Viele Motorradfahrerinnen und -fahrer nutzen Herbsttage für die letzten Ausfahrten des Jahres. Doch im Herbst ist vor allem Vorsicht geboten! Bunte Wälder und die letzten warmen Sonnenstrahlen locken auf die Strecke und Touren im Herbst können traumhaft sein.
Allerdings erhöhen schlechte Sichtverhältnisse, feuchte und verschmutzte Fahrbahnen sowie morgendlicher Raureif das Unfallrisiko. Die Tage werden wieder kürzer, es wird grau und nass. Die verbleibenden Wochen, bevor das Bike von vielen Saisonfahrern in den Winterschlaf geschickt wird, wollen noch genutzt werden.
Gefahren im Herbst
Auf der anderen Seite sind wir aber auch in der Jahreszeit der Ernte, des Fallobstes, des Laubs auf der Straße und der fallenden Temperaturen angekommen. Jetzt heißt es mehr denn je: Vorausschauend fahren! Große Schräglagen, starkes Beschleunigen oder hartes Bremsen sollte jetzt tabu sein. Achtet jetzt auch auf die breiten Erntefahrzeuge!
Auch wenn die Temperaturen noch deutlich in den Plusgraden liegen: Unter dem gefallenen Laub können die Straßen jetzt spiegelglatt und rutschig sein und die Bodenhaftung ist geringer. Raureif, Schlamm der Erntemaschinen und Fallobst stellen zusätzliche Gefahren dar. Deshalb sollte der Gashahn nicht zu weit aufgedreht werden.
Im Herbst gilt außerdem besondere Vorsicht beim Wildwechsel: Um unerwartete Zusammenstöße zu verhindern, ist ein vorrausschauendes Fahren unbedingt notwendig.
Schwierige Sichtverhältnisse
Wegen der tief stehenden Sonne ändern sich im Herbst die Licht- und Sichtverhältnisse. Die Blendgefahr wird größer. Andere Verkehrsteilnehmer übersehen Motorräder schon aufgrund ihrer schmalen Silhouette jetzt noch leichter. Liegt dann im Winter Schnee neben der Straße oder ist der Asphalt feucht, ist an sonnigen Tagen die Blendgefahr durch Reflexionen nicht zu unterschätzen.
Veränderte Straßenverhältnisse
Die Beschaffenheit der Fahrbahnoberfläche birgt hohe Risiken für Biker. Besonders in den Morgenstunden müssen sie mit glatter Fahrbahn durch Nässe und Raureif rechnen. Auf nassem Laub kann es extrem rutschig werden. In ländlichen Gebieten kommt der vermehrte Ernteverkehr dazu, der zu starken Verschmutzungen führen kann ("Bauernglatteis"). Die Folge ist eine erhöhte Sturzgefahr für Motorradfahrer.
Tipps für sicheres Fahren im Herbst
Daher empfehlen die ADAC Experten grundsätzlich eine vorausschauende Fahrweise, damit Sie im Notfall rechtzeitig reagieren können. Feuchte Straßen und kalter Asphalt vermindern die Griffigkeit der Reifen deutlich. Deshalb sollte in der kalten Jahreszeit für jeden Biker eine besonders vorausschauende Fahrweise gelten.
Vorsichtiges Fahren und gefühlvolles Bremsen sind geboten, extreme Schräglagen sind absolut tabu. Und auch die niedrigere Fahrbahntemperatur wirkt sich negativ auf den Grip der Reifen aus.
Ausrüstung
Zur Standardausrüstung gehört neben einem wind- und wasserdichten Motorradanzug mit Thermofutter deshalb wärmende Funktionswäsche. Dabei hat sich die Kombination diverser Kleidungsschichten von unterschiedlicher Dicke aus mehreren Materialien bewährt, das sogenannte Zwiebelprinzip. Ein nach ECE-Norm geprüfter Helm ist Pflicht.
Das Helmvisier muss sauber sein und darf keine Kratzer aufweisen, da es bei tief stehender Sonne sonst zu Streulicht und so zu einem gefährlichen "Blindflug" kommen kann. Besonders im Winter kann ein beschlagenes Visier zum Sicherheitsproblem werden. Ein Pinlock-Innenvisier, das beschichtete Visiere in puncto Beschlagfreiheit übertrifft, ist die richtige Wahl.
Mit kalten Fingern lassen sich Hebel, Schalter und Lenker nicht mehr einwandfrei bedienen, die Reaktionsfähigkeit nimmt ab. Zur Ausstattung für Winterfahrer gehören gute, wasserdichte und gefütterte Stiefel mit hohem Schaft und genügend Platz im Innern, damit auch bei dickeren Socken die Zehen bewegungsfähig bleiben.
Technik und Fahrkönnen
Die technischen Anlagen am Motorrad wie Lichtanlage, Blinker und Bremsen müssen einwandfrei funktionieren. Zu überprüfen sind auch Reifendruck und Reifenprofil.
Wer im Herbst mit seinem Motorrad unterwegs ist, sollte in jedem Fall die Motorrad Beleuchtung der Maschine vorab prüfen. Eine regelmäßige Reinigung der Scheinwerfer bringt ebenso große Verbesserung des Lichtkegels. Denn in der Dämmerung oder auch im regelmäßig auftauchenden Nebel hat das Sehen und Gesehen werden oberste Priorität. In dieser Jahreszeit bieten sich dafür auch auffällige oder helle Motorradkombis mit reflektierende Zonen an.
Besonders wichtig für Motorradfahrer ist das richtige Verhalten in schwierigen Situationen. In den ADAC Motorrad-Fahrsicherheitstrainings können Biker unter Expertenanleitung die korrekte Lenk- und Kurventechnik sowie das richtige und konsequente Bremsen lernen und üben.
Vorausschauendes Fahren
Im Herbst sind vermehrt Erntefahrzeuge im Einsatz. So sollte speziell auf engen und unübersichtlichen Streckenabschnitten immer mit entgegenkommenden oder unvermittelt von der Seite auf die eigene Fahrbahn einbiegenden Erntefahrzeugen gerechnet werden. Abbiegende Traktoren mit Anhänger können dabei schnell die ganze Straße versperren. In Kurven kann es bei überbreiten Fahrzeugen auch schnell mal eng werden.
Vorsicht ist auch geboten, wenn eine Erntemaschine oder ein Traktor überholt werden soll. Hat der Traktor dann keinen Blinker gesetzt, ist dessen Blinkleuchte defekt oder die Bremsleuchte verschmutzt, kann ein Auffahrunfall meist nicht mehr vermieden werden.
Weitere Tipps für die Planung einer Herbsttour
Strahlender Sonnenschein kann vor allem im Herbst sehr täuschen. Vor allem morgens und abends können die Temperaturen stark absinken. Aber auch tagsüber kommt es häufig zu einem Wechselspiel der Temperaturen. Kälte und Frieren kostet auf dem Motorrad viel Kraft und Konzentration und damit auch die Reaktionsbereitschaft!
Für die oft auch nasskalten Herbsttage empfiehlt sich auf jeden Fall wasserdichte Motorrad Funktionskleidung und Thermo- und Funktionsunterwäsche. Auch eine Sturmhaube oder ein Halstuch kann hilfreich sein.
An sonnigen Herbsttagen bietet sich uns häufig ein wundervolles Lichtspektakel. Das lockt auf die Strecke! Doch fährt man erst einmal der Sonne direkt entgegen, geht von der tiefstehenden Sonne Blendgefahr aus. Dagegen sollte jeder Motorradfahrer gewappnet sein. Ein zerkratztes Helmvisier kann durch die reflektierende Sonne die Sicht stark beeinträchtigen. Ein Motorradhelm wie Klapphelme, Integralhelme und Jethelme mit integrierter Sonnenblende hilft, sich vor einem Blindflug gegen die Sonne zu schützen.
Bei einer Tour, die früh losgeht, darauf achten, dass es an der ein- oder anderen Stelle glatt sein könnte. Rehe und Wildschweine sind auf der Suche nach Futter, bevor es kalt wird. Pass deshalb gut auf, wenn du in der Abenddämmerung unterwegs bist.
Auch bei unserem Kurztrip sind wir über laubbedeckte Landstraßen gefahren. Nach vier tollen Tagen sind wir alle wieder gesund in der Heimat angekommen.
Prüfe auch mal, wie du abgesichert bist. Ich hoffe, meine Tipps haben dir geholfen, damit du die letzten sonnigen Herbsttage auf deinem Motorrad genießen und gut vorbereitet in die Winterpause gehen kannst.
Plane deine herbstliche Motorradtour so, daß du rechtzeitig wieder zu Hause bist. Im Herbst werden die Tage rasch kürzer. Die Sonne kommt später raus, die Straßen werden später trocken, und am Nachmittag fängt es schon langsam wieder an zu dämmern. Dadurch wird der Tourentag wesentlich kürzer als im Sommer. Und damit auch die Tourenstrecke, die du unter die Räder nehmen kannst. Nimm deshalb aus deiner Lieblingstour, die du fahren möchtest, ein paar Extraziele heraus und beschränke dich auf den attraktivsten Teil der Strecke.
Wenn du Glück hast und es beruflich einrichten kannst, läßt sich aus der Wettervorsage der nächsten 10 Tage der voraussichtlich beste Tag für deine Herbsttour herauspicken. Aber auch in diesem Fall empfiehlt es sich, die aktuelle Wetterentwicklung kontinuierlich zu prüfen. So manches Tief zieht im Herbst wesentlich schneller heran als im Sommer. Stichwort: Wetterradar.
Frösteln auf einer herbstlichen Motorradtour ist eklig, verdirbt den Spaß und geht auf Kosten von Konzentration und Sicherheit. Deshalb gibt es ab Herbst das volle Programm an warmer Winterbekleidung, von unten bis oben: warme Stiefel, Strümpfe und Unterwäsche, Pullover, Winterkombi mit Futter, Winterhandschuhe, Halswärmer und Sturmhaube. Stichwort: Zwiebelschalenprinzip. Wer sich einmal den Allerwertesten bei einer Herbst- oder Wintertour abgefroren hat, wird umso lieber von den Winterbekleidungs-Sonderangeboten Gebrauch machen, die immer zum Ende der trüben Zeit kommen.
Für England- und Nordlandfahrer ist es eine Selbstverständlichkeit, aber hierzulande nimmt man sie manchmal doch auf die leichte Schulter: die regendichte Bekleidung. Mancher optimistische Blick auf die Wetterprognose hat schon eine schöne Tour wegschwimmen lassen. Wenn du nach der vorigen Wintersaison deine Textilkombi wäschst, gönne ihr auch eine anständige Imprägnierung. Dann bist du bei Schlechtwetterfahrten schon mal auf der sicheren Seite. Für eine Motorrad-Herbsttour trotz übler Wetterprognose ist eine Regenkombi erste Wahl. Ob Ein- oder Zweiteiler, ist Geschmackssache. Was aber hilft eine wasserdichte Kombi, wenn Deine Stiefel und deine Handschuhe schon nach einigen Kilometern hilflose Opfer einer Regenfahrt werden?
Die Reifenentwicklung hat über die letzten Jahrzehnte massive Fortschritte gemacht. Grip, Einlenkverhalten und Abrollkomfort haben Standards erreicht, die früher undenkbar gewesen wären. Das schafft beruhigende Sicherheitsreserven. Dennoch: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Was nützt der beste Grip, wenn das Profil schon weit runter ist? Denke dran: Bei kühlen Temperaturen und rutschigen Straßen ist optimaler Grip weitaus wichtiger als auf einer gemächlichen Schönwettertour.
Vom Pfälzer Wald bis zum Erzgebirge, vom Bayerischen Wald bis zum Harz - unsere attraktivsten Motorradreviere liegen in den Mittelgebirgen. Und was gibt es dort? Jede Menge Wald. Und was gibt es im Herbstwald? Also gut aufpassen, nicht nur vor (!) der Schräglage! Auch auf Geradeausstrecken kann Laub heimliche Schlaglöcher und andere Straßenschäden verdecken, die dem Motorradfahrer gefährlich werden können. Dort, wo sich das Laub anhäuft, ist es aller Erfahrung nach besonders gefährlich. Zudem machen es die wechselnden Licht- und Sichtverhältnisse auf Waldstrecken schwer, solche Gefahrstellen rechtzeitig zu erkennen.
Traktoren und schwere Erntemaschinen hinterlassen nach Rückkehr vom Feldeinsatz meist üblen Dreck auf der Fahrbahn. Das gefällt uns zwar nicht, ist aber kaum zu verhindern. Mein Rat deshalb: Beim Fahren immer mal den Horizont abchecken, ab links oder rechts auf dem Feld ein Ernteeinsatz läuft. Das läßt ahnen, daß später viel Dreck auf der Straße liegen könnte. Kleiner Trost: Nach der Mais- und Zuckerrübenernte (September bis November) ist das Schlimmste vorbei.
Gute Reifen hin oder her - kalter Straßenbelag kann dich eiskalt erwischen. Besonders am Morgen, bevor die Sonne aktiv geworden ist. Gleiches gilt für sehr verkehrsarme Strecken, wo am Morgen die Straßen noch nicht freigefahren sind. Reif und Eis bleiben dort länger liegen. Fahre deshalb mit angepaßter Geschwindigkeit! Fahre sicherheitsbewußt, laß die Maschine auch mal genüßlich dahinrollen.
Unter herbstlichen/winterlichen Bedingungen brauchen deine Reifen länger, um auf optimale Fahrtemperatur zu kommen und dadurch den Grip zu aufzubauen, den die Reifeningenieure in sie hineinkonstruiert haben. Für die ersten Kilometer gilt daher das gleiche wie für neu aufgezogene Reifen und Regenfahrten: ganz sanft fahren, keine extremen Beschleunigungs- oder Bremsmanöver, große Kurvenradien. Komme erst mal selbst auf Betriebstemperatur.
Deutschland ist das wald- und wildreichste Land Mitteleuropas. Und mittendrin liegen unsere Motorradreviere. Deshalb stehen die Warnschilder für Wildwechsel nicht umsonst da. Besonders im Herbst und Winter, in der Jagd- und Brunftzeit von Hochwild, ist besondere Vorsicht angesagt.
Von anderen Verkehrsteilnehmern nicht nur gesehen, sondern auch wahrgenommen zu werden ist in der dunklen Jahreszeit noch wichtiger als im Sommer. Nicht nur wird es früher am Tag dunkel. Du mußt auch damit rechnen, im Laufe des Tages bei Nebel oder in Regengischt zu fahren. Stelle dich deshalb mit deiner Bekleidung auf diese widrigen Bedingungen ein. Sofern deine Kombi nicht ohnehin eine auffällige Farbe hat, zieh dir am besten eine Warnweste über. Mein Favorit ist eine knallgelbe (fahrtwindfest verschließbare) Warnweste für Straßenbauarbeiter.
Im Herbst/Winter steht die Sonne sehr tief und kann uns - abhängig von unserer Fahrtrichtung - stark blenden. Hinzu kommt, daß bei Seitenlicht die Sonne durch die entlaubten Bäume strahlt und so eine stroboskopartige Wirkung erzeugt, die beim Fahren außerordentlich irritierend wirkt.
Der windige Herbst war die Jahreszeit, in der wir als Kinder unsere Drachen steigen ließen. Was damals lustig war, kann für uns als erwachsene Motorradfahrer aber sehr unangenehm werden. Motorradfahren bei starkem Wind erfordert spezielle Wahrnehmungsstrategien und Fahrtechniken. Um nicht von garstigen Böen überrascht zu werden, halte Ausschau: Wie biegen sich die Bäume am Straßenrand? Drehen sich die Windräder? Wie schnell drehen sie sich?
Auch wenn du auf deinem Motorrad der Verletzlichere bist: Alle anderen fahren unter den gleichen Straßen- und Witterungsverhältnissen wie du. Kalkuliere zu deiner Sicherheit ein, daß deine Bremsen giftiger und deine Reaktion knackiger ist als die der anderen Verkehrsteilnehmer. Was für dich wiederum bedeutet: Du brauchst ein Sicherheitspolster um dich herum.
Verwandte Beiträge:
- Motorradfahren in den Vogesen: Routen, Tipps & Infos
- Motorradfahren: Regeln, Führerschein & Zulassung
- Kopfhörer beim Motorradfahren: Sicherheit & Empfehlungen
- Motorrad Kfz-Steuer in Deutschland: Alles, was Sie wissen müssen!
- Piaggio Ciao: Alle Technischen Daten & Faszinierende Modellgeschichte Entdeckt!
Kommentar schreiben