Motorradbegeisterte nehmen auf Touren gerne auch mal den Nachwuchs mit. Was gibt es Schöneres als strahlende Kinderaugen? Eine Fahrt mit dem Motorrad ist für viele Kinder ein unvergessliches Highlight, von dem sie noch lange schwärmen werden. Wer denkt nicht selbst gern an die Erlebnisse als Beifahrer zurück? Eltern, Großeltern, Onkel und Tanten nehmen auf ihren Touren gern hin und wieder Kinder als Motorrad-Beifahrer mit. Und beides wollen oder müssen manche auch mit ihren Kindern teilen.
Ein Kind als Beifahrer ist aber nur unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt. Das sind die Regeln:
- Motorrad-Kindersitz benötigt Fußstützen und Festhaltemöglichkeit
- Körperliche und geistige Reife des Kindes ist entscheidend
- Kind ohne Helm als Beifahrer: 60 Euro Bußgeld
Gesetzliche Bestimmungen und Voraussetzungen
Kinder als Beifahrer auf dem Motorrad sind prinzipiell nicht verboten. Das ist grundsätzlich dann erlaubt, wenn das Motorrad für zwei Personen zugelassen ist. Will man einigermaßen sicher unterwegs sein, gibt es aber vieles bei der Ausstattung und Ausrüstung zu beachten. Und: Ein Kind muss grundsätzlich hinter dem Fahrer bzw. der Fahrerin sitzen.
Motorrad-Kindersitz: Wann er Pflicht ist
Der Gesetzgeber regelt die Mitnahme von Kindern auf dem Motorrad in der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung: Krafträder, auf denen eine zweite Person befördert wird, müssen mit einem Sitz für Beifahrer ausgerüstet sein. Hierfür sind Fußstützen und eine Festhaltemöglichkeit vorgeschrieben. Der Gesetzgeber verlangt auch Fußstützen und eine Möglichkeit zum Festhalten. Dies sei im Paragraf 61 der StVZO geregelt.
Das Kind muss aber in jedem Fall körperlich und geistig reif genug dazu sein. Ihr könnt euch bei der Entscheidung, ob das Töchterchen oder der kleine Sohn mitfahren darf, zum einen an der Körpergröße, der Kraft sowie der Ausdauer des Kindes orientieren. Zum anderen spielt neben der körperlichen Bereitschaft auch die psychische Entwicklung eine entscheidende Rolle.
Die Körpergröße ist dabei von besonderer Bedeutung: Bei einer Sitzprobe auf dem Motorrad zeigt sich, ob der Sprössling mit den Füßen die Fußrasten erreicht. Auch hier gelten die Bestimmungen, dass der Nachwuchs mit den Füßen die Fußstützen erreichen können und sich selbstständig festhalten können muss.
Kraft und Ausdauer sind ebenfalls wichtig, denn der Beifahrer bzw. die Beifahrerin muss sich über längere Zeit gut festhalten können.
Die richtige Ausrüstung für kleine Beifahrer
Sicherheit ist auf dem Motorrad das A und O. Für Kinder unter 7 Jahren braucht euer Bike Radverkleidungen und die Kinder benötigen passende Schutzkleidung. Alle Tipps zum Motorradfahren mit Sozius Motorradkleidung ist Pflicht und steht nicht zur Diskussion. Der Aspekt der Sicherheit steht bei der Motorradkleidung für Kinder im Vordergrund.
Helmpflicht auch für Kind
Selbst wenn nur wenige Runden um einen Häuserblock geplant sind, ist das Tragen eines Motorradhelmes auch für das mitgenommene Kind unverzichtbar. Auch für Kinder sind nur zugelassene Motorradhelme erlaubt. Die Helme müssen nach ECE R 22/05 geprüft sein.
Ein Fahrradhelm reicht übrigens nicht aus, weil er im Ernstfall keinen ausreichenden Schutz bietet. „Fahrradhelme sind ungeeignet, da sie keinen ausreichenden Schutz bieten“, sagt R+V-Experte Richter. Im Fachhandel werden geeignete Kinderhelme angeboten. Kinderhelme sollten speziell für deren Größe und Gewicht entwickelt sein, um maximalen Schutz zu bieten.
Kinderhelme sind leichter als die für Erwachsene. Damit wird eine unnötige Belastung im Nacken- und Schulterbereich des Kindes vermieden. Die Nackenmuskulatur ist bei Kindern noch nicht vollständig ausgeprägt. Ein Erwachsenenhelm könnte Schmerzen verursachen oder im Falle eines Unfalls verrutschen und seine Schutzwirkung verlieren.
Die Schale von Kinderhelmen ist allerdings auch deutlich kleiner als bei normalen Helmen, was weniger Schutz bedeutet. Dafür passt er aber besser. „Auch muss der Helm zur Kopfgröße des Kindes passen. Einer für Erwachsene ist nicht geeignet", erklärt der Experte von TÜV SÜD.
Das Kind sollte Visier und Verschluss eigenständig öffnen können, dies üben Eltern und Kind am besten direkt beim Kauf. Vorsicht bei gebrauchten Helmen: Diese sind nach einem Sturz eventuell unsichtbar beschädigt.
Motorradbekleidung für kleine Beifahrer
Wie Erwachsene brauchen auch Kinder unbedingt eine spezielle Schutzausrüstung. Dazu gehören eine extra verstärkte Motorradhose und -jacke sowie robuste, mindestens halbhohe Stiefel und atmungsaktive Motorradhandschuhe. Kinderhandschuhe mit entsprechendem Schutz werden in vielen Variationen angeboten und sind unbedingt zu empfehlen. Winterhandschuhe als Ersatz sind nicht ratsam. Mit ihnen findet das Kind keinen sicheren Halt, und im Falle eines Ausrutschers schützen sie nicht optimal.
Eltern sollten unbedingt darauf achten, dass die Motorradbekleidung optimal passt. Ist sie zu klein oder zu groß, ist das Kind nicht ausreichend geschützt. Aus diesem Grund ist es von großer Bedeutung, dass die Kleidung die passende Größe hat, um einen optimalen Schutz zu gewährleisten.
Vorsicht bei Funktionskleidung aus Polyamid oder Polyester (Ski-Anorak o.ä.): Diese Kleidung ist nicht geeignet, da sie im Fall eines Sturzes rutscht, schnell erhitzt und sich auf der Haut einbrennen kann. Den besten Schutz und eine größere Flexibilität als Lederbekleidung bietet Textilbekleidung mit abriebfesten Fasern wie Cordura. Diese Kleidung ist allwettertauglich, bietet ein herausnehmbares Innenfutter und auch Weitenregulierung.
„Abriebfeste Textilfasern bieten im Fall eines Sturzes einen guten Schutz", weiß Eberhard Lang. Leder schützt ebenfalls, kann aber die Bewegungsfreiheit einschränken und Kindern deshalb den Spaß am Fahren auf dem Zweirad nehmen. Wenig geeignet ist normale Sportkleidung aus Kunstfasern. "Sie kann im Fallen beim Rutschen auf der Straße so viel Reibung und damit Hitze erzeugen, dass es zu Verbrennungen kommt", weiß Lang. Wichtig sind nach seinen Worten auch feste Schuhe. Ideal wären spezielle Motorradstiefel.
Ein Nierengurt mit seitlichen Halteschlaufen ist eine empfehlenswerte Ergänzung, da er dem Kind während der Fahrt zusätzlichen Halt gibt und somit das Fahrerlebnis verbessert.
Bußgelder bei Verstößen
Wer auf dem Motorrad ein Kind ohne Helm mitfahren lässt, riskiert 60 Euro Bußgeld und einen Punkt in Flensburg. Trägt der oder die Erwachsene selbst keinen Schutzhelm, sind 15 Euro Verwarnungsgeld fällig.
Vorbereitung und Verhalten während der Fahrt
Vor der ersten Ausfahrt sollten Eltern und Kind gemeinsam das richtige Verhalten besprechen und einüben. Dabei ist es wichtig, dem kleinen Mitfahrer bzw. der kleinen Mitfahrerin zu erklären, mit welchen Fahrmanövern sie rechnen müssen, und wie sie sich beispielsweise in Kurven richtig verhalten. Die Eltern sollten mit dem Kind besprechen, wie es sich während der Fahrt verhalten soll, wie es sich am besten festhalten kann und wie es sich bei Kurven verhalten sollte.
Sinnvoll ist es auch, vor der Fahrt Klopfzeichen zu vereinbaren, damit das Kind signalisieren kann, wenn es anhalten möchte. Zudem solltet ihr mit dem Kind ein Zeichen vereinbaren, falls es mit euch kommunizieren möchte. Das kann zum Beispiel ein Klopfzeichen sein. So merkt ihr auch ohne Sprechanlage, dass ihr kurz an die Seite heranfahren und mit dem Kind reden solltet. Beispielsweise zweimal auf die Schulter klopfen bedeutet bei uns: Bitte halt mich fest, ich muss mein Visier öffnen oder schließen. Das funktioniert super und verhindert, dass sich die Kids hilflos fühlen.
Absolut empfehlenswert: eine Gegensprechanlage, damit der Fahrer bzw. die Fahrerin mit dem Nachwuchs während des Trips stets in Kontakt bleiben kann. Verschiedene Hersteller bieten Kommunikationssysteme für Motorradhelme an, die für eine Fahrt mit Kindern nützlich sein können. Eine Möglichkeit der Kommunikation zwischen Fahrer und Beifahrer ist ebenfalls essentiell, sei es durch eine Gegensprechanlage oder ein Bluetooth-System. Vereinbart dennoch ein alternatives Zeichen mit dem Kind (z.B. Vereinbart, dass die Sprechanlage nur für wichtige Informationen gedacht ist.
Unabdingbar ist ein Gespräch mit dem Kind vor der Fahrt. Es muss über die Besonderheiten des Kraftradfahrens informiert sein. Zeigt Tochter oder Sohn Angst oder Widerwillen gegenüber dieser Beförderungsart, sollte auf die Fahrt verzichtet werden.
Weitere wichtige Aspekte
Kinder sitzen als Beifahrer auf der Motorradtour hinter dem Fahrer. Jeder Motorradfahrer fängt mal klein an - am besten mit einer Übungstour. Das gibt nicht nur dem Nachwuchs Sicherheit, sondern auch der Fahrer spürt, wie sicher sich das Mädchen oder der Junge auf dem Motorrad halten kann. Ist das Kind bereits auf dem Übungsgelände unsicher, lehnt sich gegen die Schräglage oder wirkt auch nach mehreren Runden noch übermäßig ängstlich, sollte die große Ausfahrt mit dem Zweirad lieber um ein Jahr verschoben werden.
Eltern sollten geeignete Strecken für das Motorradfahren mit Kindern auswählen. Straßen mit starkem Verkehr oder schwierigen Straßenverhältnissen sollten vermieden werden. Stattdessen sollten ruhige Nebenstraßen oder spezielle Motorradstrecken gewählt werden, auf denen das Kind die Fahrt genießen und die Umgebung sicher erkunden kann.
Auf die jeweilige Tagesform des Kindes achten. Kinder sind nicht immer gleich gut drauf. Eine kleine Erkältung, ein bisschen Kopfweh und schon kann die Konzentration erheblich eingeschränkt sein. Dann gehören Kinder nicht auf das Motorrad! Bei Kleinkindern besonders auf Anzeichen achten, da sie ihre Gefühle noch nicht so gut ausdrücken können.
Kinder müssen wach sein und sich aktiv festhalten können. Sobald ein Kind müde wird oder einschläft, sollte man spätestens eine Pause einlegen! Auf Signale achten: Sitz und Druck der Hände kontrollieren und kurze Stopps an Ampeln zum Reden nutzen. Immer wieder Blickkontakt suchen. Am Anfang nicht länger als eine halbe Stunde fahren. Motorrad fahren ist besonders für Kleinkinder körperlich sehr anstrengend, aber auch die vielen neuen Eindrücke müssen verarbeitet werden.
Alles erklären. Nicht nur auf Gefahren hinweisen und technische Zusammenhänge erläutern, sondern auch das Verhalten auf dem Motorrad erklären. Wie soll sich das Kind in Kurven verhalten? Was passiert bei einer Vollbremsung im Notfall? Mindestens genauso wichtig ist ein Gespräch nach der Ausfahrt. Wie hat es Dir gefallen? Was war blöd?
Motorradfahren mit Kindern im Ausland
Wer im Auslandsurlaub sein Kind auf dem Bike mitfahren lassen will, sollte bedenken: Dort gelten zum Teil andere Regelungen und Bestimmungen im Straßenverkehr, die teilweise auch den Beifahrer bzw. die Beifahrerin betreffen. In manchen Ländern ist die Mitnahme von ganz jungen Kindern ausdrücklich verboten.
Zusammenfassung der wichtigsten Punkte
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass eine Motorradtour mit Kindern gut vorbereitet und eingeübt werden sollte. Neben der Ausstattung mit Schutzkleidung, Gegensprechanlage und ggfls. Motorradkindersitz ist auch die Besprechung der Verhaltensweisen wichtig.
Die Verantwortung, ob ein Kind als Mitfahrer auf einem Motorrad Platz nehmen darf, liegt in der Verantwortung der Eltern. Jedoch ist es auch wichtig, dass das Kind sich sicher und wohl dabei fühlt. Eine gelungene und sichere Fahrt ist außerdem von vorherigen Absprachen abhängig.
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