Wenn es kalt wird, macht Radfahren ohne Handschuhe keinen Spaß. Wer auch im Winter bei Regen und Kälte aufs Bike steigt, möchte seine Hände gut schützen. Der Markt für Fahrradhandschuhe für den Winter ist jedoch unübersichtlich, und die Möglichkeit, verschiedene Modelle vorab zu testen, oft eingeschränkt.
Die vielversprechendsten Modelle haben wir zusammengestellt und getestet: Welcher Handschuh hält selbst beim kältesten Winterride warm und bietet gleichzeitig hohen Tragekomfort, Feingefühl und besten Grip? In unserem Vergleichstest mit acht aktuellen Modellen zeigen wir ihre jeweiligen Grenzen auf und verraten euch, welche Ansätze und Kompromisse wirklich Sinn ergeben.
Dieser Testbericht erschien zuerst am 17. Dezember 2023. Wir haben zwei neue Produkte getestet und den Artikel aktualisiert.
Arten von Winterhandschuhen für Mountainbiker
Wintertaugliche Modelle gibt es als klassische Fingerhandschuhe und in der sogenannten Lobster-Variante. Letztere spielt auf die Scheren von Hummern (englisch: Lobster) an.
- Fingerhandschuhe: Besser geht das mit Fingerhandschuhen, doch die sind nicht so warm. Die Deluge sind klassische Fingerhandschuhe, machen also keine Probleme beim Schalten und Bremsen. Mit dem Fingerhandschuh lässt sich an allen Systemen problemlos bremsen und schalten.
- Fäustlinge: Fäustlinge wärmen zwar hervorragend, aber die Bremse und besonders die Schalthebel lassen sich nicht vernünftig bedienen.
- Lobster-Handschuhe: Lobster-Handschuhe sind eine Art Kompromiss aus beiden: Zwei oder drei Finger können sich gegenseitig wärmen, zugleich bleiben aber immer einer oder zwei flexibel genug, um am Fahrrad die Schalthebel zu bedienen. GripGrab hat das Lobster-System bei seinen Winterhandschuhen als 1-1-3-System aufgebaut: Daumen und Zeigefinger sind einzeln eingehüllt.
Wichtige Eigenschaften von Winterhandschuhen
Wärmeisolierung und Wasserdichtigkeit
Die beste Wärmeisolierung nützt jedoch nichts, wenn das Material nicht wenigstens wasserabweisend ist. Nasse Handschuhe wärmen nicht. Alle von uns getesteten Handschuhe halten die Hände trocken und sind winddicht.
Komfort und Funktionalität
Es gibt aber auch einige Extras, die nützlich sein können.
- Polsterung der Handfläche: Sportliche Radfahrer schätzen eine Polsterung der Handfläche. Je mehr sie auf dem Rad nach vorn geneigt sitzen, desto mehr Gewicht lastet auf den Händen. Eine Polsterung verteilt den dadurch entstehenden Druck und dämpft Vibrationen. Gelpolster halten in der Regel länger als solche aus Schaumstoff.
- Touchscreen-Kompatibilität: Einige Hersteller verwenden an den Fingerspitzen ein Material, das die Touch-Bedienung von Smartphones ermöglicht. Das ist hilfreich, wenn man unterwegs einen Anruf entgegennehmen möchte, das gezielte Treffen kleiner Schaltflächen in Apps ist mit den kräftigen Handschuhspitzen aber eher Glückssache. Zeigefinger und Daumen eignen sich prinzipiell für die Bedienung eines Touchscreens - allerdings macht die starke Fütterung die Fingerspitzen dick.
- Schweiß- oder Nasenwischer: Viele Fahrradhandschuhe haben an der Innenseite der Daumen ein weiches oder frottiertes Material. Die Hersteller nennen so etwas gelegentlich verschämt »Schweißwischer«, obwohl »Nasenwischer« passender wäre: Tatsächlich putzen sich Radfahrer im Winter selten den Schweiß von der Nase, sondern meist andere Flüssigkeiten.
Testberichte und Empfehlungen
GripGrab Nordic 2 Lobster-Handschuh
Wer bei Minusgraden fahren will, ist mit dem wärmenden Nordic 2 von GripGrab gut bedient. Regen perlt von den Handschuhen ab. Bei Temperaturen um etwa acht Grad auf der Testfahrt sind die Handschuhe aber fast zu warm. Knapp unter dem Gefrierpunkt waren sie gut und lange einsetzbar. Auch wenn die Hände schwitzen, lassen sich die Handschuhe gut ausziehen. Den »Schweißwischer« am Daumen gibt es auch.
Roeckl Sports Vinadi Fingerhandschuh
Dann wäre der Fingerhandschuh Sports Vinadi von Roeckl die nächste Option - auch wenn er klobig wirkt. Diese Fingerhandschuhe sind anders als die Konkurrenz: Sie bestehen aus einem weichen und kräftig gefütterten Stoff. Der kräftige, aber geschmeidige Stoff stört zudem nicht beim Schalten oder Bremsen.
Chiba Bioxcell mit Polster
Nicht ganz so warm, aber hilfreich gegen eingeschlafene Hände beim Radfahren, ist der Bioxcell von Chiba mit seinem Polster. Der Name ist etwas sperrig, die Handschuhe selbst sind aber weich und angenehm zu tragen.
Die Bioxcell Warm Winter vom Handschuhspezialisten Chiba sind Fingerhandschuhe mit einer Besonderheit: Hinter dem Marketingbegriff Bioxcell verbirgt sich ein kräftiges Gel-Element auf der Handinnenfläche knapp unterhalb des kleinen Fingers und des Ringfingers. Chiba schreibt, so würden zwei Nerven an der Hand entlastet, deren Überbelastung Radfahrer als »eingeschlafene« Hände empfänden.
Gore-Tex Isolierte Trigger Handschuhe
Das gefällt an den Gore-Tex Isolierten Trigger Handschuhen: Sie tragen sich angenehm, sind bis etwa null Grad ausreichend warm, und sie sind wasserfest. Schwitzige Hände bekommt man nicht.
Das weniger: Der Zeigefinger wird schnell kalt.
Valkental GloRider V2 Ultra
Die GloRider V2 Ultra sind Valkentals Handschuh für den Wintereinsatz. Unser »Ultra« ist tatsächlich warm und erfüllt seine Aufgabe für einen Fingerhandschuh gut. Die Temperaturen im unteren Bereich wurden gut abgedeckt.
Das gefällt am GloRider v2 Ultra von Valkental: Der Handschuh ist wasserdicht und ich kann damit bei allen Fahrrädern gut schalten und bremsen. Obendrein wärmt er gut.
Das weniger: Die Durchlüftung ist mangelhaft, sodass man schnell verschwitzte Hände bekommt.
Endura Deluge
Die Deluge sind klassische Fingerhandschuhe, machen also keine Probleme beim Schalten und Bremsen. Tatsächlich blieben die Hände bei einer Testfahrt im Hamburger Dauerregen trocken.
Das gefällt: Der Handschuh ist leicht, sitzt gut und ist für die meisten Einsätze ausreichend warm.
GripGrab 1-1-3 System
Im Test kann man mit dem Lobster-System von GripGrab am Mountainbike und am Tourenrad fast ungehindert schalten und bremsen. Am Rennrad jedoch sind die drei Finger zusammen etwas zu unbeholfen für den kleinen Schalthebel einer Shimano-Schaltung.
Das gefällt: Die Handschuhe sind warm und winddicht, in unserem Test blieben die Hände trocken.
Chiba-Bioxcell-Warm-Winter-Handschuhe
Insgesamt wärmt der Handschuh gut und lässt sich auch nicht von Regen beeinflussen. Bei etwa drei Grad unter null blieben die Hände etwa eine halbe Stunde warm, bei fünf Grad über null dauerhaft.
Das gefällt: Die Handschuhe sind warm, wasserdicht, und das Bioxcell-System kann gegen eingeschlafene Hände helfen.
Das weniger: Die Handschuhe sind steif und schränken die Bewegungsfreiheit der Finger etwas ein.
Vaude Tremalzo Softshell Mitten
Die Tremalzo Softshell Mitten sind eine Art Überhandschuh: Sie sind nur leicht gefüttert und kommen in einer Übergröße: So lassen sie sich über andere Handschuhe ziehen und machen diese wind- und wasserdicht. Gleichzeitig bleiben sie atmungsaktiv.
Das gefällt: Sie sind eine feine Ergänzung zu anderen Handschuhen.
Ziener Windstopper Handschuh
Der Handschuh ist flexibel und engt die Hand nicht ein. Bremsen und Schalten ist kein Problem - eigentlich fällt der Handschuh kaum auf.
Das gefällt: Der Handschuh sitzt bequem, sieht gut aus, und das Schalten geht fast so gut wie ohne Handschuh.
Weitere getestete Winterhandschuhe
Hier ist eine Liste weiterer Winterhandschuhe, die in verschiedenen Tests bewertet wurden:
- 100% Hydromatic Brisker
- 45NRTH Nokken Glove
- BBB ProShield BWG-39
- Chiba 2nd Skin
- Craft Siberian 2.0 Glove
- Fox Defend Thermo Off Road
- Giro Pivot 2.0
- Pearl Izumi Summit Alpha Glove
- Poc Nimble Glove
- Roeckl Runaz
- Sealskinz Waterproof Extreme Cold Weather
- Vaude Posta Warm Gloves
Tipps zur Pflege von Winterhandschuhen
Gut gepflegte Handschuhe funktionieren nicht nur besser, sie halten auch länger. Modelle ohne Leder können regelmäßig in der Maschine bei 30 Grad gewaschen werden. Zuvor sollten Sie die Klettverschlüsse schließen oder die Handschuhe in ein Wäschesäckchen stecken, damit keine andere Kleidung beschädigt wird. Nach der Wäsche oder dem Tragen die Handschuhe aufhängen oder auslegen und an der Luft trocknen lassen. Handschuhe gehören auf keinen Fall in den Wäschetrockner. Auch Weichspüler sind tabu. Lederhandschuhe dürfen weder in der Maschine gewaschen noch auf der Heizung getrocknet werden. Ein Imprägnierspray verbessert den Wetterschutz und hält Graupel oder leichten Nieselregen ab.
Das Dilemma: Wärme vs. Gefühl
Bei Winterhandschuhen steht man vor einem Dilemma: Richtig warme Modelle geben selten ein direktes und angenehmes Griffgefühl. Mit dünnen Exemplaren hat man zwar das Bike besser im Griff, aber auch schnell kalte Finger.
So testet BIKE - Winterhandschuhe
Das Gesamturteil basiert auf den Bewertungen der Kriterien Wetterschutz, Passform sowie Handling/Griffgefühl, die unterschiedlich stark einfließen. Das Isolationsvermögen der Handschuhe haben wir mit Hilfe eines reproduzierbaren Verfahrens ermittelt. Dabei kühlt erwärmtes Wasser im Inneren des Handschuhs über den Testzeitraum ab, während der Handschuh bei etwa null Grad Außentemperatur dem simulierten Fahrtwind eines Ventilators ausgesetzt wird. Das Wasser wird von einem dünnen Innenhandschuh aus reißfester PE-Folie gehalten. Am besten wärmt der Handschuh, bei dem das Wasser am langsamsten abkühlt.
Zusätzliche Imprägnierung hilft
Auch wenn die meisten Hersteller ihren Handschuhen wasserabweisende Eigenschaften attestieren - im Spraytest konnte kaum eines der Modelle wirklich überzeugen. So wird Feuchtigkeit, egal ob Nebel, Niesel oder Graupel, meist direkt vom Obermaterial aufgenommen, was die Auskühlung der Finger beschleunigt. Wer seine Handschuhe regelmäßig mit einer umweltfreundlichen Imprägnierung behandelt, kann ihre Leistungsfähigkeit bei schlechtem Wetter noch einmal deutlich verbessern.
Wischdaumen am Handschuh
Damit das Nasensekret im Gesicht nicht zu Eiszapfen gefriert, braucht es entweder eine ausgefeilte Schneuztechnik (Experten schaffen es komplett ohne Finger) oder einen weich frottierten Wischdaumen am Handschuh. Der sollte zur absoluten Grundausstattung bei Winterhandschuhen gehören - was leider bei Weitem nicht jeder Hersteller in diesem Test beherzigt.
Wasserdichte Membran: Ja oder nein?
Wer nicht vorhat auch bei winterlichem Regenwetter aufs Bike zu steigen, sollte auf eine wasserdichte Membran im Handschuh lieber verzichten. Jede zusätzlich Schicht verschlechtert in der Regel auch die Passform des Handschuhs, das Handling sowie das Griffgefühl. Gerade an der Handoberfläche sind die Materialien dann häufig starr und unflexibel und erschweren den Griff um den Lenker oder die Bedienung von Schalt- und Bremshebel.
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