MTB-Kette wachsen oder ölen: Ein Vergleich

Früher war alles einfacher: War die Kette trocken, träufelte man ein paar Tropfen zähes Nähmaschinenöl auf den Antriebsstrang und fertig.

Heute dagegen klickt man sich in Online-Shops durch seitenweise Ketten-Schmiermittel für Fahrräder, von einfacher Tropfflasche für fünf Euro bis zur High-End-Beschichtung für 130 Euro pro Fläschchen, von Allzweck-Ölen bis zu speziellen Produkten für trockene und nasse Bedingungen, von der Sprühflasche bis zum Kettenwachs.

Wie soll man da den Überblick behalten und für den Alltag das passende Produkt finden?

Bei Bikern - aber auch bei Herstellern - herrschen völlig unterschiedliche Meinungen zu Schmiermitteln: Einige Hersteller wie Muc-Off, WD-40 oder Atlantic bieten spezielle Produkte für trockene und nasse Bedingungen an.

Die Schmiermittel von Tunap, Sonax oder Brunox dagegen gibt's nur in einer Allwetter-Ausführung.

Genauso gespalten sieht es beim Design der Flaschen aus: Hersteller wie Motorex bieten ihr Schmiermittel-Sortiment ausschließlich in Sprayflaschen an, Brunox dagegen bietet sein Top Kett sowohl in der klassischen Tropfflasche als auch als Spraydose an.

Und um die Verwirrung perfekt zu machen, kommen im Schmiermittel-Dschungel auch noch Kettenwachse dazu.

Am bekanntesten sind hier die Produkte von DryFluids und Squirt Lube.

Die Fahrradkette ist das Herzstück des Antriebs, sie überträgt die Kraft vom Motor und den Pedalen auf das Hinterrad.

Bei E-Bikes, die oft höhere Kräfte und Geschwindigkeiten erreichen als herkömmliche Fahrräder, ist eine optimale Kettenpflege besonders wichtig.

Traditionell wurde das Ölen von Fahrradketten als Standardmethode angesehen.

Es ist eine bewährte Technik, die seit Jahrzehnten von Radfahrern weltweit angewendet wird.

In den letzten Jahren hat sich jedoch das Wachsen als vielversprechende Alternative etabliert und gewinnt zunehmend an Popularität, besonders unter Enthusiasten und Profis.

Kettenöl: Der Klassiker

Das Ölen der Kette ist eine relativ einfache Prozedur.

Man trägt einige Tropfen spezielles Kettenöl auf die Innenseite der Kette auf, während man die Kurbel rückwärts dreht.

Anschließend lässt man das Öl einige Minuten einwirken und wischt überschüssiges Öl ab.

Diese Methode bietet eine gute Schmierung unter verschiedenen Bedingungen und ist besonders praktisch für schnelle Wartungen unterwegs.

Ein großer Vorteil des Ölens ist die unmittelbare Wirkung: Sobald das Öl aufgetragen ist, ist die Kette einsatzbereit.

Allerdings hat das Ölen auch Nachteile.

Öl zieht Staub und Schmutz an, was zu einer schnelleren Verschmutzung der Kette führt. Dies kann langfristig zu erhöhtem Verschleiß führen und erfordert häufigeres Reinigen.

Viele dieser Öle sind universelle Rezepturen, die als guter Kompromiss in allen Bedingungen funktionieren.

In der Produktbeschreibung erfährst Du in der Regel, wofür ein bestimmter Schmierstoff optimiert ist.

Die meisten bestehen aus Mineralöl, synthetischem Öl, pflanzlichem Öl oder Paraffin.

Dazu werden verschiedene Additive beigemischt, um bestimmte Eigenschaften zu erreichen, zum Beispiel Silikon, PTFE oder andere Polymere und Keramik.

Flüssige Schmierstoffe bekommst Du entweder in kleinen Kunststoffflaschen, die eine genaue Dosierung erlauben, oder als Kettenspray.

Wenn Du Dich nicht mit einem Kompromiss zufriedengeben und mehr aus Deinem Antrieb herausholen willst, kannst Du für bestimmte Anwendungen auch zu spezielleren Schmierstoffen greifen.

Kettenöle für nasse Bedingungen (Wet Lube) beispielsweise sind zähflüssiger, um einen Schmierfilm zu bilden, der nicht so leicht von Spritzwasser ausgewaschen wird.

Sie wirken wie eine Art Imprägnierung der Kette und schützen bestens vor Korrosion.

Dieser zähere Schmierfilm ist aber nur bei Nässe von Vorteil, da trockener Dreck leichter daran haftet.

Für trockene und staubige Bedingungen sind daher Trockenschmierstoffe (Dry Lube) die bessere Wahl.

Sie sind deutlich dünnflüssiger.

Nach etwas Einwirkzeit verfliegen die Lösungsmittel und es bleibt ein Schmierfilm zurück, an dem kaum Schmutz haftet.

Wenn Du mit Dry Lube auf der Kette doch mal in den Regen gerätst, dann wird der Schmierfilm allerdings schneller ausgewaschen als bei den Wet Lubes.

Trockenschmierstoffe gibt es auf Basis von Öl oder Paraffin (Wachs).

Kettenwachs: Die moderne Alternative

Das Wachsen der Kette hingegen ist ein neuerer Ansatz, der in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat.

Bei dieser Methode wird die Kette mit einer Wachsschicht überzogen, die eine schmutzabweisende Barriere bildet.

Das Wachs dringt in die Zwischenräume der Kettenglieder ein und bietet eine langanhaltende Schmierung.

Im Gegensatz zum Öl bleibt Wachs auch bei Nässe beständiger und hält die Kette deutlich sauberer.

Allerdings ist die Anwendung von Kettenwachs aufwendiger als das Ölen.

In der Regel muss die Kette abgenommen und gründlich gereinigt werden, bevor sie in geschmolzenes Wachs getaucht oder mit Flüssigwachs behandelt wird.

Nach dem Auftragen muss das Wachs trocknen und aushärten, was einige Zeit in Anspruch nehmen kann.

Kettenwachs ist unumstritten der mit Abstand leistungsfähigste Schmierstoff für Fahrradketten.

Wachs erzeugt einen trockenen Schmierfilm, den man anfassen kann, ohne fettige oder schmutzige Hände zu bekommen.

Gewachste Ketten bleiben sauberer und können leicht ein Mehrfaches der Fahrleistung von geölten Ketten erreichen.

Kettenwachse erfordern allerdings grundsätzlich, dass die Kette vor dem Auftragen komplett fettfrei ist.

Flüssigwachse, auch denglisch Drip-Wax genannt, vereinen bereits die meisten Vorteile von Kettenwachs mit einer vereinfachten Anwendung: Kaltwachse wie Squirt, Silca Super Secret Chain Lube, Flowerpower Wax von Effetto Mariposa oder dem pflanzenbasierten Toniq sind als Wachs-in-Wasser-Emulsion bei Raumtemperatur flüssig, können also einfach auf eine Kette aufgetropft werden.

Wachs in fester Form (Heißwachs) generiert eine sehr trockene, langlebige Schmierung.

Solche Produkte sind besonders haltbar und senken die Reibung extrem zuverlässig, erfordern aber auch den größten Aufwand bei der Anwendung.

Kettenwachs ist eine Substanz, die flüssig auf die Fahrradkette aufgetragen wird und nach dem Ablüften oder Abkühlen trocken und fest wird.

Hierfür gibt es verschiedene Methoden.

Kettenwachs besteht aus einer Mischung aus Parafinen und Schmierstoffen und bildet nach dem Auftragen auf die Kette eine schützende Schicht.

Das Auftragen von Kettenwachs in einem Kettenwachsbad benötigt erheblich mehr Aufwand und Zeit im Vergleich zum Auftragen von Kettenöl.

Wenn du deine Kette in einem Kettenwachsbad behandeln möchtest, ist das erstmalige Auftragen aufwendig.

Deine Kette muss zunächst ausgebaut werden.

Kettenwachs für ein Kettenwachsbad wird meist als Granulat verkauft, in einer Schale erhitzt und verflüssigt.

Dann legst du deine Kette in das flüssige Wachs ein, sodass es in alle Kettenglieder eindringt.

Anschließend wird die Kette entnommen und nachdem sie über Nacht vollständig getrocknet ist, erst mal wieder durch Bewegen gängig gemacht.

Daher haben wir von TUNAP Sports Kettenwachs als Aerosol zum Aufsprühen auf die Kette entwickelt.

Unser Sprühwachs bietet eine bequeme Möglichkeit, das Wachs auf die Fahrradkette aufzutragen, ohne dass man es mit den Händen und einem Wachsbad auftragen muss.

Zudem trägt unser Sprühwachse dazu bei, dass weniger Wachs auf andere Teile deines Bikes oder die Hände gelangt.

Vergleich von Kettenöl und Kettenwachs
Eigenschaft Kettenöl Kettenwachs
Anwendung Einfach und schnell Aufwendiger
Reinigung Häufiger erforderlich Weniger häufig erforderlich
Schmutzanhaftung Hoch Gering
Leistung Zuverlässig bei allen Bedingungen Geringe Reibung bei Trockenheit
Umweltverträglichkeit Weniger umweltfreundlich Umweltfreundlicher
Kosten Günstiger in der Anschaffung Langfristig kosteneffizienter

Leistung und Umweltverträglichkeit

In Sachen Leistung liefern beide Methoden gute Ergebnisse, wobei jede ihre spezifischen Stärken hat.

Öl funktioniert zuverlässig bei allen Wetterbedingungen und bietet eine gleichmäßige Schmierung.

Es ist besonders effektiv bei Regen oder in staubigen Umgebungen, wo es eine Schutzschicht zwischen den Kettengliedern aufrechterhält.

Wachs hingegen glänzt besonders bei Trockenheit durch eine extrem geringe Reibung.

Ein wichtiger Aspekt, der bei der Wahl zwischen Wachs und Öl berücksichtigt werden sollte, ist die Umweltverträglichkeit.

Umweltbewusste E-Bike-Fahrer werden sich tendenziell fürs Wachsen entscheiden, da es weniger belastend für die Umwelt ist.

Wachse sind oft biologisch abbaubar und hinterlassen weniger Rückstände in der Umwelt.

In Bezug auf die langfristige Kosteneffizienz gibt es ebenfalls Unterschiede.

Obwohl Kettenwachs in der Anschaffung etwas teurer sein kann, macht sich die Investition oft langfristig bezahlt.

Durch den geringeren Verschleiß der Antriebskomponenten und die längere Haltbarkeit der Kette können Kosten für Ersatzteile und Wartung reduziert werden.

Fazit: Individuelle Entscheidung

Die Wahl zwischen Wachs und Öl hängt auch stark von den individuellen Fahrgewohnheiten und -bedingungen ab.

Für Vielfahrer, die ihr E-Bike täglich nutzen und Wert auf maximale Effizienz legen, kann sich der Aufwand des Wachsens lohnen.

Sie profitieren von der längeren Wirkdauer und der saubereren Anwendung.

Ein weiterer Faktor, der berücksichtigt werden sollte, ist die Art des E-Bikes und dessen Einsatzgebiet.

Bei hochwertigen E-Bikes mit leistungsstarken Motoren und hoher Laufleistung kann das Wachsen der Kette zu einer merklichen Verbesserung der Gesamtleistung und Langlebigkeit führen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sowohl das Wachsen als auch das Ölen der Fahrradkette ihre Berechtigung haben.

Für E-Bike-Enthusiasten, die Wert auf Langlebigkeit, maximale Effizienz und eine saubere Anwendung legen, bietet das Wachsen der Kette deutliche Vorteile. Die sauberere Anwendung, der geringere Verschleiß und die Umweltfreundlichkeit machen es besonders attraktiv für hochwertige E-Bikes und umweltbewusste Fahrer.

Allerdings sollten Gelegenheitsfahrer und diejenigen, die schnelle und unkomplizierte Lösungen bevorzugen, weiterhin zum Öl greifen. Es bietet eine gute Schmierung bei einfacher Anwendung und ist besonders praktisch für Wartungen unterwegs.

Letztendlich hängt die Wahl zwischen Wachs und Öl von individuellen Präferenzen, Fahrgewohnheiten, dem Einsatzgebiet des E-Bikes und der Bereitschaft zur Wartung ab.

Beide Methoden haben ihre Daseinsberechtigung und können bei korrekter Anwendung zu einer optimalen Leistung und Langlebigkeit des E-Bike-Antriebs beitragen.

Wichtig ist, dass man sich für eine Methode entscheidet und diese konsequent und regelmäßig anwendet.

Unabhängig davon, ob man sich für Wachs oder Öl entscheidet, ist die regelmäßige Pflege und Reinigung der Kette unerlässlich.

Eine saubere Kette ist die Grundvoraussetzung für eine effektive Schmierung, egal ob mit Wachs oder Öl.

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