MTB Schuhe Winter Test: Der ultimative Guide für warme Füße auf dem Trail

Wer auch im Winter ambitioniert mit dem Renner auf der Straße oder dem Gravelbike auf Schotter unterwegs ist, für den ist der gefütterte und wasserdichte Fahrrad-Winterschuh die richtige Wahl. Im Vergleich zum Sommerschuh, den alle Hersteller in zahlreichen Varianten und Preisklassen im Sortiment haben, ist die Auswahl an Winterschuhen allerdings überschaubar.

Auf der Basis vieler Erfahrungen beim Radfahren im Winter haben wir uns dafür entschieden, Winterschuhe mit Mountainbike-Sohlen zu testen. Stehen und Gehen auf glattem, nassem oder auch matschigem Untergrund gelingt damit auf jeden Fall sicherer. Nachteil ist, dass man dafür ein passendes Mountainbike-Pedal ans Rad schrauben muss, denn die Platten bzw. Cleats der gängigen Rennradpedale passen nicht auf die MTB-Sohlen.

Wettmachen kann diesen Nachteil, dass durch die längeren Achsen der MTB-Pedale die breiteren Winterschuhe mehr Abstand zu den Kurbeln halten, was hässliche Scheuermarken vermeiden hilft. Wer auch im Winter sein gewohntes Pedalsystem bevorzugt, für den haben von den Marken im Test Fizik und Scott Winterschuhe mit Rennradsohlen im Angebot.

Alle Schuhe verfügen über einen umlaufenden Kantenschutz, um Schnitte im Obermaterial durch scharfes Gestein zu verhindern. An einigen können zusätzliche Schraubstollen für besseren Halt beim Laufen im Gelände ergänzt werden. Die Modelle von Fizik und Northwave sind mit besonders dickem Teddyflausch ausgestattet. Der Fizik-Schuh gibt sich mit dem niedrigsten Schaft betont sportlich, während der Schuh von 45 NRTH mit extralangem Neoprenschaft schon fast als Stiefel durchgeht.

Die getesteten Winterschuhe im Detail

Unsere Testerinnen und Tester haben alle Schuhe intensiv ausprobiert und ihre Eindrücke zur Passform sowie die Erfahrungen in der Praxis dokumentiert. Unter Laborbedingungen mussten die Schuhe ihre Wasserdichtigkeit und Isolationseigenschaften unter Beweis stellen. Die gute Nachricht: Alle sieben Paare halten die Füße trocken und warm, wobei 45 NRTH und Northwave hierbei am besten abschneiden - damit sind sie eine Empfehlung für besonders kälteempfindliche Radler.

Deutlich weniger wärmen die Modelle von Gaerne und Scott. Das muss kein Nachteil sein: Zum einen ist das individuelle Kälteempfinden sehr unterschiedlich, und zum anderen kann es bei intensivem Training in stark isolierenden Schuhen schnell zu warm und damit feucht und in der Folge kalt werden. Viel Lob gab es von allen Testern für die Passform des Fizik-Treters, der sich zudem am besten an- und ausziehen lässt. Doch kein Vorteil ohne Nachteil: Wegen des kurzen Schafts läuft Regen und Spritzwasser schnell von oben in die Schuhe. Hier punkten aufgrund ihrer Konstruktion mit hohem Schaft die Modelle von Northwave und 45 NRTH.

Testkriterien für Winterschuhe

Das Gesamturteil basiert auf den Bewertungen der vier Kriterien Wasserdichtigkeit, Handling, Ausstattung und Gewicht, die unterschiedlich stark einfließen. Das Isolationsvermögen der Schuhe haben wir mithilfe eines reproduzierbaren Verfahrens ermittelt. Dabei kühlt erwärmtes Wasser im Schuhinneren über den Testzeitraum ab, während der Schuh bei etwa null Grad Außentemperatur mit kaltem Wasser besprüht und dem simulierten Fahrtwind eines Ventilators ausgesetzt wird. Am besten wärmt der Schuh, bei dem das Wasser am langsamsten abkühlt.

  • Wasserdichtigkeit (30 %): Die Schuhe werden mit Packpapier und Papierhandtüchern ausgestopft und anschließend über eine festgelegte Dauer einem Wasserstrahl ausgesetzt. Anschließend dokumentieren wir, an welcher Stelle wie viel Wasser in den Schuh eindringt.
  • Handling (30 %): Hier entscheiden Bauart und Bedienung von Drehverschlüssen und Schnürungen darüber, wie gut sich ein Schuh auch in Fahrt anpassen lässt. Die Beschaffenheit von Klettverschlüssen, der Zunge oder Fersenform können das An- und Ausziehen erleichtern oder erschweren. Auf Sohlen mit integrierten, weichen Gummiblöcken geht man sicherer als auf sehr harten Sohlen.
  • Ausstattung (30 %): Am besten schneiden hier Schuhe ab, deren Drehverschlüsse sich in beide Richtungen fein justieren lassen, die mit einer Innensohle zur Fußgewölbe-Unterstützung ausgestattet sind, die Montage zusätzlicher Schraubstollen erlauben und über ausreichend und sinnvoll platziertes Reflexmaterial verfügen.
  • Gewicht (10 %): Der Gewichtsunterschied zwischen dem schwersten und dem leichtesten Schuh beträgt immerhin ein halbes Pfund. Leichte Schuhe tragen sich bei gleich guter Passform komfortabler als schwere und trocknen in der Regel auch etwas schneller.

Detaillierte Testberichte der einzelnen Modelle

45 NRTH Ragnarök Tall

Der Winterschuh fällt klein aus, Nummer größer probieren; sehr warm, bester Spritzschutz dank sehr hohem Schaft, lässt sich dank Klettverschluss leicht an- und ausziehen, die Weitenanpassung in Fahrt klappt ebenfalls sehr gut, viel Reflexmaterial.

Herstellerangaben Details
Preis 270 Euro
Gewicht (Größe) 1055 g (44)
Größen 36 bis 48; 50
Ausstattung Boa-Li2-Verschluss mit Werkzeug, hoher Neoprenschaft mit Klettverschluss, Stollen, Reflexmaterial
Empfohlener Temperaturbereich -5 bis 0 Grad
TOUR-Bewertung Gesamtnote 1,5

Fizik Terra Artica GTX

Tolle Passform; das Material schützt sehr gut vor Wasser, das flauschige Futter wärmt gut; über den niedrigen Schaft kann leicht Spritzwasser eindringen; der Boa-Verschluss rastet lediglich in eine Richtung. Das Modell mit Rennradsohle heißt “Tempo”.

Herstellerangaben Details
Preis 259 Euro
Gewicht (Größe) 910 g (42)
Größen 36 bis 48; 37,5 bis 46,5
Ausstattung Boa-Verschluss L6 dial D, Gore-Tex- Innensohle, Klettriemen, Anziehhilfe, Reflexmaterial
Empfohlener Temperaturbereich -5 bis 0 Grad
TOUR-Bewertung Gesamtnote 1,9

Gaerne G.ICE-Storm MTB 1.0

Der Schuh fällt klein aus, Nummer größer probieren; in halben Größen erhältlich; der leichteste Schuh im Test lässt sich während der Fahrt fein in der Weite justieren; hinter der Zunge kann Spritzwasser eindringen; für Temperaturen über null Grad und starke Schwitzer.

Herstellerangaben Details
Preis 270 Euro
Gewicht (Größe) 920 g (44)
Größen 39 bis 48
Ausstattung Boa-Li2-Verschluss, Klettriemen, Reflexmaterial
Empfohlener Temperaturbereich 0 bis 10 Grad
TOUR-Bewertung Gesamtnote 1,6

Northwave Celsius XC Arctic GTX

Testsieger. Fällt insgesamt groß aus, Nummer kleiner probieren; beim An- und Ausziehen hilft ein Schuh­löffel, der Drehverschluss benötigt etwas Übung und lässt sich mit Handschuhen nicht immer sicher greifen.

Herstellerangaben Details
Preis 250 Euro
Gewicht (Größe) 960 g (44)
Größen 36 bis 49; 39,5 bis 45,5
Ausstattung Northwave-Drehverschluss SLW 2, Stollen, Reflexmaterial
Empfohlener Temperaturbereich -5 bis 0 Grad
TOUR-Bewertung Gesamtnote 1,4

Giro Blaze MTB-Schuhe im Detail

Mit dem Blaze hat Giro ziemlich spannende MTB-Winterschuhe im Programm. Sie sind völlig anders aufgebaut, als die klassischen Modelle im Vergleich. Unter ihrer nahezu nahtlosen Außenhülle, die eher wie ein wasserdichter Überschuh wirkt, verbirgt sich ein mehr oder weniger normaler Halbschuh - allerdings mit weichem Primaloft-Futter. Dadurch soll sich der Blaze besonders angenehm und weniger klobig tragen. Für den nötigen Wetterschutz ist die Außenmembran mit einer 10.000er Wassersäule ausgestattet. Damit auch von unten keine Kälte an die Zehen dringen kann, ist in die Einlegesohle eine Aluschicht eingezogen. Geschlossen wird der Giro Blaze über einen Schnellverschluss im Inneren des Schuhs, außen macht ein wasserdichter YKK-Reißverschluss die Schotten dicht.

Am Sohlenprofil erkennt man: der Blaze ist eher für sportliche Einsätze auf dem Bike gemacht und weniger für Abenteuer abseits eingefahrener Pfade.

Handling & Passform

Ssssssippp, Reißverschluss auf, Schnellverschluss öffnen und die kleine Öse an der Ferse greifen, schon flutscht der Fuß geschmeidig in den Giro Blaze. Der Einstieg in die MTB-Winterschuhe funktioniert schon mal easy. Auch die Passform überrascht: der Blaze trägt sich tatsächlich mehr wie ein klassischer Mountainbike-Schuh als wie ein klobiger Winterboot. Das verspricht schon mal gute Kraftübertragung auf dem Pedal. Die Passform ist allerdings auch eher auf sportlich schlanke Füße ausgelegt als für breite Latschen. Zudem ist der Spann eher flach gehalten. In den meisten Fällen dürfte eine Nummer größer besser passen.

Gelungen ist auch das Verschlusssystem der MTB-Winterschuhe: Die Speedlaces passen sich schön dem Fuß an und sorgen für guten Halt. Der wasserdichte Reißverschluss läuft leichtgängig. Achtung: das Häkchen immer richtig platzieren - also nach unten - ansonsten kann sich die Außenhülle bei der Fahrt etwas öffnen. Top: die Membran reicht bis weit über den Knöchel und sollte so in Verbindung mit einer langen Regen- oder Winterhose keine Lücke offenlassen.

Wetterschutz & Isolation

Den ersten leichten Schauer übersteht der Blaze problemlos und hält die Füße schön trocken. Wie schon vermutet, verschwindet der hohe Schaft sauber unter der Regenhose - da klafft keine Lücke. Bei heftigerem Wasserbeschuss dringt an der Naht des Obermaterials etwas Wasser ein, die Zehen wurden dabei feucht. Kein Weltuntergang, doch absolut dicht hält der Giro nicht.

Beim Kälte-Check kann der Blaze dann wieder punkten. Das Primaloft-Futter packt die Füße angenehm warm ein. Damit sollten auch längere Fahrten unterhalb des Gefrierpunkts kein Problem sein.

Auf dem Trail

Auch im Gelände tragen sich die Giro MTB-Winterschuhe äußerst bequem und kommt dem Feeling eines normalen Bike-Schuhs schon recht nahe. Die erwartet gute Kraftübertragung hat sich in der Praxis allerdings nicht bestätigt. Tritt man kräftig in die Pedale, flext der Schuh spürbar und windet sich unter dem Druck der Füße. Vor allem das Obermaterial bringt nur wenig Zug und Halt auf den Fuß. Auch der Stand auf dem Pedal ist nicht allzu solide. Wer vom Bike absteigen muss, hat zudem mit der wenig griffigen, harten Sohle zu kämpfen. Vor allem auf feuchten Wurzeln oder Felsen schlittert man im Giro Blaze wie beim Eierlauf. Schade, denn ansonsten hat uns der Fahrradschuh gut gefallen.

Giro Blaze - Infos und Preis

  • Preis: 230 Euro
  • Größen: 40 bis 50
  • Gewicht pro Paar: 929 Gramm (Größe 46)
  • Ausstattung: Speed-Laces; Primaloft-Futter; Anziehhilfe; Reflex; wasserdichter Überzug integriert

Fazit & Bewertung

Giro denkt mit dem Blaze Winterschuhe völlig neu und verquickt einen "normalen" Race-Schuh mit einer Art wasserdichtem Überzug. Für die nötige Wärme sorgen Primaloft-Futter und eine isolierte Einlegesohle. Der Tragekomfort ist für einen Winterschuh phänomenal. Die Außenhaut blockt Schmutz und Wasser zuverlässig ab - bei Dauerregen schlägt der Giro dann aber doch Leck.

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