Die Wahl des Bikepacking-Taschen-Sets ist eine wichtige Entscheidung für jede Gravelbike-Tour, sei sie kurz oder lang: Damit legt man fest, ob im mobilen Hausstand Ordnung herrscht, ob der Tascheninhalt gut geschützt und das Gepäck so am Rad untergebracht ist, dass Fahrspaß und Fahrsicherheit auch unter schwierigen Bedingungen nicht auf der Strecke bleiben.
Acht Hersteller stellen sich unserem Praxistest mit je einem Set, bestehend aus vier Taschen zur Montage an Lenker, Oberrohr, Sattel bzw. Sattelstütze sowie im Rahmendreieck. Dabei haben wir alle 32 Einzeltaschen „auf links gedreht“ und zahlreiche Erkenntnisse gesammelt.
Bikepacking-Taschen: Unterschiedliche Anforderungen
Nicht jeder, der eine Tasche für sein Fahrrad sucht, möchte damit zum Einkaufen fahren. So ergeben sich unterschiedliche Bedürfnisse über die unterschiedlichen Einsatzgebiete. Wer täglich mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt und dabei z.B. Akten und Dokumente transportiert, der legt Wert darauf, dass diese Dinge nicht knicken. Die Fahrradtasche sollte also starr und hart sein. Gleichzeitig sollte die Fahrradtasche wasserdicht, sich auch regendicht schließen lassen und auch von außen kein Wasser durchlassen. Im Idealfall hat die Fahrradtasche noch ein paar Fächer, in denen man unterschiedliche Dinge verstauen kann. Oftmals befindet sich hier auch ein Fach als Laptoptasche. Diese Fahrradtaschen sind meist aus Textil oder Stoff, aber nicht immer zu 100% wasserdicht.
Wer in der Tasche lediglich etwas Essen und Getränke transportiert, der kann auch auf eine flexible Fahrradtasche aus LKW-Plane zurückgreifen. Zum Einkaufen bietet es sich an, wenn die Taschen einen Schultergurt oder einen vernünftigen Tragegurt haben. Den Fahrradurlaub macht man im Idealfall auch mit wasserdichten, leichten und kompakten Fahrradtaschen.
Die wichtigsten Eigenschaften im Überblick
- Wasserdichtigkeit: Taschen mit Rollverschluss sind zuverlässiger wasserdicht als solche mit Reißverschlüssen oder Deckeln.
- Stabilität: Wer länger unterwegs ist und viel Gepäck am Renner über Stock und Stein transportieren möchte, wird Wert darauf legen, dass die Taschen weder wackeln noch schaukeln und auch möglichst nicht knirschen oder knarzen.
- Gewicht: Taschen-Sets, die in Summe weniger als ein Kilogramm wiegen, setzen den Maßstab.
- Details: Details wie eine Fächeraufteilung im Inneren der Taschen helfen dabei, Ordnung zu halten; Schnüre oder Laschen außen an den Taschen erschließen zusätzliche Transportplätze mit schnellem Zugriff, beispielsweise für Windweste oder Sonnenschutz.
Die Preisspanne der acht Test-Sets ist groß. Bei 215 Euro markiert Topeak den Einstieg ins Transport-Business bei gleichzeitig solider Qualität. Am anderen Ende der Skala rangiert Tailfin; das Taschen-Set des britischen Herstellers für 805 Euro betont Stabilität und Lebensdauer, legt aber weniger Wert auf geringes Gewicht.
Das günstigste Set kommt von Topeak und kostet 215 Euro.
Bikepacking-Taschen unterscheiden sich in der Handhabung
Fest montierte Halterungen, wie sie Tailfin und Revelate Designs bieten, sind Alleinstellungsmerkmale im Markt, auf dem ansonsten Riemen und Klettverschlüsse dominieren. Die genannten Produkte benötigen zwar etwas mehr Zeit für die Erstmontage, die man unterwegs aber wieder einspart, weil das Anbringen und Abnehmen der Taschen nur noch einen Handgriff erfordert.
Tasche und Halterung sind in Summe etwas schwerer, punkten aber mit sicherem Sitz auch auf holperigem Untergrund, was insbesondere Viel-, Weit- und Offroad-Radler zu schätzen wissen. Wer eher ein einfach zu montierendes Taschen-Set für die gelegentliche Bikepacking-Tour sucht, findet bei Anbietern wie Topeak und Acid (der Zubehörmarke von Radhersteller Cube) geeignete Taschen-Sets für knapp über 200 Euro.
Die Testkandidaten im Detail
Im Folgenden werden die getesteten Bikepacking-Taschen-Sets der verschiedenen Hersteller vorgestellt:
Acid Bikepacking-Set
Cube Acid Satteltasche Pack Pro 15 Cube Acid Rahmentasche Pack Pro 3 Cube Acid Lenkertasche Pack Pro 15
Fazit: Acid ist die Hausmarke von Cube und bietet viel Tasche fürs Geld. Sattel- und Lenkertasche mit Rollverschluss lassen sich aus dem Halfter entnehmen, das ist praktisch und verkürzt die Ladezeiten. Mit knapp zwei Kilo bei 34 Liter Volumen gehört das Set zu den schweren im Test.
Cyclite Bikepacking Set
Cyclite Saddle Bag / 01 Cyclite Top Tube Bag / 02 Cyclite Frame Bag XT / 01 Cyclite 4 Handle Bar Roll Bag / 01
Fazit: Der Anspruch des deutschen Herstellers ist Leichtbau. Dem wird das Set-Gewicht von 900 Gramm für 30 Liter Stauraum vollauf gerecht. Viele gute und durchdachte Details.
Evoc Bikepacking Set
Evoc Seat Pack Boa WP 8 Evoc Frame Pack WP Evoc Top Tube Pack WP Evoc Handlebar Pack Boa WP 5
Fazit: Das Set von Evoc zählt zu den leichtesten im Test, bietet dafür jedoch weniger Stauraum. Top ist die kurze Montagezeit; nach maximal zehn Minuten ist das komplette Set am Renner. Dabei sind die Boa-Verschlüsse praktisch, bieten jedoch nur wenig Zugkraft.
Ortlieb Bikepacking Set
Ortlieb Seat-Pack 11 L Ortlieb Frame Pack RC Toptube 4 L Ortlieb Fuel Back Ortlieb Velo Sling
Fazit: Der deutsche Fahrradtaschen-Pionier spielt bezüglich Preis, Gewicht und Stauraum in einer ähnlichen Liga wie Evoc, schützt den Inhalt dank perfekter Rollverschlüsse jedoch etwas besser. Rahmen- und Oberrohrtasche fallen in der Handhabung und beim Halt etwas ab.
Restrap Bikepacking Set
Restrap Race Saddle Bag Restrap Race Frame Bag Large Restrap Bolt-On Top Tube Bag 1L Restrap Race Bar Bag
Fazit: Das Set wiegt weniger als ein Kilo, ist sehr flexibel, bietet jedoch nicht so viel Stauraum wie das gleich schwere Set von Cyclite. Die Montage geht schnell von der Hand; gute Ausstattungsdetails wie Magnetverschlüsse oder die Fächereinteilung der Rahmentaschen. Das Material raschelt.
Revelate Bikepacking Set
Fazit: Robustes und durchdachtes Set aus den USA; aufgrund seiner Bauweise vergleichsweise schwer, aber mit reichlich Stauraum. Dank der Spinelock-Halterung kann die Satteltasche in Fahrt nicht taumeln. Die Rahmen- und Oberrohrtasche könnten ihren Inhalt besser vor Nässe und Staub schützen.
Tailfin Bikepacking Set
Fazit: Das teuerste und schwerste Set im Test ist unzerstörbar und für den Dauereinsatz gemacht. Selbst voll beladen bleibt das Rad sehr fahrstabil, das Gepäck ist gut geschützt. Benötigt mehr Zeit zur Erstmontage, überzeugt danach aber mit sehr einfacher Anbringung und Entnahme von Lenker- und Hecktasche.
Topeak Bikepacking Set
Topeak Backloader X Topeak Midloader 4,5 Topeak Fast Fuel Dry Bag II Topeak Frontloader
Fazit: Topeaks Komplett-Set ist knapp kalkuliert und eine Empfehlung für die erste oder nur gelegentliche Schotter-Fluchten; Halfter für Sattel- und Lenkertasche erleichtern das Handling. Auf Dauer stören Details wie die voll beladen bauchige Rahmentasche, die leicht taumelnde Satteltasche oder die teils hakeligen Riemenverschlüsse.
Das Testprozedere
Für die Gesamtnote der Taschen-Sets haben wir die Einzelnoten der Taschen unterschiedlich gewichtet. Dabei hat die Satteltasche aufgrund ihrer komplexen Konstruktion den größten Anteil mit 40 Prozent, gefolgt von der Rahmen- und der Lenkertasche mit je 25 Prozent und der Oberrohrtasche mit 10 Prozent.
Die vier Produktkriterien Wasserdichtigkeit, Ausstattung/Verarbeitung, Montage/Halt sowie die Handhabung haben wir mit jeweils 25 Prozent gleich gewichtet.
Wasserdichtigkeit
Die Taschen-Sets wurden jeweils mit einem definierten Wasserstrahl zehn Minuten lang bewässert. Papiertaschentücher im Inneren dienten dabei als Feuchtigkeits-Indikator. Die Rollverschlüsse - Mindesteinschlag drei Umdrehungen - hielten alle dicht, bei Reißverschlüssen oder geklebten Nähten an Rahmen- und Oberrohrtaschen drang Wasser ein.
Ausstattung / Verarbeitung
Die meisten Taschen zeigten sich gut verarbeitet; kleine Mängel stellten wir an manchen Befestigungen der Lenkertaschen oder an Nahtstellen bei Oberrohr- und Rahmentaschen fest. Positiv bewertet wurden Ausstattungsdetails wie zusätzliche Riemen an Lenker- oder Satteltaschen, Kompressionsventile oder sinnvolle Befestigungsteile.
Montage / Halt
Bei der Erstmontage der Sets haben wir die Zeit gemessen vom Auspacken bis zum fertig bestückten Rad. Sehr schnell geht das beispielsweise bei Evoc, während die Adaptermontage für die Lenker- und Satteltasche von Tailfin Geschick und Geduld verlangt. Dafür überzeugt das Set mit dem besten Halt in jeder Fahrsituation und in jedem Gelände.
Handhabung
Bei manchen Herstellern braucht es mehr Übung als bei anderen, bis die Benutzung eingespielt ist. Ortliebs Rahmentasche mit Rollverschluss beispielsweise verfügt über ein gut zugängliches Ladefach, wird aber leicht bauchig und stört beim Treten an den Knien.
Zusammenfassung
Zusammengefasst: Der Markt bietet eine erfreulich große Bandbreite von Taschen-Sets mit ganz verschiedenen Eigenschaften, die unterschiedlichste Ansprüche bedienen können, je nachdem, ob das Gepäck-Ensemble besonders leicht, besonders robust oder besonders praktisch sein soll. Das nächste Bikepacking-Abenteuer mit dem Gravelbike kann jedenfalls starten!
Vorweg zum Test
Die Preisspanne für ein Set, bestehend aus Sattel-, Rahmen-, Oberrohr- und Lenkertasche, reicht von 215 Euro bei Topeak bis zum knapp vierfachen Preis bei Tailfin. Die leichtesten Sets wiegen weniger als ein Kilo und kommen von Cyclite und Restrap; Evoc und Ortlieb sind kaum schwerer. Die meisten Taschen sind wasserdicht und gut verarbeitet.
Testergebnisse im Überblick
Hier eine Übersicht der getesteten Sets mit Preis, Volumen, Gewicht und Fazit:
| Hersteller | Set-Preis | Volumen | Gewicht | Fazit |
|---|---|---|---|---|
| Acid | 285 Euro | 33,7 Liter | 1,9 Kilogramm | Viel Tasche fürs Geld, aber schwer. |
| Cyclite | 525 Euro | 29,8 Liter | 0,9 Kilogramm | Leichtbau mit durchdachten Details. |
| Evoc | 410 Euro | 17,3 Liter | 1,1 Kilogramm | Leicht, aber wenig Stauraum. Schnelle Montage. |
| Ortlieb | 420 Euro | 19 Liter | 1 Kilogramm | Ähnliche Liga wie Evoc, besserer Wasserschutz. |
| Restrap | 468 Euro | 19,4 Liter | 0,9 Kilogramm | Leicht und flexibel, aber weniger Stauraum. |
| Revelate Designs | 695 Euro | 36 Liter | 1,8 Kilogramm | Robust und durchdacht, aber schwer. |
| Tailfin | 805 Euro | 35,1 Liter | 2,7 Kilogramm | Teuer und schwer, aber unzerstörbar. |
| Topeak | 215 Euro | 38,3 Liter | 1,5 Kilogramm | Günstig, aber mit Schwächen in Details. |
Verwandte Beiträge:
- Mountainbike Taschen ohne Gepäckträger: Befestigung & Auswahl
- Mountainbike Gepäckträgertaschen: Test, Kaufberatung & Empfehlungen
- Die besten Taschen für Ihr Gravelbike – Ultimativer Test & Kaufberatung
- Top A2 Motorräder bis 48 PS: Die ultimative Übersicht für Einsteiger und Profis!
- Quietschende Bremsen am Motorrad? Die Top-Ursachen und Sofort-Lösungen!
Kommentar schreiben