Motorradfahren in Polen: Tipps und Wissenswertes für eine unvergessliche Tour

Polen ist ein faszinierendes Ziel für Motorradreisende, das eine abwechslungsreiche Landschaft, kulturelle Vielfalt und historische Sehenswürdigkeiten bietet. Kaum ein anderes europäisches Land bietet ein so breites Spektrum an unterschiedlichen Sehenswürdigkeiten wie Polen. Kurven und Kehren in Hülle und Fülle und ein gut ausgebautes Straßennetz garantieren jede Menge Fahrspaß. Und auch die Städte haben Einiges zu bieten.

In den historischen Altstädten von Krakau und Thorn fühlt man sich ins Mittelalter versetzt, Breslau und Danzig sind Symbole für die bewegte Geschichte des Landes. Hinzu kommt die sprichwörtliche Gastfreundschaft, die Besuchern auf allen Stationen der Reise entgegen gebracht wird. Polen ist ein Land zum Verlieben und lässt nicht mehr los, war man erst einmal hier. Deshalb kommt mit uns mit und erlebt selbst, wie liebenswert die Mentalität der Polen ist.

Wichtige Informationen für Motorradfahrer

Verkehrsregeln und Besonderheiten

Im Großen und Ganzen fielen uns keine großartigen Besonderheiten auf. Es lohnt sich jedoch auf jeden Fall, in Polen besonders vorausschauend zu fahren. In der Statistik der Verkehrstoten rangiert Polen auf einem der vorderen Plätze, zusammen mit einigen anderen ehemaligen Ostblockländern. Auffällig war, dass die Aggressivität im Verkehr um Warschau herum etwas zunahm.

Die Beschilderung entspricht eigentlich dem, was wir in Deutschland gewohnt sind. Wenn man schon in anderen östlichen Ländern unterwegs war, ist die Fahrweise der Polen keine Überraschung. Wichtigste Abweichung: Überholen ist links sowie rechts erlaubt!!! Wirklich aufgefallen ist uns das jedoch erst auf einem Stück auf der Autobahn, als wir an Warschau vorbeifuhren.

Mautgebühren

Für Motorräder fallen nur auf einigen Autobahn-Strecken Mautkosten an. Auf Autobahnen gilt eine Mautpflicht für Fahrzeuge über 3,5t zGG. Die Fahrer müssen sich beim System anmelden und erhalten eine viaBox zur Abrechnung der gefahrenen Kilometer. Auf staatlichen Autobahnen kassiert die ViaToll auch Fahrzeuge unter 3,5t.

Kraftstoff und Tankstellen

Tankstellen sind in ausreichender Dichte vorhanden. Der Kraftstoff wird durch seine Oktanzahl klassifiziert, bleifrei erkennt man am durchgestrichenen Pb und Diesel am ON. Tankstellen sind meist von 6:00 bis 22:00 Uhr geöffnet. An großen Fernverkehrsstraßen sind die Tankstellen rund um die Uhr geöffnet. Manche werben auch mit Free-WiFi.

Sonstige Hinweise

  • In Polen gilt an polnischen Feiertagen für LKW von 7 bis 22 Uhr und am Vortag von 18 bis 22 Uhr ein Fahrverbot.
  • Das Mitführen und Tragen einer Warnweste ist in Polen nicht verpflichtend.
  • Darüber hinaus gilt ein Alkoholverbot in der Öffentlichkeit. Die Strafen bei Überschreitung dieser Grenze sind rigide: es droht der Verlust des Führerscheins und die Sicherstellung des Fahrzeugs.

Straßenverhältnisse

Die Hauptverkehrsstraßen sind in aller Regel in gutem Zustand. Wer bessere Straßen bevorzugt, sollte auf jeden Fall eher auf den größeren Straßen bleiben. Bei untergeordneten Landstraßen und vor allem Neben- und kleinen Ortsverbindungsstraßen muss man oft einige Abstriche machen. Besonders interessant wird es, wenn man so richtig "kürzeste Strecke" fährt.

Es waren meist alte Straßen, die sich nicht entscheiden konnten zwischen Kopfsteinpflaster und Schotterpiste. Eine Fahrbahnseite schmückte uraltes, buckliges, ausgebrochenes Kopfsteinpflaster, so ziemlich unfahrbar. Auf der anderen Straßenseite löchrige Offroadpiste. Immer zogen wir die Offroad-Straßenseite dem Buckelpflaster vor, jedenfalls solange kein Gegenverkehr kam. Zuweilen ist eine normale Straße auch nur mit Naturbelag ausgestattet. Aber nach unserer Erfahrung ist der Belag besser zu fahren als eine geflickte Asphaltstraße.

Ein einziges Mal gerieten wir auf eine Schnellstraße oder Autobahn, bei der wir flehten, dass das Stück bald ein Ende hätte. Die Beschaffenheit erinnerte an die Autobahnbaukünste des dritten Reichs, mit Betonplatten und tiefen Querrillen. Vielleicht war sie es ja auch? Eine Urlaubsbekanntschaft erzählte uns von einem Stück übelster Kopfsteinpflasterstraße, an der stolz ein Schild prangte, dass diese Strecke original nach alter Baukunst restauriert wurde. Doch für Zweiradfahrer war die Straße eine Zumutung, berichteten sie uns. Gottseidank ist das eine Ausnahme.

Sicherheit und Kriminalität

Wenn man auf seine Siebensachen wie in jedem westeuropäischen Land aufpasst, ist Kriminalität kein Thema. Es wird generell empfohlen, bewachte Parkplätze oder geschlossene Parkmöglichkeiten zu nutzen, um Kriminellen keine Chance zu bieten. Das ist jedoch in allen touristischen Ländern so. Einfach einige Regeln beachten - dann klappt' s auch mit dem Diebstahlschutz.

Wir hatten in den meisten Unterkünften die Möglichkeit, das Motorrad in den Hof oder hinters Haus zu fahren. Und selbst wenn wir mal etwas prominenter parken mussten, empfanden wir keine Bedenken bezüglich der Sicherheit. Vermutlich lag dieses Sicherheitsgefühl auch daran, dass keiner das Motorrad großartig beachtete. Also deuteten wir das als Desinteresse und dass unser Motorrad auch für Langfinger uninteressant sei. Trotzdem, Helme gingen immer mit oder wurden angeschlossen.

Großstädte sind europaweit ein beliebtes Pflaster für Taschendiebe. Weswegen ein auf dem Rücken getragener Rucksack kein sicheres Gepäckstück ist. Bei Problemen kann man sich an die deutschsprachige Touristen-Hotline wenden.

Empfohlene Routen und Regionen

Das Riesengebirge

Als Tourenziel jedoch hinter dem Horizont der meisten, die abseits des üblichen Trubels eine schöne Strecke fahren wollen: das Riesengebirge. Eine Motorradtour in das Riesengebirge belohnt mit vielen Kurven, herrlicher Landschaft und reicher Kultur. Geographisch liegt es zwar gleich um die Ecke hinter der Oberlausitz.

Meine Rundstrecke um den Gebirgsstock herum kommt damit auf 333 km inklusive einiger Abstecher auf die Bergeshöhen. Mein Basislager für die Touren durch diese beiden entlegenen Mittelgebirge schlage ich praktischerweise in Zittau auf. Denn die südöstlichste Stadt Sachsens ist nicht nur hübsch und zielnah; von hier aus läßt sich gleichzeitig das Zittauer Gebirge erkunden, das selbst Anspruchsvollere mit herzergreifenden Kurvenstrecken überrascht.

Für die erste Etappe lohnt es sich im Grunde kaum, erst die Handschuhe anzuziehen: Gleich südlich von Zittau grenzen an der Lausitzer Neiße drei Länder aneinander: Deutschland - Polen (obligatorischer Tankstopp zu erschwinglichen Konditionen) - Tschechien.

Danach beginnt die eigentliche Tour: Sie verwöhnt mich vom ersten Kilometer an mit einem fahrerischen Leckerbissen, dem gewundenen böhmischen Landsträßchen 2711. Durch ehrwürdige Buchenwälder schlängelt es sich immer dicht an der Lausitzer Neiße entlang. Was für eine Erfrischung bei dieser Sommerhitze! Alte Bauernhäuser wechseln sich ab mit gründerzeitlichen Industriebauten und herrschaftlichen Fabrikantenvillen. Dazu Industriemuseen ohne Ende.

Doch der ersehnte Befreiungsschlag läßt nicht lange auf sich warten: Südlich von Tanvald (Tannwald) ziehe ich die Kurve hoch auf eine Neben-Neben-Nebenstraße mit fünfstelliger Nomenklatur.

Vrchlabí (Hohenelbe) - wie der Ortsname schon sagt, entspringt hier oben in den Bergen die Elbe. Der in einem hohen Talkessel gelegene Ort zog schon immer viele Wanderer und Wintersportler an. Deshalb fasse ich mich in Geduld, reihe mich brav in die Kolonne der Ausflügler ein und erfreue mich am landschaftlichen Szenarium. Aber hinter Spindlermühle hört der Trubel plötzlich auf. Niemand scheint weiter hoch fahren zu wollen außer mir und einige Radlern im Papageien-Outfit.

Um es gleich zu verraten: Die Bergstrecke hoch auf den Kamm des Riesengebirges, der zugleich die polnisch-tschechische Staatsgrenze markiert, ist super: Sprintstrecken wechseln mit Serpentinen und urzeitlichen Steinbrücken; Schneisen durch den finsteren Tann eröffnen berauschende Ausblicke über dieses urige Gebirge. Von Serpentine zu Serpentine drängt sich Väterchen Frost immer gemeiner durch meine Sommerkombi. Frisch ist’s hier oben an der Spindlerbaude auf 1.200 m Höhe.

Schade nur, daß die alten Militärstraßen hinüber ins schlesische Karpacz (Krummhübel) gesperrt sind. So muß ich halt außen herum fahren um das Riesengebirge, erst wieder hinunter nach Vrchlabí (Hohenelbe) und dann die Staatsstraße 252 hoch bis zum offiziellen Grenzübergang.

Bevor ich meine Tour fortsetze, ein Hinweis zur Streckenplanung: Eine Super-Tour für sich ist die Strecke auf der Staatsstraße 14 durch das Flußtal zurück bis Desnà (Dessendorf) und von dort über den Höhenrücken des Isergebirges bis Hejnice (Haindorf).

Auf die Straßen um sein östliches Bergrevier herum scheint Rübezahl seine Zauberwurzel gehalten zu haben: Die 296/252 durch das Upa-(Aupe-) Tal sind fahrerisch vom Feinsten. Landschaftlich sowieso. Während sich meine geschätzten Kollegen derzeit mutmaßlich im Schwarzwald und den Vogesen drängeln, kurve ich mutterseelenallein im Walzertakt durch das Riesengebirge.

Die Kurvenstrecke auf der schlesischen Seite des Riesengebirges weckt in mir das Gefühl einer knackigen Physiotherapiesitzung auf zwei Rädern: Knie vor, Schulter zurück, gelenkige Drehung aus dem Rücken, lockerer Hals mit permanentem Wechsel der Blickführung. So muß das sein auf einer Tour.

Einige Kilometer weiter überquere ich nördlich von Harrachov (Harrachsdorf) abermals die tschechische Grenze und schlage mich auf die Strecke, die mir der nette Polizist empfohlen hat (siehe oben). In Hejnice (Haindorf) glaube ich, in Bayern oder Österreich gelandet zu sein. In theresianischem Gelb ragt mitten im Ort eine barocke Wallfahrtskirche mit roten Zwiebeltürmen auf. Garniert mit allem, was dazugehört: Andenkenbuden, Devotionalienstände und - natürlich - Biergarten.

Damit es ja nicht langweilig wird, geht es für heute letztmalig wieder nach Polen hinein. Der Abschluß ist aber keineswegs so idyllisch, wie man sich das von einer Riesengebirgstour erwarten würde: Gleich vor der deutschen Grenze an der Lausitzer Neiße zwänge ich mich durch ein endloses Braunkohlen-Tagebaugebiet mit riesigen Baggern und den Kühltürmen des benachbarten polnischen Braunkohlekraftwerks Turoszów.

Im Schatten der Kühltürme des Braunkohlekraftwerks an der „Straße der jungen Energetiker“ fülle ich mein Spritfaß zum letzten Male bis Oberkante Unterlippe. Dann geht es über die Lausitzer Neiße wieder zurück nach Deutschland.

Weitere Regionen und organisierte Motorradreisen

Egal, ob du durch die malerischen Masuren, die beeindruckenden Tatra-Berge oder die geschichtsträchtigen Städte wie Krakau und Danzig fährst, Polen hat für jeden Motorradfahrer etwas zu bieten.

Wer Polen mit dem Motorrad erkunden möchte, der ist mit einer organisierten Motorradreise gut beraten. Sie reisen flexibel, unabhängig und individuell. Ihre Route verläuft wo möglich über landschaftlich reizvolle Nebenstrecken und Ihre Unterkünfte sind gebucht. Sie erhalten eine Routenbeschreibung, ausführliches Kartenmaterial und die GPS-Daten der Route. Mit einer Motorradtour durch Polen sind Sie sorgenfrei unterwegs!

Beispiele für organisierte Motorradreisen:

  • 11-tägige Motorradreise ab Breslau / bis Stettin
  • 10-tägige Motorradreise ab Danzig / bis Tallinn (inkl. Fähre bis Lübeck-Travemünde)
  • 9-tägige individuelle Motorradreise ab Posen / bis Stettin

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