Helme sind beim anspruchsvollen Mountainbike-Fahren Pflicht. Studien haben ermittelt, dass durch das Tragen von Fahrradhelmen zwischen 20 Prozent der Kopfverletzungen bei Leichtverletzten und bis zu über 80 Prozent der Kopfverletzungen bei besonders Schwerverletzten vermieden werden können. Neben dem Schutz, den sie bieten sollten, müssen sie aber auch angenehm zu tragen sein und den Kopf ausreichend belüften.
In den allermeisten Fällen besteht ein Fahrradhelm aus einer harten Kunststoffschale, in welche direkt ein expandierter Polystyrol Schaum (EPS) eingespritzt wird. Dieses Verfahren bezeichnet man als sogenanntes In-Mold-Verfahren. Der EPS absorbiert im Falle eines Sturzes die auftreffende Energie und schützt so den Kopf vor Verletzungen. Der Schaum altert mit der Zeit und wird porös. Schweiß und UV-Strahlung beschleunigen den Prozess, weshalb der Helm gut gepflegt und gelagert werden will.
Vereinzelt setzten Hersteller wie Endura oder Smith auf Koroyd anstelle von EPS als energieabsorbierendes Material. Dieser Verbund aus wabenförmigen Kunststoffröhrchen soll die Energie linearer absorbieren und dadurch die Sicherheit bei gleichzeitig geringerem Gewicht erhöhen.
Eine weitere Technologie, die den Kopf besser schützen soll, ist das Multi-Directional Impact Protection System, oder kurz MIPS. MIPS soll den Kopf bei einem Schrägaufprall durch Ableiten der Energie besser schützen. Dadurch ist eine innere dünne Schale beweglich im Fahrradhelm befestigt, die sich um 10 bis 15 Millimeter in alle Richtungen bewegen lässt.
Die wichtigste Aufgabe eines Helmes ist es, den Biker zu schützen, sollte es zu einem Sturz oder Unfall kommen. Die notwendige Größe des Helmes kann einfach mit einem Maßband ermittelt werden, mit welchem der Kopfumfang oberhalb der Ohren nachgemessen wird. Hier sollte am besten zu zweit gearbeitet werden.
Damit der Helm optimal angepasst werden kann, muss der Head-Ring in Umfang und Höhe verstellbar sein und der Verschlussmechanismus sollte gut, am besten mit einer Hand, bedienbar sein. Auch ist eine gute Belüftung hilfreich, damit der Kopf bei einem anstrengenden Uphill oder in der prallen Sonne nicht so schnell überhitzt. Zusätzlich sei gesagt, dass nicht jeder Helm gleich gut auf jeden Kopf passt.
Natürlich ist jeder Kopf verschieden und so lohnt es sich, beim Kauf auch mal andere Helmhersteller auszuprobieren und sich nicht zu sehr auf einen Helm zu versteifen, nur weil die Farbe gut zum Bike oder Trikot passt.
Ausgewählte MTB-Helme im Test
Insgesamt haben wir 22 MTB-Helme für den All-Mountain- und Enduro-Bereich ausgiebig getestet. Hier eine Auswahl von Modellen, die besonders überzeugen konnten:
POC Tectal Race MIPS
Der POC Tectal Race MIPS ist ein Helm für eine Vielzahl von Mountainbike-Disziplinen. Egal ob auf anspruchsvollen Enduro- oder entspannten Allmountain-Touren, der Helm bietet Komfort und Sicherheit. Der POC Tectal Race MIPS ist nicht nur dank der MIPS Integra-Technologie sehr sicher, auch ein guter Sitz, eine im Windkanal optimierte Belüftung und kleine Details wie ein verbauter Recco-Reflektor tragen zur Sicherheit bei, wenn es mal zum Äußersten kommen sollte.
Dank der MIPS Integra-Technologie schützt der Helm im Falle eines Sturzes optimal und trägt sich sehr angenehm. Speziell im Windkanal designte Belüftungsöffnungen sorgen für ordentlich Durchzug unter der Haube. So können wir den Helm jedem empfehlen, der gerne mit seinem Mountainbike ins Gelände oder in die Berge will, egal ob für eine entspannte Allmountain-Runde oder eine anspruchsvolle Enduro-Tour.
Die Verarbeitung des Helmes ist ausgezeichnet. Der Head-Ring lässt sich stufenweise in drei Positionen in der Höhe verstellen und ist lediglich im Schläfenbereich an der Schale befestigt. So passt sich der Helm beim Schließen des gut bedienbaren Verschlussrades sehr gut der Kopfform an. So sitzt der Helm fest und sicher am Kopf, ohne dabei Druckstellen, zum Beispiel an der Stirn, zu verursachen.
Das Interessante an dem Helm ist jedoch die ausgeklügelte Polycarbonat-Schale. In der Schale selbst ist die MIPS Integra-Technologie verbaut. Dabei wird das System nahezu nahtlos beziehungsweise für den Biker unsichtbar in den Helm integriert. So besitzt der Helm den zusätzlichen Schutz gegenüber Rotationsbewegungen, welche im Falle eines Sturzes auftreten können, ohne dabei das etwas wacklige Gefühl am Kopf zu verursachen, welches das normale MIPS-System mit sich bringt und von dem ein oder anderen eventuell als störend empfunden wird. So bleibt der Tectal Race MIPS-Helm auch bei schnellen und verblockten Trails stets wackelfrei am Kopf.
Neben der ausgeklügelten Schutzfunktion bietet der Helm auch ein ebenso ausgeklügeltes Belüftungssystem. Mehrere große und kleine Belüftungsöffnungen leiten dank ihrer Form die Luft dahin, wo sie gebraucht wird. Dies ist jedoch noch nicht alles. Mehrere kleine Details tragen zusätzlich zur Sicherheit und Komfort bei. Gut gefallen hat uns der stufenweise verstellbare Schirm. Nicht nur, dass er verstellbar ist, sondern vor allem, dass dieser durch eine kleine Schraube in der Mitte in der jeweiligen Position fixiert werden kann. Dies ist zum Beispiel sehr hilfreich, möchte man mit Goggles fahren.
Sollte es einmal zum erdenklich Schlimmsten kommen und man stürzt im Gelände weitab der Zivilisation, ist im Helm selbst noch ein Recco-Reflektor verbaut, um mit dem entsprechenden Detektor gefunden werden zu können, selbst im bewusstlosen Zustand. Am Ende bekommt man mit dem POC Tectal Race MIPS einen High-End-Helm, der Erstaunliches bietet und egal ob auf schweißtreibender Allmountain- oder anspruchsvoller und entlegener Enduro-Tour für Schutz und Komfort auf dem Bike sorgt. Selbst auf einer schnellen Cross-Country-Runde trägt sich der Helm sehr angenehm.
Cube Trooper
Der Cube Trooper ist ein ausgezeichneter Helm für fast jedes Mountainbike-Abenteuer. Durch die Gesamtkonstruktion sowie das verwendete MIPS-System bietet der Helm ein Plus an Sicherheit im Falle eines Sturzes, aber auch der Tragekomfort und die Belüftung sind sehr gut. Der Cube Trooper ist ein gut sitzender, luftiger und nicht nur dank der MIPS-Technologie sicherer Helm für anspruchsvolle Enduro-Touren oder klassische Allmountain-Touren.
Die Verarbeitung des Trooper ist ausgezeichnet. Selbst bei genauer Betrachtung gibt es nichts zu beanstanden. Nicht nur die von Cube entwickelte Defense-Skeleton-Struktur, also der spezielle Helmaufbau unter Verwendung multipler Lagen, sondern auch die Gesamtkonstruktion soll den Kopf bestmöglich schützen. So kommt bei dem Helm die bewehrte MIPS-Technologie zum Einsatz, die bei einem Sturz auftretende Rotationsenergien minimieren soll. Das Breakaway-Visier soll hier zudem unterstützend beitragen, da es gegebenenfalls, je nach Sturzrichtung, einen Teil der Energie aufnimmt und abbricht.
Dank des in das MIPS-System integrierten, freilaufenden Head-Rings kann sich der Helm optimal an die individuelle Kopfform anpassen. Dabei ist der Ring in der Höhe über einen großen Bereich verstellbar. So sollte der Helm den meisten Bikern passen. Selbst nach langen Ausfahrten hatten wir keine nennenswerten Druckstellen an der Stirn oder gar Kopfschmerzen durch einzelne Druckpunkte. Der Kinnriemen lässt sich ebenfalls gut anpassen.
Die Belüftung ist ebenfalls ausgezeichnet. Der Trooper verfügt über insgesamt 21 kleine und große Belüftungsöffnungen, welche über den gesamten Helm verteilt sind. Gerade die Öffnungen im Stirnbereich und unter dem Schirm sind ausreichend groß und sorgen selbst während eines steilen und langen Uphills für spürbaren Durchzug.
Am Cube Trooper findet man zudem eine Brillenhalterung an der Heckpartie sowie einen Flip-Adapter an der Helmoberseite. Der Schirm ist, wie bereits erwähnt, fest am Helm montiert. Somit sind die Augen (beziehungsweise die Brille) etwas vor Regen geschützt, echten Sonnenschutz bietet der Schirm aber kaum. Hier wäre ein verstellbarer Schirm vielleicht praktischer gewesen.
Zusammengefasst bekommt man mit dem Cube Trooper einen sehr guten MTB-Helm sowie sicheren Begleiter für herausfordernde Mountainbike-Abenteuer. Die Passform - oder besser gesagt die Anpassbarkeit - ist ausgezeichnet, wie auch die Belüftung.
Smith Convoy MIPS
Der Smith Convoy MIPS ist ein leichter und komfortabel zu tragender MTB-Helm, der zudem mit der MIPS-Technologie ausgestattet ist. Auf das Nötigste reduziert, besitzt er ein tolles Preis-Leistungs-Verhältnis und ist vom Gravelbiken bis hin zu ausgedehnten Allmountain-Touren zu empfehlen. Der Smith Convoy MIPS punktet vor allem mit Tragekomfort und ist dank der MIPS-Technologie auch noch sicher.
Die Verarbeitung des Helmes ist ausgezeichnet. Dank der MIPS-Technologie und dem dadurch ringsum frei laufenden Head-Ring passt sich der Helm gut der Kopfform an und es entstehen keine unangenehmen Druckstellen an der Stirn. Auch lässt sich die Höhe des Ringes am Hinterkopf stufenweise einstellen.
Ein kleiner Kritikpunkt ist jedoch die hintere Aufhängung der Bänder. Der Nachteil: Die hinteren Bänder laufen beim Aufsetzen direkt über die Ohren. Erst wenn der Head-Ring angezogen ist, können durch einen kurzen Zug an beiden Seiten die Bänder nach unten gezogen werden, um sie hinter die Ohren zu bringen. Dennoch tendieren die Bänder wieder dazu, über das Ohr zu laufen, was am Anfang etwas störend ist. Unterwegs spürt man dies jedoch nicht. Ansonsten lassen sich die Bänder an der Schnalle und an den Ohren entsprechend anpassen.
Positiv zu erwähnen sind die vielen Belüftungsöffnungen. Der Smith Convoy MIPS verfügt über insgesamt 21 Öffnungen, die auch bei anstrengenden Uphills und sommerlichen Temperaturen für deutlich spürbaren Durchzug sorgen. So entsteht nicht so schnell ein Hitzestau unter der Schale.
Positiv ist hier auf alle Fälle die Integration des MIPS-Systems zu erwähnen, was den Kopf im Falle eines Sturzes optimal schützen soll. In diesem Zusammenhang sei zusätzlich das geringe Gewicht von 334,4 Gramm in der Größe L erwähnt. Somit ist der Convoy der leichteste Helm mit MIPS in diesem Test und lässt hier sogar Helme ohne diese Technologie hinter sich.
Am Ende bekommt man mit dem Smith Convoy MIPS einen guten, komfortablen und sicheren Helm zu einem ausgezeichneten Preis-Leistungs-Verhältnis.
Weitere getestete Modelle
Neben den oben genannten Helmen wurden auch folgende Modelle getestet und bewertet:
- Fox Racing Speedframe
- Abus MoDrop
ADAC Fahrradhelm-Test Ergebnisse
Der ADAC hat gemeinsam mit der Stiftung Warentest elf City- und Urban-Fahrradhelme sowie drei S-Pedelec-Helme in den Kategorien Sicherheit, Komfort, Handhabung und Schadstoffgehalt getestet. Die Ergebnisse zeigen eine breite Spanne in Bezug auf Qualität und Preis.
Mit Ausnahme des Testverlierers erzielten alle Produkte erfreulicherweise eine ausreichende Schutzwirkung bei einem Stoß gegen den Fahrradhelm. Den besten Unfallschutz im Vergleich bot der Testsieger von Uvex.
ADAC Testtabelle
| Hersteller/Modell | Mittlerer Preis in Euro | ADAC Urteil | Handhabung & Komfort | Unfallschutz | Schadstoffe |
|---|---|---|---|---|---|
| Uvex Urban Planet LED | 130 | 2,0 | 1,8 | 2,3 | 1,0 |
| Alpina Gent MIPS | 130 | 2,2 | 1,9 | 2,5 | 1,0 |
| Limar Torino | 90 | 2,2 | 1,9 | 2,5 | 1,0 |
| Lazer Codax KinetiCore | 165 | 2,6 | 2,6 | 2,7 | 1,0 |
| Lidl Crivit - Fahrradhelm mit Rücklicht | 31 | 2,6 | 1,9 | 2,9 | 1,9 |
| Giro Fixture Mips II | 110 | 2,8 | 2,5 | 2,9 | 1,0 |
| Abus HUD-Y | 120 | 3,0 | 2,8 | 3,0 | 1,0 |
| Decathlon / B´Twin City 540 Bowl | 15 | 3,1 | 2,9 | 3,1 | 1,0 |
| Prophete ECO Urban | 15 | 3,1 | 2,4 | 3,2 | 1,9 |
| Cube Fleet | 155 | 3,2 | 2,6 | 3,2 | 2,0 |
| Casco E.Motion 2 | 120 | 5,5 | 1,9 | 5,5 | 1,6 |
Das Modell Urban Planet LED erhielt im Vergleich Bestnoten beim Unfallschutz und in der Handhabung. Da der Helm zudem keine Schadstoffe aufwies, kam er mit der Gesamtnote 2,0 auf Platz eins. Der Anschaffungspreis des Urban Planet LED liegt mit 130 Euro im oberen Bereich des Testfeldes.
Gut geschlagen hat sich der günstigste Helm im Test: Mit einer Gesamtnote von 2,6 kann sich der Crivit-Fahrradhelm von Lidl im Vergleichsfeld behaupten. Von insgesamt elf Modellen belegt er einen Platz im Mittelfeld. Sein Preis von gerade einmal 15 Euro ist um den Faktor acht günstiger als beim Testsieger von Uvex und beweist, dass ein Kopfschutz beim Radfahren nicht teuer sein muss.
Immer öfter werden LED-Rücklichter auf der Hinterseite des Fahrradhelms integriert. Einige sind sehr schick und bieten einen zusätzlichen Sicherheitsgewinn. Positiv ist den Testern die Handhabung des LED-Rücklichtes mittels Magnet beim Helm von Abus aufgefallen.
Weitere Aspekte bei der Helmauswahl
Neben den bereits genannten Kriterien gibt es weitere Aspekte, die bei der Auswahl eines MTB-Helms berücksichtigt werden sollten:
- Zertifizierung: MTB-Helme sollten eine Zertifizierung zum Radsport nach der DIN EN 1078 und für Kinderhelme nach der DIN EN 1080 haben.
- Sichtbarkeit: Reflektierende Elemente erhöhen Ihre Sichtbarkeit im Straßenverkehr.
- Kompatibilität: Praktische Brillenhalterungen oder Goggle-Kompatibilität sorgen für mehr Flexibilität auf dem Trail.
Auch der beste Kopfschutz hat ein Verfallsdatum. Nach fünf bis sieben Jahren oder nach einem Sturz wird ein Austausch fällig.
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