Motorradfahren in Kärnten: Routen und Erlebnisse

Österreich bietet mit seiner einzigartigen Gebirgslandschaft und einem hervorragend ausgebauten Verkehrsnetz beste Voraussetzungen für Motorradtouristen. Endlose Feel-Good-Touren auf kurvigen und beeindruckenden Panoramastraßen sowie Alpenpässen erwarten Sie.

Großglockner mit dem Motorrad

Kärnten und Osttirol locken mit sonnenverwöhnten Hochgebirgslandschaften und großartigen Panoramastrecken. Hier darf die "Königin der Passstraßen", das ungekrönte Motorradparadies Großglockner Hochalpenstraße mit seinen über 48 Kilometern und 36 Kehren, die auf über 2500 Meter ins Hochgebirge führen, natürlich nicht fehlen. Die imposante Straße wurde nachfolgend in eine sorgfältig ausgewählte Motorradtour rund um den höchsten Berg Österreichs eingebaut.

Tourbeschreibung

Die Großglockner Hochalpenstraße, oft als Meisterwerk des Straßenbaus im alpinen Hochgebirge bezeichnet, führt quer durch den Nationalpark Hohe Tauern, eines der größten Naturschutzgebiete Mitteleuropas. Die grandiose Strecke vereint durch ihre einzigartige Straßenführung höchsten Fahrspaß mit einem faszinierenden Naturerlebnis und zählt damit zu den "Pflichttouren" eines jeden Motorradfahrers.

Ausgangspunkt der erlesenen Tour ist der Ort Mittersill, Sitz des Nationalparkzentrums. Von Mittersill windet sich die mautpflichtige Felbertauernstraße bis auf rund 1600 Höhenmeter bergan, dann mit grandiosem Blick auf die Hohen Tauern bergab bis nach Matrei in Osttirol. Bewacht von Dreitausendern liegt der Ort in einer weiten Talsenke. Breit und mit sehr gutem Belag versehen, macht die Felbertauernstraße mit ihren langgezogenen Kurven auf 65 Kilometern das Motorradfahren zu einem wahren Genuss. In aller Ruhe lädt die übersichtliche Strecke dazu ein, die vorüberziehenden Bergpanoramen in vollen Zügen zu genießen.

Die letzten Bögen der Felbertauernstraße führen bergab nach Lienz, wo für gewöhnlich ein mediterraner Wind weht. In Lienz lohnt eine Pause am Hauptplatz, der mit von Palmen gesäumten Straßencafés südliches Flair verströmt. Anschließend werden die Lienzer Dolomiten umrundet. Hinter Lienz folgt die Motorradstrecke wenige Kilometer der Bundestraße 100 und biegt dann in Leisach auf die Pustertaler Höhenstraße ab. Die schmale, kurvige Bergstraße schlängelt sich auf einer Länge von 20 Kilometern am nördlichen Hang des Tales entlang. Kurz nach dem Ort Strassen wird der Blinker links gesetzt, das Lesachtal durchfahren und der Gailbergsattel ins Motorradvisier genommen.

Der 981 Meter hohe Gailbergsattel mit seinen 14 Serpentinen verspricht dank gut ausgebauter Fahrbahn und top Übersicht ein angenehmes Tempo und Fahrspaß pur. Majestätisch präsentieren sich die weißen Riesen der Glockner-Gruppe und die Faszination, die auf dieser Runde durch den Nationalpark Hohe Tauern ständig begleitet, erreicht ihren Höhepunkt.

Die Fahrt auf der berühmten, mautpflichtigen Großglockner Hochalpenstraße beginnt. Sie schmiegt sich über 48 Kilometer mit 36 perfekt angelegten Kehren in die Gebirgslandschaft und überwindet bei der Auf- und Abfahrt einen Höhenunterschied von jeweils rund 1000 Metern. Kaum eine andere Alpenstraße geht einem so ans Herz wie diese Motorradroute mit grandiosen Ausblicken auf die weißen Dreitausender und mal engen, mal weiten Wechselkurven.

Auf der Fahrt zum höchsten Berg Österreichs ist ein Boxenstopp am Aussichtspunkt Kasereck ratsam. Anschließend kann man auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe das Eis des Pasterzen-Gletschers bestaunen und danach am Fuscher Törl die Abzweigung hinauf zur 2571 Meter hohen Edelweißspitze nehmen. Dieser Abschnitt hat es besonders in sich und kann - weil Sackgasse - für ungeübte Motorradfahrer auch ausgelassen werden. Die sechs Kehren zur Edelweißspitze sind allesamt recht spitz, eng und mit Kopfsteinpflaster versehen. Die Aussicht von der Edelweißspitze ist jedoch absolut empfehlenswert und lädt auf eine längere Pause ein.

Zu den fahrerischen Highlights zählt ebenso die sieben Kilometer lange Panoramastrecke auf rund 2500 Meter Höhe zwischen Fuscher Törl und Hochtor. Recht flüssig verläuft auch die anschließende Abfahrt ins Fuscher Tal. Weitere 14 Kehren und Wechselkurven machen diese Etappe zum Feinsten, was die österreichischen Alpen dem sportlich ambitionierten Motorradfahrer zu bieten haben.

Durch das Salzachtal geht es anschließend zurück nach Mittersill, dem Start- und Endpunkt dieser traumhaften Motorradreise.

Die Motorradtour auf einen Blick

  • Streckenlänge: ca. 310 km
  • Fahrtzeit: ca. 6 Stunden

Mit dem Motorrad: Grandioser Fahrspaß. Für die Glockner-Etappe ist Passerfahrung von Vorteil - Dank sehr gut ausgebauter Straßen ist die Tour aber auch für Alpen-Einsteiger geeignet. Für die Fahrt zur Edelweißspitze ist ein sicherer, routinierter Umgang mit dem Motorrad ratsam, da der Streckenabschnitt mit Kopfsteinpflaster versehen ist und die Kehren eher spitz und eng verlaufen. Eine sichere Fahrt auf der anspruchsvollen Hochalpenstraße erfordert durchwegs hohe Konzentration. Man sollte deshalb genügend bewusste Pausen zum Genießen der Aussicht und zur Erholung einplanen.

Tipps: Wegen enormer Höhenunterschiede an warme Bekleidung denken und vor Fahrtantritt die Straßenbedingungen, Öffnungszeiten und Wetteraussichten online prüfen. Für die Großglockner Hochalpenstraße und die Felbertauernstraße (mautpflichtig) sind ermäßigte Tickets in den ADAC Geschäftsstellen erhältlich. Das TOUR4 Ticket beinhaltet je ein Tagesticket Großglockner, Gerlos- und Nockalmstraße und berechtigt zum Bezug einer preisreduzierten Karte für die Villacher Alpenstraße.

Highlights der Tour: Die Großglockner Hochalpenstraße zählt zu den schönsten Panoramastraßen Europas. Für Motorradfahrer werden hier besondere Sicherheitsstandards und viel Komfort geboten: bei Fahrbahnerneuerung werden Straßenbeläge mit maximaler Griffigkeit verwendet und scharfkantige Leitplankenpfosten abgesichert. Es gibt zusätzlich Biker Points, Motorradparkplätze und Biker Safes zum sicheren Verstauen von Helmen und anderen Gegenständen.

Rund um Villach „Villacher Alpenstraße“

Entlang der Drau schwingen wir aus Villach hinaus, queren die idyllischen Gailtaler Alpen hinab ins Gailtal, dann geht es über die Grenze nach Italien in die Julischen Alpen. Wir besuchen den Westen Sloweniens zu einer Stippvisite und erklimmen den Wurzenpass von Süden her, bevor uns die Ausblicke auf die prächtigen Kärntner Seen erneut begrüßen. Und den Abschluss unserer Runde bildet die „Villacher Alpenstraße“, ein Geheimtipp der Kärntner Biker, den wir uns keinesfalls entgehen lassen sollten.

Bereits in der Jungsteinzeit war Villach ein beliebter Siedlungsplatz. Nicht nur der Blick vom Dobratsch hinunter auf die Stadt, auch ein Gang durch die historischen Gassen zeigt, warum das bis heute so ist. Über den Predilpass führt ein wenig frequentierter Grenzübergang zwischen Italien und Slowenien. Bereits 1319 wurde die erste Trasse des Passes gebaut, ab 1326 wird die Predil-Passstraße rege genutzt, in den Jahren 1678 bis 1684 wurde sie weiter ausgebaut und neu trassiert. Heute verbindet die Straße Cave del Predil in Italien mit Bovec in Slowenien. Links und rechts der Passstraße liegen einige gut erhaltene Befestigungsanlagen aus dem 19. Jahrhundert.

Die eindrucksvolle Ruine auf dem markanten Felsen über dem Markt Arnoldstein hat es vor allem ihrem „Revitalisierungsverein“ zu verdanken, aus dem Dornröschenschlaf geweckt und teilweise wiederaufgebaut worden zu sein. Denn immerhin standen an diesem Ort bereits eine Burg, ein Kloster, ein Verwaltungsgebäude sowie eine gotische Kirche samt Kryptenraum. Bereits im 14. Jahrhundert begannen die Menschen damit, die Wälder der Region zu roden und sich anzusiedeln. Strategische Bedeutung erlangte der Ort während des Ersten Weltkriegs, als russische Kriegsgefangene eine Heerstraße aus dem Sava- in das Soča-Tal bauen mussten. Mit dem Bau der Eisenbahn wurde Kranjska Gora ein berühmter Tourismusort, der heutzutage vor allem im Winter von Bedeutung ist.

Sein höchster Punkt liegt zwar „nur“ bei 1.073 m, doch beide Rampen bieten satte Steigungen, die Nordrampe sogar viele Kurven. Die Grenzstation zwischen Österreich und Slowenien döst oben direkt auf der Passhöhe, entlang der gesamten Strecke liegen umfangreiche Verteidigungs-Anlagen, die zu einem Museum umfunktioniert wurden. Das Bunkermuseum am Wurzenpass gewährt einen sehenswerten Einblick in längst vergangene, hoch brisante Tage.

11 Spitzkehren führen uns hinauf auf den höchsten Punkt der Villacher Alpenstraße auf gut 1.732 m. Bis heute gehört die Panoramastraße zu den Geheimtipps der Kärntner Biker. Die gut ausgebaute Strecke führt auf den Villacher Hausberg, den Dobratsch. Entlang der Strecke bieten sich immer wieder fantastische Ausblicke auf die Stadt Villach, die Julischen Alpen und die markante Südseite des Dobratsch.

Motorradland Kärnten

Wem beim Begriff Motorradland Kärnten nur die schönen Strecken im südlichsten Bundesland Österreichs einfallen, dem sei ein Besuch in den angrenzenden Ländern Italien und Slowenien empfohlen. Der Plöckenpass und der Nassfeld Pass eignen sich ideal zum windungsreichen Einstieg, um von Kärnten aus ins Kurvenparadies Friaul zu gelangen.

Der Name Passo di Monte Croce Carnico ist selbst Italienern meistens zu lang, viele nutzen den deutschen Namen unter dem er - einigermaßen - bekannt ist: Plöckenpass. Er quert die Karnischen Alpen von Kötschach-Mauthen kommend nach Timau im Friaul und ist heutzutage neben dem Nassfeld die einzige asphaltierte Strecke über jene Alpenkette. Seine Nordrampe ist gut ausgebaut und einfach zu fahren, auf italienischer Seite erwarten uns dann die meisten der gezählten 19 Kehren, bereichert um viele schöne Kurven.

Auf der unscheinbaren Passhöhe liegt ein Gasthaus sowie im felsigen Umfeld einige Relikte aus längst vergangenen Kriegstagen, als der Plöcken eine der wichtigsten Frontlinien des Ersten Weltkrieges war. Hierzu lohnt im Übrigen auch der Besuch des Museums „1915-1918“ in Kötschach- Mauthen. Die zweite Querung der Karnischen Alpen, der Nassfeld Pass, ist optisch ein wenig heller, freundlicher und reizt zum kräftigen Durchatmen.

Das Nassfeld erwartet uns auf einem weiten, sonnenverwöhnten Hochplateau mit einem beinahe ganzjährig eisig kalten Bergsee und einigen Einkehrmöglichkeiten. Die gut ausgebaute Nordrampe des Nassfeldes ist fahrerisch einfach, die Südrampe hinunter ins Friaul hingegen recht eng und kehrenreich, „gewürzt“ mit einem Felsentunnel samt innenliegender Kehre, in den man, zumindest inzwischen, eine spärliche Beleuchtung installiert hat.

Die Karawanken

Sie sind Teil der Kalkalpen und markieren den südöstlichen Zipfel des gesamten Alpengürtels: die Karawanken mit einer West-Ost-Ausdehnung von ca. 120 km sowie Nord-Süd-Breite von gut 40 km. Schon antike griechische Quellen berichten über die „Karwankas“, über das Reich des „Karv“, des Hirsches, wie ihn die Kelten nannten. Und seit mehr als 2000 Jahren bilden sie mit ihren nahezu geschlossenen Felskämmen eine natürliche Grenze zwischen den Nationen. Seit 1919 die zwischen Österreich und Slowenien.

Ihr höchster Gipfel - der Hochstuhl oder Veliki Stol - reicht bis hinauf auf 2.237 m und bis heute trennen die Karawanken zwei Welten voneinander: das touristisch perfekt erschlossene Urlaubsparadies Südkärntens von dem noch immer irgendwie im Dornröschenschlaf schlummernden Norden Sloweniens. In den Tälern klettern die Temperaturen im Sommer auch über 30 °C, in den Höhenlagen pendeln sie um angenehme 20 °C. Um sie - auch fahrerisch - zu genießen, gibt es auf beiden Seiten des Gebirgszuges zahlreiche Täler, die auf ordentlichen Pisten erkundet werden dürfen.

Die recht unberührte Natur ist der größte Schatz der Karawanken. Das Bodental sowie die Logarska Dolina als lohnende Beispiele genannt. Der Triglav Nationalpark gehört zwar offiziell nicht mehr zum Gebiet der Karawanken, ihn zu ignorieren, wäre geradezu sträflich. Sehenswerte Städte sind u. a. Tržič und Kranjska Gora, aber auch Jesenice oder auf Österreicher Seite Ferlach und Bad Eisenkappel.

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