Große News für alle Bosch-Rider: Bosch bringt ein großes Software-Update für das CX-Motorsystem mit neuen Modi sowie optionaler Leistungserhöhung, das langersehnte Bosch Kiox 400C-Display, einen brandneuen CX-R-Motor und weitere Verbesserungen für das Bosch ABS Pro. Wie schlagen sich die Bosch-MY26-Updates im Test?
Seit der Eurobike 2024 hat sich die E-MTB-Welt rasant geändert. Neue Motoren mit mehr Leistung, Traktionskontrollen und herausragender Performance-to-Weight-Ratio - nun reagiert der Branchenprimus Bosch mit einem dicken Software-Update für den Bosch CX Gen5-Motor, zahlreichen weiteren Updates sowie neuem Bosch Performance CX-R-Motor.
Bosch setzt beim MY26-Launch auf eine Mischung aus Software-Anpassung und Hardware-Upgrade.
Software-Update für Bosch Performance Line CX Gen5
Bosch setzt mit dem Software-Update für den Bosch Performance Line CX Gen5 ein klares Zeichen: mehr Leistung, wenn ihr wollt. Aber nur, wenn ihr wirklich wollt. Denn anstatt die höhere Motorpower automatisch freizuschalten, bedarf es einer aktiven Handlung des Riders, um das Leistungsplus zu bekommen.
Denn mehr Leistung und Drehmoment haben auch eine Kehrseite: einen höheren Verschleiß, einen höheren Verbrauch und weniger Reichweite - wenn ihr mit voller Unterstützungsleistung fahrt. Per kostenlosem Over-the-Air-Update über die eBike Flow App erhaltet ihr die neuen MY26-Modi mit optional höheren Leistungsdaten. Über die App könnt ihr dann die Konfiguration der Modi auf eurem E-MTB definieren.
Einfach die eBike Flow App herunterladen oder wenn schon getan, im App Store bzw. Google Play aktualisieren, euer E-MTB wie gewohnt damit verbinden und das Update starten. Keine Werkstatt, keine versteckten Kosten, das Ganze läuft schnell und direkt Over-the-Air.
Der neue eMTB+-Modus
Noch spannender: Der neue eMTB+-Modus, der sich zwischen den bestehenden eMTB- und Turbo- bzw. Race-Modus einfügt und damit der Leistungserhöhung auch den passenden Regelmechanismus an die Seite stellt. Der eMTB+-Modus ist ein dynamischer Fahrmodus, der, genau wie Tour+, eMTB oder Race, die Motorleistung an euren Input und das Gelände anpasst. Doch mit einer entscheidenden Weiterentwicklung: Dynamic Control.
Der Modus wechselt laufend zwischen zwei internen Leistungskennlinien: einer aggressiveren mit gewohnt direktem Ansprechverhalten und einer gedämpften, feinfühligen Charakteristik. Die Sensorik in der Drive Unit analysiert permanent Steigung, Untergrund und Pedaldruck.
Genau das macht der eMTB+-Modus: Er bringt die Kraft spürbar geregelter und dosierter auf den Boden. Gleichzeitig bleibt euch über Extended Boost die Möglichkeit, über kurze Pedalimpulse gezielt Leistung abzurufen. Zusätzlich lässt sich in der eBike Flow App die Abstimmung der Modi personalisieren: Wer den klassischen eMTB-Modus lieber für Touren nutzt, stellt diesen optimiert auf die Reichweite ein.
Nein - jeder Bosch CX-Motor mit Smart System, also auch Gen4, kann den neuen eMTB+-Modus nutzen, allerdings nur, wenn der jeweilige Hersteller ihn fürs Bike freigibt. Die Leistungserhöhung auf 100 Nm und 750 Watt bleibt dem Gen5 vorbehalten.
Bosch Kiox 400C-Display
Viele Bikes hatten sie - diese auffällige Aussparung im Oberrohr. Für ein Display, das es schlicht noch nicht gab. Mit dem Kiox 400C-Display steigt Bosch spät, aber mit hoher Qualität in die Liga der vollintegrierten Displays ein und ist damit einer der letzten großen Anbieter, nach den Displays von TQ, Specialized und DJI, der ein Oberrohr-Display nachreicht.
Das Display sitzt sauber und formschön im Oberrohr und ist mit zwei gummierten Tasten ausgestattet: eine zum Blättern durch die Seiten, die andere zur direkten Moduswahl. Beide punkten mit guter Haptik. In Kombination mit der Mini Remote ergibt sich ein durchdachtes, modernes Cockpit, das sich endlich nicht mehr wie ein Fremdkörper anfühlt.
Wer bereits ein Bike mit der erwähnten Aussparung fährt, wird sich freuen, aber auch fragen: Was kostet das? Kann ich das selbst einbauen oder muss der Händler ran? Hier bleibt Bosch bislang noch Antworten schuldig.
Bosch ABS Pro
Das Bosch ABS Pro verhindert gezielt das Blockieren des Vorderrads beim Bremsen, vor allem auf losem oder nassem Untergrund und sorgt so für deutlich mehr Kontrolle und vor allem: mehr Sicherheit. Das System funktioniert dabei nicht anders als beim Motorrad: Die Sensorik erfasst Drehzahlen und Verzögerung, ein Steuergerät regelt den Bremsdruck am Vorderrad und verhindert damit das Blockieren, das im Worst Case zum OTB (Over The Bars) führt.
Der bisherige Sensor am Hinterrad, inklusive störendem Kabel, entfällt komplett. Stattdessen sitzt die Sensorik jetzt versteckt in der Drive Unit. Das macht den Hinterbau des Bikes deutlich cleaner und optisch deutlich aufgeräumter. Zudem ist die Integration für die Hersteller nun einfacher.
Zugegeben, das ABS-System ist mit seiner kleinen Blackbox (dem Ausgleichsbehälter an der Gabel), den zusätzlichen Kabeln und dem Tonewheel an der Vorderradbremse nicht komplett unsichtbar.
Wichtig zu wissen: Das Bosch ABS Pro kann nicht nachgerüstet werden, es muss bereits werksseitig am Bike verbaut sein, in Kombination mit dem entsprechenden Bremssystem.
Unser Wunsch: Das ABS Pro funktioniert zwar sehr gut, was wir uns allerdings für die Zukunft wünschen: mehr Kompatibilität mit anderen Bremsen.
Der neue CX-R Motor
Mit dem neuen CX-R legt Bosch seinen stärksten Motor neu auf und zielt klar auf ambitionierte Trail-Rider und Racer. Im Vergleich zum bisherigen CX-Race-Modell gibt es spürbar mehr Leistung. Auch beim Material legt Bosch nach. Das Gehäuse besteht aus pulverbeschichtetem Magnesium, dazu gibt es eine Titan-Kurbelwelle und ein Keramiklager, die beide wiederum auf Robustheit und ein geringes Gewicht optimiert sind.
Der CX-R liefert ab Werk das volle Leistungspotenzial, also 100 Nm und 750 W, ohne zusätzliche Freischaltung per App. Wer die maximale Performance will, bekommt sie hier direkt ab Montage. Auch den Race-Modus und damit das direkte Ansprechverhalten sowie die hochwertigeren Materialien und das geringere Gewicht gibt es nur im CX-R. Und klar: Bosch positioniert den CX-R auch als exklusives Prestigeprodukt mit grau glänzendem Finish.
Über die Optik lässt sich streiten, über die Integration nicht: Genauso wie der aktuelle CX-Motor ist die asymmetrische Bauweise technisch und qualitativ sicherlich optimal. Doch die Integration ins Bike stellt für viele Hersteller nach wie vor einen großen Aufwand dar.
Neuer M+-Fahrmodus für eShift TRP-Schaltung
Wer nach dem Fahren bergab wieder in die Pedale tritt, kennt das Problem, so Bosch: Der eingelegte Gang passt oft nicht und ist zu schwer. Genau hier soll der neue M+-Fahrmodus von Bosch ansetzen. Das System erweitert eShift um eine clevere Automatik: Beim Rollen schaltet M+ selbständig in den passenden Gang, sodass der Wiedereinstieg flüssiger gelingt.
Beim aktiven Treten, also im Uphill oder in der Ebene, bleibt die Schaltung manuell, die Kontrolle also bei euch. M+ kombiniert damit automatisches Schalten beim Rollen mit manuellem Gangwechsel unter Last. Verfügbar ist der neue Modus ab Herbst 2025 per Over-the-Air-Update für Bikes mit TRP E.A.S.I.
In der Praxis funktionierte der M+-Modus während unserer Testsession in den Alpen meistens, war aber nur bedingt hilfreich. Beim Rollen bergab schaltet M+ zwar automatisch in einen schwereren Gang, sodass man nicht ins Leere tritt, trotzdem muss man beim nächsten Anstieg manuell wieder hochschalten. Immerhin ist nur ein Schalthebel nötig, weil man immer nur in den leichteren Gang schalten muss, das macht es etwas entspannter. Dennoch blieb für uns, gerade auf technischen Trails, der manuelle Modus oft die intuitivere und präzisere Lösung - auch deshalb, weil die TRP-Schaltung die Gänge teils sehr knackig einlegt.
Fazit
Mit dem MY26-Update bekommt der Bosch CX Gen5 nicht nur einen spürbaren Leistungsboost, er wird auch fahrtechnisch besser abgestimmt. Das Highlight ist ganz klar der neue eMTB+-Modus, der nicht nur kräftiger anschiebt, sondern deutlich mehr Traktion bietet. Die Traktionskontrolle Dynamic Control funktioniert sehr gut und muss sich vor DJI keinesfalls verstecken. Dank Extended Boost stellt der Motor auch dann Leistung bereit, wenn kein runder Pedaltritt mehr möglich ist.
Im Race-Modus zeigt der CX-R, für wen er gebaut wurde: für Rider mit präzisem Fahrstil, aktiver Linienwahl und einem sehr sicheren Gefühl fürs Timing. Denn wer hier im Stand den Fuß aufs Pedal legt, setzt das Bike sofort in Bewegung, was auf dem Trail mehr Konzentration und Können verlangt. Im Uphill ist der CX-R dafür eine echte Macht. Aber ganz ehrlich: Am liebsten fahren wir auch den CX-R im neuen eMTB+-Modus, denn so lässt sich der CX-R auch feinfühlig bewegen, wenn man die maximale Leistung nicht permanent abruft.
Wie viel Leistung am E-Bike braucht es überhaupt? Keine Frage: 1.000 Watt kann Bosch aktuell nicht liefern, so wie es DJI mit ihrem jüngsten Software-Update getan hat. Aber braucht es das? Mag sein, dass Bosch mit ihrem MY26-Software-Update nun nachziehen muss, um die Verkaufsargumente im Handel gegenüber DJI und Specialized zu stärken, doch sie machen es mit Bedacht.
Wir finden den Weg von Bosch sehr gut, die Leistungserhöhung nicht automatisch via Software-Update zur Verfügung zu stellen. Stattdessen muss der Kunde sich dazu aktiv entscheiden, das Mehr an Leistung zu aktivieren.
Die Impossible Climb Challenge in unserem Mega-Vergleichstest hat gezeigt, dass 600 Watt Maximalleistung mehr als ausreichend sein können und dass es am Ende für die Uphill-Fähigkeiten in technischem Gelände genauso stark auf das Bike, dessen Geometrie, Fahrwerk, Front und Reifen ankommt und häufig eher der Fahrer als das Bike der limitierende Faktor ist. Zudem hat sich gezeigt: (Traktions-)Kontrolle ist mindestens genauso wichtig wie die Leistung an sich. Ohne Kontrolle kriegt man die Leistung nicht auf den Trail.
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