MTB Schuhe Klick Systeme im Vergleich: Welches System ist das Richtige für dich?

Die ersten Alpen-Überquerer haben sich noch mit groben Wanderstiefeln über den Hauptkamm geschunden. Mit deren stabilen Sohlen konnte man nicht nur kräftig in die Pedale treten, ihr Profil war auch griffig genug, um die zahlreichen Schiebepassagen auf den elend steilen Pässen zu bezwingen. Außerdem boten sie den Füßen Schutz vor Steinkontakt und Wetterkapriolen. Alles Eigenschaften, die einen guten Touren-MTB-Schuh auch heute noch auszeichnen. Die Optik hat sich über die Jahre aber extrem verändert.

Heute gleichen viele Fahrradschuhe eher Skate-Sneakern als Bergstiefeln, was per se nicht schlecht sein muss. Abstriche muss man trotzdem bei vielen Modellen im Test machen. Ausreichend Profil für Klettereien in alpinem Gelände sucht man häufig vergeblich. Die Sohlen sind teilweise nur in Verbindung mit breit abstützenden Pedalkäfigen steif genug für harte Alpen-Anstiege. Vollflächige Kunststoffmaterialien, dick ausgepolstert, lassen die Füße teils im eigenen Saft schmoren.

Doch es gibt auch Lichtblicke: Hersteller wie Crankbrothers, Ride Concepts, Scott oder Vaude schaffen es, ihre Schuhe mit Alpen-tauglich profilierten Sohlen auszustatten. Sie finden einen Weg, gute Kraftübertragung mit angenehmen Laufeigenschaften zu verknüpfen, und ihre Schnürsysteme verankern die Füße bombenfest in den MTB-Schuhen. Dagegen hätten bestimmt auch die ersten Alpen-Überquerer ihre klobig-schweren Wanderstiefel eingetauscht.

Klickpedale vs. Flatpedale bei MTB-Schuhen

Stefan Frey, BIKE-Testredakteur: Ganz klar Klickies. Sie haben meist die steifere Sohle und bringen die Kraft besser aufs Pedal, das spart auf langen Touren Körner. Außerdem muss ich nicht ständig nach der optimalen Position auf dem Pedal suchen und kann mich voll auf den Trail konzentrieren. Aktuelle Modelle sind längst keine steifen “Stöckelschuhe” mehr. Griffige Sohlen, angenehme Laufeigenschaften und lässige Optik - Fahrradschuhe mit Klicksystem sind für mich die optimalen Allrounder für lange Touren.

Stefan Herrmann, Fahrtechnikprofi: Wer es nicht eilig hat, sollte auf Flat-Schuhe setzen. Sie fördern einen aktiven Fahrstil, weil man für die Verbindung mit dem Bike eine Bogenspannung zwischen Fuß, Beinen, Rumpf und Armen erzeugen muss. So agiert man mehr, als sich mit einem defensiven Fahrstil auf die mechanische Verbindung zu verlassen. An kritischen Stellen kann ich zudem schnell den Fuß absetzen, dadurch bin ich mental offensiver. Schiebepassagen lassen sich ohne Cleats an der Sohle auch besser meistern.

Die wichtigsten Eigenschaften von Touren-Fahrradschuhen

Die Optik von Touren-Fahrradschuhen geht immer mehr von Wander-Boots zu Sneakern. Die Kernkompetenzen bleiben aber gleich: gute Kraftübertragung, Schutz vor Felskontakt, Grip und Komfort auf Schiebepassagen. Die wichtigsten Eigenschaften im Detail.

1 - Schutz

Eine TPU-verstärkte Zehenkappe bieten die meisten Schuhe. Wer mehr Schutz möchte, sollte ein Modell mit innen hochgezogenem Knöchelbereich wählen. Strick- oder Neopren-Gamaschen verhindern, dass Schmutz in den Schuh gelangt und Reibung verursacht.

2 - Mesh-Einsätze oder Laser-Cuts

Mesh-Einsätze oder Laser-Cuts verbessern die Belüftung an heißen Tagen und verhindern, dass man im eigenen Saft steht. Wer mehr Schutz vor Schlamm und Spritzwasser sucht, sollte auf nahtloses und geschlossenes Obermaterial setzen.

3 - Schnürung von MTB-Schuhen

Erstaunlich viele Hersteller gehen wieder zurück zur klassischen Schnürung. Vorteil: So lässt sich der Bike-Schuh über den kompletten Spann perfekt an den Fuß anpassen. Das gelingt mit den praktischeren Drehverschlüssen nicht immer. Zudem sind Boa und Co schmutz- und defektanfällig und unterwegs kaum zu reparieren. Dafür lassen sie sich auch während der Fahrt feinjustieren. Hochwertige Schnürsenkel sind ein Muss, an den Testschuhen fransen sie teils schon bei Kontakt mit den Klettverschlüssen aus. Tipp: Fädelt man die Schnürsenkel von außen nach innen, verbessert das den Halt erheblich.

4 - Laufsohle

Je steifer die Sohle, desto besser kommt die Kraft aufs Pedal. Umso schlechter rollt der MTB-Schuh in der Regel aber auch ab. Beim Schieben schlüpft dann schon mal die Ferse halb aus dem Schuh. Ein aufgebogener oder weicherer Zehenbereich verhindert Schlupf. Richtig grobes Profil, das auch auf felsigem Grund Halt gibt, bieten nur noch wenige Modelle. Für Alpen-Touren sollte man aber unbedingt ein Modell mit griffigem Gummi und ausreichend Profil wählen.

5 - Montagebereich

Laut Ergonomieexperten sollten die Cleats etwa unter den Zehen-Grundgelenken montiert sein. Je weiter vorne, desto besser ist die Kraftübertragung aufs Pedal. Wer eher bergab unterwegs ist, platziert die Cleats weiter hinten für einen stabileren Stand. Das entlastet auch die Muskulatur in der Abfahrt. Ein möglichst langer und abgeflachter Cleat-Kanal erleichtert den Einstieg ins Pedal und verbessert die Selbstreinigung bei schlammigen Bedingungen.

6 - Die Einlegesohle

Die Einlegesohle ist maßgeblich für den Tragekomfort verantwortlich. Hier sparen viele Hersteller. Gute Sohlen gibt es bei Fox, Scott oder Specialized. Wer mehr Komfort und Effizienz will, greift zu Spezialsohlen wie Currex, Solestar oder SQlab.

Unsere getesteten Mountainbike-Schuhe im Überblick

Hier eine Übersicht einiger getesteter Mountainbike-Schuhe:

  • Crankbrothers Mallet E Boa: Top Allrounder mit guter Kraftübertragung und bequemem Sitz.
  • Five Ten Trailcross CL: Leicht und gut belüftet, ideal für heiße Tage, aber nicht optimal für harte Einsätze.
  • Fizik Gravita Tensor: Bietet super Schutz, gute Kraftübertragung und sicheren Stand auf dem Pedal.
  • Fox Union: Angenehm unauffällig und trägt sich fast schon wie ein Sneaker.
  • Ion Rascal Select Boa: Gut belüftet und solide geschützt, aber mit mäßiger Kraftübertragung.
  • Leatt 4.0 Clip: Umfangreich gepolstert und gut geschützt, aber mit schwergängiger Schnürung.
  • Ride Concepts Tallac Clip: Sportlich geschnitten mit straffem Sitz und guter Kraftübertragung.
  • Scott MTB Shr-alp Boa Evo: Top Trail-Schuh mit viel Komfort und Schutz.

Klicksysteme im Detail

Ein recht einfaches Mittel zur Leistungsverbesserung sind daher Klicksysteme. Systempedal - auch Klickpedal genannt, ermöglicht durch Bindungselemente eine feste Einheit aus Schuh und Pedal. Das Bindungssystem gleicht dem von Skischuhen, aber es wird nur im Vorderfußbereich eingeklickt.

  • Schuhplatten - im Englischen auch Cleats genannt, sind die Verbindungselemente zwischen Schuh und Pedal. Ohne Sie kann keine Einheit gebildet werden.
  • Floatwinkel - ist die seitliche Bewegungsfreiheit bei eingeklicktem Schuh.
  • Auslösehärte - beschreibt, wie weit bzw. mit welchem ‚Kraftaufwand‘ der Fuß nach außen gedreht werden muss, damit sich die Bindung löst.
  • Cleat-Abdeckungen - sind dazu da die Schuhplatten zu schützen, zum Beispiel bei Laufpassagen oder beim Verstauen.

Mit dem Klicksystem werden Schuh und Pedal zur festen Einheit. Durch das Begrenzen des Bewegungsspielraumes kann die Trittkraft optimal an Pedal, Kurbel, Kette und schlussendlich den Rädern weitergegeben werden. Es kommt bei gleichem Kraftaufwand mehr Leistung am „Antrieb“ an. Zudem haben Fahrradschuhe eine steifere Sohle, die zusätzlich für eine bessere Kraftübertragung sorgen. Oft sind die Klick-Pedale auch leichter als Plattformpedale. Wenn man das Klicken beherrscht, kann man beobachten, wie sich die eigene Performance verbessert und das ohne eine Steigerung des Trainings. Mit dieser Fahrtechnik lässt sich später auch das Training effizienter gestalten.

Außerdem wird so der Einstieg in den runden Tritt erleichtert. Dieser setzt sich aus einer ziehenden und drückenden Bewegung der Füße zusammen. Sind Pedale und Schuhe richtig eingestellt, können Haltungsschäden vorgebeugt werden. Ebenso können Kniegelenke und der Muskelapparat entlastet werden. Die gesamte Beinstellung wird so effizienter. Ein weiterer Sicherheitsaspekt ist das Verhindern von Abrutschen bei Nässe.

Klickpedale und dazu passende Radschuhe müssen nicht teuer sein. Ein solides Paar Rennradschuhe gibt es schon für knapp unter 100€, gleiches gilt für MTB-Schuhe. Allgemein lässt sich direkt eine Unterscheidung zwischen Off-Road und On-Road Systemen erkennen. Hintergrund sind die unterschiedlichen Anforderungen, die durch Rennradschuhe und MTB-Schuhe gestellt werden. Wir zeigen hier anhand der gängigsten Systeme von Shimano, SPD und SPD-SL, die Unterschiede auf.

Shimano SPD-SL vs. SPD

Vorteil beider Systeme ist, dass sie in ihrem jeweiligen Anwendungsbereich die Platzhirsche sind und in Punkto Preis/Leistungsverhältnis kaum zu toppen sind.

SPD-SL

Das SPD-SL Klicksystem von Shimano ist für Geschwindigkeit entwickelt. Daher sind auch die Pedalplatten an den Schuhen etwas größer. Außerdem werden die Cleats auf den Rennradschuh geschraubt. Das erschwert zwar das Laufen, verbessert aber die Kraftübertragung und die Haltung zu Pedal und Rahmen. Da die Pedalplatten aufgesetzt sind, nutzen sich diese schneller durch das Laufen oder häufige und intensive Nutzung ab. Sie sind daher aus Kunststoff gefertigt.

Die Pedalplatten von Shimano haben am Ende, Richtung Ferse, zwei farbige Aufsätze. Diese zeigen den Abnutzungsgrad an und damit wann die Pedalplatten ausgetauscht werden sollten. Außerdem schützen Sie durch eine leichte Erhöhung das vordere Ende der Pedalplatte, die in die Bindung eingeklickt wird. Befestigt werden die SPD-SL-Cleats mittels dreier Schrauben an den Schuhen. Die Pedalplatten können individuell am Schuh angebracht werde. Ob die Platte richtig sitzt, überprüft man durch einfaches Ausprobieren - also das wiederholte Ein- und Ausklicken.

Um das Einstellen zu erleichtern haben Rennradschuhe auf der Sohle Abstandsmarkierungen, so dass Sie auch beim Wechsel der Schuhe die Einstellung Ihrer Pedalplatten einfach übertragen können. Shimano bietet durch drei unterschiedliche Pedalplatten-Arten außerdem die Möglichkeit die seitlich Bewegungsfreiheit der Cleats in den Pedalen zu steuern. Wir empfehlen für Einsteiger die gelben Pedalplatten (7517). Diese bieten den größten Spielraum mit bis zu 6° Rotationswinkel.

Das Pedalsystem selbst kann je nach Ausführung nochmal individuell eingestellt werden. Einsteiger SPD-SL Pedale haben eine weiche Auslösehärte. Das ist insbesondere für Anfänger sinnvoll, damit sie sich beim Anhalten schnell aus dem Pedal lösen können.

SPD

Das SPD-Klicksystem ist für den Off-Road-Bereich entwickelt. Da im Off-Road-Bereich Laufpassagen häufiger vorkommen ist das Versenken der Cleats in der Sohle ein logischer Schritt, um diese zu schonen. Die Cleats werden mit lediglich zwei Schrauben angebracht. Auch die Auflagefläche unterscheidet sich von der des SPD-SL Systems. Die Kontaktfläche ist kleiner, da im MTB-Bereich die effiziente Kraftübertragung nicht im Mittelpunkt steht.

Dennoch optimiert auch hier die Einheit aus Schuh, Pedalplatte und Pedal auch die Kraftübertragung. Man muss hier aber nochmal zwischen den Off-Road-Bereichen differenzieren. Je rasanter der Radsport desto kleiner wird der Pedalkäfig, also die gesamte Auflagefläche des Pedals. Das bedeutet aber nicht, dass die Kontaktfläche genauso groß ist, wie die Pedale. Die tatsächliche Kontaktfläche wird durch die Tiefe der eingelassenen Pedalplatten am Schuh individuell festgelegt. Die abgeflachte Fläche rund um den Cleat sollte aber unbedingt aufliegen - da hier die Kraftübertragung stattfindet. Aber auch diese Aussparung wird von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich groß gestaltet.

Auch an SPD-Pedale kann die seitliche Bewegungsfreiheit, der sogenannte Floatwinkel, individuell eingestellt werden. Hier muss man als Einsteiger etwas mehr ausprobieren, bis die richtige Einstellung gefunden ist. Aufgrund des unebenen Untergrunds ist die seitliche Bewegungsfreiheit ein wichtiger Faktor. In der Regel wird im MTB und Trail Bereich eine höhere Beweglichkeit des Fußes benötigt, weshalb der Floatwinkel weiter eingestellt wird. Gerade am Anfang führt ein spitzer Winkel aber zu einem größeren Sicherheitsgefühl. Wenn die Trails später anspruchsvoll werden, ist der weite Winkel von Vorteil, da aktiv und unterstützend mit den Füßen gelenkt werden kann.

Shimano bietet auch hier verschieden Pedalplatten an. Unterscheiden lassen sie diese in Single-Release und Multi-Release. Die Single Release Cleats ermöglichen einen einfachen Ausstieg, d.h. die Ferse wird zum Ausklicken seitlich weggedreht um die Bindung zu Lösen. Der Mehrfachausstieg durch die Multi-Release Schuhplatte kann sowohl durch ein Drehen der Ferse nach außen als auch durch Kippen ausgeklickt werden. Aber auch durch das Nachuntendrücken der Ferse kann die Bindung gelöst werden. Hier spielt auch die Aushärte eine Rolle.

Kompatibilität der Klicksysteme

Grundsätzlich gilt, die verschiedenen Klick-Systeme sind meistens inkompatibel zueinander. Beim Kauf der passenden Radschuhe ist auf jeden Fall auf die Kompatibilität zu achten. Diese sind in der Regel bei den Produktbeschreibungen enthalten. Ob der Schuh SPD oder SPD-SL kompatibel ist, lässt sich leicht mit einem Blick auf die Sohle klären. Wie bereits gesagt, sind die Befestigungsmechanismen unterschiedlich und damit auch die Loch-Bohrungen. Daher entscheidet man sich in der Regel erst für ein Pedalsystem und kauft dann passend dazu Schuhe. Es gibt aber auch Hersteller, die ermöglichen, durch Mehrfach-Lochung, sowohl eine MTB- als auch Rennrad-Pedalssystem Nutzung.

Passform und Einstellung

Zu beachten ist aber auch, dass der Knackpunkt bei den Pedalsystemen gerade der passende Schuh ist. Wie bei normalen Schuhen auch, müssen diese zum Fuß passen. Fahrradschuhe müssen sich an den Fuß anschmiegen, um Halt zu bieten, aber auch um optimale Kraftübertragung zu ermöglichen. Sie dürfen aber nicht zu eng sitzen, da beim Pedalieren die Füße etwas anschwellen - gerade im Sommer. Da unterscheiden sich die Radsportschuh-Typen nicht. Die perfekte Passform des Fahrradschuhes ist ein absolutes Muss, da die Belastungspunkte an den Füßen beim Pedalieren immer gleich bleiben.

Cleats korrekt montieren

Damit Klickpedale ihre volle Wirkung entfalten können, müssen die Pedalplatten (Cleats) korrekt an den Schuhen montiert werden:

  1. Position bestimmen: Am besten barfuß auf Papier stellen und die Ballenpunkte markieren.
  2. Cleats vormontieren: Locker anschrauben, Position entlang der Markierungen anpassen.
  3. Probefahrt machen: Im Stand (z. B. an der Wand oder auf der Rolle) mehrmals ein- und ausklicken.
  4. Festziehen & kontrollieren: Nach dem Feintuning die Schrauben mit passendem Drehmoment fixieren.

Tipps für Einsteiger

Die größte Hürde für das Klicksystem ist die Angst vorm Umfallen, weil man nicht schnell genug aus der Bindung kommt - im Stadtverkehr, auf der Straße, vor anderen Radfahrern. ABER: Klicksysteme sind aus dem Ski-Bindungssystem abgeleitet. Daher lässt sich die Bindung immer lösen. Sie müssen keine Angst vor verdrehten Knöcheln oder ähnlichem haben. Nur durch Üben werden Sie zum „Klick-Profi“.

Dazu das Rad am besten so stellen, dass Sie sich an einer Wand oder ähnlichem festhalten können. Und dann geht’s los mit Aufsitzen und einklicken und ausklicken und einklicken und ausklicken… Sie bekommen so ein Gefühl, wie Sie die Füße stellen müssen, wie viel Kraftaufwand Sie benötigen und auch, ob Ihre Pedalplatten richtig eingestellt sind. Außerdem wird so das Muskelgedächtnis angesprochen. Wenn Sie sich dann sicher fühlen, planen Sie nur kurze Touren, die am besten nicht durch den städtischen Verkehr führen.

Wer sich noch nicht ganz sicher ist, ob dein reines Klickpedal das richtig ist, kann auch auf sogenannte Kombipedale zurückgreifen. Diese sind von zwei Seiten nutzbar. Eine Seite mit Klickmechanismus, die andere Seite ohne Klicksystem als Flat Pedal. Das Kombipedal ist nur als SPD/Flat-Kombination erhältlich. Der Aufbau des SPD-SL-Pedals ermöglicht keine solche Konstruktion, da die Pedalplatte beim Einklicken ins Pedal versenkt werden. So entsteht eine konvexe Form der Unterseite beim SPD-SL Pedal.

Klickpedale mit Käfig

Bei Trail- und Endurofahrern sind vor allem Klickpedale mit einem umliegenden Käfig und einer größeren Standfläche beliebt, doch die Hersteller interpretieren diesen Einsatzbereich sehr unterschiedlich. In diesem Vergleichstest haben wir bewusst versucht die volle Bandbreite abzudecken, dabei lassen sich grob drei Kategorien bilden. Die erste Gruppe bilden die leichten Trail-Pedale im Stile des Klassikers Shimano XT PD-M8020, zu denen auch das Sixpack Vertic und das HT T1 zählen. Am anderen Ende des Spektrums finden sich Pedale wie das Crankbrothers Mallet E oder das DMR V-Twin, die mit ihren großen Käfigen deutlich massiver auftreten.

Funktionsweise und Einstellung

Eigentlich ganz einfach: Eine Metallplatte unter dem Schuh, der Cleat, wird von einem gefederten Mechanismus gehalten und löst sich nur durch Drehen des Fußes oder bei hoher Krafteinwirkung im Falle eines Sturzes. Die Grundfunktion ist bei allen Pedalen gleich, doch weisen die verschiedenen Systeme deutlich spürbare Unterschiede auf. Bei den meisten lässt sich die Auslösehärte einstellen, lediglich die Crankbrothers Mallet E bieten keine Verstellmöglichkeit. Anfänger stellen den Mechanismus in der Regel leichter ein, um schneller aus dem Pedal zu kommen, fortgeschrittene Fahrer bevorzugen meist eine festere Bindung, um nicht ungewollt auszuklicken. Letztlich entscheiden aber die persönlichen Vorlieben.

Float-Winkel

Während das Gefühl beim Ein- und Ausklicken bei der Fahrt nur eine untergeordnete Rolle spielt, hat der Float-Winkel des Systems einen wesentlichen Einfluss auf die Fahreigenschaften im Gelände. Der Float-Winkel beschreibt, wie weit man den Fuß im eingeklickten Zustand frei drehen kann. Auf den ersten Blick würde man meinen, dass ein möglichst kleiner Float-Winkel von Vorteil ist, da man dann theoretisch leichter aus dem Pedal kommt. In der Praxis bietet ein großer Floatwinkel jedoch spürbare Vorteile, denn er erlaubt euch in Kurven die Füße einzudrehen und damit das Bike aktiv mit den Füßen zu steuern. Ist der Float-Winkel klein, kann man beim Eindrehen der Füße ungewollt ausklicken.

Doch Vorsicht: Zwar geben Hersteller den Float-Winkel an, dieser muss aber nicht zwingend mit dem Auslösewinkel übereinstimmen. So bieten etwa Crankbrothers Pedale einen Float Winkel von 6° und einen Auslösewinkel von 15° oder 20°. Zwischen 0° und 6° lässt sich der Fuß leicht drehen, von 6° bis 15° befindet man sich dagegen in einer Art Grauzone, in der man weder richtig ein- noch ausgeklickt ist. Ist der Auslösewinkel zu groß, kommt man unter Umständen nur schwer aus dem Pedal.

Standfläche

Moderne Klickpedale für den Trail- und Enduroeinsatz verfügen über eine deutlich größere Standfläche als ihre klassischen XC-Vorbilder. Doch anders als die meisten vermuten, liegt das oft nicht an den großen Käfigen und langen Pins. Vergleicht man die Standfläche verschiedener Klickpedale miteinander, ist Vorsicht geboten, denn je nachdem, mit welchem Schuh die Pedale kombiniert werden, kann das Ergebnis sehr unterschiedlich ausfallen. Bei den meisten der getesteten Modelle liegen die Käfige und Pins nicht oder nur teilweise am Schuh an. So scheint die Standfläche zwar auf den ersten Blick groß zu sein, in der Praxis schwebt der Schuh aber über dem Käfig und die Pins haben keinerlei Nutzen.

Schuh-Pedal-Kompatibilität

Bei der Verbindung von Schuh und Pedal gibt es leider keine Standards und jeder Hersteller hat eine andere Meinung dazu, wie tief die Cleats in der Sohle sitzen sollten oder wie groß die Aussparung sein sollte. Daher vertragen sich nicht alle Schuhe gleich gut mit den unterschiedlichen Pedalsystemen. Shimanos SPD-Pedale und ähnliche Systeme wie die von Nukeproof, Sixpack und HT funktionieren grundsätzlich mit allen von uns getesteten Schuhen akzeptabel, jedoch fällt der Kontakt zwischen Sohle und Standfläche recht unterschiedlich aus. Auch im besten Fall bieten diese Pedale nur eine relativ kleine Standfläche und überlassen dem Schuh einen Großteil der Arbeit.

Weitere Klicksysteme

Neben Shimano SPD und SPD-SL gibt es noch weitere Klicksysteme auf dem Markt. Hier eine kurze Übersicht:

  • Crankbrothers: Bietet mit seiner speziellen Bauform die Möglichkeit, von vier verschiedenen Seiten einzuklicken.
  • Time ATAC: Gilt seit den Neunzigerjahren als funktional, haltbar und wenig schmutzanfällig.
  • HT: Der Klickmechanismus sieht ein wenig aus wie eine Mischung aus SPD und ATAC und funktioniert auch so.
  • Magped: Ein Sonderfall zwischen Klick- und Plattformpedal, das ohne Mechanismus und feste Bindung auskommt.
  • Hope Union: Bietet bei der Einstellung besonders viel Freiheit und ermöglicht es, die Cleats in alle Richtungen zu verschieben.
  • Look Kéo: Gilt als Erfinder des heutigen Klickpedals und weiß, was sich Rennradfahrer von einem Pedal wünschen.
  • Speedplay: Verlagert den eigentlichen Klickmechanismus an den Schuh und bietet die meisten Möglichkeiten bei der Einstellung.

Fazit

Die Wahl des richtigen Fahrradschuhs hängt vor allem vom Einsatzgebiet ab. MTB-Schuhe sind robust und vielseitig, Trekking-Schuhe bequem und alltagstauglich, Rennradschuhe dagegen sind auf maximale Leistung ausgelegt. Achte bei der Auswahl auf Passform, das passende Klicksystem und den vorgesehenen Einsatzzweck. Am besten probierst du die Schuhe mit deinen Pedalen an - so findest du genau den Schuh, der dich auf zwei Rädern optimal unterstützt.

Häufige Fragen (FAQ)

Hier werden einige häufige Fragen zum Thema Fahrradschuhe beantwortet:

  • Welche Größe sollte ich wählen? Fahrradschuhe fallen oft etwas kleiner aus. Besonders bei Trekking- oder MTB-Schuhen, in denen man dickere Socken trägt, empfiehlt sich eine halbe Nummer größer.
  • Kann ich Fahrradschuhe auch ohne Klickpedale nutzen? Ja! MTB- und Trekking-Schuhe haben oft griffige Sohlen, mit denen man auch ohne Klicksystem gut zurechtkommt.
  • Was ist der Unterschied zwischen Klick- und Flatpedal-Schuhen? Flatpedal-Schuhe haben eine gummierte, profilierte Sohle für optimalen Halt auf flachen Pedalen ohne Klickmechanismus. Klickschuhe ermöglichen das Einrasten ins Pedal für bessere Kraftübertragung.
  • Wie wichtig ist die Steifigkeit der Sohle? Je steifer die Sohle, desto besser die Kraftübertragung aufs Pedal. Rennradschuhe sind deshalb besonders steif, Trekking- und MTB-Schuhe bieten eine gute Balance zwischen Steifigkeit und Laufkomfort.

Die folgende Tabelle zeigt die Vor- und Nachteile von Flatpedals und Klickpedalen:

Eigenschaft Flatpedals Klickpedale
Sicherheit Hohe Sicherheit, schneller Abstieg jederzeit möglich Einige Übung erforderlich bis Ein- und Ausstieg intuitiv ablaufen
Fahrtechnik Animieren zum Ausprobieren von Fahrtechnik-Tricks Höhere Hemmschwelle bei Tricks
Preis Relativ preiswert Relativ hohes Gewicht bei Hybrid-Klickies
Kraftübertragung Kraftübertragung bei Touren nicht 100% optimal Definierter Druckpunkt und stets optimale Kraftübertragung
Verletzungsgefahr Verletzungsgefahr durch die Pins (Schienbeinschoner empfehlenswert) -
Runder Tritt - Runder Tritt wird gefördert
Bauweise - Kleine, kompakte Bauweise
Verbindung - Sichere Verbindung auf ruppigen Pisten
Gehfähigkeit - Verminderte Gehfähigkeit/Traktion der Schuhe wegen der Cleats
Kompatibilität - Cleats zwischen verschiedenen Fabrikaten i. d. R. nicht kompatibel

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