Ob Verspannungen im Nacken, Kopfschmerzen oder ein steifer Hals - viele Menschen leiden regelmäßig unter Nackenschmerzen. Nackenschmerzen können zu einer starken Belastung werden, insbesondere, wenn Sie regelmäßig und dauerhaft auftreten. Die Ursachen sind vielfältig: Stress, Fehlhaltungen, langes Sitzen oder einseitige Belastungen.
Häufig liegt die Wurzel des Problems in einer schwachen Nackenmuskulatur. Chronische Nackenschmerzen und schwache Muskeln sind oft ein Teufelskreis: Wenn der Nacken an Kraft verliert, wird er instabil - und die Schmerzen kehren immer wieder zurück.
Ursachen für Nackenschmerzen beim Radfahren
Viele Radfahrer und Fahrerinnen haben regelmäßig Nackenschmerzen beim Radfahren, auch Profis sind davon betroffen. Rund 60 Prozent der Fahrradfahrer und Fahrerinnen haben regelmäßig Nackenschmerzen beim Radfahren, auch Profis sind davon betroffen. Von 840 befragten Amateur-Mountainbikern gaben 43 Prozent an, regelmäßig Nackenprobleme zu haben.
Hauptgrund für die Schmerzen seien meist überforderte Muskeln, bedingt durch die Haltung von Kopf und Halswirbelsäule in Relation zur Brustwirbelsäule: „Normalerweise befindet sich der Kopf gerade über der Wirbelsäule, was nicht viel Haltearbeit erfordert“, erklärt Edler. Auf dem Rad muss der Kopf jedoch entgegen der Schwerkraft gehalten werden.
Hinzu kommt: Hals- und Brustwirbelsäule bilden einen ungünstigen Winkel, weil der Blick auf die Straße gerichtet ist. „Je kleiner dieser Winkel im Nacken, desto höher die Belastung für Muskulatur und Wirbelsäule“, so Edler. Doch auf dem Rad wird der fünf bis sechs Kilogramm schwere Kopf von Muskelsträngen gehalten, die eigentlich ganz andere Aufgaben haben: „Normalerweise stabilisieren kleine Muskeln im Nacken den Kopf“, erklärt Sport- und Reha-Mediziner Edler. „Beim Radfahren schaffen sie das nicht, daher müssen Trapezmuskel und Schulterblattheber einspringen und über Stunden den Kopf nach hinten ziehen.“
Diese großen Muskeln, die eigentlich dazu da sind, die Schultern nach oben zu ziehen, sind damit schnell überfordert: „Schon Minuten in dieser Haltung führen bei Untrainierten zu Verspannungen“, sagt Edler. Dann schmerzt nicht nur der Muskel selbst, auch Spannungskopfschmerzen können entstehen.
Komplizierter werde es, wenn die Ursache für die Beschwerden in der Wirbelsäule selbst liegt: „Die Wirbelkörper sind über kleine Gelenke miteinander verbunden“, erklärt Edler den zweiten möglichen Grund für Nackenschmerzen. „Diese Facettengelenke verschleißen mit dem Älterwerden und können zu Arthrose im Nacken führen.“
Schläge, die über Vorderrad, Lenker und Arme den Nacken erreichen, verstärken die Beschwerden noch. „Als dritte mögliche Ursache müssen wir über die Bandscheiben sprechen“, so Edler. „Treten sie hervor und drücken auf die Spinalnerven, äußert sich das in lokalem Schmerz bis hin zu Kribbeln und Taubheitsgefühlen über die Arme bis in die Finger hinein.“
Weitere Ursachen für Nackenschmerzen
- Eine schlechte Körperhaltung ist ein wesentlicher Risikofaktor und das betrifft nicht nur das Sitzen oder Stehen.
- Hinzu kommen eine intensive Smartphone-Nutzung, langes Sitzen, Bewegungsmangel und fehlender muskulärer Ausgleich.
- Ein typisches Beispiel ist der sogenannte „Handynacken“ - eine Folge der häufigen Smartphone-Nutzung.
- Durch das ständige Nach-unten-Schauen entsteht eine unnatürliche Belastung der Halswirbelsäule, die zu Verspannungen und Schmerzen führt.
Vorbeugung von Nackenschmerzen beim Radfahren
Als erste Gegenmaßnahme rät Edler Betroffenen, die Sitzposition zu überdenken: Alles, was zu einer aufrechteren Haltung führt, ist für den Nacken sinnvoll. Generell sind das folgende Handgriffe: Lenker höher, Sattel tiefer und zurück, Vorbau kürzer.
Wer mit zu vielen Veränderungen am Rad überfordert ist oder Sorge hat, den Überblick zu verlieren, sollte es mit professionellem Bikefitting versuchen. Die Experten wissen meist genau, warum welche Position zu bestimmten Problemen führt und wie diese zu beheben sind. Oft fördert beispielsweise ein zu breiter Lenker die Nackenbeschwerden.
Manchmal verstärken auch Helm und Brille die Nackenprobleme: Sitzt der Helm zu tief in der Stirn oder rutscht die Brille ständig auf der schweißnassen Nase, muss man den Kopf höher heben, um den Radweg sehen zu können - dadurch knickt die Halswirbelsäule noch weiter ab.
Edler rät, sich auf dem Rad stets in Erinnerung zu rufen: „Kinn Richtung Brust, nur der Blick geht nach vorne.“ Um Stöße am Vorderrad besser abzufedern, kann man etwas breitere Reifen aufziehen und den Luft-druck senken. Gut gepolsterte Handschuhe fangen Schläge ebenso ab wie ergonomisch geformte Griffe.
Bewegung ist gleichzeitig die beste Waffe gegen Nackenschmerzen: „Unser Gewebe braucht einen ständigen Wechsel aus Druck und Zug, um gut versorgt zu sein“, sagt Bartrow. Der sollte zumindest aus Krafttraining bestehen, das der Physiotherapeut als „Mehrzweckwaffe“ bezeichnet: „Es bringt den Muskel dazu, das zu tun, was er soll und kann.
Dehnen könne bei akuten Verspannungen auch guttun, wirkungsvoller seien aber Mobilisations- und Triggerpunktübungen verrät Bartrow: „Druckpunktübungen mit einem Tennisball eignen sich wunderbar als Erste-Hilfe-Maßnahme, denn sie machen die Muskeln sofort weich und elastisch.“ Zu Krafttraining rät Bartrow ein- bis zweimal pro Woche an Tagen, an denen das Fahrrad in der Garage bleibt. Gegen Nackenschmerzen nach der Radtour helfen auch Wärme und Kälte.
Tipps zur Vorbeugung
- ergonomische angepasste Arbeitsplätze, bewusste Pausen im Alltag und gezielte Bewegung.
- Doch dem können Sie gezielt entgegenwirken - mit mehr Bewusstsein für Ihre Haltung und gesundheitsorientiertem Krafttraining der tief liegenden Nackenmuskulatur.
- Baue Entspannungsübungen in dein Sportprogramm ein (auch Yoga, progressive Muskelentspannung oder Autogenes Training sind geeignet)
- Betreibe zusätzlich einen anderen, nackenschonenden Sport als Ausgleich (Schwimmen, Kajaksport, Bouldern, Nordic Walking, Tanzen, Ski-Langlauf, usw.)
Nackenschmerzen vermeiden beim Radfahren
Eine nackenschonende Körperhaltung auf dem Fahrrad erreichst du durch die folgenden Maßnahmen:
- Prüfe, ob dein Fahrrad in der Rahmen-Geometrie zu deiner Anatomie passt (Stack to Reach).
- Strebe eine nur leicht gebeugte Oberkörper-Haltung an, bei der du den Rücken gerade halten kannst und Kopf und Hals nicht verrenkt werden müssen.
- Die Arme sollten bei dieser Haltung ohne Anstrengung in den Ellbogen leicht angewinkelt sein, um Schläge abfangen zu können.
- Bewerkstelligen kannst du all dies über Anpassungen bei Sattelposition, Sattelneigung und Lenkerhöhe.
- Nutze einen Lenker mit 14° - 18° Winkelstellung, um die Nerven im Bereich der Handgelenke nicht unnötig einzuengen.
- Verwende ergonomisch geformte Lenkergriffe und gepolsterte Fahrradhandschuhe.
Die richtige Sitzposition
Je flacher ein Fahrer auf dem Rad sitzt, desto spitzer wird der Winkel zwischen Hals- und Brustwirbelsäule. Das bedeutet mehr Stress für den Nacken, weil die Muskulatur das Gewicht des Kopfs tragen muss. Auf einem sportlichen Gravelbike beispielsweise ist die Sitzposition gestreckt. Beim Greifen am Unterlenker wird sie sogar noch mal flacher, was die Muskulatur im Nacken deutlich stärker beansprucht.
Bei aufrechter Sitzposition, wie beispielsweise auf dem City- oder Hollandrad, steht der Sattel deutlich tiefer als der Lenker, und der Kopf sitzt beinahe senkrecht über der Wirbelsäule. Diese Sitzposition mit geradem Rücken ist ergonomischer, da die Muskulatur im Nacken und in den Schultern weniger Haltearbeit leisten muss. Die Gefahr für Verspannungen ist geringer.
Grundsätzlich gilt: nicht mit durchgestreckten Ellbogen fahren! Dadurch können die Arme Stöße aus dem Vorderrad schlechter abfangen, sodass diese bis in die Wirbelsäule schlagen.
Übungen gegen Nackenschmerzen
Kay Bartrow hat das Buch „Schmerzfreier Nacken“ geschrieben und kennt sich aus mit Problemen im Genick. Hier sind drei Übungen aus dem Buch:
Mobilisation: Sphinx
Stützen Sie sich in Bauchlage auf die Unterarme, das Becken bleibt am Boden. Drücken Sie den ganzen Oberkörper nach oben und schieben Sie Ihren Kopf nach vorne, sodass sich die gesamte Wirbelsäule in die Länge zieht. Kinn nicht zu stark anheben - der Nacken soll lang bleiben! ➜ 4 Durchgänge mit je 20-25 Wiederholungen
Kräftigung: Siegespose
Lockerer Stand, Hanteln in den Händen. Winkeln Sie die Arme ab, sodass die Hanteln auf Schulterhöhe sind. Dann strecken Sie die Arme samt Hanteln nach oben, strecken dabei die Ellenbogen aber nicht ganz. Bauchmuskeln währenddessen anspannen, ➜ 5 Durchgänge mit je 8-12 Wiederholungen
Entspannung: Druckpunkt
Legen Sie sich mit dem Rücken (Beine aufgestellt) auf einen kleinen Blackroll- oder Tennisball, der zwischen Wirbelsäule und Schulterblatt liegen sollte. Nicht bewegen. Lassen Sie den Druck des Balls in die Muskulatur zu. Halten Sie die Position, bis Druckschmerz und damit Muskelspannung deutlich nachlassen. Anschließend Ball auf die andere Seite der Wirbelsäule legen. ➜ mindestens 3-5 Minuten
Behandlung von Nackenschmerzen
Schmerzt der Nacken aufgrund solcher Verspannungen, sei das meist einfach zu lösen, verspricht der Mediziner. Wärme oder Kälte, Massagen, Mobilisations- und Triggerpunktübungen können helfen. Eine Anpassung der Sitzposition auf dem Rad kann auch sinnvoll sein.
Bei Kribbeln in den Armen oder in einzelnen Fingern, z. B. kleiner Finger und Ringfinger, können Reizungen der Nerven, die zwischen Hals- und Brustwirbelsäule austreten, oder ein Bandscheibenvorfall die Ursache sein. Dann sind Trainingspause, Kräftigungsübungen, ggf. Sitzposition anpassen, Arztbesuch, Physiotherapie sinnvoll.
Bei stechendem Schmerz direkt im Nacken, der sich bei Schlaglöchern noch verstärkt und einem steifen Nacken kann Verschleiß der Facettengelenke zwischen den Wirbelkörpern der Halswirbelsäule (Arthrose) die Ursache sein. Dann sind Arztbesuch und Kühlen angezeigt.
Treten doch mal Rückenschmerzen nach dem Fahrradfahren auf, bietet es sich an, die schmerzenden Muskeln mit Wärme zu behandeln, etwa in Form von schmerzlindernden Wärmepflastern. Die therapeutische Tiefenwärme entspannt das schmerzende Gewebe und wirkt auf natürliche Weise durchblutungsfördernd, ganz ohne Arzneistoffe.
Weitere Tipps
- Wenn Sie Ihren Nacken gezielt stärken möchten, ist das Training an der computergestützten Rückenmaschine Cervical Extension (CE) besonders hilfreich.
- Mit gezieltem Nackentraining bei Kieser stärken Sie die tief liegenden Muskeln rund um Ihre Halswirbelsäule.
- Mit unserem evidenzbasierten Krafttraining stärken Sie Ihre Muskulatur und Knochen gezielt und nachhaltig.
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