Tödliche Motorradunfälle: Ursachen und Prävention

Motorradfahren macht Spaß und vermittelt ein Gefühl von Freiheit und Abenteuer. Allerdings ist das Unfallrisiko für Motorradfahrerinnen und -fahrer besonders hoch. Im Vergleich zu anderen Verkehrsteilnehmern sind sie besonders gefährdet.

Auf Basis der durchschnittlichen Fahrleistungen haben motorisierte Zweiräder ein vierfach höheres Risiko, an einem Unfall beteiligt zu sein. Die Verunglücktenrate ist sogar siebenmal so hoch. Insgesamt verzeichnet das Statistische Bundesamt jährlich mehr als 500 tödlich und fast 10.000 schwerverletzte Motorradfahrer und -fahrerinnen.

Wie lassen sich solch schwere Unfälle verhindern oder zumindest deren Zahl verringern? Der ADAC hat eine detaillierte Analyse von Unfällen außerhalb von Ortschaften auf Basis der ADAC Unfalldatenbank durchgeführt. Dafür werteten die Fachleute des Clubs ca. 2500 schwere Verkehrsunfälle aus, die sich außerhalb von Ortschaften ereigneten und an denen Motorradfahrende beteiligt waren.

Unfallrisiko und -ursachen

Insgesamt sind Kradfahrerinnen und -fahrer bei fast jedem vierten Verkehrsunfall außerorts beteiligt. Bei etwas mehr als einem Drittel handelt es sich um Alleinunfälle, bei knapp zwei Dritteln der Unfälle kollidieren die Motorradfahrenden mit anderen Verkehrsteilnehmern. Ein erhöhtes Unfallrisiko haben junge Motorradfahrerinnen und -fahrer im Alter von 15 bis 24 Jahren.

Am häufigsten erleiden die Motorradfahrerinnen und -fahrer Schädel-Hirn-Traumata, Thorax-Traumata und Traumata an den Extremitäten. Verletzungen am Kopf, Thorax, Abdomen, Becken und Beinen führen am häufigsten zu schweren bis tödlichen Traumata.

Alleinunfälle

Bei Alleinunfällen verlieren die Motorradfahrenden oftmals auf kurvigen Streckenabschnitten die Kontrolle über ihr Fahrzeug. Sie verbremsen sich, sind unaufmerksam, stürzen und/oder kommen von der Straße ab. Solche Fahrfehler sind mit 47 Prozent die häufigste Unfallursache. Die zweithäufigste Ursache von Alleinunfällen ist mit 39 Prozent eine überhöhte Geschwindigkeit, die oft in einer Kurve zum Unfall führt.

Kollisionen

Bei knapp zwei Dritteln der Unfälle prallen die Motorradfahrenden mit anderen Fahrzeugen zusammen. Von Kradfahrerinnen und -fahrern verursachte Kollisionen treten am häufigsten aufgrund von Fehlern beim Überholen, einer unangepassten Geschwindigkeit und einem ungenügenden Abstand auf. Bei fast der Hälfte der Fälle waren die Kradfahrenden nicht die Unfallverursachenden. Bei jedem zehnten Unfall mit Kradbeteiligung kollidiert ein linksabbiegendes Fahrzeug mit einem entgegenkommenden Motorrad. Da überdies die Hälfte aller Kollisionen beim Abbiegen, Einbiegen oder Kreuzen passieren.

Technische Möglichkeiten zur Unfallvermeidung

Ein Kurven-ABS in Kombination mit einer Traktionskontrolle hätte ein hohes unfallvermeidendes Potenzial. Dadurch könnte ein großer Teil der Fahrunfälle verhindert werden. Aber auch ein Abstandsregeltempomat (ACC) und ein Totwinkelassistent könnten die Sicherheit der Motorradfahrerinnen und -fahrer erhöhen. Ein eCall-System würde die Hilfeleistung nach dem Crash verbessern.

Da die Hälfte aller Kollisionen beim Abbiegen, Einbiegen oder Kreuzen passieren, könnten Linksabbiegeassistenten und Kreuzungsassistenten bei Pkw das Sicherheitsniveau deutlich erhöhen, denn durch eine Notbremsung könnten diese einen Zusammenstoß verhüten.

Sicherheitsmaßnahmen und Verhaltenstipps

Da die meisten Unfälle auf ein Fehlverhalten von Fahrerinnen und Fahrern zurückzuführen sind, haben Bikerinnen und Biker, aber auch alle anderen Verkehrsteilnehmenden die Möglichkeit, Unfälle durch ein vorausschauendes, defensives Fahrverhalten zu vermeiden. Etwa indem sie passende Schutzkleidung, idealerweise sogar eine Airbag-Weste, tragen, sich und die Reifen zu Beginn jeder Fahrt "warm" fahren und einen Sicherheitscheck durchführen.

Und indem sie in regelmäßigen Abständen Fahrsicherheitstrainings absolvieren, um die physikalischen Grenzen ihres Motorrads und die eigenen fahrerischen Fähigkeiten kennenzulernen sowie Letztere zu erweitern.

Praktische Tipps für Biker

  • Schütze dich bei jeder Fahrt mit einem ECE-Helm, Motorradhandschuhen, -stiefeln, -jacke, -hose, Rückenprotektor und Nierengurt.
  • Achte bei deiner Jacke und Hose auf Protektoren im Bereich der Schultern, Ellenbogen, Rücken, Hüfte, Knie.
  • Für eine bessere Sichtbarkeit im Straßenverkehr sind kontrastreiche Kleidung und Fahrzeuglackierungen hilfreich.
  • Checke die Bremsen, Reifen, Feder-Dämpfer-Elemente, Fahrwerklager, Beleuchtungsanlage, Antrieb (z.B. Kette), Motor vor jeder Fahrt.
  • Übe Bewegungs- und Bedienungsabläufe in Ruhe ein.
  • Auch die Reifen brauchen Zeit, bis sie eine Mindesttemperatur erreicht haben.
  • Halte dich selbst körperlich fit, damit du auch bei langen Fahrten unter ungünstigen Bedingungen noch Reserven hast.
  • Wähle in Linkskurven eine Fahrlinie, die möglichst weit rechts ist. Dadurch hältst du den Abstand zum Gegenverkehr am größten. Außerdem brauchst du in Schräglage mehr Platz.
  • Trainiere die spezielle Blickführung für die Kurvenfahrt: Einlenkpunkt, Scheitelpunkt, Kurvenausgang, weiterer Straßenverlauf. Die Blickführung gehört zur den wichtigsten Lenkungsinstrumenten.

Die Situation in Baden-Württemberg

Laut der Verkehrsunfallbilanz des Innenministeriums Baden-Württemberg ereigneten sich im vergangenen Jahr in Baden-Württemberg insgesamt 4692 Motorradunfälle. In Summe endeten 64 der 3961 Unfälle für die Biker tödlich. Bei 27.933 Unfällen verstarben im vergangenen Jahr 511 Menschen - jeder 55. Motorradunfall endet also tödlich.

55 Prozent der tödlichen Motorradunfälle wurden durch die Biker selbst verursacht. Besonders die Alpen, die Schwäbische Alb und die Schwarzwaldhochstraße bei Freudenstadt sind aufgrund der kurvigen Landschaft enorm gefährlich.

Generell empfiehlt der ADAC Württemberg den Motorradfahrern, passende Schutzkleidung zu tragen und regelmäßige Sicherheitschecks an der Maschine durchzuführen. Dasselbe gilt für eine kurze Probefahrt, um sich und die Technik zu Beginn der Fahrt „warm“ zu machen.

„Besonders wichtig sind Fahrsicherheitstrainings für Wiedereinsteiger, die oft mehrere Jahre nicht mehr auf dem Motorrad gefahren sind.“ Dies kann laut Bach auch dann sinnvoll sein, wenn man mit einem neuen, noch unbekannten Motorrad unterwegs ist und sich an die Fahreigenschaften gewöhnen will.

Auch Autofahrer und andere Verkehrsteilnehmer können dazu beitragen, Unfälle durch ein vorausschauendes, defensives Fahrverhalten zu vermeiden. Viele Menschen unterschätzen, wie schnell Motorräder beschleunigen können und wie sie sich in Kurven verhalten. Gerade auf Landstraßen sollte man daher lieber einmal öfter in den Rückspiegel schauen.

52 Prozent aller Motorradunfälle sind auf überhöhte Geschwindigkeit zurückzuführen. Kumulierte 15 Prozent entspringen aus einem zu geringen Abstand und wenn der Fahrer abgelenkt oder fahruntüchtig ist. Weitere 13 Prozent aller Unfälle resultieren aus gefährlichen Überholmanövern.

Die Mehrheit der Unfälle sind sogenannte Alleinunfälle. Das heißt, die Motorradfahrer verlieren durch Fahrfehler die Kontrolle über ihr Motorrad. Sie verbremsen sich, sind unaufmerksam, stürzen oder kommen von der Straße ab.

Weitere Unfallursachen und Präventionstipps

  1. 42 Prozent der von Autofahrern verursachten Motorradunfälle sind sogenannte "Sichtunfälle". Das bedeutet: Der Autofahrer hat das Motorrad zu spät oder gar nicht wahrgenommen.
  2. Viele Motorradcrashs ereignen sich an Kreuzungen und Einmündungen - also an Stellen, an denen sich oft die Vorfahrt ändert. Nähern Sie sich solchen Stellen vorsichtig und verringern Sie Ihre Geschwindigkeit. Verlassen Sie sich nicht auf Ihre Vorfahrt.
  3. Zu den meisten Motorradcrashs kommt es wegen überhöhter Geschwindigkeit. Passen Sie daher unbedingt Ihren Speed an die aktuelle Situation an - rasen Sie nicht an Baustellen, in Kurven oder anderen unübersichtliche Stellen.
  4. Auch bei Fahrten in der Gruppe passiert häufig ein Motorradunfall. Die Gruppendynamik führt dazu, dass sich Motorradfahrer hier eher überschätzen.
  5. Egal, ob Sie ein geübter Motorradfahrer sind und regelmäßig auf dem Bike sitzen oder gerade erst Ihr Zweirad bekommen haben: Ein Fahrsicherheitstraining mit Motorrad macht auf jeden Fall Sinn. Dabei lernen Sie, in Gefahrensituationen richtig zu reagieren.

Motorrad-Inspektion

Im Gegensatz zur Hauptuntersuchung ist die Motorrad-Inspektion meist freiwillig. Nur während der Garantiezeit gibt der Hersteller einen Zeitrahmen vor. Wir legen Ihnen die Motorrad-Inspektion auch danach noch ans Herz: Sie ist nämlich deutlich intensiver als die Hauptuntersuchung.

Vorsicht im Straßenverkehr

Sicher ist nur, dass nichts sicher ist. Daher sollten Sie auf alles vorbereitet sein: zum Beispiel auf überholende Autos auf Ihrer Spur der Landstraße. Bei Kolonnen müssen Sie damit rechnen, dass ein vor Ihnen fahrendes Fahrzeug plötzlich überholt oder wendet. Daher gilt hier besondere Vorsicht, wenn Sie selbst an der Kolonne vorbeiziehen wollen.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0