Nach deiner Radtour schiebst du dein Fahrrad in den Keller und hörst ein kratzendes Schleifgeräusch. Du achtest auf das Geräusch, es kommt von der Bremse - dein Laufrad schleift. Tatsächlich, im Vorderrad ist eine Acht.
Während meiner Schulzeit eierten häufig meine Laufräder. Kein Wunder, ich quälte auch mein Bike vom Supermarkt und sprang damit Bordsteine hoch und runter. In den normalen Felgen war ruckzuck eine Acht drin. Nur in schicken Rädern rollten Hohlkammerfelgen, die mehr aushielten.
Die Acht reparierst du auch ohne Zentrierständer, ist aber schwieriger.
Anleitung: Wie du bei deinem Laufrad die Acht reparierst
1. Welches Werkzeug benötigst du zum Fahrrad zentrieren?
- Nippel- Speichenspanner oder Speichenschlüssel: Er kostet zwischen 5 bis 10 Euro. Bei Multitools ist ein Speichenschlüssel dabei. Ich nutze einen von Sigma Sport, er ist nur für zwischendurch optimal. Kaufe dir eher einen Spanner, der nur auf eine Größe angepasst ist. Praktisch für unterwegs: Multi-Werkzeug mit Nippelspanner.
- Zentrierständer: Da erkennst du Höhen- und Seitenschläge direkt. Einsteiger Modelle starten bei 50 Euro und Profimodelle ab 250 Euro.
- Spezielles Messgerät: Die Spannung der Speichen überprüfst du mit einem speziellen Messgerät.
Um Speichennippel drehen zu können, braucht es einen speziellen Nippelspanner . Für herkömmliche Laufräder passt in 90 Prozent der Fälle ein Schlüssel mit 3,2 Millimetern Maulweite. Shimano- oder Mavic-Laufräder benötigen häufig spezifische Nippelspanner. Für Laufräder mit innen liegenden Speichennippeln brauchen Sie wiederum spezielle Steckschlüssel. Bei Messerspeichen braucht man ein entsprechendes Werkzeug (links), um die Speiche gegenzuhalten.
Zentrierständer gibt es ab 40 Euro. Allerdings sind günstige Modelle meist etwas wackelig. Modelle ab etwa 100 Euro (wie z.B. der Rose 2-ZENT.A:-XL ) bieten dagegen häufig schon Werkstattqualität. Sie sind robust und eignen sich dank vieler Verstellmöglichkeiten für alle Laufradvarianten. Echte Profigeräte mit Messuhren kosten deutlich mehr und sind für den Heimwerkerbedarf übertrieben.
Wer gar keinen Zentrierständer hat, kann sich mit einem Kabelbinder behelfen. Den Kabelbinder einfach an den Sitzstreben oder der Federgabel befestigen und das abstehende Ende so abzwicken, dass es gerade nicht an der Felge ansteht. Wenn man das Laufrad dann dreht, lässt sich der Rundlauf überprüfen. Diese Methode hilft im Notfall, ist günstig und schnell zu machen, aber nicht besonders exakt.
Anleitung: Laufrad zentrieren ohne Zentrierständer:
2. Seitenschlag entfernen:
- Stelle dein Fahrrad auf den Kopf und hänge die Bremse aus.
- Entferne den Reifen, so erkennst du einen Höhenschlag.
- Danach drehe das Rad langsam und schaue, an welcher Stelle es ausschlägt. Ich nutze die Bremse oder einen Stift als Referenzpunkt. Markiere den Bereich mit einer Kreide oder Stift.
Dabei müsst ihr zuerst feststellen wo das Laufrad unrund läuft. Wenn die Felge ein leichten Ausschlag nach Links macht müsst ihr diejenige Speichennippel anziehen (Anziehen = Drehen im Uhrzeigersinn) die 1. dem Ausschlag am nächsten ist und 2. am rechten Flansch der Nabe eingehakt ist. Durch das Festziehen der Speiche verkürzt ihr die Speichenlänge zwischen dem rechte Flanschs der Nabe und Felge. Damit wandert die Felge Richtung Flansch und der Seitenschlag nach links wird geringer. Wenn der Seitenschlag nur gering ist, reicht fürs erste Mal eine halbe Umdrehung. Nach dem Anziehen des Speichenippels um ein ½ Umdrehung kontrolliert ihr den Seitenschlag erneut. Diesen Vorgang wiederholt ihr solange bis der Seitenschlag verschwunden ist.
Ist der Ausschlag nur minimal, müssen in aller Regel nur ein paar Speichen nachjustiert werden.
Wenn ihr einen Seitenschlag zentrieren wollt der auf der rechten Seite der Felge ist, müsst ihr alles spiegelverkehrt machen. Für einen Seitenschlag rechts, muss die nächstliegende Speiche angezogen werden, die auf dem linken Flansch der Nabe befestigt ist.
Hier seht ihr, das das Laufrad einen leichten Seitenschlag von 1 mm nach links hat. Nun kann man den markierten Speichennippel durch Drehen nach links lösen und so den Seitenschlag beheben. Alternativ kann man auch die beiden benachbarten Speichen auf der rechten Flanschseite durch Drehen des Nippels nach rechts spannen, so dass sich das komplette Laufrad an dieser Stelle nach rechts bewegt. Welches Vorgehen man wählt kann, von der Speichenspannung ab.
Faustregel bei seitlichen Felgenschlag: Schlägt die Felge nach rechts, ziehe die linken Speichen fest oder löse leicht die rechten Speichen. Umgedreht ziehst du die rechten Speichen fest, wenn das Rad nach links ausschlägt.
Drehe den Speichenspanner zum Festziehen gegen den Uhrzeigersinn und im Uhrzeigersinn löst du sie.
Probiere zuerst mit einer Viertel bis max. halbe Umdrehung, wenn die Felge heftig ausschlägt. Drehst du zu viel, geht die Felge in die andere Richtung. Dann fängt die Fummelei an und viel Geduld ist gefragt. Achte darauf das der Speichenschlüssel genau passt, ansonsten drehst du den Nippel rund.
Hinweis: Bei Messerspeichen achte darauf, dass die flache Seite der Speichen in Fahrtrichtung steht. Dafür gibt es extra Speichenhalter.
Um die Felge wieder mittig zu zentrieren, erhöht man die Speichenspannung. Oft reicht eine viertel Umdrehung, um die Felge zu zentrieren! Gehen Sie immer schrittweise vor.
Reicht es nicht, nur die Spannung der entsprechenden Speichen zu erhöhen, muss zusätzlich die Spannung der gegenüberliegenden Speichen (auf der Seite des Felgenschlags) verringert werden.
Als Faustregel gilt: Seitenschläge, die bis zu einen Zentimeter von der Mitte abweichen, lassen sich zentrieren. Alles was darüber hinausgeht, wird schwierig.
3. Höhenschlag deiner Felge reparieren:
- Ziehe den Reifen ab und suche den Bereich, wo das Rad eiert und markiere ihn.
Um einen Höhenschlag in einer Felge zu beseitigen müssen mehrere Speichen angezogen oder gelockert werden. Bei einem Höhenschlag gibt es immer zwei Seiten. Die eine Seite der Felge steht zu weit von der Nabenmitte ab und die - meist gegenüberliegende Seite - steht zu Nah an der Nabe.
Normalerweise beginnt man - zumindest machen wir das so - mit der Stelle bei der die Felge zu Nah an der Nabe der ist. Da die Distanz Nabenmitte zu Felge zu gering ist, muss an dieser Stelle die Speichenspannung reduziert werden. Dazu müssen die Speichenippel entgegen dem Uhrzeigersinn gelockert werden. In diesem Fall müssen alle Speichen in diesem Bereich (meist 4-6 Speichen) gelockert werden. Dabei wandert die Felge ein kleines Stück nach außen.
Im Anschluss nimmt man sich die Stelle vor, bei der die Felge zu weit von der Nabe absteht und spannt die Speichennippel in einem Bereich von 4-6 Speichen. Dadurch wandert die Felge näher zur Felgenmitte und der Höhenschlag vermindert sich. Dieses Vorgehen muss ebenfalls ein paar Mal wiederholt werden, bis der Höhenschlag verschwunden ist.
Faustregel bei Höhenschlag: Geht die Felge nach außen spanne dort die Speichen. Reicht das nicht, ziehe die andere Seite auch nach. Bewegt das Rad sich nach innen lockere die Speichen.
Höhenschläge siehst du mit dem Zentrierständer besser.
4. Überprüfen:
Schau, ob die Felge noch rund läuft und nicht wieder zur Seite ausschlägt. Danach kontrolliere die Spannung aller Speichen. Drücke mit der Hand immer zwei zusammen. Genauer ist es mit dem Speichenmesser, der ist für Hobbyradler preislich etwas übertrieben.
Damit misst du die Spannung der Speichen.
5. Als Letztes drücke dein Laufrad ab:
Lege die Felge auf den Boden und drücke mit beiden Händen drauf. Wiederhohle das 2 bis 3 Mal für beide Seiten. Prüfe nochmals die Felge. Respekt zu deiner erfolgreichen Reparatur.
Wichtig ist beim Seitenschlag zentrieren und Höhenschlag beseitigen vor allem eines. Wenn mehrere Speichen bearbeitet werden, sollten alle immer gleichmäßig und schrittweise angezogen oder gelockert werden. Das verhindert in aller Regel, dass das Laufrad am Ende total vermurkst ist.
Wenn ihr euch unsicher seid, dann lasst diese Art der Fahrradreparatur lieber in einer Fachwerkstatt machen. Laufräder sind extrem komplex.
Um sie zu zentrieren, müssen Sie allerdings nicht wissen, wie man ein ganzes Laufrad baut. Zum Glück! Denn Unter allen Schrauberarbeiten, die man an einem Mountainbike erledigen kann, gibt es eine Königsdisziplin: Laufräder selbst einspeichen. Um einen Achter oder Seitenschlag zu zentrieren, muss man jedoch verstehen, wie die Spannung einzelner Speichen den Rundlauf der Felge beeinflusst. Jede Speiche agiert als Bindeglied zwischen Felge und Nabe. Optimalerweise ist die Spannung bei allen Speichen auf der Antriebs- oder der Bremsseite des Laufrads einheitlich hoch. Je höher die Spannung einer Speiche, desto mehr zieht diese Speiche die Felge in ihre Richtung. Je niedriger die Speichenspannung, desto mehr kann die Felge in die gegenüberliegende Seite gezogen werden. Erhöht oder verringert man die Speichenspannung, lässt sich ein Schlag im Laufrad also beheben. Allerdings sind der Physik irgendwann Grenzen gesetzt. Extrem verbogene Felgen lassen sich selbst von Profis nicht mehr gerade ausrichten. Wenn durch ständiges Zentrieren die Speichenspannung in einem Laufrad zu unhomogen wird, können die Speichen im schlimmsten Fall auf der nächsten Tour reißen.
Wie viel kostet, das Laufrad zentrieren im Fahrradladen?
Dein Fahrrad Achter ist noch nicht weg, dann bringe es in die Werkstatt. Der Monteur verlangt zwischen 15 bis 20 Euro je nach Region und Schwierigkeit. Bringe nur die Felge ohne Reifen zur Werkstatt, sonst berechnen sie dir noch den Ausbau extra. Die professionelle Reparatur ist sinnvoll bei hochwertigen Laufrädern. Ansonsten überlege dir eher ein neues Laufrad zu kaufen.
Um ein Laufrad zentrieren zu können ist ein Zentrierständer nicht unbedingt nötig. Notfalls könnt ihr das Laufrad auch durch das leichte Anziehen einer Felgenbremse am Fahrrad notdürftig ausrichten. Um ein perfektes Ergebnis in Sachen Laufrad zentrieren zu erreichen, ist ein Zentrierständer allerdings unabdingbar.
Neben einem Seitenschlag können Laufräder auch einen Höhenschlag haben. Das Zentrieren des Höhenschlags ist kompliziert und verlangt nach Erfahrung. Anfänger sollten deshalb besser eine Werkstatt aufsuchen.
Bitte bei der ersten Fahrt nach dem Zentrieren nicht erschrecken: Die Speichen haben nun mehr Spannung als vorher und können sich daher noch an den Speichenkreuzungen „setzen“. Dies macht sich durch ein deutlich hörbares Knarzen bemerkbar. Dieser Effekt ist ganz normal, sollte aber schon nach kurzer Fahrt aufhören.
Als Faustregel für eine vernünftig Zentrierung gilt: Ein Laufrad für Felgenbremsen sollte nahezu perfekt gerade sein, da sich beim Bremsen sonst ein störendes Pulsieren bemerkbar machen kann. Ein Scheibenbrems-Laufrad ist da unkritischer: Da ist 1mm Seitenschlag gar nicht schlimm und kann ohne weiteres toleriert werden, solange die Speichenspannung stimmt.
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