MAGURA MT7 Test: Ein Klassiker unter den Mountainbike-Bremsen

Die MAGURA MT7 ist das Flaggschiff-Modell des deutschen Bremsenherstellers und bietet viel Power für den Einsatz an Enduro- und Downhill-Bikes. DH-Profis wie Loïc Bruni haben bereits zahlreiche Rennen mit den MAGURA MT7-Bremsen gewonnen. Mit ihren vier Kolben ist die MAGURA MT7 die stärkste Bremse im Portfolio des schwäbischen Herstellers und hat diesen Platz schon seit 2015 inne.

MAGURA ist ein deutsches Traditionsunternehmen, bekannt durch Bremssysteme für Fahrrad und Motorrad. Im Bike-Bereich gelten sie als Erfinder der ersten hydraulischen Felgen- und Scheibenbremse und sind seither fester Bestandteil der Szene.

Technische Details und Aufbau

Der einteilige Bremssattel aus geschmiedetem Alu soll laut Magura beste Steifigkeit bieten. In ihm werkeln vier üppige 17-mm-Kolben, die einzelne Beläge, also vier pro Bremssattel, ansteuern! Die mit Mineralöl arbeitende MT7 verbeißt sich nicht nur mit 4 Kolben, sondern sogar mit 4 Bremsbelägen in die passenden Magura Storm oder Storm SL Bremsscheiben. Um das Gewicht niedrig zu halten, stellt Magura den Bremsgriff aus dem eigens entwickelten Material Carbotecture SL her.

Weitere Spezialität ist die Gebereinheit im Radial- und Flip- Flop-Design: Das Gehäuse besteht aus in Deutschland hergestelltem, von Magura entwickeltem Carbotecture, einem Verbundstoff aus Polymeren und eingebetteten Kohlefasern. Dieser wirkt optisch weniger edel, sorgt aber für ein exzellentes Gewicht. Nur die MT7 unterbietet beim Vergleichswert für die eigentliche Bremse die 250-g-Marke.

MT7 vs. MT5: Was ist der Unterschied?

Unterhalb der MT7 ist die beinahe identische MT5 eingeordnet, die wir ebenfalls im Test hatten. Optisch sind die beiden kaum zu unterscheiden und der Bremssattel ist bis auf die Dichtung identisch. Die Geber-Einheit der MT7 besteht aus dem (angeblich) leichteren und stabileren Carbotecture SL, dem faserverstärkten und im Spritzgussverfahren hergestellten Kunststoff als Eigenkreation von MAGURA. Verglichen zur MT5 hat sie einen kleineren Geberkolben.

Auf der Waage hat sich das mit 542 g bei der MT7 - versus 538 g bei der kleinen Schwester - nicht bemerkbar gemacht. Der kleinere Geberkolben besitzt ein höheres Übersetzungsverhältnis, wodurch die Beläge näher an der Bremsscheibe anliegen müssen. Auch die Form weicht leicht von der MT5 ab.

Individualisierung und Anpassung

Bei der MAGURA MT7 kann man die Geber- und Nehmer-Einheit mit kleinen Plastik-Cover individualisieren. Und das sowohl farblich als auch mit Custom Designs über #customizeyourbrake und mit verschiedenen Hebeln, die die Ergonomie der Bremse nochmal deutlich ändern. Die Schwaben bieten eine reichhaltige Auswahl an austauschbaren Hebeln, vom 2-Finger-"Prügel" bis zum vielfach einstellbaren HC3-Hebel, der mit Danny MacAskill entwickelt wurde. Dazu gibt es drei Beläge und drei empfohlene Discs.

Montage und Setup

Wir sind die MT7 mit zweiteiliger MDR-P-Scheibe in je 203 mm (je 55 Euro) und Standardhebel (HC Alu) gefahren. Die Storm Bremsscheibe lässt sich ganz einfach mit den mitgelieferten T-25 Schrauben auf jede 6-Loch-Nabe schrauben. Die Kombi aus vier Belägen und recht schmalem Bremsspalt sorgt dafür, dass es dauert, bis man die Discs schleiffrei eingestellt hat. Abgesehen davon bereitet die Montage keine Probleme, der Einstellbereich der Hebelreichweite ist großzügig.

Die Bremsbeläge an der MT7 lassen sich im Handumdrehen wechseln, da sie pro Seite zweigeteilt sind - für jeden der vier Kolben gibt es einen eigenen Belag. Die Beläge lassen sich nach Entfernen der TX25-Sicherungsschraube einfach nach außen herausziehen und beim erneuten Einsetzen rasten sie magnetisch wieder ein - smart! So muss nicht jedes Mal der Bremssattel abgeschraubt und vor allem nicht wieder neu justiert werden.

Die Bremse funktioniert mit MAGURAs Mineralöl „Royal Blood“ - das greift nicht den Lack oder die Haut an. Nur bei Kontakt mit den Bremsbelägen müsst ihr aufpassen.

Ergonomie und Dosierbarkeit

Viele lieben sie, aber nicht alle: Die Hebel von Magura sind keine "Konsens-Modelle" à la Shimano. Wir kamen mit dem HC-Hebel jedoch sehr gut zurecht, Alternativen gibt es reichlich (siehe Tuning). Generell ist der Druckpunkt auf der ausgewogenen Seite, dennoch geht die MT7 bissig ans Werk, speziell mit den Race-Belägen. Auch die Performance Mischung beißt beherzt zu, wobei alle Beläge Magura-typisch sorgfältig eingebremst werden sollten.

Danach bedarf es noch Eingewöhnung, um die extreme Bremskraft zu modulieren, so feinfühlig wie bei einer Sram-Bremse geht es nicht zu, speziell mit durchgezogenem Hebel kommt noch mal ein echter "Bums": Mit Mut zum späten Bremspunkt lässt sich die MT7 so gut wie keine andere buchstäblich auf den Punkt bringen.

Bremskraft und Standfestigkeit

Bäähm! Wie seit jeher hauen die großen Kolben im steifen Sattel der MT7 noch immer richtig rein. Bremskraft und Standfestigkeit sind auf allerhöchstem Niveau, selbst brachiale Bremsmanöver glücken mit entsprechender Fahrtechnik immer. Anders gesagt: Man muss selbst als Schwergewicht nahezu alles falsch machen, um mit der MT7 nicht rechtzeitig zum Stehen zu kommen oder sie in der alpinen Abfahrt in die Nähe des Fading-Bereich zu bekommen. Dazu gibt sich die MT7 stets berechenbar und konstant.

Im Trail-Test zeigt sich die MAGURA MT7 mit hoher Bremspower und fühlt sich deutlich knackiger an als die kleinere MT5. Das höhere Übersetzungsverhältnis zwischen Geber- und Nehmerkolben macht sich bemerkbar und auch der Leerweg ist an der MT7 geringer. Die werkzeuglose Hebelweiteneinstellung funktioniert auch mit Handschuhen gut und gelingt mit wenig Kraftaufwand.

Die MT7 ist gut zu dosieren und nicht „über“kraftvoll, sodass man beim leisesten Hebelkontakt keine Angst haben muss, über den Lenker zu gehen. So findet die MT7 einen guten Mittelweg zwischen Verzögerung und Modulation.

Ein spannender Fakt ist hier unsere Aufzeichnung mit dem BrakeAce-System. Die MT7 zeigt gleich viele Brems-Events und eine identische Front-Heck-Verteilung wie die MT5. Allerdings sind die Bremsereignisse bei der stärkeren MT7 im Schnitt 0,5 Sekunden kürzer - man bremst also deutlich effizienter.

Bremsbeläge

Drei Beläge führt Magura, alle zweigeteilt und mit organischer Mischung: Sport, Performance und Race. Performance bietet den besten Mix aus Power, Dosierbarkeit und Langlebigkeit. Die goldenen, bissigen Race-Beläge (Bild) verzögern top, verschleißen dafür ein wenig schneller.

Tuning-Optionen

Kein Hersteller bietet selbst so viele Hebel an wie Magura, die alle den Charakter der Bremse ändern. So liefert der HC3-Hebel den härtesten Druckpunkt, dafür weniger Power. Eine weitere interessante Variante bietet Oak Components. Der CNC-gefräste Root Lever (129 Euro/ Paar) weist ein laut Oak optimiertes Hebelverhältnis auf, ist hübsch und steif. Dazu gibt es Druckpunkt- und Leerwegverstellung sowie einen Knickschutz für die Leitung.

Weitere Magura Bremsen im Überblick

Der schwäbische Hersteller Magura geizt nicht an hochwertigen Bremsen. Mit Qualitäts-Eisen konnte sich das Unternehmen rund um die Welt einen Namen machen. Viele der Magura Bremsen sind über die Disziplinen hinaus einsatzfähig. Wir geben dir ein paar Hinweise, welche Modelle in welche Sparte passen.

  • MT7 Pro: Für Gravity-Rennsport entwickelt, ideal für MTB Downhill und Enduro.
  • MT Trail SL: Leichte und performante Bremse für leichten Enduro und Traileinsatz, auch für E-MTB und Trekkingbikes geeignet.
  • MT8 Pro: Effektive Allrounder, ursprünglich für den Rennsport entwickelt.
  • MT Trail Sport: 4 Kolben vorne für ideale Bremskraft und Dosierbarkeit, 2 Kolben hinten für sichere Verzögerung.
  • C5: Für Allround MTB, Trekking und Urban Bikes vorgesehen.
  • MT5e: Speziell auf S-Pedelec zugeschnitten, für effektive Verzögerung bei hohen Geschwindigkeiten.
  • MT5 eStop: Ausgezeichnetes Preis-Leistungsverhältnis für E-Bikes und Cargo-Bikes.

Wartung und Pflege

Wenn die Bremsleistung nachlässt, kann das Entlüften der Leitungen wieder den nötigen Biss auf die Scheibe bringen. Je nach Einsatz ist das Entlüften etwa aller 1 bis 2 Jahre notwendig. Ob du deine Scheibe wechseln musst, hängt mit der Abnutzung zusammen. Die sogenannte Verschleißgrenze, das "wear-limit", ist auf den Bremsscheiben vermerkt. Um es zu ermitteln, misst du die Stärke der Scheibe an der Bremsfläche. Auch verfärbte Scheiben oder Scheiben mit extremen Rillen müssen getauscht werden.

Auch Bremsbeläge haben irgendwann ihre Grenze erreicht. Um herauszufinden, wie viel Belagmischung noch auf dem Träger sein darf, prüfst du das Handbuch deines Magura Bremsmodells.

Alternativen und Ergänzungen

Als Ersatz oder Ergänzung für ausgewählte Magura Scheibenbremsen bietet Galfer Bremsscheiben für ein verbessertes Temperaturmanagement oder nasse Trailbedingungen. Auch spezielle Bremsbeläge können die Griffigkeit aufwerten.

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