Orbea Rise LT im Test: Das vielseitige Light-E-MTB

Das Orbea Rise LT bietet 160 mm Federweg an der Front und 150 mm am Heck und setzt auf den kraftvollen Shimano EP801 RS-Motor. Orbea hat geschafft, wovon viele E-MTB-Hersteller nur träumen: Ein E-Mountainbike mit Full-Power-Motor mit einem überraschend leichten Gesamtgewicht und variablem Akku-Konzept.

Auszeichnungen und Besonderheiten

Gleich zwei Auszeichnungen konnte es sich im Light-E-MTB Vergleichstest sichern. Dieses Gesamtpaket, gepaart mit herausragenden Fahreigenschaften, brachte dem Rise LT im Light-E-MTB-Vergleichstest unseres Schwestermagazins E-MOUNTAINBIKE nicht nur den Testsieg ein, sondern dank seines starken Preis-Leistungs-Verhältnisses auch den Kauftipp. Mit dem MyO-Konfigurator lässt es sich zudem umfangreich individualisieren.

Design und Ausstattung

Eines der herausragenden Designmerkmale ist die saubere Kabelführung: Alle Züge verlaufen geordnet durch den ersten Spacer im Steuersatz und treten erst wieder am Einsatzort zum Vorschein. Sehr aufgeräumt! Allerdings wird die Wartung des Bikes für Heimwerker somit erschwert. Die zweifarbige Lackierung unseres Testbikes erinnert an Sommer und Strand - unsere Tester waren allerdings von der Farbwahl nicht ganz überzeugt.

Dafür punktet das Bike mit zwei clever integrierten Tools: Ein magnetisches Multitool verbirgt sich in der Dämpferaufnahme, während ein 6-mm-Inbusschlüssel in der Steckachse griffbereit verstaut ist und für kleine Einstellungen auf dem Trail dient. Der Platz für Trail-Essentials ist am Orbea Rise LT eher spärlich bemessen, einzig der Flaschenhalter bietet Platz für eine Trinkflasche. Auf langen Touren müssen Verpflegung und Ersatzteile also in der Hip Bag oder im Rucksack Platz finden.

Motor und Akku

Herzstück des E-Mountainbikes - und dadurch auch direkt als solches enttarnt - ist der Shimano EP801 RS-Motor mit 85 Nm Drehmoment. Abgesehen vom „RS“-Schriftzug unterscheidet er sich nicht vom Standard-EP801, sowohl technisch als auch vom Design. Das Antriebssystem wird von einem fest im Unterrohr verbauten 630 Wh starken Orbea RS Custom-Akku gespeist, der auf Wunsch durch einen kleineren 420-Wh-Akku im Konfigurator ersetzt werden kann.

Für noch mehr Reichweite bietet Orbea den optionalen 210-Wh-Range Extender an, der für 449 € Aufpreis im Flaschenhalter Platz findet und die Gesamtkapazität an unserem Testbike auf 840 Wh erhöht. Ist der Range Extender angeschlossen, wird die Motorleistung jedoch noch weiter gedrosselt. Gesteuert wird der Motor über die Shimano EN600 L-Remote, die mithilfe von LEDs die Unterstützungsstufe und den Akkustand anzeigt. Die Remote ist in Bezug auf Design und Funktionalität minimalistisch, gleichzeitig macht sie weder optisch noch ergonomisch einen hochwertigen Eindruck. Für detaillierte Motordaten haben wir einen Garmin verwendet, der bequem auf der serienmäßigen Halterung am Vorbau montiert werden kann.

Fahrwerk und Bremsen

Die 160 mm Federweg an der Front werden von der Kashima-beschichteten FOX 36 Factory-Gabel mit GRIP X-Dämpfungskartusche verwaltet. Sie liefert eine starke Trail-Performance und punktet mit einsteigerfreundlicher Bedienbarkeit, da sie weniger Einstellmöglichkeiten als die GRIP X2-Kartusche bietet. Einziger Nachteil ist, dass die GRIP X ein nerviges Saug-Geräusch von sich gibt. Am Heck verwaltet der FOX FLOAT X Factory-Dämpfer die 150 mm Federweg. Für maximale Bewegungsfreiheit bergab sorgt die neue FOX Transfer Factory 2025-Dropper mit beeindruckenden 240 mm Hub, die sich fast komplett im Sitzrohr versenken lässt.

In puncto Bremskraft vertraut unser Orbea-Modell auf die Shimano XTR-Vierkolbenbremsen, die vorne wie hinten auf eine 200-mm-Bremsscheibe zugreifen und trotz kraftvoller Verzögerung noch gut dosierbar sind. Das Orbea Rise LT rollt auf den neuen 29” OQUO Mountain Control MC 32TEAM Alu-Laufrädern, die mit einer durchdachten Reifenwahl kombiniert sind: Vorne liefert der MAXXIS ASSEGAI mit weicher MaxxGrip-Gummimischung und EXO+-Karkasse hervorragenden Grip.

Geometrie und Handling

Das Orbea Rise LT ist in vier Größen S bis XL verfügbar und ist für Fahrer mit einer Körpergröße zwischen 1,50 m und 2,0 m konzipiert. Unser Testbike in Größe L hat für unsere Testfahrer zwischen 1,78 m und 1,85 m perfekt gepasst. Die Kettenstreben sind mit 440 mm relativ kurz und bleiben über alle Größen hinweg gleich lang. Ein praktisches Feature am Orbea Rise LT ist der leicht verstellbare Flip-Chip in der Dämpferaufnahme. Mithilfe des 6-mm-Inbus-Schlüssels in der Hinterrad-Steckachse lässt sich der Flip-Chip schnell und unkompliziert anpassen.

Im High-Setting sorgt der Flip-Chip für eine aufrechtere Sitzposition und hebt das Tretlager um 8 mm an, was besonders bei technischen Anstiegen von Vorteil ist. Natürlich zeigt sich das Orbea Rise LT als eines der stärksten Kletterer im Testfeld. Die Sitzposition ist komfortabel und zentral, wodurch auch längere Tage im Sattel kein Problem sind. Dank der starken Unterstützung des Shimano EP801 RS-Motors erklimmt das Rise LT steile Anstiege mühelos.

Fahrverhalten auf dem Trail

Zeigt die Nase des Rise LT bergab, kann es mit einem ausgewogenen und intuitiven Handling überzeugen. Die zentrale und tief integrierte Position des Fahrers vermittelt zusätzlich ein hohes Maß an Sicherheit, besonders bei höheren Geschwindigkeiten und in steilen, ruppigen Abschnitten. Selbst in schnellen Passagen oder engen Kurven bleibt das Orbea Rise LT einfach zu kontrollieren, was es für Fahrer aller Könnerstufen attraktiv macht. Allerdings bringt das zusätzliche Gewicht des E-MTBs eine gewisse Trägheit mit sich, was in technisch anspruchsvollen Situationen oder schnellen Richtungswechsel dann etwas mehr Einsatz vom Fahrer erfordert.

Das straffe und direkte Fahrwerk des Rise LT gehört zu den besten im Testfeld. Der Hinterbau überzeugt mit einem sensiblen Ansprechverhalten bei kleinen Schlägen und bietet dennoch guten Midstroke-Support. Auch verpatzte Landungen werden dank der hohen Fahrwerksreserven gut aufgefangen und das Orbea Rise LT beeindruckt unter seiner elektrischen Konkurrenz mit guten Nehmerqualitäten, auch wenn es mit den besten analogen Bikes im Test, wie dem Transition Sentinel oder dem Atherton S.150, im ruppigen Terrain nicht mithalten kann. Fahrspaß hat man mit dem Orbea Rise LT jedoch jede Menge, auch wenn das typische metallische Klappern des Shimano-Motors das Downhill-Erlebnis etwas trübt.

Zielgruppe

Das Orbea Rise LT richtet sich an Fahrer, die ein vielseitiges E-MTB suchen, das auf anspruchsvollen Trails überzeugt und euch gleichzeitig komfortabel und in kurzer Zeit zurück zum Start bringt. Das Orbea Rise LT vereint starke Uphill-Performance, intuitives Handling und ein starkes Fahrwerk in einem vielseitigen Gesamtpaket. Dank des flexiblen MyO-Konfigurators und des variablen Akku-Konzepts passt es sich optimal an individuelle Ansprüche an. Kleine Abstriche wie das Motor-Klappern oder die geringe Agilität muss es jedoch in Kauf nehmen. Für Trail-Bike-Liebhaber, die auf der Suche nach einem potenten E-MTB sind, ist das Rise LT ein zuverlässiger Partner.

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