Die richtige Einstellung deines Mountainbikes ist entscheidend für dein Fahrerlebnis. Eine falsche Sitzposition kann nicht nur zu Schmerzen und Ermüdung führen, sondern auch deine Gesundheit langfristig beeinträchtigen. Besonders die Sattelhöhe und -neigung, sowie die Position des Lenkers und der Griffe spielen eine große Rolle.
Warum ist die richtige Sitzposition wichtig?
Hier sind einige Gründe, warum du dein MTB richtig einstellen solltest:
- Vermeidung von Schmerzen und Beschwerden: Eine zu hohe oder zu niedrige Sattelhöhe kann zu Knie-, Rücken- und Handschmerzen führen.
- Effiziente Kraftübertragung: Eine korrekte Sitzposition ermöglicht eine optimale Kraftübertragung auf die Pedale.
- Bessere Kontrolle und Handling: Ein richtig eingestellter Lenker verbessert die Kontrolle über das Bike und erhöht die Sicherheit.
Alle genannten Punkte sind Richtwerte, die Dir helfen, einen guten Ausgangspunkt zu finden. Von dort an musst Du dann selbst herausfinden, was im Detail gut für Dich ist - oder diese Aufgabe einem professionellen Bikefitter überlassen.
Die fünf Kontaktpunkte
Die fünf Kontaktpunkte kannst Du mit unglaublich vielen Parametern beeinflussen: Durch die Rahmenwahl, die Sitzhöhe, Sattelstützen-Kröpfung, Vorbaumaße, die Lenkerform, das Pedalsystem - und deren Feineinstellungen. Alle Kontaktpunkte: Pedale, Sättel. Radfahren muss nicht weh tun! Es gibt zahlreiche Stellschrauben, die Du nutzen kannst, um Dein Rad an Deine Bedürfnisse anzupassen. Wir zeigen sie Dir.
Regelkreisprinzip und Notizen
Wenn Du von einer guten Basis aus Deine optimale Sitzposition suchst, verändere immer nur einen Parameter und teste anschließend, wie sich die Veränderung auswirkt. Ansonsten bist Du nicht in der Lage, eindeutig zu bestimmen, ob ein auftretender Knieschmerz nun von einer veränderten Sitzhöhe oder einem nach hinten verschobenen Sattel herrührt. Wenn Du mit einer Einstellung zufrieden bist, notiere sie, damit Du später darauf zurückkommen kannst. Wenn Du jeden der folgenden Parameter so eingestellt hast, dass es ein bisschen "besser" wird, kannst Du am „Ende“ des Kreises wieder von vorn anfangen und Dich auf diese Art zwar langsam, aber sehr präzise an Dein persönliches Optimum herantasten.
Schritt 1: Die richtige Sattelhöhe finden
Bei der ergonomischen Einstellung des Bikes ist der erste Schritt die Sitzhöhe. Wer zu hoch oder zu tief sitzt, bezahlt den Preis in Form schlechterer Kraftübertragung und höherer Belastungen des Bewegungsapparates. Wenn Dein Becken beim Pedalieren abkippt oder Du auf den Zehenspitzen auf dem Pedal stehst, ist Dein Sattel ganz klar zu hoch. Bleibt das Knie während der gesamten Kurbelumdrehung stark angewinkelt, ist der Sattel zu niedrig. Wenn Du Deine Sitzhöhe erstmals einstellst, ist der „Fersentrick“ eine gute Richtlinie: Wenn Du im Sattel sitzend die Hinterkante des Schuhs an die Hinterkante des Pedals stellst, sollte Dein Knie so gut wie durchgestreckt sein, wenn die Kurbel dabei senkrecht nach unten steht. Um die Sitzhöhe zu verändern, hast Du vor allem einen Parameter: den Sattelstützen-Auszug. Bedenke aber auch, dass unterschiedliche Sättel unterschiedlich hoch bauen und Du evtl. beim Tausch des Sattels auch die Sattelhöhe neu justieren solltest. Das Schöne an der Sitzhöhe: Sie ist mehr oder weniger übertragbar. Wenn Du bereits eine gute Sitzposition gefunden hast, messe einfach den Abstand von Mitte Kurbelwelle über die Mitte der Sattelklemmung zur Sitzfläche. So kompensiert Dein Wert auch stark abweichende Sitzwinkel, etwa zwischen MTB und Rennrad.
Achtung: Unterschiedliche Pedale und Schuhe unterscheiden sich in der Bauhöhe voneinander. So sind Klickpedalschuhe meist höher als ihre Flat-Geschwister. Ergonomische Einlegesohlen können diesen Effekt verstärken. Benutze also bei der Ermittlung der richtigen Sitzhöhe für Dich an Deinem Bike unbedingt die Pedale und Schuhe, die Du später auch benutzen möchtest. Der „Fersentrick“ ist eine gute Richtlinie für die richtige Sattelhöhe.
Sattelhöhe berechnen
Multipliziere deine Beinlänge mit 0,883. Das Ergebnis ist die deine Sattelhöhe.
Sattel einstellen
Stelle den Sattel so ein, dass der gemessene Abstand dem von der Mitte des Tretlagers zur Oberkante des Sattels entspricht. Auf unseren neuen Sattelmodellen wirst du die sogenannte Biomechanische Referenzlinie (BMR) finden. Sie bestimmt den Messpunkt auf der Oberfläche des Sattels.
Schritt 2: Die Sattelneigung einstellen
Bei der Sattelneigung empfiehlt es sich, als Ausgangspunkt die Sitzfläche des Sattels parallel zum Boden auszurichten. Von hier aus kannst Du optimieren - aber vorsichtig, denn schon ein wenig Neigung kann am Sattel sehr viel ausmachen. Neigst Du die Sattelnase nach unten, entlastest Du Gesäß und untere Extremitäten und hast mehr Druck auf dem Lenker. Mountainbiker, die steil bergauf fahren oder Roadies, die aerodynamisch tief und gestreckt sitzen, bevorzugen diese Einstellung. Zeigt die Sattelnase nach oben, ist das meist ungünstig: Die punktuelle Druckverteilung im Sitzen ist einfach zu unbequem, Du hast viel Druck auf dem Dammbereich und rutschst bergauf nach hinten. Es gibt aber zwei Ausnahmen: Zunächst Sättel wie etwa von Brooks, deren Sitzflächen nicht gerade, sondern leicht bananenförmig sind.
Schritt 3: Die horizontale Sattelposition finden
Die horizontale Position des Sattels beeinflusst deine Position im Verhältnis zum Tretlager und zum Lenker. Das erreichst du, imdem du ein Lot von der Kniescheibe nach unten fällst. Das Lot sollte durch die Pedalachse fallen. Das kann am besten von einer anderen Person kontrolliert werden. Verschiebe den Sattel so lange nach vorne oder hinten, bis diese Position erreicht ist.
Schritt 4: Die Lenkerhöhe und -position einstellen
Die Lenkerhöhe und -position beeinflussen deine Sitzhaltung und den Fahrkomfort. So stellst du den Lenker richtig ein:
- Lenkerhöhe: Die Höhe des Lenkers sollte so eingestellt sein, dass deine Arme leicht gebeugt sind. Ein höherer Lenker sorgt für eine aufrechtere Sitzposition, ein niedrigerer Lenker für eine sportlichere Haltung.
- Lenkerbreite: Die Lenkerbreite sollte zu deiner Schulterbreite passen. Ein breiterer Lenker bietet mehr Kontrolle, ein schmalerer Lenker weniger Luftwiderstand.
- Lenkerneigung: Stelle den Lenker so ein, dass deine Handgelenke in einer neutralen Position sind, um Überlastungen zu vermeiden. Wenn du unsicher bist, beginne zuerst so, dass du die Griffstück waagerecht einstellst. Nach Bedarf kannst du dann den Winkel der Griffe, beziehungsweise deren Neigung so einstellen, das nur ein sehr feiner Winkel vom Arm zum Handrücken entsteht.
Schritt 5: Die korrekte Fußposition finden
Dieser Schritt ist vor allem für Klickpedalfahrer von großer Bedeutung, da die Position auf dem Pedal fixiert ist und daher exakt stimmen muss. Egal, ob Klick- oder Flatpedal - der Fuß sollte mit dem Ballen auf dem Pedal stehen, nicht auf Zehen oder Fußgewölbe. Beides führt zu starkem Abknicken bzw. Durchbiegen des Fußes und damit zu Ermüdung, Fehlhaltung und Schmerz. Stehst Du nicht auf dem Ballen, spricht das für eine falsche Sitzhöhe (s. o.). Klickpedalschuhe erlauben grundsätzlich keine vollkommen falsche Position der Schuhplatte und damit der Fußposition in Längsrichtung, wohl aber eine Einstellung gemäß persönlichen Präferenzen. So stehen Rennradfahrer wegen der besseren Kraftübertragung und größeren Zehenfreiheit meist etwas weiter vorne auf dem Fußballen, während fahrtechnisch ambitionierte Mountainbiker für mehr Kontrolle und Radbeherrschung in der stehenden Position das Pedal mittiger unter dem Fußballen bevorzugen. Die meisten Cleats erlauben zudem eine Winkelverstellung. Dabei hilft das Ergon TP1 Cleat Tool enorm weiter. Grundsätzlich gilt zunächst: Füße parallel zum Rad und nicht angewinkelt. Übrigens: Der reelle Sitzwinkel beeinflusst die Fußposition auf dem Pedal bei gleicher Sitzhöhe maßgeblich mit. Besonders flache oder steile Sitzwinkel erfordern hier ggf. eine Kompensation bei Fußposition oder Sitzhöhe.
Schritt 6: Lenkerdrehung und Bremshebelposition am MTB
Ein kleiner, aber nicht unwichtiger Faktor auf dem Trail ist die Drehung des Lenkers und die Position der Bremshebel, an denen normalerweise immer Dein Zeigefinger ruht. Beides beeinflusst Deinen Körperschwerpunkt und damit die Gewichtsverteilung, wenn Du im Stehen fährst. Für die meisten Mountainbiker ist ein Winkel der Bremshebel von 45° zur Horizontalen durch den Lenker ein guter Startpunkt. So bildet der Handrücken eine ungebrochene Verlängerung des Unterarms. Das entlastet die Handgelenke und ist im Sinne der Langstreckentauglichkeit sicher die beste Lösung.
Schritt 7: Und wieder von vorn, bis alles perfekt sitzt
Wenn Du es bis hierher geschafft hast, solltest Du eine gute Sitzposition auf dem Rad gefunden haben. Langstreckenfahrer:innen sowie Menschen mit Beschwerden am Bewegungsapparat sind besonders anspruchsvoll. Wenn Du die Schritte eins bis sechs durch hast, aber noch nicht ganz zufrieden bist, beginne nochmal von vorn, diesmal mit feineren Anpassungen. Egal, ob Du selber Hand anlegst oder ein professionelles Bikefitting buchst, achte auf das Timing! Direkt vor einem Highlight in Deinem Jahreskalender wie Trainingslager oder Rennen ist genauso ein schlechter Zeitpunkt wie unmittelbar nach einer langen Pause. Lass dir nach der Anpassung Zeit, ihre Wirkungen zu erproben.
Testlauf: So erkennen Sie mögliche Probleme
Je steiler und länger ein Berg, desto deutlicher treten bestehende Probleme zu Tage. Nur, wer ausreichend beweglich und stark ist, kann schmerzfrei und kraftvoll auf dem MTB treten. In der Praxis sollten Sie längere Anstiege deshalb ohne Schmerzen fahren können. Die folgenden Punkte helfen Ihnen dabei.
Individuelles Bikefitting
Komfort und Effizienz müssen sich nicht ausschließen, gerade beim Bike Fitting bedingen sie sich sogar gegenseitig. Individuelles Bikefitting: Dies ist der Königsweg der Anpassung und meist auch mit höheren Kosten verbunden. Dennoch ist ein Bikefitting durchaus mit einem Maßanzug oder -kleid zur vergleichen. Nichts anderes passt so gut auf Anhieb.
Tabelle: Einflussfaktoren auf die Sitzposition
| Einflussfaktor | Auswirkung |
|---|---|
| Sattelhöhe | Kraftübertragung, Kniebelastung |
| Sattelneigung | Druckverteilung, Komfort |
| Horizontale Sattelposition | Position zum Tretlager, Kniewinkel |
| Lenkerhöhe | Sitzhaltung, Komfort |
| Lenkerbreite | Kontrolle, Luftwiderstand |
| Lenkerneigung | Handgelenkposition, Komfort |
| Fußposition | Kraftübertragung, Effizienz |
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