtige Wahl.
- Schicht 1: Warme Funktionsunterwäsche
- Schicht 2: Pullover oder Fleece
- Schicht 3: Wind- und wasserdichte Motorradkleidung
Wetter und Planung: Flexibilität ist Trumpf
- Kurze Tage: Plane deine herbstliche Motorradtour so, daß du rechtzeitig wieder zu Hause bist. Im Herbst werden die Tage rasch kürzer. Die Sonne kommt später raus, die Straßen werden später trocken, und am Nachmittag fängt es schon langsam wieder an zu dämmern. Dadurch wird der Tourentag wesentlich kürzer als im Sommer. Und damit auch die Tourenstrecke, die du unter die Räder nehmen kannst. Nimm deshalb aus deiner Lieblingstour, die du fahren möchtest, ein paar Extraziele heraus und beschränke dich auf den attraktivsten Teil der Strecke.
- Wetter beobachten: Wenn du Glück hast und es beruflich einrichten kannst, läßt sich aus der Wettervorsage der nächsten 10 Tage der voraussichtlich beste Tag für deine Herbsttour herauspicken. Aber auch in diesem Fall empfiehlt es sich, die aktuelle Wetterentwicklung kontinuierlich zu prüfen. So manches Tief zieht im Herbst wesentlich schneller heran als im Sommer. Stichwort: Wetterradar.
Gefahren im Herbst: Laub, Nässe und Wildwechsel
Achtung Rutschgefahr beim Motorradfahren! Beim Motorradfahren im Herbst lauern einige Gefahren, die du bei einer Tour ab September im Hinterkopf haben solltest. Bunte Wälder und die letzten warmen Sonnenstrahlen. Touren im Herbst können traumhaft sein. Auf der anderen Seite sind wir aber auch in der Jahreszeit der Ernte, des Fallobstes, des Laubs auf der Straße und der fallenden Temperaturen angekommen. Jetzt heißt es mehr denn je: Vorausschauend fahren!
- Laub: Laubbedeckte Fahrbahnen sind ganz besonders gefährlich für Motorradfahrer. Schnell kannst du ins Rutschen geraten und mit deinem Zweirad stürzen. Dort, wo sich das Laub anhäuft, ist es aller Erfahrung nach besonders gefährlich. Zudem machen es die wechselnden Licht- und Sichtverhältnisse auf Waldstrecken schwer, solche Gefahrstellen rechtzeitig zu erkennen.
- Nässe & Glatteis: Tagsüber Sonnenschein bei 20 Grad und nachts Frost bei Minusgraden: Dieses Wetterchaos ist im Herbst nicht selten. Achte bei einer Tour, die früh losgeht, darauf, dass es an der ein- oder anderen Stelle glatt sein könnte. Feuchte Straßen und kalter Asphalt vermindern die Griffigkeit der Reifen deutlich.
- Wildwechsel: Herbst - die Tage werden kürzer und es wird früher dunkel. Rehe und Wildschweine sind auf der Suche nach Futter, bevor es kalt wird. Pass deshalb gut auf, wenn du in der Abenddämmerung bzw. Dort stehen die Warnschilder für Wildwechsel nicht umsonst da. Besonders im Herbst und Winter, in der Jagd- und Brunftzeit von Hochwild, ist besondere Vorsicht angesagt.
- Nebel: Meistens geht es ziemlich früh und direkt nach dem Frühstück los. So kann man den Motorrad-Tag voll und ganz ausnutzen. Doch so früh unterwegs zu sein, kann an manchen Tagen auch eine mit Nebel bedeckte Fahrbahn bedeuten.
Die richtige Fahrweise: Vorausschauend und angepasst
Deshalb sollte in der kalten Jahreszeit für jeden Biker eine besonders vorausschauende Fahrweise gelten. Große Schräglagen, starkes Beschleunigen oder hartes Bremsen sollte jetzt tabu sein. Feuchte Straßen und kalter Asphalt vermindern die Griffigkeit der Reifen deutlich.
- Vorausschauend fahren: Achte auf veränderte Straßenverhältnisse und rechne mit unerwarteten Situationen.
- Geschwindigkeit anpassen: Fahre langsamer und vermeide abrupte Brems- und Beschleunigungsmanöver.
- Sicherheitsabstand erhöhen: Halte mehr Abstand zum Vordermann, um genügend Zeit zum Reagieren zu haben.
- Bremstechnik anpassen: Nutze vor allem die Hinterradbremse, um ein Blockieren des Vorderrads zu vermeiden.
Reifen: Grip ist entscheidend
Die Reifenentwicklung hat über die letzten Jahrzehnte massive Fortschritte gemacht. Grip, Einlenkverhalten und Abrollkomfort haben Standards erreicht, die früher undenkbar gewesen wären. Das schafft beruhigende Sicherheitsreserven. Dennoch: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Was nützt der beste Grip, wenn das Profil schon weit runter ist? Denke dran: Bei kühlen Temperaturen und rutschigen Straßen ist optimaler Grip weitaus wichtiger als auf einer gemächlichen Schönwettertour.
Gute Reifen hin oder her - kalter Straßenbelag kann dich eiskalt erwischen. Besonders am Morgen, bevor die Sonne aktiv geworden ist. Gleiches gilt für sehr verkehrsarme Strecken, wo am Morgen die Straßen noch nicht freigefahren sind. Reif und Eis bleiben dort länger liegen. Fahre deshalb mit angepaßter Geschwindigkeit! Fahre sicherheitsbewußt, laß die Maschine auch mal genüßlich dahinrollen.
Sichtbarkeit: Sehen und gesehen werden
Von anderen Verkehrsteilnehmern nicht nur gesehen, sondern auch wahrgenommen zu werden ist in der dunklen Jahreszeit noch wichtiger als im Sommer. Nicht nur wird es früher am Tag dunkel. Du mußt auch damit rechnen, im Laufe des Tages bei Nebel oder in Regengischt zu fahren. Stelle dich deshalb mit deiner Bekleidung auf diese widrigen Bedingungen ein. Sofern deine Kombi nicht ohnehin eine auffällige Farbe hat, zieh dir am besten eine Warnweste über. Mein Favorit ist eine knallgelbe (fahrtwindfest verschließbare) Warnweste für Straßenbauarbeiter.
Wer im Herbst mit seinem Motorrad unterwegs ist, sollte in jedem Fall die Motorrad Beleuchtung der Maschine vorab prüfen. Eine regelmäßige Reinigung der Scheinwerfer bringt ebenso große Verbesserung des Lichtkegels. Denn in der Dämmerung oder auch im regelmäßig auftauchenden Nebel hat das Sehen und Gesehen werden oberste Priorität. In dieser Jahreszeit bieten sich dafür auch auffällige oder helle Motorradkombis mit reflektierende Zonen an.
Winterreifen: Eine Überlegung wert
Zwar gibt es seit 2017 für einspurige Kfz keine Winterreifenpflicht mehr, es sind aber auch keine echten Winterreifen für Motorräder erhältlich. Vereinzelte Hersteller wie Heidenau bieten Varianten ihrer Profile mit einer modifizierten Gummimischung an, die auf kaltem Asphalt mehr Grip bieten soll.
Nach der Fahrt: Motorradpflege im Winter
Zu Hause angekommen, geht es direkt ans Einwintern meiner Harley®. Ich nutze die Zeit, in der ich ohnehin nicht fahre, um meine Maschine in den Wintermonaten zum Kundendienst zu geben.
Wer seinem Motorrad etwas Gutes tun will, spendiert ihm nach dem winterlichen Ausritt eine gründliche Wäsche, um soviel Salz wie möglich zu entfernen. Ist die Maschine wieder getrocknet, ist das Sprühöl an der Reihe (siehe oben), und die Kette wird geschmiert.
Versicherung: Schutz für dich und dein Motorrad
Der Winter - genau die richtige Zeit, sich um die Versicherung zu kümmern. Die ERGO Motorradversicherung bietet viele Vorteile wie etwa der neue Baustein „Motorrad Plus“. Dieser sichert deine Schutzkleidung sowie deinen Helm im Fall eines Sturzes ab. Prüfe auch mal, wie du abgesichert bist.
Fazit
Ich hoffe, meine Tipps haben dir geholfen, damit du die letzten sonnigen Herbsttage auf deinem Motorrad genießen und gut vorbereitet in die Winterpause gehen kannst.
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