MTB zum E-Bike umbauen: Die ultimative Anleitung

E-Bikes erfreuen sich wachsender Beliebtheit, doch hohe Preise und Lieferengpässe veranlassen immer mehr Menschen, ihr Mountainbike (MTB) selbst in ein E-Bike umzubauen. Dieser Artikel beleuchtet die Vor- und Nachteile, rechtlichen Rahmenbedingungen und technischen Aspekte dieser Do-it-yourself-Lösung.

Darf man ein E-Bike selbst bauen?

Grundsätzlich ist der Eigenbau eines E-Bikes erlaubt. Wer jedoch legal auf öffentlichen Straßen fahren möchte, muss die Maschinenrichtlinie einhalten. Diese Richtlinie betrifft auch Privatpersonen, die rechtlich als Hersteller gelten.

Ernst Brust, der Geschäftsführer des ZIV, erklärt: „Auch Pedelecs, die von Privatpersonen zum Eigengebrauch gebaut werden und außerhalb eines Privatgeländes benutzt werden, unterliegen der Maschinen- und EMV-Richtlinie und müssen gemäß der Norm DIN EN 15194-2017 geprüft werden.“

Was ist ein Pedelec?

Im rechtlichen Sinne ist ein E-Bike oft ein Pedelec. Das Pedelec ist straßenverkehrsrechtlich als Fahrrad eingestuft. Man braucht dafür keinen Führerschein und keine Versicherung - die durchschnittliche Motorleistung des Elektromotors ist hier auf 250 W begrenzt und der Antrieb unterstützt beim Treten bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h. International wird hierfür die Bezeichnung EPAC (Electrically Power Assisted Cycle) genutzt.

Rechtliche Rahmenbedingungen

Durch das Hinzufügen eines Motors wird ein Fahrrad zum E-Bike und somit zur Maschine. Damit gelten andere Normen und Vorschriften, z. B. die Maschinenrichtlinie und die EMV-Richtlinie. Innerhalb der EU unterliegt auch das von einer Privatperson zum persönlichen Gebrauch gebaute Pedelec der Maschinen- und EMV-Richtlinie und muss gemäß der Norm DIN EN 15194-2017 geprüft werden.

Die Richtlinie 2014/30/EU zur elektromagnetischen Verträglichkeit (kurz: EMV-Richtlinie) regelt diese Verträglichkeit für fast alle elektrischen Geräte im europäischen Binnenmarkt. Deshalb müssen die Hersteller von Betriebsmitteln auch nachweisen, dass ihre Geräte die Anforderungen dieser Richtlinie erfüllen.

DIN EN 15194-2017

Die Norm DIN EN 15194-2017 legt die Sicherheitsanforderungen und Prüfverfahren für EPACs (Electrically Power Assisted Cycles) fest. Sie umfasst unter anderem:

  • Mechanische Sicherheit
  • Elektrische Sicherheit
  • Anforderungen an Akkus und Ladegeräte
  • Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV)

Wer die Richtlinien einhält, bekommt nach der Prüfung die Erlaubnis, das CE-Kennzeichen auf dem Pedelec anzubringen.

Konformitätserklärung und CE-Kennzeichnung

Grundsätzlich muss jedem Pedelec, das innerhalb der EU verkauft wird, eine EU-Konformitätserklärung beiliegen. Sie ist meistens in der Bedienungsanleitung mit abgedruckt oder liegt extra als Papierdokument bei.

Mit der Konformitätserklärung bestätigt ein Hersteller oder Importeur, dass sein Produkt die geltenden EU-Richtlinien und -Normen erfüllt. Was in der Erklärung genau enthalten sein muss, unterscheidet sich je nach Produktart. Gleich ist: Die Haftung übernimmt in der Regel der Hersteller.

Die CE-Kennzeichnung ist eine eigenverantwortliche Prüfung des Herstellers - nur ganz selten prüft eine unabhängige Zertifizierungsstelle das Produkt. In erster Linie geht es bei dieser Kennzeichnung also um eine Art Versprechen der Hersteller: Sie sichern damit zu, dass ihr Produkt den geltenden europäischen Vorschriften entspricht und dem Konformitätsbewertungsverfahren unterzogen wurde.

Haftung und Versicherung

Im Gegensatz zum Händler bewegt sich der Endverbraucher in Sachen Haftung also noch in einer Grauzone. Das sollte aber kein Freibrief sein! Auch die Umstände des Schadens (Verschulden ja/nein), die Forderung und die Beschaffenheit des E-Mountainbikes spielen eine Rolle. Deshalb werden die Versicherungen den Anspruch im Einzelfall prüfen - ein Restrisiko bleibt also.

Das Ergebnis einer schriftlichen Anfrage bei der Allianz: Eine Privathaftpflichtversicherung wird trotz Nichteinhaltung der Normen und Standards, wie Konformitätserklärung, CE-konformes Typenschild etc., bei einem E-Bike Marke Eigenbau den Schaden Dritter übernehmen. Bei einem nachfolgenden Telefonat mit der Allianz wurde bestätigt, dass die private Haftpflichtversicherung auch bei grober Fahrlässigkeit Schäden gegenüber Dritten übernimmt.

Wichtig:

Wie andere Versicherungen das handhaben, muss im Einzelfall geklärt werden! Am besten lässt man seinen vorhandenen Vertrag prüfen, da der je nach Abschlusszeitpunkt bzw. den Tarifbedingungen abweichen kann.

Technische Aspekte des Umbaus

Beim Eigenbau sollte man außerdem wissen, welchen Motor man gerne verbauen würde, schließlich muss er zum Rahmen passen. Außerdem muss der Akku mit dem Motor und dem Ladegerät kompatibel sein, das sogenannte System-Package muss stimmen. Man sieht: Der Eigenbau erfordert jede Menge Wissen und Know-how.

Motorvarianten:

  • Vorderradmotor: Einfache Installation, kann jedoch die Stabilität auf unebenem Gelände beeinträchtigen.
  • Hinterradmotor: Bietet bessere Traktion und ein natürlicheres Fahrgefühl.
  • Mittelmotor: Bietet die wohl effizienteste Art des Antriebs und ein sehr natürliches Fahrgefühl.

Benötigtes Equipment:

Die folgende Liste gibt einen Überblick über das benötigte Equipment und günstige Bezugsmöglichkeiten:

  • Motor (250W, passend zum Rahmen)
  • Akku (passende Spannung und Kapazität)
  • Controller
  • Display
  • Kurbelabzieher
  • Aufsatz für Tretlagerschrauben
  • Spezialschlüssel für Muttern am Tretlager
  • Pedale

Einbau des Motors:

  1. Pedale, Kurbeln und altes Tretlager ausbauen
  2. Kettenblatt am Motor verschrauben
  3. Motor einsetzen und mit Metallstück sichern
  4. Muttern am Tretlager festschrauben
  5. Neue Kurbeln aufschrauben
  6. Kabel verlegen
  7. Speedsensor anbringen
  8. Akku montieren

Kosten und Nutzen

Für eine Komplettradprüfung (Komplettfahrzeug und einzelne Bauteile), die schlussendlich zur Konformitätserklärung führt, belaufen sich die Kosten auf 20.000-25.000 €. Allein die EMV-Prüfung kostet rund 3.000 € und führt damit die Idee des Geldsparens beim Eigenbau ad absurdum.

Insgesamt sollten für den Umbau zum E-MTB rund 400€ veranschlagt werden. Ein Hinterradmotor (ebenfalls Bafang 250W) schlägt nur mit ca. 100€ weniger zu Buche, ist aber etwas schwieriger im Einbau. Den besten Überblick bekommt man, wenn vor dem Kauf beide Systeme einmal getestet werden können.

Pauschal gesagt lohnt sich der Umbau immer dann, wenn bereits ein gutes Rad vorhanden ist, welches weiterhin genutzt werden soll. Der Einbau ist für jedermann möglich, sofern etwas handwerkliches Geschick vorhanden ist.

Alternativen zum Selbstbau

Eine weitere Möglichkeit ist, sich einen Nachrüstsatz zu besorgen - beim Händler oder direkt im Internet - und sein Bike selbst aufzurüsten. Aber auch hier muss man wissen, dass derjenige, der sein Fahrrad umbaut, zum Hersteller einer Maschine wird. Will man ein legales Bike bauen, muss man damit auch als Privatperson zur Prüfung.

Weitaus eleganter, aber auch teurer ist es, sich ein Frame-Set zu besorgen. Solche kompletten E-Bike-Rahmensätze gibt es z. B. von Specialized. Hat man sich für ein Rahmenset entschieden, dann bekommt man den Rahmen inkl. montiertem Motor, Akku und Dämpfer geliefert.

Nachrüstsätze von BETTER-EBIKE

Eine weitere Option sind Nachrüstsätze von BETTER-EBIKE. Diese sind so konstruiert, dass das E-Bike-Umrüsten auch für Hobbyhandwerker problemlos in weniger als einer Stunde zu bewerkstelligen ist. Die Preise für unserer Pedelec-Nachrüstsets starten je nach Akkustärke und sonstigen Komponenten ab 399,00 Euro.

Übersetzung am E-MTB umbauen

Speziell wer mit älteren E-MTBs in steilem Gelände große Touren machen will, sollte sich die Übersetzung etwas genauer anschauen. Denn wer auch steile Anstiege dank kleiner Berggänge noch im Eco-Modus bezwingen kann, spart mächtig Akku. Rechtlich ist der Umbau auf kleinere Gänge für Privatleute übrigens relativ unbedenklich.

Kassette am E-Bike umbauen

  1. E-MTB am besten in den Montageständer einspannen.
  2. In den schwersten Gang schalten, die Kupplung deaktivieren oder das Schaltwerk arretieren.
  3. Steckachse ausbauen und Hinterrad entnehmen.
  4. Kassette mit Kassetten-Tool und Kettenpeitsche lösen.
  5. Kassette vom Freilauf abziehen.
  6. Freilauf säubern.
  7. Neuen Freilauf fetten und Kassette montieren.
  8. Lockring mit Drehmoment anziehen und Hinterrad montieren.

Übersetzung am Kettenblatt am E-MTB umbauen

Um die Übersetzung am Kettenblatt Ihres E-MTB zu verändern, muss ein neues Blatt her. Für die Montage nehmen Sie als Erstes die Kette vom Kettenblatt. Falls vorhanden, ist dafür in manchen Fällen eine Demontage der Kettenführung notwendig.

Montage eines Kettenblatts mit Direct Mount

  1. Kette abnehmen.
  2. Kurbel demontieren.
  3. Sicherungsmutter des Direct-Mount-Kettenblatts demontieren.
  4. Neues Kettenblatt montieren und Lockring festziehen.
  5. Kurbel wieder montieren.
  6. Kette aufsetzen und Kettenführung montieren.

Montage eines Kettenblatts mit Spider

  1. Kette abnehmen.
  2. Verschraubungen des Spiders mit dem Kettenblatt lösen.
  3. Kettenblatt vom Spider nehmen und neues Kettenblatt aufsetzen.
  4. Kettenblatt verschrauben und festziehen.
  5. Kette wieder auflegen und Kettenführung montieren.

Schnellvergleich der Optionen zur Elektrifizierung deines Fahrrads

Option Einfachheit der Installation Ungefähre Kosten Für wen ist es ideal?
Umrüstkit Einfach 250-600€ Stadt- und Gelegenheitsradler
Motorisiertes Rad Sehr einfach 500-900€ Nutzer, die eine schnelle Lösung suchen
Reibrollenmotor Mittel 150-400€ Radfahrer, die eine ultraleichte Option suchen
Motor unter dem Sattel Mittel 600-1.200€ Fahrer, die eine optisch integrierte Lösung wollen
Spiny Umrüstkit Mittel 475€ Für Nutzer, die ein integriertes und unauffälliges System suchen

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