MTB Pedale wechseln: Eine detaillierte Anleitung

Nicht jeder Radfahrer ist ein geborener Hobbyschrauber, und das muss auch nicht sein. Für bestimmte Reparaturen und Arbeiten ist die Fachwerkstatt oft die bessere Wahl. Aber die grundlegenden Handgriffe sollte jeder ambitionierte Besitzer eines Rennrades, Mountainbikes oder Trekkingbikes beherrschen. Dazu zählt auf jeden Fall die Montage und Demontage der Pedale.

Warum sollte man Pedale selbst wechseln?

Es gibt mehrere Gründe, warum man im Laufe seines Radlerlebens die Pedale an- und abschrauben muss:

  • Neues Bike: Du hast ein neues Bike online bestellt und im Karton angeliefert bekommen. Die Pedale liegen in der Regel bei und müssen montiert werden.
  • Transport: Du willst dein Bike kompakt transportieren, sei es im Kofferraum des Autos, im Zug oder in einer Box für den Flieger. Dazu müssen die Pedale abgeschraubt werden.
  • Neue Pedale: Du hast dir einfach ein Paar neue Pedale gegönnt.

Der Knackpunkt: Unterschiedliche Gewinde an den Pedalen

Am Fahrrad besitzt das rechte Pedal (stets in Fahrtrichtung gesehen) ein Rechtsgewinde. Das linke Pedal jedoch besitzt ein Linksgewinde! Das heißt: Beim Einschrauben in die Kurbel muss man es nach links, gegen den Uhrzeigersinn drehen.

Grund: Durch die Rotation der Kurbel beim Treten und unter Berücksichtigung der (Gegen-) Laufrichtung der Kugellager an den Pedalachsen sorgen die unterschiedlichen Gewinde dafür, dass sich die Pedale beim permanenten Treten nicht losdrehen können. Die Pedale ziehen sich selbstständig fest, beziehungsweise werden in Position gehalten.

Einfache Merkhilfe

Spricht man am Fahrrad von rechter und linker Seite, so geht man immer von der Sicht des Fahrers aus. In Fahrtrichtung gesehen weist also das RECHTE Pedal ein Rechtsgewinde auf, und das LINKE Pedal ein Linksgewinde.

Zur Identifikation der beiden verschiedenen Gewinde sind Pedale in der Regel mit den Buchstaben R und L gekennzeichnet. Entweder am Pedalkörper oder in der Nähe des Gewindes, meist direkt auf dem Sechskant.

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal bei den meisten Pedalen ist eine kleine Nut, die sich beim linken Pedal am Anfang des Gewindes befindet.

Beim linken Pedal zeigen die Rillen nach links oben, wenn man es auf den Boden stellt, beim rechten Pedal nach rechts oben.

Die Montage - Welches Werkzeug braucht man?

Pedale besitzen in der Regel zwei Ansatzpunkte für Werkzeug:

  • An der Pedalachse (zwischen Pedalkörper und Kurbel) lässt sich ein 15 mm Maulschlüssel ansetzen. Empfehlenswert ist die Anschaffung eines speziellen, flachen Pedalschlüssels. Er passt optimal in den oft schmalen Spalt zwischen den beiden Bauteilen. Außerdem ist seine Hebelwirkung besser als die eines herkömmlichen Maulschlüssels.
  • An der Stirnseite der Pedalachse befindet sich in der Regel eine Aufnahme für einen Innensechskant-Schlüssel (Inbus). Das Maß beträgt 6 Millimeter, in Ausnahmefällen auch 8 Millimeter. Wer mit dem Innensechskant arbeiten möchte, sollte sich einen entsprechenden Inbus-Schlüssel mit langem Hebel anschaffen.

Zu guter Letzt benötigt man bei der Montage ein handelsübliches Fahrradfett oder Montagepaste.

Werkzeugliste für den Pedalwechsel:

  • 6er oder 8er Inbusschlüssel alternativ einen Pedalschlüssel
  • Montagepaste/Montagefett
  • Schraubenschlüssel (SW15)

Vorbereitung: Das Einfetten der Gewinde

Die Pedalgewinde müssen vor dem Anschrauben der Pedale gefettet werden! Das Fett wirkt wasser-abweisend und sorgt dafür, dass sich die Pedale jederzeit mit normalem Kraftaufwand auch wieder lösen lassen. Dazu einfach ein bisschen Fett oben aufs Gewinde geben. Der Schmierstoff verteilt sich beim Anschrauben automatisch rundherum. Ausnahme: Bei Leichtbau-Pedalen mit Titan-Achsen ist statt Fett eine spezielle Titan-Montagepaste zu verwenden!

An- und Abschrauben - Rechte Seite (Antriebsseite)

  1. Zunächst das Pedal mit gefettetem Gewinde von Hand in die Kurbel drehen. Tipp: Schnell und leicht geht es, wenn man mit dem Inbusschlüssel von hinten durchs Kurbelgewinde dreht.
  2. Sobald die Pedalachse am Anschlag ist, arbeitet man mit dem 15-mm-Pedalschlüssel weiter. Gefühlvoll und bei Bedarf auch kraftvoll kann man anziehen (und lösen), wenn man sich über das Bike hinweg beugt und von oben her arbeitet. Dazu die Kurbel beim Anziehen auf etwa 8 Uhr stellen, beim Lösen auf 4 Uhr.
  3. Drehen im Uhrzeigersinn schließt die Verbindung.
  4. Man schraubt das rechte Pedal gegen den Uhrzeigersinn ab.
  5. Das rechte Pedal wird mit dem Uhrzeigersinn festgeschraubt.

An- und Abschrauben - Linke Seite

  1. Auf der linken Seite sind die Dreh-Richtungen auf Grund des Linksgewindes vertauscht! Anziehen GEGEN den Uhrzeigersinn, lösen IM Uhrzeigersinn (LINKS-Gewinde).
  2. Auch hier gilt wieder: Zuerst das Pedal von Hand eindrehen und am Ende mit dem Schlüssel arbeiten. Von oben her arbeiten ist bequemer: Dazu die Kurbel beim Anziehen auf etwa 4 Uhr stellen, beim Lösen auf 8 Uhr.
  3. Man schraubt das linke Pedal mit dem Uhrzeigersinn ab.
  4. Das linke Pedal wird gegen den Uhrzeigersinn festgeschraubt.

Wie fest muss man Pedale anziehen?

Grundsätzlich gilt: Wer einen Drehmomentschlüssel besitzt, sollte diesen auch benutzen. Mit einem Wert von etwa 30 Nm (Newtonmeter) liegt man in der Regel richtig. Sollten jedoch anders lautende Angaben des Pedalherstellers vorliegen, sind diese zu beachten! Ohne Drehmomentschlüssel ist es schwierig, den nötigen Druck zu beschreiben. Pedale sollten fest aber nicht übertrieben fest sitzen. Wer die Montage öfter macht, bekommt schnell ein Gefühl dafür.

Falls nicht, dann dreh die Pedale handfest, also so weit an, bis du das Gefühl hast, dass sie richtig fest sitzt.

Sonderfall Carbon Kurbeln

Zur Montage der Pedale besitzen Carbon Kurbeln in den Kurbelarmen Gewinde-Einsätze aus Aluminium, so genannte Inserts. Spezielle, dünne Beilagsscheiben zwischen Pedalachse und Kurbel verhindern, dass sich die harte Stahlachse beim Festziehen ins weichere Aluminium des Inserts frisst. Obligatorisch bei der Montage: Fett auf Stahlachsen beziehungsweise Montagepaste auf Titanachsen! Diese Beilagsscheiben erhälst du bei uns im Shop als Zubehör.

Tipps & Tricks

  • Pedalgewinde besitzen in der Regel ein 9/16″ x 20 TPI Gewinde. Es gibt Ausnahmen im Ausland und vereinzelt im BMX-Bereich.
  • Pedale sollten sich nach dem Ansetzen mit Handkraft einschrauben lassen. Achte darauf, dass du das Pedal gerade und im rechten Winkel zur Kurbel ansetzt. Funktioniert das nicht, ist etwas nicht in Ordnung! Gehe niemals mit Gewalt weiter vor, sondern hol dir Hilfe in der Fachwerkstatt. Das Gewinde könnte sonst beschädigt oder sogar unbrauchbar werden!
  • Ein defektes Pedalgewinde kann in bestimmten Fällen repariert werden! Entweder durch Nachschneiden des Gewindes. Oder in Härtefällen sogar mit Einsatz einer speziellen Gewindehülse. Aber lass es lieber nicht darauf ankommen!
  • Festsitzende Pedale, die beispielsweise vor der Montage nicht gefettet wurden, können sehr viel Kraft beim Lösen erfordern. Ein langer 15 mm Pedalschlüssel eignet sich hier meist besser als ein Innensechskantschlüssel. Eine Vorbehandlung mit WD-40 Rostlöser ist manchmal hilfreich.
  • Wenn sich Deine Fahrradpedale nicht lösen lassen, kannst Du Kriechöl am Gewinde.
  • Du kannst dann mit mehr Kraft drücken, in dem du den Hebel verlängerst. Nimm dazu einen längeren Schlüssel, oder verlängere den bereits genutzten. Außerdem kannst du mit Kriechöl versuchen, die Gewinde wieder geschmeidig zu machen. Auch ein Schlag mit dem Gummihammer kann Wunder wirken.

FAQ: Pedale montieren

Frage Antwort
Haben Pedale unterschiedliche Gewinde? Ja. Das rechte Pedal hat ein Rechtsgewinde, das linke ein Linksgewinde.
Wieso ist das Gewinde des linken und rechten Pedals unterschiedlich? Damit sich die Pedale beim Pedalieren nicht lösen.
Benötige ich zum Montieren meiner Pedale Fett? Ja, um Korrosion zu verhindern.
Was ist der Unterschied zwischen einem Pedalschlüssel und einem normalen 15-Millimeter-Maulschlüssel? Ein Pedalschlüssel ist flacher und hat einen längeren Hebel.

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