Nationalpark Bike Marathon Strecken: Eine unvergessliche Tour durch Graubünden

Jedes Jahr umrundet ein Bike-Marathon den Schweizer Nationalpark in Graubünden. Die Strecke ist landschaftlich beeindruckend. Nun hat unser Autor Andreas Kern die Hochgebirgsrunde noch mit einigen echten Supertrails versehen und um Seilbahn, Postauto und Rhätische Bahn ergänzt.

Für ambitionierte Biker mit Sinn für spektakuläre, alpine Urlandschaften gehört diese große Touren-Runde zum Besten, was Graubünden und die Schweiz zu bieten haben. Biken ist im Schweizerischen Nationalpark strengstens verboten. Macht aber nichts, denn die Route außen herum ist eine der lohnendsten in der Schweiz, wenn nicht sogar in den Alpen.

MTB-Tour rund um den Schweizerischen Nationalpark mit Trail-Varianten

Die Original-Runde des Bike Marathons um den Schweizerischen Nationalpark in Graubünden hat insgesamt 141,8 Kilometer und 3848 Höhenmeter. Touren-Bikern wird diese Strecke in vier Etappen empfohlen. Für unsere zweitägige Variante haben wir die Strecke modifiziert: mehr Trails und dafür mit Postauto und Rhätischer Bahn abgekürzt.

Im Nationalpark selbst (rätoromanisch: Parc Nazunial Svizzer) ist Mountainbiken streng verboten. Dafür lohnt die Umrundung mit Start und Ziel in Scuol sowie Übernachtungsstopp in Livigno umso mehr. In puncto fahrtechnische Schwierigkeiten gibt sich die Runde eher zahm, nur selten kratzt eine Passage mal am S3-Niveau. Dafür folgt ein landschaftlicher Paukenschlag auf den nächsten. Einziger Minuspunkt: die hohen Preise in der Schweiz, doch die Kosten lassen sich mit einer Übernachtung im italienischen Livigno abfedern.

Etappe 1: S-charl - Livigno

  • Länge: 50,6 Kilometer
  • Bergauf: 1749 Höhenmeter
  • Bergab: 1676 Tiefenmeter
  • Schwierigkeit: schwer

Tag eins beginnt nicht im Sattel, sondern im Postauto. Mit einem der „Gelben Engel für Radler“ lässt man sich morgens von der Stradun (Hauptstraße) in Scuol bis ins Val S-charl chauffieren. Ansonsten würde Tag eins zur Monsteretappe mutieren. Inmitten der sgraffito-verzierten Häuser von S-charl (1810 m) geht’s los Richtung Pass da Costainas.

An der Alp Astras (2135 m) biegt man rechts ab und schiebt und trägt sein Bike hoch zur Fuorcla Funtana da S-charl (2393 m). Oben wartet das Valbella mit einem der besten Trails Graubündens. Ein echter Geheimtipp! Der Trail endet direkt am Ofenpass (2149 m). Hier heißt es nach der Mittagspause: Richtung Jufplaun kurz schieben und tragen. Die Belohnung wartet am Passo Gallo (2279 m) in Form von schier unendlich vielen Switchbacks hinab zum Stausee.

Auch das Grande Finale nach Livigno muss man sich spätnachmittags hart verdienen. Die Auffahrt zum Passo Trela (2295 m) ist steil und hält auch wieder eine längere Schiebepassage bereit.

Wichtige Informationen für Etappe 1:

  • Startpunkt: Scuol
  • Parkplätze: Im Ortszentrum von Scuol sind alle kostenpflichtig. Wenige kostenlose Parkmöglichkeiten gibt’s am östlichen Ortsende beim Langlaufzentrum Manaröl.
  • Highlights: Das Val S-charl mit Bilderbuchdorf, Arvenwald God Tamangur, Ortlerblick an der Fuorcla Funtana da S-charl, die mystische Hochebene Jufplaun, fjordartige Stauseen von Livigno
  • Schlüsselstellen: 30 Minuten schieben und tragen zur Fuorcla Funtana da S-charl. Am Ofenpass: giftiges Tragestück Richtung Jufplaun. Hinter der Alpe Trela schiebt man 30 Minuten.
  • Einkehr: Gasthäuser in S-charl und direkt am Ofenpass, Sommerkiosk am Lago di S. Giacomo, Alpe Trela, Rifugio Alpisella, unzählige Restaurants in Livigno

Etappe 2: Livigno - Scuol

  • Länge: 53,3 Kilometer
  • Bergauf: 1108 Höhenmeter
  • Bergab: 2591 Tiefenmeter
  • Schwierigkeit: mittel

Tag zwei beginnt entspannt mit der Gondelfahrt von Livigno zur Bergstation Carosello 3000. Die liegt „nur“ auf 2750 Metern Höhe, bietet aber eine fantastische Aussicht zum Ortler und zur Bernina. Auf dem gebauten Trail durchs Val Federia zerfließt man schier vor lauter Flow. Nach dem obligatorischen Frühstücks-Boxenstopp in der Alpe Federia wartet der heutige „Scharf-richter“ - der legendäre Pass Chaschauna (2694 m).

Wer hier komplett hochkurbelt, hat nicht die schlechteste Kondition. Auf dem neu gebauten Trail surft man genial ins Val Chaschauna hinunter und weiter nach S-chanf. Ab hier geht’s immer talnah das Inntal hinunter nach Zernez. Von der Rhätischen Bahn kann man sich nach Ardez chauffieren lassen (24 Min. Fahrzeit) und dort nochmals trailsurfen gehen. Die spaßige Abfahrt zur Hängebrücke über den Inn muss man danach mit einer Schiebepassage bergauf bezahlen.

An der Burg Tarasp und den Grandhotels vorbei zurück nach Scuol.

Wichtige Informationen für Etappe 2:

  • Highlights: Die spektakulärsten Passagen an Tag zwei: die Carosello-3000-Bergstation und der Pass Chaschauna. Aber auch die Fahrt entlang des wilden Inns hat ihren Reiz. Am Ende wartet mit der Abfahrt zur Hängebrücke ein letztes landschaftliches und fahrtechnisches Highlight. Unbedingt einen Besuch wert: die Burg Tarasp.
  • Schlüsselstellen: Die ultrasteile Auffahrt aus dem Valle di Federia zum Pass Chaschauna hinauf ist für Normalos unfahrbar, Profis finden hier ein Kraftausdauer-Testpiece vom Feinsten. Der Rest von Tag zwei ist ein langes, landschaftlich grandioses „Ausradeln“. Kurz vor Scuol wartet noch die S3-Abfahrt hinunter zum Inn - und eine Schiebestrecke bergauf.
  • Einkehr: Einziger Spot für ein zweites Frühstück ist die Alpe Federia. Unten im Engadin bietet jedes Dorf ein Restaurant, in Zernez gibt’s auch einen kleinen Supermarkt in Bahnhofsnähe.

Weitere Infos zur MTB-Tour rund um den Schweizerischen Nationalpark

  • Anreise: Bester Start- und Zielpunkt für Biker aus Deutschland ist Scuol, der Hauptort des Unterengadins. Mit dem Auto: über den Fernpass nach Imst und Landeck. Ab hier aufwärts am Inn entlang über die Grenze in Martina bis Scuol. Die Anreise mit dem Zug ist möglich, aber kompliziert (mindestens zweimal Umsteigen ab München) und langwierig (mindestens 5:20 h). Infos: www.bahn.de
  • Übernachten: Wer aus der Mitte oder dem Norden Deutschlands kommt, will nicht unbedingt mitten in der Nacht losfahren, sondern tags zuvor entspannt anreisen. Übernachtungstipp in Scuol: die Bike-Villa von Werni Dirren und Basis von Supertrail Rides. Wer sich doch losreißen kann, kommt am Abend von Tag eins in Livigno an. Hier hat man vom Campingplatz bis zum Fünf-Sterne-Superior-Palast die Qual der Wahl. Wir übernachteten in dem kleinen, aber gemütlichen Hotel Del Bosco (www.hoteldelbosco.it) in der Via Teola 160. Einziges Problem: Das Hotel liegt nochmals 100 Meter über dem Zentrum von Livigno.
  • Bikeshops / Touren-Guide: Der gut sortierte Bikeshop Scuol von Engadin Adventures befindet sich direkt an der Talstation der Motta-Naluns-Seilbahn. Ex-Downhiller Andi Mair repariert (fast) alles. Hier kann man auch ein Bike mieten. Wer in Livigno technische Probleme hat, geht am besten zum The Bikestore in der Via Domenion 91. Wer sich in Scuol schockverliebt hat, sollte unbedingt noch ein paar Tage dranhängen und den ein oder anderen Alpin-Trail probieren - Local Xaver Frieser von Supertrail Rides kennt die besten.
  • Lift / Shuttle: Das erste Postauto von Scuol nach S-charl fährt um 7:35 Uhr. Diesen Bus sollte man unbedingt erwischen, wenn man den ambitionierten Tagesplan bis Livigno einhalten will! Infos: www.postauto.ch Achtung: Die Carosello-3000-Gondel am zweiten Tag fährt nur vom 25. Juni bis 18. September. Die Rhätische Bahn fährt dagegen das ganze Jahr.

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