MTB Vorbau 35 mm Test: Ein umfassender Überblick

Ein gutes MTB-Cockpit sollte eine angenehme Balance zwischen Präzision und Flexibilität liefern. Aber natürlich ist das Verhalten stark abhängig von Gewicht, Fahrweise und persönlichen Vorlieben.

ENVE Alloy Mountain Vorbau: Eine neue Ära für Aluminium-Komponenten

Der Name ENVE steht für feinste Carbonteile die im Mountainbiking und auch auf der Straße den besten Ruf genießen. Aber was passiert wenn Enve zum Aluminium greift? Können die Amerikaner auch auf dem Alusektor punkten?

Der neue ENVE Alloy Mountain Vorbau aus Aluminium ist unglaublich leicht, langlebig und bietet erstklassige Performance bei Cross-Country-, Trail-, MTB- und Enduro Fahrten - das verspricht ENVE. ENVE setzt zum ersten Mal überhaupt auf Aluminium Komponenten und ähnlich wie bei den bekannten und beliebten Carbon Produkten von ENVE glänzt der Vorbau schon auf den ersten Blick mit sauberer und präziser Fräskunst.

Interessanterweise ist die schwungvolle Silhouette nicht weit von der, der abgerundeten Carbon-Vorbauten entfernt. Mit einem Lenkerdurchmesser von 35mm kann der Vorbau mit dem ENVE M7 MTB Carbon Lenker für Dein ultimatives Setup kombiniert werden. Zudem gibt es auch noch die klassische 31.8mm Klemmvariante.

Der Vorbau kommt in insgesamt drei verschiedenen Längen in den Handel. Von kurzen 35 mm über 50 mm bis hin zu 65 mm dürfte für alle Trailfahrer etwas dabei sein. Die relativ niedrige Klemmhöhe von 40mm und die hohe Qualität der Hardware sorgen für eine einfache Installation und Ausrichtung.

Schaut man auf die Konkurrenz, dann stellt man fest, dass man bei Enve nicht einmal zum Carbon Werkstoff greifen muss um die Konkurrenz im Gewicht zu unterbieten. Mit 128g schlägt der Industry Nine 32mm Vorbau ins Kontor und auch Race Face schafft gerade einmal 124g bei 32mm Länge.

Montieren und Vergessen. So wünscht man sich seine Anbauteile am Rad. Niemand wünscht sich einen Vorbau der zwar stylisch ist, aber unter Belastung ächzt und knarzt. Ein Vorbau zeichnet sich vor allem durch Gewicht, Design und Spurtreue/Steifigkeit aus. Und ganz nebenbei natürlich auch ob er still und heimlich seinen Dienst ohne Murren verrichtet.

Während der ganzen Zeit verrichtete der ENVE Alloy Vorbau vollkommen ruhig und ohne Murren seinen Dienst und das auch nach diversen Stürzen. Selbst wenn man härter eingeschlagen ist, verdrehte sich der Lenker keinen Zentimeter. Gerade beim dem Leichtgewicht, ist das eine wirklich sehr gute Ansage.

Die breite Mono-Klemmung hält den Lenker und hilft den Vorbau gleichmäßig anzuziehen. In der Kombination mit dem Enve Lenker gab es dabei nie Probleme. Enve stürzt sich in den Markt der Alloy-Vorbauten mit einer ganz eigenen Herangehensweise, aber sie versuchen nicht, das Rad neu zu erfinden. Die Marke ist seit langem für ihre Liebe zum Detail und ihr hochwertiges Design bekannt, und dieser Vorbau ist keine Ausnahme.

Acros Team Edition Cockpit: Leistung zum fairen Preis

Der Vorbau und Lenker aus der Acros Team Edition sollen starke Performance zu einem fairen Preis liefern. Um diese Behauptung auf Herz und Nieren zu prüfen, hatte Felix die Komponenten im Dauertest an seinem Enduro-Racebike. Wie schlagen sie sich nach monatelangem, harten Einsatz?

Felix hatte das Acros Team Edition Cockpit sieben Monate an seinem Cannondale Jekyll montiert und hat dabei getestet, ob es zuverlässig bei seiner erbarmungslosen Fahrweise mithalten kann. Der Lenker ist in einer Breite von 780 mm sowie mit 15 mm oder 25 mm Rise erhältlich, der Backsweep beträgt 8°, der Upsweep 5°.

Der Vorbau hat eine 35-mm-Klemmung und einen Winkel von 0°, was bedeutet, dass er rechtwinklig zum Steuerrohr verläuft. Er ist erhältlich in Längen zwischen 40 mm und 90 mm, in Abstufungen von 10 mm, wobei die beiden kürzesten Längen für den Enduro-Einsatz am meisten Sinn ergeben. So hat Felix an seinem Testbike den 40-mm-Vorbau und den Lenker mit 25 mm Rise verbaut.

Der Vorbau kostet 76,95 €, der Lenker schlägt mit 74,95 € zu Buche. Felix hat sich bewusst zugunsten des Aluminium-Lenkers entschieden, da dieser weniger sensibel gegenüber kleiner Macken oder dem richtigen Drehmoment ist.

Das ist besonders im Renneinsatz die sorglosere Variante, da man nach einem Crash Bremsen und Handguards schnell wieder hindrehen, biegen oder mit dem Multitool nachziehen kann, ohne sich Gedanken über mögliche Schäden am Lenker machen zu müssen. Auch nach ein paar unfreiwilligen Boden- oder Baumkontakten kann man so mit gutem Gewissen weiter Vollgas geben. Dafür kann man die 75 g zusätzliches Gewicht in Kauf nehmen, zumal die Alu-Ausführung nur die Hälfte kostet. Man bekommt hier schicke Optik zu einem absolut fairen Preis.

Die Verarbeitung ist hochwertig und der aus 6082-T6 Aluminium CNC-gefräste Vorbau ist sauber gefertigt. Die Montage ist unkompliziert und die Klemmung am Lenker und Gabelschaft funktioniert zuverlässig.

Der Lenker ist eher steif und dadurch präzise genug, um auch in den heftigsten Rockgardens bei Mach 10 noch Lenkimpulse direkt an das Vorderrad weiterzugeben. Gleichzeitig bietet er jedoch ausreichend Compliance, um gerade für schwerere Fahrer und Heavy Hitters Armpump auch auf langen Stages effektiv zu verhindern. Für unseren Tester Felix, der 95 kg Kampfgewicht mitbringt und für seine brutale, direkte Fahrweise bekannt ist, also der perfekte Kompromiss.

Und nach der Saison zeugen nur ein paar kleine Kratzer im Finish von der monatelangen, unbarmherzigen Benutzung. Der Vorbau zeigt sich während des Tests auffällig unauffällig - so mussten während der gesamten Testzeit von sieben Monaten die Schrauben nicht ein einziges Mal nachgezogen werden.

Einziger Wermutstropfen ist das relativ geringe Maximalgewicht des Lenkers für Fahrer mit Gepäck von lediglich 99 kg. Gerade da sich die sonstigen Eigenschaften sehr gut für schwerere Biker eignen, kann das ein Ausschlusskriterium sein.

Das Acros Team Edition Cockpit richtet sich an alle, die hochwertig verarbeitete Performance-Parts mit einer starken Preis-Leistung suchen. Die Alu-Variante bietet dabei ein Rundum-sorglos-Paket, das hochwertig verarbeitet ist und auch den harten Enduro-Einsatz auf Dauer mitmacht. Durch die relativ hohe Steifigkeit ist der Lenker am besten für schwerere Fahrer und Heavy Hitters geeignet. Jedoch sollte man dabei darauf achten, dass man das zulässige Maximalgewicht nicht überschreitet.

Tops
  • Preis-Leistung
  • Hochwertige Verarbeitung
  • Guter Kompromiss aus Compliance und Präzision
Flops
  • Lenker für leichte Fahrer evtl.

FRAEZEN BLOCK Vorbau: Präzision und Design Made in Germany

Fraezen zeigt mit dem BLOCK Vorbau, was möglich ist, wenn Präzision und Design aufeinander treffen - und das alles made in Germany. Dieser Vorbau ist nicht nur für den Alltag gemacht, sondern für harte Enduro-Einsätze. FRAEZEN ist ein deutsches Unternehmen aus Leutkirch im Allgäu, das hochwertige Mountainbike-Teile entwickelt und produziert.

Die Produkte werden von Bikern für Biker entworfen und vor ihrer Markteinführung im Enduro World Series-Rennen getestet. Der FRAEZEN BLOCK kommt in einem schlanken, eleganten Look, der robust und hochwertig wirkt. Er ist in drei Längen erhältlich: 37 mm, 44 mm und 51 mm, die perfekt auf die drei gängigen Gabel-Offsets abgestimmt sind. Auch der 7,5-mm-Rise ist durchdacht.

Der FRAEZEN BLOCK Vorbau fällt durch seine zwei Rise-Optionen auf: 0° für eine tiefe, aggressive Position oder 7,5 mm für eine leicht angehobene Haltung, die den Oberkörper etwas entlastet. Dies gibt Fahrern Flexibilität je nach Fahrstil und Trail und natürlich auch bei der Wahl des Lenkers. Wer zu dem viel am Rad schraubt, wird sich über die verbauten Torx T-25 Schrauben am Vorbau freuen.

Die Stabilität des BLOCK ist beeindruckend und absolut EWS-tauglich. Auch bei hohem Druck auf dem Vorderrad bleibt die Lenkung präzise und das Handling geschmeidig. Dank der getesteten Edelstahl-Schrauben bleibt der BLOCK Zero auch unter extremen Belastungen zuverlässig - das wurde im Labor und auf den Trails ausführlich erprobt.

Wer einen Vorbau sucht, der Leistung und Ästhetik auf ein neues Level hebt, wird beim Fraezen BLOCK fündig. Für Enduro-Piloten, die das Maximum aus ihrem Bike holen wollen und dabei Wert auf Qualität und lokale Fertigung legen, ist dieser Vorbau eine klare Empfehlung.

Newmen Evolution SL 318.2 Vorbau und Advanced Lenker: Leichtbau ohne Kompromisse?

Auf den ersten Blick wirkt die Kombination aus Newmen Evolution SL 318.2 Vorbau und Advanced Carbon-Lenker unauffällig: schwarz, kurz, breit - ein modernes MTB-Cockpit eben. Nimmt man die Teile jedoch in die Hand scheint die Schwerkraft für einen Moment ausgehebelt. Trotz ausladenden Maßen ist das Zusammenspiel aus Lenker und Vorbau auffällig leicht. Doch ist eine MTB-Steuerzentrale wirklich der richtige Ort um Gewicht zu sparen? Die Parts kommen jedenfalls ohne Limitierung beim Fahrergewicht. Im Test wollten wir herausfinden, ob der Leichtbau auch Tücken hat.

Laut dem deutschen Label handelt es sich um den leichtesten 3D-geschmiedeten Vorbau, den der MTB-Markt zu bieten hat. Erreicht wird das Traumgewicht von 69 Gramm durch eine Halbierung der Anzahl an Schrauben. Statt vier klemmen den Lenker lediglich zwei Schrauben und fürs letzte Gramm Gewichtsersparnis sind diese auch noch aus Titan. Zur Montage muss der Lenker durch den Vorbau geschoben werden. Bestimmte Modelle mit viel Rise können da schon mal zu Kompatibilitätsproblemen führen.

Die Gewichtsoptimierte SL-Version für den Cross-Country-Einsatz wiegt bei 760 Millimetern Breite nur 180 Gramm. Auch für den leichten Carbon-Lenker gibt Newmen keine Einschränkungen zum maximalen Systemgewicht und gibt den Bügel auch für schwere E-Bikes frei.

Die Entwickler entschieden sich bewusst für einen geringen Backsweep von acht Grad um eine aggressivere Abfahrtsposition ohne Handgelenkfehlstellungen zu ermöglichen. Auch die Entscheidung für das schmale 31,8-Millimeter Klemm-Maß ist nicht zufällig. Im Vergleich zu 35-Millimeter-Lenkern soll der Advanced mehr Komfort, weniger Gewicht und eine bessere Haltbarkeit aufweisen. Unsere vergangenen Tests bestätigen diese Einschätzung teilweise.

Die Montage der Newmen-Teile geht leicht von der Hand und macht dank hochwertiger Verarbeitung gleich von Beginn an Freude. Beim Übertragen des Lenkers von einem anderen Vorbau müssen Griffe und Armaturen demontiert werden, um das Teil durch den Evolution SL Vorbau zu fädeln. Dies wiederum bereitet keinerlei Probleme.

Abgesehen von Handling und Optik hinterlässt die Lenker-Vorbau-Kombination einen sehr guten Eindruck. Steifigkeit und Flex liegen auf dem Trail in einem angenehmen Verhältnis zueinander: nicht ganz so unkontrolliert lebendig, wie spezielle Flex-Lenker, und nicht ganz so ermüdend steif, wie dicke 35-Millimeter-Systeme. Die Ergonomie passt sowohl sitzend als auch im Stehen gut zu modernen Geometrien und bringt den Piloten in eine ausgewogene Fahrposition. Sprünge und Drops steckt die Kombi ohne zu Murren ein. Stabilitätsbedenken hatten wir trotz Fliegengewicht auch in heftigem Terrain nicht.

Fazit: Handling und Verarbeitung der Cockpit-Teile von Newmen sind auf hohem Niveau. Die Fahreigenschaften der Kombi aus Evolution SL 318.2 Vorbau mit Advanced Lenker überzeugen und das Minimalgewicht ist ein Traum. Dass es trotzdem explizit keine Gewichtsbeschränkung gibt ist beeindruckend und schafft Vertrauen.

Die Bedeutung des richtigen Lenkers

Die Hebel sind perfekt eingestellt, die Züge sauber verlegt und die Lieblingsgriffe montiert - das perfekte Cockpit, oder? Fast! Wer die Wahl des richtigen Lenkers vernachlässigt, lässt viel Fahrspaß liegen. Was ist mitunter das Beste an einem „New Bike Day”? Die edlen Parts perfekt auf sich einzustellen! Erst wenn sich alles satt anfühlt, ist das Rad wirklich unseres. Und vieles spüren wir in unseren Händen.

Schon der Trockentest zeigt, was sich gut anfühlt und was gar nicht geht. Auch bei den Griffen erkennt man sofort, welche gut in der Hand liegen. Ist das Cockpit damit schon perfekt? Nicht ganz. Was ist eigentlich mit dem Lenker, dieser offensichtlich notwendigen, aber doch irgendwie leidenschaftslosen Verbindung zwischen Griffen, Vorbau und den Hebelchen dazwischen? Hier tunen? Oh ja! Und zwar längst nicht nur für ein paar Gramm Gewichtsersparnis.

Der Einfluss des Lenkers auf das gesamte Handling unseres Mountainbikes ist schwer in Zahlen zu fassen, aber im Gelände deutlich zu spüren. Im besten Fall überträgt er Lenkimpulse unmittelbar auf den Trail, gibt uns dabei Rückmeldung vom Untergrund und gleichzeitig Dämpfung in der Hand, versetzt uns in eine gute Körperhaltung und lässt uns den ganzen Bike-Tag schmerzfrei durchziehen.

Wer sich an die Suche nach dem perfekten MTB-Lenker herantraut, braucht etwas Geduld, wird aber mit Fahrspaß belohnt. Klar passt der Lenker, der jetzt gerade auf eurem Bike montiert ist - so lange, bis ihr einen ausprobiert, der besser passt. Es gibt einige deutliche Anzeichen dafür, dass ein Wechsel sinnvoll sein könnte. Dazu zählen taube Finger, schmerzende Handflächen oder Schultern, Armpump, das Bedürfnis, die Hände auszuschütteln, oder häufiges Umgreifen auf der Suche nach einer komfortablen Position.

Dass ein Lenkerwechsel hilfreich wäre, ist aber nicht immer so offensichtlich, weil man sich an vieles gewöhnt. Doch habt ihr den richtigen Lenker in der Hand, werdet ihr den Unterschied merken! Dieser gewisse Aufwand schreckt viele Rider bereits vom Testen ab - leider!

Der häufigste Fehler, den wir und auch die von uns befragten Experten draußen auf dem Trail beobachten, sind zu breite Lenker. Vor allem kleinere Rider, die sich nicht ans Kürzen des Lenkers herantrauen, nehmen dadurch echte Handling-Nachteile in Kauf. Doch den Lenker abzusägen, kann wiederum andere Probleme mit sich bringen.

Vorsicht ist außerdem bei dicken Lenkern mit 35 mm Klemmmaß am Vorbau geboten! Die sehen fett aus und machen optisch mehr her als die dünnere 31,8-mm-Alternative, könnte man zwar urteilen. Doch ein größerer Durchmesser bedeutet tendenziell mehr verbautes Material und damit mehr Steifigkeit. Das kann gut sein - oder aber auch zu viel des Guten.

Carbon vs. Alu: Welches Material ist besser?

„Aber Carbon ist besser als Alu, oder?” Darauf ein klares „Jein”. Aufgrund ihres mehrlagigen Aufbaus, ihres ganz spezifischen Lay-Ups also, können Carbon-Parts wie Lenker je nach Konstruktion von butterweich über genau richtig bis hin zu knüppelhart so ziemlich alles sein - ähnlich wie Aluminium, das je nach Materialeinsatz und Wandstärke ebenso unterschiedliche Steifigkeitswerte bietet.

Einen eindeutigen Werkstoff-Sieger kann man bei Lenkern nicht benennen. Was wir aber wissen, ist, dass hochwertige Carbon-Lenker leichter, aber auch deutlich teurer sind als Metall-Alternativen. Testet daher lieber preiswert mit Alu und greift erst dann zur Kohlefaser, wenn ihr eine Vorstellung davon habt, welche Maße und Specs euer Wunschlenker haben sollte. „Schön breit, schön dick und möglichst aus Carbon” sind also gefährliche Ratgeber bei der Kaufentscheidung.

Sweep und Rise: Die Geometrie des Lenkers

Ein Lenker ist viel mehr als nur seine Breite, seine Dicke und sein Werkstoff. Zu seinen Eigenschaften gehört außerdem, in welchem Winkel seine Enden vertikal nach oben (Upsweep) und horizontal zum Fahrer hin abgewinkelt sind (Backsweep). Diese Werte werden in Grad angegeben und das Optimum ist stark von persönlicher Vorliebe abhängig. Viele Modelle bewegen sich aber bei ähnlichen Sweep-Maßen.

Heiß diskutiert wird aktuell der Rise von MTB-Lenkern, also der absolute Höhenunterschied von Klemmung zum Griffende. Wie auch beim Stack von MTB-Rahmen, also der Höhendifferenz zwischen Tretlager und dem oberen Ende des Steuerrohrs, ist auch bei Lenkern ein Trend zu mehr Rise zu erkennen. Je höher das Cockpit, desto aufrechter ist die Position auf dem Rad und desto weiter verschiebt sich der Körperschwerpunkt in Richtung Hinterrad.

Das entlastet zum einen strapazierte Handflächen, zum anderen kann mehr Rise Sicherheit auf steilen Abfahrten bringen, weil er uns tendenziell hinter statt über dem Lenker aka dem Abgrund platziert. Mehr Rise bringt vor allem in steilen Trail-Passagen zusätzliche Sicherheit. Wird es flacher, kann dieser Vorteil in einen Nachteil umschlagen. Denn ein sehr hoher Lenker bringt auch die Gefahr mit sich, nötigen Druck und damit Reifengrip am Vorderrad einzubüßen. Das macht sich vor allem auf flacheren Trail-Sektionen und in offenen Kurven bemerkbar.

An den Mountainbikes des Branchenriesen MERIDA finden sich heute serienmäßig oft Lenker mit 30 mm Rise, wo bis letztes Jahr noch 18-20 mm Standard waren. Auch SQlab, Orbea und Race Face sehen Vorteile und bieten Optionen mit maßvoll erhöhtem Rise. Es brauchen ja nicht gleich Extreme sein.

Die richtige Breite finden

Ja, eine breite, bullige Position der Hände am Lenker vermittelt zunächst Stabilität. Doch wer zu breit greift, verlässt den Bereich der optimalen Kraftentfaltung, belastet seine Handgelenke auf ergonomisch kritische Weise und riskiert sogar, dass sich Hände und Knie auf engen, technischen Trails in die Quere kommen. Außerdem verlangt ein längerer Lenker mehr Bewegung am Griff, um den gewünschten Lenkimpuls am Vorderrad zu erzeugen. Das Resultat ist, je nach eigener Empfindung und Fahrstil, ein angenehm stabiles oder aber ein unangenehm träges Lenkgefühl.

Ein zentraler Schritt auf dem Weg zum perfekten Lenker ist, die für sich richtige Breite herauszufinden. Das braucht ein paar simple Tests, die aber kein Geld kosten, sondern nur einen vorhandenen Lenker und etwas Entschlossenheit erfordern.

Ballert ihr am liebsten schnell und hart in der Falllinie, dann denkt euch ein paar Millimeter für mehr Stabilität dazu. Tänzelt ihr lieber verspielt durch enge Waldtrails, dann startet ein bisschen kürzer für extra Agilität.

Wenn ihr jetzt mit unterschiedlichen Settings ein paar Testfahrten auf dem Trail macht und Buch führt, seid ihr auf einem verdammt guten Weg, die wirklich passende Lenkerbreite für euch herauszufinden - stark!

Die Auswirkungen des Kürzens auf den Flex

Okay, Test abgeschlossen und 750 mm Breite fühlten sich am besten an? Das ist eine geniale Erkenntnis! Einfach abschneiden wäre ein einfacher Job für jeden, der eine Metallsäge und eine Schneidehilfe im Werkzeugkoffer liegen hat - oder sogar einen Rohrschneider. Doch eine Kürzung des Lenkers verändert auch dessen Flex - das wird umso deutlicher spürbar, je weiter man von der ursprünglichen Länge abweicht.

Labortests von MERIDA mit Lenkern verschiedener Brands haben gezeigt, dass die Steifigkeit mit jeder Kürzung um 20 mm recht gleichmäßig um jeweils 10 % zunimmt. Das gilt für Alu ebenso wie für Carbon.

Aus genau diesem Grund sind Lenkerkürzungen um mehr als 20 mm bereits kritisch. Mit Strichmarkierungen suggerieren manche Hersteller zwar, dass ihre Lenkstangen auch deutlich kürzer abgeschnitten werden können, doch das treibt deren Steifigkeit auf dem Trail in die Höhe.

Um nicht nur die Länge, sondern auch das Fahrgefühl und den Flex eines Lenkers perfekt zu erwischen, ist es ratsam, ihn möglichst nahe an der Breite zu kaufen, in der er nach dem Zuschnitt auch tatsächlich gefahren wird.

Fazit: Den perfekten Lenker finden

Wer sich die Erkenntnisse zu idealer Breite, Flex und Klemmmaß zu Herzen nimmt und bereit ist für einige Testfahrten, hat gute Chancen, für sich einen Lenker zu finden, der wirklich passt. Vielleicht ist es das Modell, das bereits auf dem Bike montiert ist und nur geringfügig gekürzt werden muss. Vielleicht wird es aber auch eine Neuanschaffung.

Der Lenker hat einen enormen Einfluss auf die Körperhaltung, das Handling und den Komfort auf dem Mountainbike. Carbon-Lenker wie auch Alu-Modelle werden durch Kürzen deutlich steifer. Superlative wie „möglichst breit und dick“ sind beim Kauf meist schlechte Ratgeber und ein Grund, warum viele Rider Fahrspaß auf der Strecke lassen. Doch wer zu ein paar Tests bereit ist, kann im Lenker-Dschungel voller Falschannahmen das perfekte Setup für sich finden.

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