Alle Eltern kennen die Diskussion: Mütze unterm Fahrradhelm bei Kindern, ja oder nein? Wir klären auf.
Sicherheitsrisiko ja oder nein?
Im Winter sind Mützen unsere besten Freundinnen, nicht nur bei unseren Kindern. Sie schützen die Ohren vor eiskaltem Fahrtwind und machen sie damit weniger anfällig für Krankheitserreger, die schnell eine schmerzhafte Mittelohrentzündung verursachen können. Doch sind dicke Wintermützen unterm Fahrradhelm wirklich eine gute Idee?
Die klare Antwort lautet: Nein! "Dicke Wintermützen sind unter einem Fahrradhelm nicht ratsam. Der Helm kann darauf verrutschen und den Kopf nicht mehr optimal schützen. Es gibt dünne und atmungsaktive Unterziehmützen aus Thermomaterial, die bequem unter den Fahrradhelm passen", stellt der ADAC auf seiner Homepage zum Thema "Sicheres Radfahren im Winter" klar.
„Wenn der Helm nicht richtig sitzt, schadet er eventuell mehr, als er nutzt“, warnt ADFC-Sprecher René Filippek. Thront der Helm zum Beispiel nur locker oben auf dem Kopf, landet er schnell im Nacken. Bei einem Unfall können seine Kanten dann die Wirbelsäule verletzen. Auch im Winter gilt daher: Der Helm muss fest sitzen.
Aus einem ganz einfachen Grund: Sie beeinflussen den so wichtigen perfekten Sitz des Helms und auch des Kinnriemens. Bei Stürzen kann der Fahrradhelm so ganz leicht verrutschen. Und selbst, wenn der Helm trotz Mütze gut auf dem Kopf hält, sitzt er über der dicken Stoffschicht viel zu weit oben auf dem Kopf, als das er ihn noch gut schützen könnte.
Eine dicke Wintermütze unterm Fahrradhelm ist ein No-Go! "In der Tat sollte man unter dem Helm keine normale, dicke Mütze tragen", stellt Micha Gebhardt vom ADAC fest. "Hier besteht die Gefahr, dass der Helm verrutscht und nicht mehr optimal schützt."
Alternativen zur Mütze unter dem Fahrradhelm
Für kurze Strecken geht es sicherlich auch mal ohne Mütze, doch gerade bei eisigen Temperaturen oder Kindern, die anfällig für Ohreninfektionen sind, muss eine Alternative her. Spezielle Fahrradmützen sind extra für die winterlichen Spritztouren mit Fahrrad, Roller & Co. konzipiert. Wichtig ist bei den Mützen, dass sie den Kopf eng umschließen, sodass der Helm trotzdem sicher und fest auf dem Kopf sitzt und nicht verrutschen kann. Dünne Stirnbänder können auch eine gute Alternative sein.
Spezielle Fahrradmützen sind empfehlenswert! Dabei gibt es spezielle Radmützen, die genau für diese winterlichen Einsätze konzipiert wurden. Zu denen rät auch René Filippek vom ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club e.V.) - aber ergänzt: "Wichtig ist, dass die dünne Mütze den Kopf eng umschließt, sodass der Helm trotzdem noch gut sitzt. Wenn der Helm nur noch gerade so auf den Kopf passt und das Verstellsystem schon ohne Mütze ganz offen ist, ist wahrscheinlich auch eine dünne Mütze schon zu viel."
Auch Dunja Schenk rät zu Radmützen, am besten von den Helmherstellern selbst. "Die sind dünn genug und so geschnitten, dass der Helm dennoch drauf passt und die Ohren warm bleiben." Auch sie betont, wie wichtig es sei, danach nochmal anzuprobieren: "Der Helm muss mit Radmütze neu angepasst bzw. eingestellt werden, damit er weiterhin schützt."
ADAC-Sprecher Gebhardt befürwortet die speziellen, dünnen und atmungsaktive Unterziehmützen auch: "Außerdem gibt es - in der Regel passend zum jeweiligen Helm - Überzüge, die vor Wind und Regen schützen, und bedenkenlos benutzt werden können."
Alternativen nur mit Abstrichen: Zu viel Wolle unterm Helm birgt Gefahren. Wenn der Helm zu hoch am Kopf sitzt, kann er beim Sturz leicht verrutschen. Der ist eigentlich vor allem als Regenschutz gedacht, sorgt aber auch dafür, dass der kalte Fahrtwind nicht durch die Belüftungsöffnungen direkt an den Kopf gelangt. Und schließlich gibt es von manchen Herstellern auch noch spezielle Fahrradmützen mit Schutzelementen. „Die schützen allerdings nicht so gut wie ein Helm“, warnt Filippek - das räumen die Hersteller auch selbst ein.
Die praktischste Lösung dafür seien Helmmützen, sagt René Filippek vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). „Die sind dünn und erinnern an Badekappen.” Beim Kauf sollten Radfahrer auf Winddichtheit Wert legen, rät der Experte. Zudem muss der Helm auch mit Mütze ordentlich sitzen. Deshalb nimmt man den Helm am besten mit ins Fachgeschäft. Eine Alternative zu Helmmützen können Skimasken sein. Diese sind ebenfalls dünn und schützen neben Kopf und Ohren auch den Hals vor der Kälte.
Je nach Kälteempfinden kann Radlern bereits ein Helmüberzug ausreichen. Der Stoff soll zwar in erster Linie vor Regen schützen, schließt aber auch die Belüftungsöffnungen des Helms und hält so den Wind ab. „Das hilft oft schon”, weiß Filippek.
Ein weiteres nützliches Accessoire gegen einen kalten Kopf auf dem Sattel sind Schlauchtücher. „Die sind vielseitig einsetzbar.” Radler können damit ihren Hals schützen und sich das Textil bei Bedarf über die Nase ziehen. Selbst als Kopftuch bewährt es sich.
Helm mit Fahrradmütze unbedingt neu einstellen!
Damit der Fahrradhelm sicher und fest auf dem Kopf deines Kindes sitzt und so bei einem Sturz optimal schützt, sollte er regelmäßig neu eingestellt werden. Das gilt natürlich auch beim Tragen von Fahrradmütze oder Stirnband. Und so einfach geht's:
- Mütze oder Stirnband aufsetzen.
- Fahrradhelm gerade auf den Kopf des Kindes setzen.
- Auf der Rückseite des Helms den Ring solange drehen, bis er fest auf dem Kopf sitzt. Er sollte aber nicht drücken!
- Den Kinnriemen öffnen und ihn jeweils rechts und links verkleinern oder vergrößern, bis er wie ein Dreieck das Ohr umrahmt. Riemen wieder schließen.
- Bei Bedarf den Kinnverschluss anpassen. Er sollte das Kinn locker berühren, aber keinesfalls einschneiden.
- Macht den Anti-Rutsch-Test: Rutscht der Helm auf dem Kopf leicht hin und her, müsst ihr an den Einstellungen nachjustieren. Sitzt alles fest, steht dem sicheren Fahrradfahren mit Helm und Mütze nichts mehr im Weg.
Man versucht, den geschlossenen Helm mit der Mütze darunter auf dem Kopf hin- und herzuschieben. Geht dies sehr leicht, sitzt der Helm nicht perfekt. Man sollte in diesem Fall nachjustieren.
Der Fahrrad-Experte ermutigt zu diesem Test: Helm ohne Mütze aufsetzen. Einstellsystem schließen und versuchen, den Helm auf dem Kopf zu verschieben. Sitzt der Helm korrekt, geht das gar nicht oder nur mit viel Kraftaufwand. Dann wiederholt man den Versuch mit Mütze unterm Helm. Lässt sich der Helm nun leichter verschieben und bewegen, ist das ein schlechtes Zeichen und man sollte es lieber lassen.
Zusätzliche Sicherheitstipps fürs Fahrradfahren im Winter
Micha Gebhardt gibt außerdem folgende Tipps, um mit Fahrrad und Helm sicher durch den Winter zu kommen. Die gelten übrigens nicht nur für Kinder!
Vor allem im Winter ist Sichtbarkeit von besonderer Bedeutung. Am besten reflektiert schon der Helm oder der Überzug, aber auch an der Kleidung und am Rad sollten reflektierende Elemente angebracht sein.
Ganz wichtig, nicht nur im Winter, ist auch der richtige Sitz des Helms. Am besten man setzt zuerst die Unterziehmütze auf und richtet den Helm dann gerade auf dem Kopf aus. Mit dem Rädchen wird dann der Kopfring so fest eingestellt, dass der Helm nicht verrutscht.
Ganz klar: Fast noch wichtiger als warme Ohren ist die Sichtbarkeit bei dunklem, nieseligem Wetter. Leuchtende Farben sind beim Fahrradhelm super - oder aber man nutzt spezielle Regenbezüge für Helme, die oftmals in Neonfarben daherkommen.
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