MTB Laufräder Carbon Test: Ein umfassender Überblick

Egal ob Training oder Rennen, die Wahl der richtigen Laufräder ist entscheidend für die Performance eines Mountainbikes. In diesem Artikel werden brandneue Carbon- und Alu-Laufräder verschiedener Hersteller auf Herz und Nieren geprüft. Dabei werden sowohl technische Daten als auch Fahreigenschaften berücksichtigt, um einen umfassenden Überblick zu bieten.

Newmen Advanced und Evolution Boost: Carbon trifft Aluminium

Die Firma NEWMEN, gegründet im Jahr 2016, präsentierte auf der Eurobike 2016 ihre ersten Produkte, darunter die Laufradmodelle Advanced SL X.22 und Evolution SL X.A.25 für das Jahr 2017. Mit dem Advanced SL Modell bringt NEWMEN einen superleichten Carbon-Laufradsatz und mit Evolution SL einen widerstandsfähigen Alu-Allrounder auf den Markt. Diese Laufräder wurden auf XC-Pisten auf die Probe gestellt.

Technische Daten im Überblick

Die folgende Tabelle vergleicht die technischen Daten der Newmen Advanced SL und Evolution SL Laufräder:

Eigenschaft Evolution SL Advanced SL
Einsatzbereich Trail, CrossCountry, Marathon CrossCountry
Gewicht 1464 Gramm 1195 Gramm
Material Felge, Naben, Freilauf Aluminium, Aluminium, Aluminium Carbonfaser, Aluminium, Aluminium
Tubeless-System Tubeless Ready Tubeless Ready
Gewichtsbeschränkung 120 kg Systemgewicht 100 kg Systemgewicht
Laufradgröße 27,5" und 29" 29"

Zwischen den NEWMEN Advanced und den NEWMEN Evolution Laufrädern wurde ein Gewichtsunterschied von circa 270 Gramm festgestellt. Der Gewichtsunterschied ist auf die unterschiedlichen Felgen zurückzuführen. Die Felge des NEWMEN Advanced Laufradsatzes hat eine Maulweite von 22 mm, die Felge des NEWMEN Evolution Laufradsatz hat eine Maulweite von 25 mm (auch in 30 mm und 35 mm erhältlich). Des Weiteren wird Dir sofort auffallen, dass sich die Felgen auch im Design unterscheiden.

Seitensteifigkeit und Kurvenverhalten

Durch die hohe Speichenspannung weisen die Carbon- und Alu-Laufradsätze eine sehr hohe Steifigkeit auf. Vor allem bei Anliegern oder beim Versetzen des Hinterrads spürt man die hohe Seitensteifigkeit enorm. Bei harten Lenkmanövern am Vorderrad gibt das Rad nicht nach und bleibt sauber in der Spur. Das Lenkverhalten beider Modelle ist direkt.

Außerdem haben wir in Erfahrung gebracht, dass sich die NEWMEN Advanced Carbon-Laufräder beim Lenken im Vergleich zu den NEWMEN Evolution Alu-Laufrädern noch direkter verhalten. Wir erklären uns das dadurch, dass die Carbon-Felge nicht nachgibt.

Antriebs- und Bremssteifigkeit

Sowohl die Antriebssteifigkeit als auch die Bremssteifigkeit ist bei beiden NEWMEN Modellen sehr gut. Das ist auch auf die hohe Speichenspannung zurückzuführen. Außerdem vermitteln die NEWMEN Straightpull-Naben eine hohe Rotationssteifigkeit.

Unterschied zwischen Carbon- und Alufelgen

Die NEWMEN Advanced Carbon-Laufräder geben deutlich weniger nach als die NEWMEN Evolution Alu-Laufräder und weisen somit, typisch für Carbon, eine höhere Steifigkeit auf. Du solltest außerdem die Gewichtsbegrenzung beachten: Die NEWMEN Advanced Carbon-Laufräder darfst Du mit einem maximalen Systemgewicht von 100 kg fahren. Die NEWMEN Evolution Alu-Laufräder mit der Maulweite von 25 mm kannst Du mit einem Systemgewicht bis 120 kg fahren. Mit den NEWMEN Evolution mit einer Maulweite von 30 mm oder 35 mm solltest Du nicht über 125 kg Systemgewicht gehen.

Durchschlagsicherheit

Auch in diesem Punkt haben uns die NEWMEN Laufräder voll überzeugt. NEWMEN hat ein ausgezeichnetes Durchlagstestverfahren, um unter anderem bei Durchschlägen schwerwiegende Schäden an der Felge zu verhindern. Trotz ein paar Durchschlägen wurde weder die Carbonfelge des NEWMEN Advanced noch die Aluminiumfelge des NEWMEN Evolution beschädigt.

Halt der Reifen auf der Felge

Obwohl die Felge kein Felgenhorn hat, halten unsere Reifen überraschend gut auf der Felge. Mit dem Halt des Reifens haben wir bei beiden NEWMEN Laufradsätzen nur gute Erfahrungen gesammelt. Aufgrund der enorm guten Passform der Felge lassen sich die Reifen zum Teil etwas schwerer montieren als üblich.

Tubelesstauglichkeit

Mit dem passenden Tubelessfelgenband sind sowohl die NEWMEN Advanced Laufräder als auch NEWMEN Evolution Laufräder tubelesstauglich. Wir hatten keine Probleme bei der Umrüstung auf Tubeless.

Leichtlauf der Lager

Die Lager der NEWMEN Straightpull Naben laufen sehr leicht. Wir behaupten, dass sie sogar so leicht laufen, dass sie kaum mit anderen Herstellern zu vergleichen sind. Darauf legt Michi Grätz bekanntlich sehr viel Wert.

Das Lagerspiel kannst Du ohne große Schwierigkeiten einstellen. Du solltest dabei lediglich die Verstellung nicht zu fest anziehen, da sonst zu viel Druck auf den Lagern lastet.

Weitere getestete Laufräder im Überblick

Neben den NEWMEN Laufrädern wurden auch Modelle anderer Hersteller getestet. Hier eine Übersicht der Testergebnisse:

Alu-Laufräder

  • Veltec ETR Extradrei: Testsieger unter den Alu-Laufrädern. Perfekt aufgebaut, niedriges Gewicht und ein spitzen Wert bei der Trägheitsmessung.
  • Race Face Aeffect R: Kauftipp bei den Alu-Laufrädern, dank grundsolidem Laufradaufbau, guten Steifigkeitswerten und ordentlichem Tempo.
  • DT Swiss XM 1700 Spline: Leicht und prima zu beschleunigen. Das Vorderrad überragt bei der Seitensteifigkeit die Konkurrenz, generell liegen die Steifigkeiten auf sehr gutem Niveau.
  • Newmen Evolution SL A.30: Leicht und flott! Die Newmen-Alu-Räder sind nur minimal schwerer als die von Testsieger Veltec, lassen sich aber genauso prima (für einen Alu-Satz) beschleunigen.
  • Mavic Crossmax XL S 29: Für ein Alu-Rad relativ leicht, glänzt die wie gehabt sehr gute Mavic-Aufbauqualität. Steifigkeitswerte sowie die Beschleunigung liegen im Mittelfeld des aber generell sehr starken Testfeldes.
  • Shimano Deore XT WH-M8120: Günstig, aber gut! Shimanos XT-Laufradsatz schlägt sich trotz preislichem Respektabstand zur Konkurrenz wacker. Der Aufbau der Laufräder ist sehr gut, die Steifigkeitswerte sind mit Crankbrothers die besten im Test.
  • Crankbrothers Synthesis Enduro Alloy: Die Crank-Räder gehören zu den seiten- und torsionssteifsten im Test. Trotz des hohen Gewichts erreichen sie bei der Trägheitsmessung gute Werte, da die recht leichte Alu-Felge die schweren Naben kaschiert.
  • Spank 350 Vibrocore: Die Spank-Räder besitzen eine Schaumstoff-Schicht in der Felge, die Vibrationen dämpfen soll. Generell eher schwerer, "nur" gut zu beschleunigender Satz, dessen Hinterrad die schlechtesten Seitensteifigkeiten im Test zeigt.

Carbon-Laufräder

  • Acros Enduro-Carbon-LSR 29": Testsieger unter den Carbon-Laufrädern. Acros liefert ein superleichtes und klasse aufgebautes Paar Carbon Rundlinge. Toll für Nachrüster: der Satz ist auch für Non-Boost erhältlich!
  • Newmen Advanced SL A.30: Kauftipp unter den Carbon-Laufrädern. Optisch machen die superleichten Sätze eine Menge her und auch die Beschleunigung kann voll punkten.
  • DT Swiss XMC 1501 Spline One: Die Schweizer punkten bei ihrem Carbon-Modell mit perfektem Aufbau und niedrigem, wenn auch nicht superleichtem Set-Gewicht. Die Steifigkeiten liegen auf sehr gutem Niveau, und wie (fast) alle Carbonis im Test beschleunigen die DTs super.
  • Crankbrothers Synthesis Enduro Carbon: Die Synthesis sind die schwersten und "langsamsten" Kohlefaser-Räder im Test. Dafür sind die Crankbrothers rundherum sehr gut aufgebaut, und sie glänzen dank massiver Bauweise mit nahezu perfekten Seitensteifigkeiten.
  • Race Face Next R31: Wie Crankbrothers setzt auch Race Face eher auf Stabilität denn auf ausgewiesenen Leichtbau. Dafür überzeugt der Aufbau der breiten Felgen, auch die ermittelten Steifigkeitswerte des teuren Next-R-Satzes sind durch die Bank sehr gut.

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