Die Frage, wie viel Geld man für ein gutes Enduro-Mountainbike in die Hand nehmen muss, ist angesichts von Inflation und Teuerung aktueller denn je. Ursprünglich wurde ein Testfeld aus sechs Enduros bei 4000 Euro gedeckelt, doch die Preise haben sich zwischenzeitlich durch Rabatte verändert. Viele der Modelle sind zum Ende der Saison hin üblicherweise nicht mehr in allen Rahmengrößen oder teilweise in nur noch begrenzten Stückzahlen verfügbar. Zudem kann sich der Lagerbestand rasch ändern, sodass man bei dem ein oder anderen Angebot schnell sein muss, um noch ein passendes Exemplar zu ergattern. Da sich derzeit aufgrund der bereits erwähnten Lagerproblematik die Modellzyklen aber etwas verlängern, liefert dieser Test dennoch wertvolle Informationen zu dem gewünschten Bike, auch wenn es sich vielleicht nicht mehr um die exakt gleiche Ausstattung handelt. Die Rahmen der meisten Modelle bleiben fürs Erste wohl identisch.
Die Testbikes im Überblick
Im Testfeld befanden sich folgende Enduros:
- Radon Jab 10.0
- Specialized Status 160
- Canyon Torque 29 CF 7
- YT Capra 29 Core 2
- Propain Tyee
- Cube (Modell unbekannt)
Durch die aktuellen Rabatte sind einige Modelle deutlich günstiger geworden:
- Radon Jab 10.0: 3199 Euro
- Specialized Status 160: 3300 Euro
- Canyon Torque 29 CF 7: 3299 Euro
- YT Capra 29 Core 2: 2599 Euro
Propain und Cube blieben preisstabil.
Rahmenmaterial: Carbon vs. Aluminium
Carbon als Rahmenmaterial ist im Preisbereich bis 4000 Euro noch nicht flächendeckend zu erwarten. Lediglich die beiden Versender Radon und Canyon statten ihre Modelle Jab und Torque mit Kohlefaserrahmen aus. Der Rest des Feldes vertraut auf Aluminium. Beim Blick auf die Waage macht sich die Wahl des Rahmenmaterials deutlich bemerkbar. Beide Kohlefaserrahmen bleiben unter der 3000-Gramm-Marke und liegen zusätzlich im STW-Ranking (Rahmengewicht in Relation zur Steifigkeit), wenn auch nur knapp, vorne. Mit zum Teil fast vier Kilo wiegen die Alu-Rahmen der Konkurrenz bis zu 1,3 Kilo mehr. Der Nachteil der Carbon-Rahmen sind ihre höheren Herstellungskosten.
Carbon-Rahmen oder bessere Ausstattung?
Die Frage, ob man das Geld in den teureren Rahmen oder in eine hochwertigere Ausstattung investiert, stellt sich für jeden Produktmanager. Eine grundsätzlich berechtigte Frage, die im Falle von Canyon und Radon allerdings nicht zum Tragen kommt. Weder das von uns getestete Jab noch das Torque patzen bei der Ausstattung und können sich im Testfeld behaupten. Lediglich Cube schraubt nochmals hochwertigere Teile an den Alu-Rahmen seines Preis-Leistungs-Krachers und überrascht mit einem erstklassigen Fahrwerk aus dem Hause Rockshox. Die zweite Fachhandelsmarke im Bunde fällt beim Ausstattungsniveau deutlich ab. Das Specialized bietet trotz seines immerhin recht leichten Alu-Rahmens weniger Ausstattung fürs Geld. Eine Fox-36-Rhythm-Federgabel sowie eine Sram-NX-Schaltung mit geringer Bandbreite sind Schlusslicht in diesem Vergleich.
Fahrwerk: Fox und Rockshox dominieren
Neben dem Rahmen und seiner Geometrie entscheidet das Fahrwerk maßgeblich über die Fähigkeiten eines Enduros. Ein Blick auf die Ausstattungsliste unserer Test-Bikes zeigt, dass sich Fox und Rockshox hier die Waage halten. Bei den Federgabeln dominiert die Rockshox ZEB mit dicken 38er-Standrohren, während nur im YT das Pendant von Fox mit ebenfalls 38-Millimeter-Standrohren zum Einsatz kommt. Weil das Jab bereits einige Jahre auf dem Buckel hat und sich zudem zum Freerider Swoop abgrenzen soll, federt hier noch die schlankere Fox 36 mit 170 Millimetern Federweg - noch vor wenigen Jahren die Benchmark im Enduro-Segment. Im Specialized Status steckt ebenfalls eine Fox 36. Hier sogar mit nur 160 Millimetern Federweg und einfacher Dämpfungskartusche. Im Vergleich klar die schwächste Gabel.
Auch bei den Dämpfern teilen Fox und Rockshox das Feld unter sich auf. Interessant: Bei keinem der Fox-Enduros kommt der voluminöse und leistungsstarke, aber auch sehr teure X2-Dämpfer zum Einsatz. Hier sind der schlankere Float X und der DPX2 die Mittel der Wahl, die beide noch Luft nach oben lassen. Durch sein größeres Ölvolumen böte der X2 auch auf langen Abfahrten eine konstantere Dämpfung und ließe sich zudem vielfältiger einstellen. So muss man in dieser Preisklasse häufig auf eine einstellbare Druckstufe verzichten. Bei den Rockshox-Hinterbauten verdaut jeweils ein Super-Deluxe-Dämpfer die Schläge. Das per Konfigurator individuell zusammenstellbare Propain Tyee besitzt als einziges Enduro im Vergleich einen Stahlfederdämpfer. Rund 400 Gramm mehr bringt der Coil-Shock auf die Waage, arbeitet dafür aber schön linear und reagiert sehr aktiv und feinfühlig.
Tuning-Potenzial bei Laufrädern und Reifen
Beim Blick auf die Laufräder sucht man Preistreiber wie Carbon-Felgen vergebens. Hier schlummert zwar noch geringfügig Tuning-Potenzial für einen leichteren Antritt, da die Reifen aber ohnehin den Löwenanteil der Trägheit bei den Laufrädern ausmachen, ist Carbon im Enduro-Einsatz verzichtbar. Sollen die Reifen dem brutalen Einsatz standhalten, ist ein gewisser Pannenschutz unumgänglich, was sich zwangsläufig negativ aufs Gewicht auswirkt.
Testergebnisse und Details
Testermeinungen
- Laurin Lehner, FREERIDE-Testredakteur: "Wenn es darum geht, im Park Spaß zu haben, würde ich zum Propain Tyee greifen. Das Fahrwerk arbeitet souverän, und das Bike fährt sich trotz des hohen Gewichts etwas handlicher als das Canyon Torque."
- Dimitri Lehner, FREERIDE-Testredakteur: "Auch wenn das Radon Jab im Downhill Federn lässt und nicht mehr vorne mitmischt, schätze ich die Touren-Qualitäten und die Bandbreite des Leicht-Enduros. Wer will schon 17 Kilo aus eigener Kraft bewegen müssen?"
Punktetabelle
Das Canyon Torque sammelt bergab die meisten Punkte und fährt auch noch passabel bergauf. In der Praxiswertung liegt es damit vorne und heimst auch bei Ausstattung, Qualität und Garantie ordentlich Punkte ein. Das YT Capra kommt Dank seiner Allround-Qualitäten auf den zweiten Platz, dicht gefolgt vom abfahrtslastigen Propain Tyee.
Steifigkeiten
Die Carbon-Rahmen von Canyon und Radon bieten die in Relation zum Gewicht höchste Steifigkeit. Der absolut gesehen steifste Cube-Alu-Rahmen liegt bereits knapp dahinter.
Steifigkeit:
- Grau: Stiffness-to-Weight (STW), der Quotient aus Steifigkeit und Rahmengewicht
- Weiß: absolute Steifigkeit in Newton pro mm Auslenkung.
Die Messungen wurden auf einem Prüfstand des Zedler-Instituts ermittelt.
Laufradträgheit
Je niedriger der Wert, desto besser lassen sich die Laufräder beschleunigen.
Gewichte
Radon lässt sich beim Gewicht nicht die Butter vom Brot nehmen, muss jedoch deutliche Abstriche in der DH-Performance in Kauf nehmen.
In Summe zeigt sich also, dass bei den Enduros aus diesem Vergleich nur wenig Luft nach oben ist - und jede kleine Verbesserung teuer bezahlt werden müsste. Außerdem: Bei den aktuellen Hammerangeboten kann man über kleine Defizite auch leichter mal hinwegschauen.
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