MTB Winterschuhe Flatpedal Test

Im Gegensatz zu Klickpedal-Schuhen sind Modelle für Flatpedals nicht fest mit dem Pedal verbunden. Schuhe für Klicksysteme werden hingegen über sogenannte Cleats mit dem Pedal verbunden. Je nach Ausführung sind die Schuhe auf klassische Allmountain-Touren oder den Einsatz im Dirt- oder Bikepark zugeschnitten.

Testsieger und Empfehlungen

Vaude AM Moab Tech

Der Vaude AM Moab Tech hat es bei unserem Test zum Testsieger geschafft. Der Vaude AM Moab Tech bietet das beste Paket in unserem Test, wodurch er verdient unser Testsieger geworden ist. Im Test der Fachzeitschrift Moutainbike (4/2020) wurde der Vaude AM Moab Tech ebenfalls Testsieger. Der Grip auf dem Pedal ist überragend, und das Boa-System sorgt für eine optimale Anpassung an den Fuß. Der Schuh ist komfortabel, vermittelt auf dem Trail ein Gefühl von Sicherheit und schützt zudem den Knöchel.

Ein erstes Highlight des Schuhs ist das Boa-L6-Verschlusssystem. Durch Ziehen des Verstellrades lässt sich der Schuh weit öffnen, um den Schuh bequem an- und ausziehen zu können. Durch Drehen am Rad werden die Schnüre gespannt, wodurch sich der Schuh optimal an den Fuß anpassen kann, und das vor allem schnell. Möchte man kurz vor der Abfahrt noch schnell den Schuh fester zuziehen, ist das sehr angenehm. Das synthetische Obermaterial besitzt im Zehenbereich sowie an den Seiten große Mesh-Einsätze, wodurch der Schuh eine spürbar gute Belüftung besitzt. So ist der Schuh auch an heißen Tagen gut zu tragen, bei Regen oder Kälte wird es aber dadurch schnell nass und kalt im Schuh. Der Moab Tech ist somit ein MTB-Schuh für die warme Jahreszeit.

Die Zwischensohle des Schuhs ist bis zum Mittelfußbereich sehr stabil, was eine optimale Kraftübertragung auf das Flatpedal gewährleistet. Das zweite Highlight des Vaude AM Moab Tech ist die Außensohle. Im Groben besteht die Sohle aus zwei Bereichen. Im Fersen- sowie im Zehenbereich ist die Sohle stärker profiliert, was bei steileren An- und Abstiegen sowie bei Schiebepassagen für ordentlich Grip und somit Vortrieb im Gelände sorgt. Dazu trägt auch die »SUPtraction Flat« genannte Gummimischung bei, die weder zu weich, noch zur hart ist. Im Mittelfußbereich ist die Sohle kaum profiliert. Dadurch und dank der Gummimischung setzten sich die Pins der Plattformpedale richtig in der Sohle fest. Somit ist der Grip auf den Pedalen stets gewährleistet, und hier hat uns der Schuh echt überrascht: Sowohl während einer klassischen Allmountain-Tour als auch im Bikepark auf einer schnellen und anspruchsvollen Abfahrt hatten wir stets das Gefühl, dass der Schuh auf der Pedale klebt, was ein sehr sicheres Fahrgefühl vermittelt.

Sieht man genau hin, erkennt man, dass das leichte Hexagon-Profil in der Mitte sogar noch ein nach hinten geschupptes Design haben, was beim Schieben und Laufen für zusätzliche Traktion sorgt. Ungewöhnlich auf den ersten Blick, aber sehr sinnvoll auf den Zweiten ist das asymmetrische Design des Schuhs. So ist auf der Innenseite der Schuh im Knöchelbereich höher geschnitten als am Außenknöchel.

Mit dem Vaude AM Moab Tech haben die Outdoor-Spezialisten aus Tettnang ein ganz heißes Eisen im Schuhprogramm: Der Flatpedal-Schuh bietet viel kontrollierbaren Grip, eine angenehme Sohle und ein sehr bequemes Gefühl für lange Ausfahrten. Dank des Boa-Verschlusses und der sinnvollen Profilierung bietet der Schuh satten Halt und kann auch in Tragepassagen und beim Hochschieben überzeugen. Der Originalpreis ist hoch, ist aber angesichts der sinnvollen Features gerechtfertigt.

Vaude AM Moab Mid STX

Der Vaude AM Moab Mid STX bietet einen hervorragenden Grip auf der Pedale. Der Vaude AM Moab Mid STX ist unsere Empfehlung, wenn Sie auf der Suche nach einem Schuh für das ganze Jahr und für jede Wetterlage sind. Der Vaude AM Moab Mid STX ist ein klassischer Schnürer, bietet jedoch die gleiche Sohle wie unser Testsieger und dadurch einen vergleichbar hervorragenden Grip auf dem Pedal und beim Gehen. Dank der Sympatex-Membran ist der Schuh wasser- und winddicht und der hohe Schnitt bietet zusätzlichen Schutz vor dem Wetter.

Das Obermaterial des Schuhs besteht aus einem geölten und hydrophoben Nubuk-Leder aus zertifizierter Herstellung. Das bietet nicht nur eine tolle Optik, sondern auch einen Schutz vor Nässe, Schmutz und vor Beschädigung. Zusätzlich kommt bei dem Moab Mid STX eine zu 100 Prozent recycelte Sympatex-Membran zum Einsatz, wodurch der Schuh wasser- und winddicht ist. Der Schuh ist ein klassischer Schnürer mit einem zusätzlichen Klettverschluss, der für zusätzlichen Halt im Schuh sorgt. Ein Haken ist, dass sich der Schuh aufgrund des hohen Designs etwas schwer an- und ausziehen lässt und etwas mehr Zeit beansprucht, vor allem mit dickeren Socken. Hier müssen die Schnürsenkel zunächst komplett gelockert werden, da sonst ein Hineinschlüpfen fast unmöglich ist. Dadurch dauert das Schnüren auch etwas länger, am Ende sitzt der Schuh aber sehr gut.

Der Vaude AM Moab Mid STX bietet alles, was man sich von einem Schuh für schlechteres Wetter wünscht. Er hält den Fuß bei Nässe sowohl auf dem Pedal als auch beim Laufen während kleineren Bike-and-Hike-Touren stets warm und trocken, an heißen Tagen wird es aber schnell mal warm im Schuh. Die Sohle ist eine Wucht und bietet stets Grip, egal unter welchen Umständen.

Specialized 2FO Roost Flat Syn

Der Specialized 2FO Roost Flat Syn ist ein klassischer Flatpedal-Mountainbike-Schuh in lässiger Optik. Der Specialized 2FO Roost Flat Syn ist ein klassischer Flatpedal-Schuh im Sneaker-Design und überrascht mit erstaunlich viel Grip auf dem Pedal. Der Schuh baut auf dem Plattformpedal einen erstaunlichen Grip auf und ist hier der beste im Test, wodurch er sich eine Empfehlung von uns verdient hat. Selbst bei Nässe kann man sich auf den Grip verlassen. Möchte man unterwegs die Position des Fußes auf dem Pedal verändern, muss dieser tatsächlich leicht angehoben werden.

Das synthetische Obermaterial erinnert ein bisschen an Leder und macht einen robusten Eindruck. An den Seiten verfügt der Schuh über zahlreiche kleine Belüftungslöcher, sowie einige wenige direkt unterhalb der Schnürung. Das sieht zwar nicht nach viel aus, dennoch ist die Belüftung des Schuhs durchaus gut, und auch an warmen Tag auf dem Bike bildet sich kein Hitzestau im Schuh. Die klassische Schnürung ist sehr gut. Die breiten Schnürsenkel laufen gut durch die Ösen, wodurch sich der Schuh bequem an- und ausziehen lässt. Auch sitzt der Schuh gut am Fuß und passt sich beim Schnüren gut an. Im Knöchelbereich verfügt der 2FO Roost Flat Syn über eine verstärkte Polsterung, was dem Fuß im Schuh Stabilität verleiht und die Knöchel auf dem Bike schützt.

Das Herzstück des 2FO Roost Flat Syn ist jedoch die Sohle. Die Zwischensohle ist eher steif, bietet aber noch etwas Komfort, sollte während einer ausgedehnten Enduro-Tour doch mal das Bike geschultert oder geschoben werden. Die steife Sohle hat den Vorteil, dass beim Pedalieren die Kraft optimal an das Pedal weitergegeben wird und man dadurch während der Fahrt stets gute Rückmeldung vom Pedal oder dem Bike selbst hat. Als Laufsohle kommt die sogenannte SlipNot-Sohle zum Einsatz. Die leicht profilierte Sohle ist überwiegend flach und nur minimal im Vorderfußbereich nach oben gebogen, wodurch sich der Schuh auf kurzen Gehpassagen etwas bequemer läuft.

Die Gummimischung ist eher weich und erinnert an Autoreifen für die Rennstrecke. Einmal auf dem Pedal, bohren sich die Pedalpins quasi in die Sohle hinein, ohne dabei Löcher oder irgendwelche Beschädigungen in der Sohle zu hinterlassen. Am Ende bekommt man mit dem Specialized 2FO Roost Flat Syn einen klassischen Flatpedal-Mountainbike-Schuh, der den bis hierhin besten Grip auf dem Pedal aufbaut. Somit ist der Mountainbike-Schuh ein idealer Begleiter auf Enduro-Touren oder auf schnellen und anspruchsvollen Trails mit dem Big-Bike im Bikepark.

Shimano ET5

Der Shimano ET5 ist ein klassischer MTB-Schuh für ausgedehnte Allmountain-Touren und für die eine oder andere kleine Bike-and-Hike-Tour bei trockener Witterung. Der Shimano ET5 ist ein klassischer MTB-Schuh für Mountainbike-Touren, der gerade beim Pedalieren eine gute Figur macht, mit dem aber dennoch ein paar Meter zu Fuß zurückgelegt werden können. Der ET5 ist ein klassischer Schnürer, besitzt aber ein etwas ausgeklügelteres Schnürsystem, wodurch sich der Schuh gut an- und ausziehen lässt.

Das synthetische Obermaterial besitzt im Zehenbereich und an den Seiten kleine Mesh-Einsätze, wodurch der Schuh gut belüftet ist und sich gerade an heißen Tagen sehr komfortabel trägt. Sollte es aber einmal nass werden, wird der Fuß schnell feucht. Die Außensohle ist grob in zwei Bereiche eingeteilt. Im Mittelfußbereich ist das Profil etwas feiner, was einen besseren Halt auf den Plattformpedalen verspricht. Im Zehen- und Fersenbereich ist das Profil deutlich gröber, wodurch der Schuh auch im steilen Gelände, sollten mal ein Stück gegangen werden, für ordentlich Vortrieb sorgen soll. Tatsächlich ist gerade beim Gehen der Grip sehr gut, allerdings ist der ET5 durch das recht grobe Profil im Mittelfußbereich etwas schwammig auf dem Pedal. Das ist jedoch erst bei sehr anspruchsvollen Abfahrten bemerkbar. Die Zwischensohle ist sehr steif, was beim Pedalieren sehr hilfreich ist, um die Kraft optimal auf das Pedal zu übertragen.

Letztlich ist der Shimano ET5 ein guter Allrounder und für ausgedehnte Allmountain-Touren im Sommer geeignet, aber weniger für den Parkeinsatz. Er sitzt sehr bequem am Fuß und die steife Zwischensohle überträgt die Kraft optimal auf das Flatpedal. Kurze Gehpassagen oder schnelle Bike-and-Hike-Touren mit geringerem Geh-Anteil nach dem Feierabend sind ebenfalls möglich.

Weitere getestete Modelle

  • Scott Crus-r Flat Lace
  • O’Neal Traverse
  • Giro Jacket II
  • O’Neal Pinned

Five Ten Freerider EPS High

Mit dem Freerider EPS High hat Five Ten einen MTB Schuh am Start, der die Füße warm und trocken durch den Winter bringen soll. Die Füße sind eine der absoluten Problemzonen beim mountainbiken im Winter. Kälte und Nässe machen früher oder später jedem Fuß zu schaffen. Dieses Thema haben auch die zahlreichen MTB Schuhhersteller erkannt und bieten spezielle Winterschuhe für Mountainbiker an.

Five Ten bietet mit dem Five Ten Freerider EPS einen Schuh der im inneren mit einer wärmenden Primaloft® Fütterung ausgestattet ist. Diese Kunstfaser ist atmungsaktiv und wasserabweisend. Ideal also für den harten Einsatz im Winter. Die gute Isolierung durch Primaloft sorgt im Five Ten Freerider EPS, dafür, dass die Füße nicht so schnell auskühlen.

Five Ten verbaut die Stealth S1 Sohle am Freerider EPS, sie bietet eine Kombination aus gutem Grip, Haltbarkeit und Steifigkeit. Im Gegensatz zu den Clipless Modellen wurde hier keine Vorrichtung für Cleats in die Sole verarbeitet. Dafür glänzt die Sohle mit exzellentem Grip auf meinen DMR Vault Plattformpedalen. Der Vorderfuß wurde aus einem Stück DWR (durable water repellent) beschichtetem Leder ohne Nähte gefertigt. Das verhindert das Eindringen von Feuchtigkeit in den Schuh. Allerdings nicht dauerhaft. Die Neopren-Zunge ist so verarbeitet, dass auch hier das Eindringen von Dreck und Wasser verhindert wird.

Um auch mit meinen Winter-Bike-Socken in den Schuh zu kommen habe ich ihn eine Nummer größer bestellt. Auch mit den dicken, wasserdichten Merino Socken ist der Schuh äußerst bequem.

Nach den ersten Ausfahrten bestätigen sich die positiven ersten Eindrücke des Schuhs. Zwar waren die Temperaturen bei den Testfahrten nicht unterhalb des Gefrierpunkts, aber auch nach einem zweistündigen Nightride waren die Füße sowohl warm als auch trocken. Auch der Grip auf Plattform Pedalen ist außerordentlich gut und gibt einem auf ruppigen Passagen immer das Gefühl von Sicherheit.

Mit dem Freerider EPS als Winterbikeschuh wird die Hürde auch bei tiefen Temperaturen aufs Bike zu steigen noch mal niedriger. Klare Empfehlung an alle die schnell kalte Füße bekommen und auf Klickpedale verzichten können.

Vorteile Nachteile
Bequem Sohle auf vereistem Boden etwas rutschig
Wasserabweisend
Warm
Grip

Vaude AM Moab Mid Winter STX

Auch Vaude hat inzwischen MTB-Winterschuhe für Flatpedal-Fahrer im Programm. Der ist aus robustem Cordura-Gewebe gefertigt und zusätzlich an Zehen und Fersen verstärkt. An der Sohle vertrauen die Tettnanger auf das griffige Gummi von Suptraction, zusätzlich sollen wabenförmige Profilblöcke für Halt auf rutschigen Böden sorgen. Der AM Moab Mid Winter STX ist mit einer umweltfreundlichen Sympatex-Membran sowie Primaloft-Eco-Gold-Futter ausgerüstet. Wie auch der Northwave Multicross Plus GTX ist hier die Einlegesohle mit einer isolierenden Alu-Schicht kaschiert. Zwei Klettlaschen und ein Boa-Drehrädchen fixieren den Fuß im Schuh.

Dank weit öffnender Klettlaschen und Anzieh-Öse schlüpft man locker in die Vaude AM Moab Mid MTB-Winterschuhe. Die Anpassung über den Boa-Verschluss und die beiden Kletts ist ok, gerade im vorderen Bereich des Fußes fehlt es aber an Halt. Auch die Ferse ist nicht optimal fixiert und rutscht vor allem beim Schieben etwas hoch.

Im Vergleich zu den meisten anderen Schuhen im Test fällt der Vaude etwas groß und weit aus. Biker mit breiten Füßen werden hier eher fündig als bei den anderen Modellen wie dem Gaerne G.Ice-Storm All Terrain 1.0 GTX. Für schmale Füße ist der AM Moab Mid Winter STX eher keine Empfehlung, zumal die Anpassung nicht ideal funktioniert.

An sich hält der Vaude wirklich sehr gut dicht. Selbst starker Regen stellt für das robuste Gewebe aus Cordura und Sympatex eigentlich kein Problem dar. Doch ausgerechnet vorne an den Zehen hatten wir einen kleinen Dammbruch. Wo genau das Wasser eingedrungen ist, konnten wir nicht hundertprozentig nachvollziehen - vermutlich an der Verbindung zwischen Sohle und Oberschuh. Leichter Regen war für die AM Moab Mid Winter STX MTB-Winterschuhe allerdings kein Stress.

Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt sind da schon eher ein Problem. Der Vaude fühlt sich eher bis zur Null-Grad-Grenze wohl - und die eigenen Zehen somit auch. Trotz seiner Primaloft-Fütterung und der gepolsterten Einlegesohle gibt es wärmere Schuhe im Vergleich.

Die Vaude sind keine MTB-Winterschuhe, die man blind kaufen sollte. Sie fallen insgesamt etwas weiter und klobiger aus, lassen sich aber wegen des störrischen Materials nicht optimal anpassen. So hat man auch während der Fahrt viel Bewegung im Schuh. Beim Pedalieren drücken teilweise die Klettriemen, insgesamt ist der Vaude weniger geschmeidig als der Northwave Multicross Plus GTX. Die wabenförmige Struktur an der Sohle greift zwar besser am Boden und bietet damit etwas besseren Halt, beim Laufen knickt der Vaude aber unangenehm im Zehenbereich. Auf dem Pedal findet das Profil etwas weniger Halt als die flache Sohle des Northwave.

Allgemeine Tipps für MTB-Winterschuhe

Für Fahrer mit Flatpedals können die Wintermonate hart sein: Während Fahrer mit Clickies die Qual der Wahl bei gefütterten und wasserdichten Traum-Schuhen haben, dürfen sich Flatpedal-Fahrer schon glücklich schätzen, wenn sie keine Löcher in ihren Schuhe haben. Sicherlich ist das wichtigste Merkmal eines guten Flatpedal-Schuhs die Gummimischung seiner Sohlen. Diese muss bei Nässe griffig sein und auch unter eiskalten Bedingungen klebrig bleiben. An zweiter Stelle auf unserer Anforderungsliste steht die Passform: eine geräumigere Zehenbox und ein einstellbarer Verschluss sorgen dafür, dass euer Schuh auch Thermo- oder wasserdichte Socken beherbergen kann, ohne dabei die Blutzirkulation zu euren Füßen abzuschneiden. Auf unserer Wunschliste würde sich weiterhin eine wasserdichte Schicht befinden - egal ob eine Membran oder ein versiegeltes Außenmaterial, denn so bleiben Windchill und Wasser draußen.

Alle Winterschuhe werden ab einem gewissen Punkt durchnässt sein, daher hat wasserdichtes Futter an dieser Stelle auch einen Nachteil: sobald Wasser an eurem Bein entlang geflossen ist und euren Schuh geflutet hat, steht dieser unter Wasser. Obgleich Schuhe mit Löchern zwar Wasser eindringen lassen, erlauben sie auch dessen Abfluss, sodass euer Schuh wieder leichter wird. Es sind nur sehr wenige winter-spezifische Flat-Schuhe auf dem Markt erhältlich. Wenn ihr im Winter auf dem Bike unterwegs seid, bedeutet das zwangsläufig, dass ihr ab einem bestimmten Punkt nasse Füße bekommen werdet. Die Schuhe sollten daher so wenig Wasser wie möglich aufsaugen, um das Gewicht niedrig zu halten und schneller wieder zu trocknen, sodass ihr so schnell wie möglich wieder auf dem Bike sitzen könnt.

Northwave Multicross Plus GTX

Dieses Mal haben wir uns für das erste Northwave Flatpedal-Modell für den Winter entschieden und waren durchaus gespannt. Die Verarbeitung passt, an der Sohle vertraut Northwave auf griffiges Vibram-Gummi, beim Verschluss auf eine Kombi aus hauseigenem Drehrädchen und Klettverschluss. Der Multicross ist vollständig mit Gore-Tex ausgekleidet und zusätzlich an der Innenseite flauschig gefüttert. Das sollte auch für Fahrten unter Null Grad reichen. Die Einlegesohle ist zudem Alu-kaschiert, um Kälte von unten zu reflektieren. Eine Kältebrücke muss man allerdings ohne die Öffnungen für die Cleats an der Sohle auch so nicht befürchten. Das robuste Außenmaterial dürfte selbst harten Bikepark-Einsätzen trotzen.

Wie schon so oft ist auch beim Multicross das Northwave-Drehrad nicht ganz so gefällig wie ein Boa-Verschluss und etwas unpraktisch zu öffnen - gerade in Verbindung mit dicken Winterhandschuhen. Um die Schnürung zum Öffnen zu entriegeln, muss ein kleiner Hebel angehoben werden. Auch das flache Drehrad selbst ist wenig griffig. Mithilfe der beiden Ösen an der Gamasche schlüpft man dann aber locker über den hohen Schaft aus Neopren in den Schuh. Die Passform ist gefällig und weder zu breit noch zu schmal. Drehverschluss und Klett bringen ordentlich Zug auf den Fuß - fast schon ein ungewohntes Feeling für Flatpedal-Winterschuhe- im positioven Sinn.

Neben dem Gaerne G.Ice-Storm All Terrain 1.0 GTX ist der Northwave der einzige Schuh im Vergleich, der selbst unserem sehr starken Regenschauer trotzt. Hier gelangt kein einziges Tröpfchen Wasser ins Innere des Schuhs. Im Gegensatz zum Gaerne muss man jedoch beim Northwave auch keine Lücke zwischen Hose und Schaft befürchten. Die Gamasche ist ausreichend hoch geschnitten und verschwindet zuverlässig unter der Winter- oder Regenhose.

Trotz des plüschigen Futters im Inneren der Northwave Winterschuhe reicht es bei der Isolation nicht ganz für Bestwerte, doch zumindest für eine solide mittlere Platzierung. Für Fahrten rund um den Gefrierpunkt ist der Multicross auf jeden Fall zu haben. Ab zehn Grad aufwärts wirds dann definitiv zu warm, wer bis weit unter Null Grad shredden möchte, sollte bei der Größenwahl noch ein Paar dicke Socken einplanen.

Der Northwave Multicross wäre durchaus in der Lage, den ein oder anderen Klickpedal-Fahrer im Winter zu Flatpedals zu überreden. In seiner flachen Vibram-Sohle finden die Pins des Pedals hervorragenden Halt. Kraftübertragung? Absolut ausreichend. Und dann ist da noch das Sicherheits-Plus, weil man jederzeit schnell vom Pedal runterkommt - falls sich unter dem Schnee mal eine Eisplatte oder eine rutschige Wurzel versteckt. Der Nachteil der nahezu profillosen Sohle? Beim Laufen finden die Füße eher wenig Halt. Dafür sind die Northwave die geschmeidigeren Winterschuhe, lassen sich dank des flexiblen Neopren-Schafts bequem pedalieren und auch sonst ist die Passform nahezu perfekt.

Leatt 7.0 HydraDri Winter-MTB-Schuh

Der Leatt 7.0 HydraDri Winter-MTB-Schuh versprach bei seinem Marktauftritt im Herbst 2022 genau das. Die Grundlage des HydraDri ist ein flacher MTB-Schuh, dem rundherum eine Gamasche angebaut wurde, die bis über den Knöchel reicht. Oben bildet ein Druckknopf den Abschluss.

Der innere Schuh wird mit einem praktischen Schnellschnür-System geschlossen - das passte ganz gut, lässt sich aber nicht so “tight” schnüren wie ich es von normalen Schnürsenkeln kenne. Auch lässt es sich nicht so einfach in den MTB-Schuh “reinschlüpfen”. Die Gamasche, also der Schaft, so wie der ganze Leatt-Winterschuh, ist richtig wasserdicht, wie es der Hersteller mit Verweis auf die 10.000er Wassersäule verspricht. Tatsächlich bildet sich aber - wie immer bei wirklich wasserdichten Membranen - auch irgendwann Schwitzwasser im Inneren.

Wie man auf den Bildern sieht, perlt nicht nur Wasser von der Außenschicht des Leatt 7.0 HydraDri ab, sondern erfreulicherweise auch eine Menge Schlamm. Im feuchten Zustand lässt sich Dreck fast abschütteln. Und nach Innen drang in unserem Test nichts davon, auch bei starkem Regen und Schnee-Schlamm-Gemisch.

Die Sohle aus RideGrip Pro-Gummi ist laut Leatt weicher als das normalerweise verwendete RideGrip. So soll der MTB-Schuh auch bei feuchten Bedingungen optimalen Grip auf dem Pedal bieten. Zusammen mit der WaffleGrip Pro-Sohlenstruktur verbissen sich meine Pedale derart in die Sohle, dass ich zeitweise die Knie ausschütteln musste, weil mir die minimale seitliche Bewegung meiner Klickpedale fehlte. Zum Gehen auf Schlamm eignen sich die Sohlen übrigens auch exzellent.

Leatt gibt an, dass die 7.0 HydraDri Winter-Bikeschuhe vorne extra etwas breiter geschnitten sind, damit auch dickere Socken reinpassen.

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