MTB Dämpfer Service Anleitung: So warten Sie Ihren Dämpfer richtig

Federelemente sind am Mountainbike allgegenwärtig und haben auch am Alltags-, Lasten- oder Reiserad einen festen Platz. Kaum ein E-Bike kommt heute ohne Federgabel. Im Sommer und im Winter braucht diese Technik Pflege und Wartung. So sehr die regelmäßige Pflege der Kette für viele Radfahrer:innen eine Selbstverständlichkeit ist, so sehr vernachlässigen sie ihre Federelemente. Dabei ist deren Pflege noch viel einfacher zu bewerkstelligen.

Warum ist die Wartung von MTB-Dämpfern wichtig?

Dein Fahrwerk ist mit eines der wichtigsten Bestandteile an deinem Fahrrad. Funktioniert etwas nicht oder schlecht, wirkt sich das sofort auf die Performance deines Rades aus. In deiner Federgabel & deinem Dämpfer sind zahlreiche Dichtungen verbaut. Gut geschmiert und ohne Abriebstellen sorgen diese für gutes Ansprechverhalten und sorgen aber auch dafür, dass das Öl oder die Luft da bleibt wo sie hin gehört. Dichtungen sind wie Ihr euch schon denken könnt auch Verschleißteile, die regelmäßig getauscht werden sollten. Funktionierten dieses nicht mehr richtig führt das nicht nur wie oben genannt zu schlechter Performance sondern bringt Dreck und Abrieb in dein Fahrwerk.

Öhlins "Do It Yourself" Gabel- und Dämpferservice

Seit einiger Zeit bietet Öhlins seinen Kunden die Möglichkeit, das eigene Fahrwerk selbst einem Service zu unterziehen. Mit den passenden Service Kits und detaillierten Videos ist es für technisch versierte nun möglich, die einzelnen Arbeitsschritte selbst durchzuführen. Wichtig: Die Wartungen an den Dämpfungskartuschen können weiterhin nur von offiziellen Öhlins Service Centern durchgeführt werden!

Bevor es losgehen kann stelle sicher, dass du alle nötigen Werkzeuge zur Verfügung hast. Diese sind in den verlinkten Videos beschrieben und lassen sich im Webshop unter Öhlins Service Tools finden.

Diese Self-Services sind möglich für:

  • Lower Leg Service (nach 50 Betriebsstunden): RXF 34, 36, 38 und DH 38
  • Lufteinheit Service (nach 100 Betriebsstunden): RXF 34, 36, 38 und DH 38
  • Luftkammerservice: TTX Air Dämpfer

1. Lower Leg Service

Als Lower Leg Service, oder auch kleinen Service bezeichnet man die Wartung der Tauchrohreinheit. Hier werden die Bauteile gereinigt, mit neuen Staubabstreifern versehen und mit frischem Öl befüllt. Die dazu nötigen Werkzeuge sind in den einzelnen Videos zu sehen. Diesen Service sollte man nach ca. 50 Betriebsstunden durchführen.

Die dazu benötigten Servicekits findest du hier:

  • Lower Leg Servicekits
  • RXF 34, 36 Air Modelle
  • RXF 34, 36 Coil Modelle
  • DH 38 m.1

2. Lufteinheit Service

Der Lufteinheit Service wird nach ca. 100 Betriebsstunden fällig und beinhaltet ebenso einen Lower Leg Service.

Das dazu benötigte Servicekit findest du hier: Lufteinheit Servicekit

Allgemeine Tipps zur Pflege von Federelementen

Bei nahezu allen Federelementen auf dem Fahrradmarkt bewegen sich Gleitflächen zueinander. Am augenfälligsten ist das bei einer Federgabel, deren Tauchrohre über die Standrohre gleiten und so Fahrbahnunebenheiten ausgleichen. „Dreck auf den Gleitflächen erhöht die Reibung des Materials und verschlechtert die Funktion“, erklärt Carsten Wollenhaupt, Fahrwerks-Experte beim Federungsspezialisten Rock Shox, wo er unter anderem für den Service der Profi-Bikes verantwortlich ist. „Grobe und anhaftende Verschmutzung kann sogar die Dichtungen beschädigen, die das Innenleben der Federung schützen“, so Wollenhaupt weiter.

Die einfachste Maßnahme ist, regelmäßig die Gleitflächen der Federung mit lauwarmem Wasser und einem weichen, fusselfreien Tuch zu reinigen. Gerade wer sein Rad auch im Winter nutzt oder an der Küste wohnt, sollte das regelmäßig tun, denn Salz greift die Gleitflächen extrem an. Für hartnäckigere Verschmutzungen empfehlen sich spezielle Reinigungsmittel, die es im Fahrradhandel zu kaufen gibt. Diese Reiniger sind lösungsmittelfrei und beschädigen also weder Dichtungen noch Beschichtungen.

Was man vermeiden sollte:

  • Kriechöl: „Kriechöle können nicht nur Dichtungen beschädigen, sie sind so dünnflüssig, dass sie diese sogar unterwandern und Schmutz von außen in das Innere der Federung tragen, dort schützende Fettpackungen auflösen und sich mit dem eigentlichen Gabel- oder Dämpferöl vermischen“, warnt der Fahrradtechniker.
  • Fett: Zähe Fette sind dazu jedoch genauso wenig geeignet wie kriechende Öle.

Die beste Lösung sind die Originalöle der Federungshersteller: „So ist eine optimale Funktion garantiert und negative Effekte durch die Vermischung unterschiedlicher Schmierstoffe ausgeschlossen“, erklärt Wollenhaupt. Welches Öl für welches Modell das richtige ist, verrät ein kurzer Blick in die Bedienungsanleitung. Ist der richtige Schmierstoff gefunden, trägt man ein paar Tropfen rund um die Dichtungen auf, komprimiert die Federelemente ein paar Mal und wischt anschließend das überschüssige Öl ab.

Wie immer im Umgang mit Schmiermitteln sollte man bei beiden Varianten übrigens darauf achten, das Öl von den Bremsen fernzuhalten. Mit verölten Bremsbelägen, ‑flanken oder ‑scheiben sind selbst die besten Stopper der Welt machtlos.

Wartungsintervalle beachten

Selbst die beste Pflege ändert nichts daran, dass auch Federelemente irgendwann zum Service müssen. Rock Shox etwa empfiehlt für Mountainbikes einen kompletten Service mit Öl- und Dichtungswechsel alle einhundert Netto-Betriebsstunden. Für den Durchschnittsnutzer heißt das wahrscheinlich ungefähr einmal im Jahr. Trotzdem zahlt sich regelmäßige Wartung auch für Alltagsfahrer:innen durch bessere Funktion und höhere Lebensdauer aus. Wann genau die fällig ist, verrät wieder die Bedienungsanleitung. Der Weg zum Service führt dabei in der Regel über den Fachhandel.

DIY oder Werkstatt?

Versierte Schrauber:innen, die selbst Hand anlegen wollen, sollten vor dem Griff ins Werkzeugregal unbedingt die Bedienungsanleitung konsultieren. Bei manchen Anbietern zieht die Eigeninitiative den sofortigen Garantieverlust nach sich. Wie es anders geht, zeigt Rock Shox. Der Hersteller veröffentlicht Schritt-für-Schritt-Anleitungen mit Explosionszeichnungen und detaillierten Auflistungen der benötigten Werkzeuge, Ersatzteile, Flüssigkeiten usw. und ermutigt seine Kund:innen damit explizit, sich mit der Technik vertraut zu machen.

MTB-Dämpfer Service: Schritt-für-Schritt-Anleitung

Wie auch bei der Federgabel deines Mountainbikes, kommt auch beim Dämpfer irgendwann der Zeitpunkt, an dem ein Service durchgeführt werden sollte, um ihn zu warten und funktionstüchtig zu halten. Wie genau du diesen Service selbst durchführen kannst und welches Werkzeug du dafür benötigst, wird im Folgenden erklärt.

Werkzeug und Material

Um den Service an deinem MTB-Dämpfer durchzuführen, benötigst du:

  • Dichtungskit
  • Drehmomentschlüssel mit passenden Bits
  • Satz Inbusschlüssel
  • Dämpferpumpe
  • Einmalhandschuhe
  • Schmierfett

Es wird sich in dieser Anleitung auf einen Fox-Float-Dämpfer bezogen. Das passende Dichtungskit für alle Float-Dämpfer (ausgenommen den X2), ist dieses hier. Der Service für den X2 Dämpfer weicht etwas ab und auch das Dichtungskit ist ein anderes. Alle anderen Float-Dämpfer kannst du mit dieser Anleitung und diesem Kit warten. Lediglich die Größe und das Aussehen der einzelnen Dichtungen können etwas variieren.

Schritt 1 - Dämpfer ausbauen

  1. Als Erstes musst du den Druck ablassen. Dafür setzt du deine Dämpferpumpe am Ventil des MTB-Dämpfers an und drückst dann das Knöpfchen an der Pumpe, um die Luft abzulassen.
  2. Als Nächstes muss der Druck aus der Negativluftkammer auch noch raus. Dazu pumpst du den Dämpfer ein paar Mal durch und drückst dann wieder das Luftablassventil an deiner Dämpferpumpe.
  3. Jetzt kannst du den Dämpfer ausbauen. Löse einfach die beiden Schrauben oben und unten am Dämpfer und nimm ihn aus dem Rahmen deines Fahrrads.

Schritt 2 - Dämpferservice durchführen

  1. Als Erstes musst du die Luftkammer des Dämpfers entfernen. Um das zu tun, musst du sie aufschrauben. Hier brauchst du einfach ein bisschen Kraft in den Händen. Sobald du die Luftkammer abgeschraubt hast, kannst du den SAG-Ring und danach die Kartusche selbst, einfach nach unten, abziehen.
  2. Danach muss der Volumenspacer raus. Um diesen entfernen zu können, musst du zunächst den Dichtring und die Metallplatte, die darüber angebracht sind, nach unten schieben. Du kannst beides einfach raushebeln. Genauso verfährst du dann mit dem Spacer.
  3. Jetzt kannst du damit beginnen, alle Dichtungen zu wechseln. Starte mit den beiden Dichtungen der Luftkammer. Diese sitzen am unteren Ende der Luftkammer und dichten diese nach außen hin ab. Die erste Dichtung kannst du einfach herausnehmen. Die zweite Dichtung sitzt im Inneren der Kammer, zwischen zwei Plastikringen. Sowohl die Dichtung, als auch die beiden Plastikringe müssen raus. Du musst dazu alle drei Teile etwas hebeln. Sollten dir die Plastikringe kaputtgehen, ist das nicht so schlimm. Neue Ringe sind bei deinem Dichtungskit dabei. Wenn du alle Dichtungen und Ringe entfernt hast, musst du die Kartusche säubern und neue Dichtungen einsetzen. Um die Luftkammer zu säubern, kannst du einfach ein Küchentuch nehmen. Sobald diese sauber ist, kannst du die beiden Ringe und die erste Dichtung wieder einsetzen. Gib dafür etwas von dem Fox Fluid, das im Dichtungskit enthalten ist, auf den Lagersitz und auf den ersten Ring und heble ihn von unten wieder in den Lagersitz. Die Dichtung muss zwischen die beiden Ringe und ist deshalb als Nächstes dran. Als Letztes hebelst du auch den zweiten Ring wieder in den Lagersitz. Auch auf Dichtung und den zweiten Ring solltest du etwas von dem Fluid geben. Tipp! Damit du immer die richtige Dichtung aus dem Set einsetzt, kannst du einfach die alten Dichtungen dazu verwenden, sie mit den neuen zu vergleichen. Alle Dichtungen und Ringe haben unterschiedliche Formen, sodass du dann immer die richtige findest.
  4. Dann muss die Hauptdichtung der Luftkammer wieder rein. Das ist die Dichtung, die die Kartusche nach außen hin abdichtet. Die Dichtung hat eine sehr spezielle Form und ist unverwechselbar. Auch hier gibst du wieder etwas von dem Fluid auf die Dichtung und drückst sie dann rundherum wieder an ihren Platz. Damit bist du mit den Dichtungen der Luftkammer fertig und kannst diese vorerst beiseitelegen.
  5. Jetzt wechselst du zum Hauptbauteil des Dämpfers und entfernst dort alle alten Dichtungen. Die Erste sitzt am Standrohr des MTB-Dämpfers. Der Aufbau ist derselbe, wie bei der Luftkammer. Du findest hier zwei Plastikringe und dazwischen die eigentliche Dichtung. Zunächst entfernst du nacheinander die beiden Plastikringe und dann die Dichtung. Die beiden Ringe sind an einer Stelle geschlitzt, sodass du sie ganz einfach entfernen kannst, indem du darunter hebelst und sie dann einfach seitlich abziehst. Bei der Dichtung gehst du ähnlich vor. Auch hier hebelst du darunter und ziehst sie dann nach unten hin ab. Die letzte Dichtung findest du im oberen Bereich des Dämpfers und musst diese auch noch entfernen. Sie sitzt genau unter dem Gewinde und ist ein einfacher O-Ring. Auch diese Dichtung bekommst du am einfachsten entfernt, indem du sie raushebelst. Sobald du auch diese letzte Dichtung entfernt hast, kannst du das ganze Teil sauber machen. Auch hier reicht es, wenn du wieder etwas Küchenkrepp zur Hand nimmst und alles abwischst. Leg besonderen Augenmerk auf die Lagersitze, in denen später auch die neuen Dichtungen wieder sitzen.
  6. Als Nächstes setzt du den neuen O-Ring ein. Das Vorgehen bleibt dasselbe. Schmier den Ring rundherum mit etwas Fluid ein und drück ihn dann wieder an die vorgesehene Position, im oberen Bereich des Dämpfers.
  7. Jetzt muss noch die Dichtung am Standrohr des MTB-Dämpfers wieder an ihren Platz. Gib wieder etwas Fluid auf die passende Dichtung und zieh sie von unten über den Dämpfer. Wenn du sie über die Erhebung an ihren Platz schiebst, musst du darauf achten, dass sie sich nicht umstülpt. Denn dann wäre die Dichtigkeit nicht zu 100% gegeben.
  8. Auch die beiden Plastikringe müssen noch an ihren Platz. Sie kommen über und unter der Dichtung wieder an den Dämpfer. Auch hier gibst du wieder Fluid auf die Ringe und kannst sie dann, dank der Öffnung, ganz einfach auf den Dämpfer schieben. Achte hier darauf, dass die schräg geschnittene Öffnung richtig sitzt.
  9. Im nächsten Schritt setzt du den Volumenspacer wieder ein. Diesen drückst du mit Kraft einfach wieder an seinen Platz. Wenn er richtig sitzt, hörst du ein Klacken. Dann werden die Metallplatte und die kleine Dichtung wieder nach unten geschoben. Auf die Dichtung kannst du wieder etwas Fluid geben.
  10. Jetzt befüllst du deinen Dämpfer wieder mit dem Fluid. Zwei Milliliter sollen in den Dämpfer und in deiner Tube sind fünf Milliliter. Ein kleines bisschen haben wir ja schon verbraucht, um alle Dichtungen damit zu beträufeln. Also füllst du einfach etwas weniger als die Hälfte des Inhalts in den MTB-Dämpfer. Wenn du die Flüssigkeit eingefüllt hast, muss die Luftkammer wieder aufgeschraubt werden. Gib ein bisschen Fluid auf deinen Finger und schmier damit nochmal die beiden Dichtungen ein, die von den Plastikringen umgeben sind. Dann steckst du die Kartusche auf den Dämpfer und drückst sie mit etwas Kraft nach unten. Sie will wieder zurück nach oben schnappen. Daher musst du das Gewinde schon etwas zusammen drehen. Danach ziehst du die Handschuhe aus und wischst das Äußere des Dämpfers ab, damit du ausreichend Grip hast, um die Luftkammer ordentlich festzuziehen.
  11. Tipp! Eigentlich soll die Kartusche mit 40 Newtonmetern festgezogen werden. Da vermutlich kein Hobbyschrauber einen Drehmomentschlüssel mit einem solchen Aufsatz rumliegen hat, musst du also mit Gefühl vorgehen. Aber du weißt ja, wie fest die Kartusche saß, als du sie abgeschraubt hast. Mit dieser Kraft schraubst du sie jetzt auch wieder drauf.
  12. Sobald die Kartusche festgeschraubt ist, kannst du den SAG-Ring wieder anbringen. Auch dieser ist in deinem Dichtungskit dabei, sodass du ihn erneuern kannst. Er wird einfach nur von unten wieder auf den Dämpfer geschoben.
  13. Als Letztes musst du noch die beiden Gewinde, am oberen und unteren Ende des Dämpfers, wieder ausrichten. Diese werden vermutlich jetzt in ganz andere Richtungen ausgerichtet sein und so kannst du den Dämpfer natürlich nicht in dein Mountainbike einbauen. Den unteren Teil kannst du aber frei drehen, sodass du dieses Gewinde einfach zum oberen Gewinde passend ausrichten kannst. Wichtig hierbei ist die kleine Plombe. Diese muss auf der Seite des Zusatzvolumens sitzen.

Schritt 3 - Dämpfer wieder einbauen

  1. Jetzt kannst du deinen Dämpfer wieder einbauen. Setz ihn wieder zwischen die beiden Gelenke und befestige die beiden Schrauben. Gib vorher etwas von dem Schmierfett auf die Schrauben, damit sie später keine Geräusche verursachen.
  2. Tipp! Hier musst du unbedingt das angegebene Drehmoment beachten, dass dein Hersteller vorgibt. Verwende also auf jeden Fall einen Drehmomentschlüssel, damit die beiden Schrauben zwar fest genug sind, sich die Gelenke aber trotzdem noch bewegen können.
  3. Dann muss wieder Luft auf den Dämpfer. Dazu setzt du deine Dämpferpumpe am Ventil an und pumpst den Dämpfer auf deinen gewünschten Luftdruck auf. Zwischendurch solltest du ihn ein paar Mal durchpumpen, um auch die Negativluftkammer zu befüllen und dann den Luftdruck nochmals prüfen und eventuell nachpumpen.
  4. Als Letztes muss nur noch die Dämpferpumpe ab und die Ventilkappe wieder drauf und du bist fertig!

Serviceintervalle für Federgabeln

Viele Hersteller geben lächerlich kurze Service-Intervalle für ihre Federelemente vor. So manche Federgabel am Mountainbike sollte, laut Hersteller, alle 50 Stunden runderneuert werden. Ist das wirklich nötig? Fakt ist: Federgabeln funktionieren nach den ersten 50 Betriebsstunden tatsächlich schlechter als im Neuzustand.

Alle 50 Betriebsstunden ein Service, so schreiben es zumindest die Federgabel-Hersteller vor. Mit unseren Tipps unten und dem gelegentlichen Erneuern des Schmieröls kann man die Service-Intervalle hinauszögern.

Beim Bremsen oder Lenken wirken auf die MTB-Gabel hohe Kräfte, dabei verwindet sie sich. Damit eine Federgabel dann trotzdem noch federn kann, muss die Passung zwischen Buchsen und Gleitflächen an den Standrohren relativ locker sein. Auch die Staubabstreifer liegen nur leicht an den Gleitflächen der Standrohre an. Somit wird die Gabel auch nur mäßig abgedichtet. Dadurch gelangen Staub und Schmutz von außen leicht in das Innere des Gabel-Castings. Anders herum kann auch Schmieröl über die Staubabstreifer aus dem Gabelinneren austreten. So oder so: Die Funktion der Gabel nimmt von Fahrt zu Fahrt ab.

Ein Service der kompletten Gabel ist deshalb aber noch nicht gleich nötig. Denn die modernen Dämpfungskartuschen haben kaum mehr Abrieb und damit auch nur einen sehr geringen Verschleiß. Außerdem ist der Ölkreislauf der Dämpfungskartusche vom zunehmend verschmutzten Schmieröl im Casting komplett getrennt. Das Dämpfungsöl hält also deutlich länger als das Schmieröl. Die Praxis hat gezeigt: Eine Gabel alle 50 Betriebsstunden einem großen Service zu unterziehen, wäre übertrieben. Wer dagegen das Schmieröl regelmäßig erneuert, kann sich länger über eine geschmeidig ansprechende Federgabel freuen. Der sogenannte kleine Gabel-Service dauert für geübte Schrauber nur etwa 20 Minuten und lässt sich ohne Spezialwerkzeuge durchführen.

Tipps & Tricks zum Selbermachen

Wer seine Gabel nicht zerlegen oder zum Service schicken will, kann mit diesen einfachen Kniffen das Ansprechverhalten seiner MTB-Federgabel kurzfristig verbessern. Auf lange Sicht kommt man aber an einem vernünftigen Service nicht vorbei.

  • Öl über den Staubabstreifer einfüllen: Wer die Gabel nicht öffnen will, kann auch von außen geringfügig Schmieröl nachfüllen. Aber Vorsicht: Die Beschichtung der Gleitflächen darf nicht verkratzen. Dazu das spitze Ende eines Kabelbinders so weit wie möglich (ca. 2 cm) zwischen den Staubabstreifer und das Standrohr schieben und dann zur Seite drücken. Es entsteht ein kleiner Spalt. In diesen Spalt tröpfeln Sie mit einer Spritze etwas Gabelöl. Problem: Der Schmutz bleibt so in der Gabel.
  • MTB auf den Kopf stellen: Wenn ein Bike lange steht, lagert sich das Schmieröl am Boden des Castings ab. Stellt man das Rad über Nacht auf den Kopf, läuft das Schmieröl in der Gabel zu den Staubabstreifern und tränkt die dort liegenden Schaumstoffringe. Befindet sich noch genügend Schmieröl in der Gabel, verbessert sich dadurch kurzfristig das Ansprechverhalten. Jedoch bleibt auch hier der Dreck in der Gabel.

MTB-Dämpfer: Wann ist ein Service nötig?

Den kleinen Service für den Dämpfer an ihrem Mountainbike können Sie sich sparen. Weil sich der Dämpfer im Heck deutlich weniger verwindet als die Gabel, kann er ab Werk besser abgedichtet werden, ohne dass darunter seine Funktion leidet. Wer schon einmal die Luftkammer seines Dämpfers geöffnet hat, wird darin vermutlich keinen Schmutz vom Trail gefunden haben. Wir empfehlen daher, den Dämpfer gemeinsam mit der Gabel einmal im Jahr zum großen Service in eine professionelle Werkstatt zu geben. Dort werden das Dämpfungsöl und alle dazugehörigen Dichtungen erneuert.

Dämpferservice klingt so unendlich viel komplizierter, als es ist. Eigentlich tauschst du nur ein paar Dichtungen, also keine Scheu und immer ran an den Dämpfer. Der kleine Service kostet dich zwar etwas Zeit, ist aber im Grunde kein bisschen kompliziert.

Wann ist ein großer Federgabel-Service nötig und was enthält er?

Den kleinen Service an der MTB-Federgabel schaffen Hobby-Schrauber mit etwas Übung selbst. Wie oft das nötig ist, hängt von der Fahrleistung ab. Um den großen Service kommt man dadurch aber nicht herum. Wie man erkennt, ob Gabel und Dämpfer überholt werden müssen, und was dabei passiert, erklären die Experten hier.

BIKE: Beim kleinen Gabel-Service tauscht man lediglich das Schmieröl der Gabel aus. Was passiert beim großen Service?

Carsten Wollenhaupt: Da werden zusätzlich alle Dichtungen in der Lufteinheit ersetzt und neu geschmiert. Das Öl in der abge­schlossenen Dämpfungskartusche und der Dichtungskopf der Dämpfung werden ausgetauscht. Außerdem werden, wie beim kleinen Service, das Schmieröl, die Staubdichtungen und die Schaumstoff­ringe gewechselt. Wir reinigen die Standrohre und befreien sie von alten Fettresten.

Könnte man den großen Service an Gabel und Dämpfer auch zu Hause in der eigenen Werkstatt durchführen?

Die Werkzeuge und Ersatzteile sind frei erhältlich. Man sollte aber schon wissen, was man tut. Beim Dämpfer braucht man außerdem Stickstoff für einen großen Service. Den hat man normal nicht zu Hause. Kurz: Der große Service kann in beiden Fällen selbst vorgenommen werden. Wer das noch nie gemacht hat, dem empfehle ich trotzdem, ein Servicecenter aufzusuchen.

Wie merkt man, dass ein Mountainbike-Fahrwerk in die Werkstatt muss?

Luftverlust, schlechtes Ansprechverhalten (kleiner Service) oder „Schlürf“-Geräusche beim Federn sind sichere Anzeichen dafür, dass sich ein Service lohnt.

Verliere ich die Garantie, wenn ich den kleinen Service an der MTB-Federgabel selbst durchführe?

Nein. Wenn der Service fachgerecht von einem selbst oder von einer Werkstatt durchgeführt wird, bleibt die Herstellergarantie erhalten.

Expertenmeinungen

Statement von Elmar Keineke, Fox Racing Shox:

Bei Motorradfahrern ist regelmäßiger Service eine Selbstverständlichkeit. Unter Bikern ist das komischerweise anders. Dabei verschleißen hier Dichtungen und Öl genauso. Es sprechen gleich zwei Gründe für einen Service alle 125 Stunden oder jährlich: 1. Er garantiert die maximale Performance und mehr Spaß auf dem Trail. 2. Die Werterhaltung der Federelemente.

Statement von Marcus Klausmann, Service-Dienstleister:

Mein Tipp: Gabel und Dämpfer regelmäßig reinigen. Achtung beim Waschen - mit wenig Druck und nie auf die Dichtungen halten. Danach mit einem Tuch die Abstreifringe und Standrohre trockenreiben. Ein paar Tropfen Gabelöl drauf - aber ohne Zusätze wie Teflon etc. Auf den großen Service würde ich dennoch nicht verzichten. Vielfahrer jährlich, sonst alle zwei Jahre.

Statement von Hans-Peter Ettenberger, BIKE-Werkstatt:

Die Herstellerangaben scheinen mir übertrieben. Wie soll ich die Arbeitsstunden der Federelemente zählen? Per Fahrtenbuch? Viel ausschlaggebender sind die Bedingungen. Staub und Matsch strapazieren Buchsen und Dichtungen am meisten. Ich mache nach jeder Saison den kleinen Federgabel-Service selbst. Damit fahre ich gut. Alle drei Jahre schicke ich Gabel und Dämpfer ein.

Anbieter für den großen Service

Anbieter Preis großer Gabel-Service/Dämpfer-Service (Stand: Februar 2023)
Anyrace ab 145/129 Euro
Dämpferklinik ab 110/100 Euro
Flat Out Suspension ab 115/125 Euro
Flowfactory ab jeweils 129 Euro
Fox Servicecenter 144/122 Euro
Klausmann Suspension-Service ab 135/129 Euro
MRC Trading ab jeweils 129 Euro
Rockshox Servicecenter jeweils ca. 140 Euro

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