Motorradfahren in der Rhön: Tipps und Routen für unvergessliche Touren

Europas größter erloschener Vulkan lädt zum Tourenspaß in die Mitte der Republik ein. Egal was man in Sachen Natur schon erlebt und gesehen hat - die Rhön setzt noch einen drauf. Denn dieses Mittelgebirge, das sich die drei Bundesländer Hessen, Bayern und Thüringen teilen, hat sich durch seine jahrzehntelange Zonenrandlage eine besondere Urwüchsigkeit bewahrt. So viel unberührte Natur findet sich in Deutschland nur noch ganz selten.

Motorradtouren durch die Rhön bringen nicht nur Fahrspaß, sondern auch ein Naturschauspiel erster Sahne. Gerade weil die Region jahrhundertelang ein Arme-Leute-Land war und bis zur Wiedervereinigung 1989 unter den strukturellen Nachteilen einer Grenzlage litt, wurde dort die Natur mehr oder weniger in Ruhe gelassen und hatte leichtes Spiel. Deshalb weist die Rhön heute im Vergleich zu anderen Mittelgebirgen überdurchschnittlich viele Biotope und eine verhältnismäßig große Artenvielfalt von Flora und Fauna auf. Nicht nur Fuchs und Hasen sagen sich hier gute Nacht, sondern auch Schwarzstorch und Uhu. Das dachten wohl auch die Verantwortlichen der UNESCO, als sie 1991 eine Fläche von rund 185.000 Hektar der Rhön zum Biosphärenreservat erklärten und die beiden Hochmoore Schwarzes und Rotes Moor als Naturschutzgebiete auswiesen.

Im Gegensatz zu einem Nationalpark, in dem die Natur vor dem Menschen geschützt wird, soll in einem Biosphärenreservat der gemeinsame Lebensraum von Menschen, Tieren und Pflanzen erhalten werden.

Wohl fühlen wird sich in der Rhön aber nicht nur der Naturliebhaber. Historisch Interessierte erhalten am ehemaligen US-Beobachtungsstützpunkt Point Alpha einen Einblick in die deutsch-deutsche Grenzgeschichte und bekommen im Projekt Keltenwelt Zeugnisse aus der Bronze- und Eisenzeit vermittelt. Wer also auf seinem Motorrad durch die Rhön herausfinden will, ob fliegen tatsächlich schöner ist als Motorrad fahren, der sollte sich hier oben zu einem Rundflug anmelden. Zu Beginn des Kalten Krieges nach dem Zweiten Weltkrieg errichtete die US-Armee entlang der innerdeutschen Grenze zahlreiche Beobachtungs- und Abhörstationen. Sie sollten sicherstellen, dass der kommunistische Feind nicht plötzlich mit einem militärischen Überraschungsschlag die Bundesrepublik angriff. Einen solchen Stützpunkt bauten die Amerikaner in den 1960er-Jahren auch in der Nachbarschaft des Ortes Geisa auf einem 410 Meter hohen Bergrücken und nannten ihn Point Alpha.

Heute umfasst die Gedenkstätte nicht nur den amerikanischen Stützpunkt, sondern auch einen Teil der DDR-Grenzanlagen. Fahrzeuge und Ausrüstungen sind ebenso zu besichtigen wie Hubschrauber. Wer auf seiner Motorradtour durch die Rhön Lust auf einen Spaziergang hat, kann auf dem ehemaligen Kolonnenweg direkt am Grenzzaun eine Wanderung unternehmen. Und hautnah die gespannte und unheimliche Stimmung miterleben, die damals an der innerdeutschen Grenze herrschte. Motorradtouren durch die Rhön bedeuten also nicht nur beschwingtes Motorradfahren in einer großartigen Natur, sondern ist auch immer eine Fahrt durch die deutsch-deutsche Vergangenheit.

Routen und Tourenempfehlungen

Die Motorradtourenkarte der MotorradFreizeit-Ausgabe 3/2020 bildet ein riesiges Mittelgebirgsgebiet ab, das zum Motorradurlaub einlädt. Für „Onliner“ haben wir die 9 Touren der Karte hier bei uns aufbereitet und die eine und andere Information hinzugefügt. Die Diagonale des Tourengebietes reicht von Melsungen in Nordhessen bis fast nach Nürnberg. Rund um diese Achse verteilen sich starke Touren in der Rhön, in Thüringen und den Kurvenregionen Frankens. Diese Regionen gefallen wegen ihrer Weitläufigkeit und punkten mit Verkehrsarmut.

Die Kuppenrhön-Tour Um die Kuppenrhön rund um Ulstertal, Feldatal sowie Kegelspiel erlebbar zu machen, haben wir Dir diese kleine Rundtour (74 km) für Dich zusammen gestellt. Du startest in Tann und fährst vorbei an Zella (Rhön) weiter nach Dermbach. Entlang dieser Etappe bieten sich die Besichtigung der Propstei Zella inklusive des Informationszentrums zum Biosphärenreservat Rhön oder ein kurzer Abstecher zum Ibengarten, dem ältesten Eibenbestand Deutschlands bei Glattbach an. Von Dermbach geht es kurvenreich weiter über den Emberg und den bekannten Bikertreffpunkt Oechsen bis nach Geisa. Du folgst der Beschilderung zum Point Alpha und fährst anschließend weiter zur Konrad-Zuse-Stadt Hünfeld im hessischen Kegelspiel. Der Besuch der Gedenkstätte Point-Alpha ist unbedingt zu empfehlen. In Hünfeld findest Du neben dem Konrad-Zuse-Museen auch zahlreiche Läden zum Bummeln oder Gaststätten und Eisdielen für Deine Stärkung. Allerdings wechseln sich auf dieser Rundtour breite und bestens ausgebaute Teerpisten mit kleinen und kaum bekannten Abenteuerstrecken ab.

Die Lange Rhön und die Wasserkuppe Bald steht obendrein die Lange Rhön, ein Biosphärenreservat erster Kategorie, auf dem Programm und ab dem Heidelstein folgen ein paar kernige Kurven bergab, bis man die Auffahrt zur Wasserkuppe unter die Räder bekommt. Dieser bekannte Gipfel schmückt sich - wie fast alle anderen Rhöngipfel - mit hohem Gras anstatt mit Bäumen. Obendrein garnieren die verschiedensten Wiesenblumen und die Rhöndistel - Wahrzeichen des Gebirges - die sanft gewellten Höhenzüge.

Der Gipfelsturm zum Schwarzen Moor Aber auch jenseits der Wasserkuppe bleibt die Tour höchst interessant. Ein nächster Gipfelsturm führt hinauf zum „Schwarzen Moor“ - wo man auch eine Thüringer Bratwurst essen kann. Gegenüber der Bratwurstbude (gleich auf der anderen Straßenseite) fällt zudem ein Torbogen auf. Der gehörte einst zum Arbeitslager „Schwarzes Moor“, wo man während der menschenverachtenden Naziherrschaft „Kraft durch Freude“ finden sollte.

Weitere Tourenvorschläge:

  • Tour 1: Waldhessen und Fachwerkpower (243 km - ca. 5 Stunden)
  • Tour 2: Thüringer Wald und Rennsteig (230 km - ca. 4,5 Stunden)
  • Tour 3: Kurvenvergnügen zwischen Eisenach und Meiningen (230 km - ca. 5 Stunden)
  • Tour 4: Schwarzatal und Bierhauptstadt Kulmbach (370 km - ca. 7 Stunden)
  • Tour 5: Fränkisches Weinland, Grabfeld und Haßberge (347 km - ca. 6,5 Stunden)
  • Tour 6: Fränkische Schweiz (239 km - ca. 5 Stunden)
  • Tour 7: Steigerwald (237 km - ca. 5 Stunden)

Bikerfreundliche Unterkünfte und Tipps

MOTORRADSTRASSEN-Hotelpartner sind engagierte Gastgeber, die meist schon seit vielen Jahren bikende Gäste in ihrem Haus willkommen heißen. Sie wissen, was der Motorradfahrer von seiner Unterkunft erwartet und einige Gastgeber fahren selbst leidenschaftlich gerne selbst. Die Rhön ist also ein ideales Ziel, um den Motorradurlaub mit Entspannung, Wellness und sogar Gesundheitsvorsorge zu verbinden.

Viele (Motorrad-)Wege führen nach Lohr am Main. Den Motorradurlaub mit Entspannung, Wellness und sogar Gesundheitsvorsorge verbinden? Genau das lässt sich im hessischen Bad Soden-Salmünster am Rande des Spessarts optimal kombinieren.

Kaum eine Region bietet eine breitere Auswahl an Ausflugszielen wie die Rhön. Urige Gasthöfe, Pensionen und (Motorrad-) Hotels laden zum Verweilen ein. Ein idealer Ausgangspunkt für Ausflüge. „Biker Welcome“ - Keine hohle Phrase Kostenlos parken, seine Ausrüstung im „Biker Safe“ verstauen und anschließend eine herrliche Gegend bequem zu Fuß erkunden?

Die Rhön: Ein Land der offenen Fernen

Weitläufig und vielgestaltig präsentiert sich die Rhön. Die herbe, gebirgige Landschaft ist geologisch durch ein Basaltplateau bestimmt, das aufgrund von Vulkantätigkeit vor etwa 20 Millionen Jahren entstanden ist. Durch großflächige Rodungen über Jahrhunderte hinweg entstand ein kuppiges Land mit weiten Fernen und einem Waldbestand von heute 30%. Im Zentrum liegt die „Hohe Rhön". Interessant hier ist das Naturschutzgebiet „Lange Rhön", ein karges, einsames Hochplateau. Eine wichtige Existenzgrundlage der Bevölkerung war von jeher die Schafzucht. Und da gibt es etwas Besonderes: Das äußerst niedlich anzusehende schwarzköpfige Rhönschaf.

Landschaftlich bildet die Rhön ein außergewöhnliches Ensemble, so dass das Naturerlebnis sicher im Vordergrund steht. Doch auch kulturell hat die Region dank reicher Geschichte viel zu bieten. Eine grandiose Landschaft und freie Straßen. Auf idyllischen Routen cruisen und die Natur genießen. Über reizvolle Serpentinen zu den Höhenstraßen Achterbahn fahren. Egal wie, in der Rhön hat man Spaß am Motorradfahren. Und hinter jeder Kurve kann er lauern, dieser atemberaubende Panoramablick.

Die Rhön bietet für jeden Motorradfahrer etwas:

  • Kurvenreiche Strecken durch malerische Landschaften
  • Historische Sehenswürdigkeiten und kulturelle Highlights
  • Bikerfreundliche Unterkünfte und Gastronomie
  • Unberührte Natur und atemberaubende Panoramablicke

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