Motorradunfälle: Ursachen und Statistische Analyse

Motorradfahren macht Spaß und vermittelt ein Gefühl von Freiheit und Abenteuer. Doch im Vergleich zu anderen Verkehrsteilnehmern sind Motorradfahrerinnen und -fahrer besonders gefährdet. Auf Basis der durchschnittlichen Fahrleistungen haben motorisierte Zweiräder ein vierfach höheres Risiko, an einem Unfall beteiligt zu sein. Die Verunglücktenrate ist sogar siebenmal so hoch.

Die Bilanz der Polizei Baden-Württemberg zur Motorradsaison 2024 zeigt, dass die Unfall- und Opferzahlen auf Vorjahresniveau liegen. In der von März bis Oktober 2024 laufenden Motorradsaison ereigneten sich insgesamt 4.115 Motorradunfälle (2023: 4.192), davon 3.351 mit Personenschaden (2023: 3.394). Hierbei wurden 2.458 Bikerinnen und Biker leicht (2023: 2.520), 982 schwer verletzt (2023: 959). 63 Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer verunglückten in der Saison 2024 tödlich (2023: 66), in der Motorradsaison 2017 waren es noch über 100.

Häufige Unfallursachen

Es existieren diverse Ursachen für einen Motorradunfall. Zu den hauptsächlichen Gründen zählen neben Fehlern beim Abbiegen und Wenden auch das Fahren unter Alkoholeinfluss. Des Weiteren werden oft Vorfahrtsregeln nicht beachtet, die zum Unfall mit Personenschaden führen. Doch die Hauptunfallursache ist mit Abstand die nicht angepasste Geschwindigkeit.

Geschwindigkeit war erneut die Hauptunfallursache Nummer eins bei schweren Verkehrsunfällen: 41,9 Prozent (896) der Motorradunfälle mit Personenschaden waren auf überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit zurückzuführen, bei tödlichen Motorradunfällen war der Anteil mit 48,6 Prozent (18) noch höher. In Summe wurden mehr als die Hälfte der tödlichen Motorradunfälle (54,4 Prozent, 37) durch die Bikerinnen und Biker selbst verursacht. Ein zu geringer Abstand und Fehler beim Überholen waren bei 21,8 Prozent (465) der Motorradunfälle mit Personenschaden unfallursächlich.

Bei Alleinunfällen, also rund einem Drittel aller Motorradunglücke, verlieren die Motorradfahrenden oftmals auf kurvigen Streckenabschnitten die Kontrolle über ihr Fahrzeug. Sie verbremsen sich, sind unaufmerksam, stürzen und/oder kommen von der Straße ab. Mit 47 Prozent sind solche Fahrfehler die häufigste Unfallursache. Die zweithäufigste Ursache von Alleinunfällen ist mit 39 Prozent eine überhöhte Geschwindigkeit. Diese führt oft in einer Kurve zum Unfall.

Bei knapp zwei Dritteln der Unfälle prallen die Motorradfahrenden mit anderen Fahrzeugen zusammen. Von Kradfahrerinnen und -fahrern verursachte Kollisionen treten am häufigsten aufgrund von Fehlern beim Überholen, einer unangepassten Geschwindigkeit und einem ungenügenden Abstand auf. Bei fast der Hälfte der Fälle waren die Kradfahrenden nicht die Unfallverursachenden.

42 Prozent der von Autofahrern verursachten Motorradunfälle sind sogenannte "Sichtunfälle". Das bedeutet: Der Autofahrer hat das Motorrad zu spät oder gar nicht wahrgenommen. Viele Motorradcrashs ereignen sich an Kreuzungen und Einmündungen - also an Stellen, an denen sich oft die Vorfahrt ändert.

Statistik im Überblick

Das Statistische Bundesamt beschäftigt sich gründlich mit der Entwicklung des Unfallgeschehens im Verkehr und präsentiert seine Ergebnisse jeweils monatlich sowie jährlich in ausführlichen Statistiken. Der Unfallstatistik des Statistischen Bundesamtes zufolge kam es im Jahr 2015 zu knapp 2,50 Millionen Unfällen. Dabei ist jedoch zu beachten, dass längst nicht alle Verkehrsunfälle gemeldet werden - die Dunkelziffer könnte entsprechend noch höher sein. Im Jahr 2015 ereigneten sich insgesamt 3.475 tödliche Unfälle.

An 15 Prozent der Unfälle mit Personenschaden war laut Unfallstatistik ein Motorrad beteiligt. An insgesamt 32.500 Unfällen mit Personenschaden waren im Jahr 2015 der Unfallstatistik des Statistischen Bundesamtes zufolge Lastkraftwagen beteiligt.

Im Jahr 2015 gab es der Unfallstatistik zufolge 78.068 Verkehrsunfälle, bei denen Fahrradfahrer Schaden davontrugen. Insgesamt kamen 383 ums Leben. Die Risikogruppen sind laut Unfallstatistik Kinder und Senioren.

Im Jahr 2015 verunfallten im Durchschnitt jeden Tag 54 Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren im Verkehr. Dies sind gemäß Unfallstatistik insgesamt 19.820 Jugendliche im gesamten Jahr, wovon 72 ums Leben kamen. Es sind laut Unfallstatistik meist junge Fahrer, welche die Schuld an schweren Verkehrsunfällen tragen.

66.156 junge Erwachsene im Alter zwischen 18 und 24 wurden im Jahr 2015 in Verkehrsunfälle verwickelt. 473 von ihnen kamen dabei sogar ums Leben. Keine andere Altersgruppe wurde zudem im Jahr 2015 in so viele Unfälle mit einem Pkw verwickelt, wie die der zwischen 18- und 24-Jährigen.

48.690 Personen ab 65 Jahren wurden bei Verkehrsunfällen laut Unfallstatistik verletzt, 50 Prozent davon in einem Auto. Insgesamt 1.024 Senioren kamen 2015 bei Verkehrsunfällen ums Leben.

Im Jahr 2015 wurden insgesamt 210.000 Verkehrsunfälle mit Personenschaden von Autofahrern verursacht. Jeder fünfte Pkw-Fahrer, der einen Unfall verschuldet hatte, war jedoch zwischen 18 und 24 Jahren alt. Weiterhin wurden aufgrund des Fehlverhaltens von Autofahrern im Jahr 2015 2.049 Menschen getötet.

Im Jahr 2015 konnten laut Unfallstatistik insgesamt 20.113 Verkehrsunfälle mit Personenschaden auf Autobahnen in Deutschland verzeichnet werden. 414 Personen starben, 5.834 erlitten schwere Verletzungen. Die meisten Unfälle auf der Autobahn im Jahr 2015 sind auf zu schnelles Fahren zurückzuführen.

Insgesamt waren es 1.997 Tote im Jahr 2015 auf Landstraßen, was 57,7 Prozent aller getöteten Personen im Verkehr ausmacht. Laut Statistik führten meist Autounfälle zu Todesopfern auf Landstraßen. 505 tödliche Motorradunfälle kamen gemäß Statistik auf Landstraßen 2015 noch hinzu. Der Unfallstatistik zufolge sind Geschwindigkeitsüberschreitungen auch hier die Wurzel allen Übels.

Zusammenfassung der Unfallursachen

UnfallursacheHäufigkeit
Überhöhte Geschwindigkeit41,9% der Motorradunfälle mit Personenschaden
Fehler beim Überholen21,8% der Motorradunfälle mit Personenschaden
Alleinunfälle durch Fahrfehler47%
Sichtunfälle (Autofahrer übersieht Motorrad)42% der von Autofahrern verursachten Unfälle

Präventive Maßnahmen

Da die meisten Unfälle auf ein Fehlverhalten von Fahrerinnen und Fahrern zurückzuführen sind, haben Bikerinnen und Biker, aber auch alle anderen Verkehrsteilnehmenden die Möglichkeit, Unfälle durch ein vorausschauendes, defensives Fahrverhalten zu vermeiden.

Praktische Tipps für Biker:

  • Schütze dich bei jeder Fahrt mit einem ECE-Helm, Motorradhandschuhen, -stiefeln, -jacke, -hose, Rückenprotektor und Nierengurt.
  • Achte bei deiner Jacke und Hose auf Protektoren im Bereich der Schultern, Ellenbogen, Rücken, Hüfte, Knie.
  • Für eine bessere Sichtbarkeit im Straßenverkehr sind kontrastreiche Kleidung und Fahrzeuglackierungen hilfreich.
  • Checke die Bremsen, Reifen, Feder-Dämpfer-Elemente, Fahrwerklager, Beleuchtungsanlage, Antrieb (z.B. Kette), Motor vor jeder Fahrt.
  • Übe Bewegungs- und Bedienungsabläufe in Ruhe ein.
  • Auch die Reifen brauchen Zeit, bis sie eine Mindesttemperatur erreicht haben.
  • Halte dich selbst körperlich fit, damit du auch bei langen Fahrten unter ungünstigen Bedingungen noch Reserven hast.
  • Wähle in Linkskurven eine Fahrlinie, die möglichst weit rechts ist. Dadurch hältst du den Abstand zum Gegenverkehr am größten. Außerdem brauchst du in Schräglage mehr Platz.
  • Trainiere die spezielle Blickführung für die Kurvenfahrt: Einlenkpunkt, Scheitelpunkt, Kurvenausgang, weiterer Straßenverlauf. Die Blickführung gehört zur den wichtigsten Lenkungsinstrumenten.

Weitere Tipps zur Unfallvermeidung:

  • Nähern Sie sich Kreuzungen und Einmündungen vorsichtig und verringern Sie Ihre Geschwindigkeit. Verlassen Sie sich nicht auf Ihre Vorfahrt.
  • Passen Sie Ihren Speed an die aktuelle Situation an - rasen Sie nicht an Baustellen, in Kurven oder anderen unübersichtliche Stellen.
  • Ein Fahrsicherheitstraining mit Motorrad macht auf jeden Fall Sinn. Dabei lernen Sie, in Gefahrensituationen richtig zu reagieren.
  • Wir legen Ihnen die Motorrad-Inspektion ans Herz: Sie ist nämlich deutlich intensiver als die Hauptuntersuchung.
  • Seien Sie auf alles vorbereitet: zum Beispiel auf überholende Autos auf Ihrer Spur der Landstraße. Bei Kolonnen müssen Sie damit rechnen, dass ein vor Ihnen fahrendes Fahrzeug plötzlich überholt oder wendet. Daher gilt hier besondere Vorsicht, wenn Sie selbst an der Kolonne vorbeiziehen wollen.

Ergänzend zu Kontrollen bietet die Polizei Präventionsveranstaltungen an. Dabei stehen neben der Schärfung des Gefahrenbewusstseins und Hinweisen auf das richtige Equipment auch der persönliche Dialog mit den Bikerinnen und Bikern im Fokus.

Die Ergebnisse dieser Bundesstatistik dienen der Gewinnung zuverlässiger, aktueller und bundesweit vergleichbarer Daten (insbesondere zu den Unfällen auf der Straße) für vekehrszweigübergreifende Unfallrisikovergleiche und schaffen eine notwendige Grundlage für die staatliche Verkehrspolitik - nicht zuletzt auf dem Gebiet der Infrastruktur- und Verkehrssicherheitspolitik.

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