Ducati Monster SP: Ein Testbericht

In der zweiten Episode der Ducati World Première 2023 präsentierte Ducati die neue Monster SP via Stream. Schon der Fahrtest der „Standard-Monster“ bei der Markteinführung Anfang 2021 zeigte: Ducati Monster - das steht für Fahrspaß garantiert. Nun wollen die Italiener mit der „SP“ noch einen draufsetzen.

Naked Bike in MotoGP-Optik

Die neue SP-Version zeichnet sich durch hochwertigere Komponenten aus, die das Motorrad leichter und somit sportlicher machen sollen. Der sportliche Charakter der Monster SP soll zudem durch die Lackierung in den 2022er-Farben der Desmosedici GP des Ducati Lenovo Teams, die goldene Eloxierung der Öhlins NIX30-Gabel und den serienmäßigen Schalldämpfer von Termignoni sofort ins Auge stechen. Auffällige Details sind die rote Sitzbank, das Monster-SP-Logo auf der Soziussitzabdeckung und das Logo von Ducati auf dem Kraftstofftank.

Ducati verspricht für die Monster SP eine bessere Bremsleistung, einen geringeren Gewichtstransfer sowie eine höhere Präzision in allen Fahrphasen.

Öhlins & Brembo - Gewichtsersparnis durch hochwertige Komponenten

Die voll einstellbaren Federelemente von Öhlins, deren Gabel 0,6 kg leichter ist als die der Monster und Monster +, erhöhen die Bodenfreiheit und vergrößern damit den maximal möglichen Schräglagenwinkel. Die Federelemente verfügen über eine sportlichere Abstimmung, wodurch die Monster SP beim Fahren auf kurvenreichen Straßen und auf der Rennstrecke profitieren soll.

Die Aufrüstung der Bremsanlage mit „Brembo Stylema“-Bremssätteln mit Innenringen aus Aluminium für die 320 mm großen vorderen Bremsscheiben spart rund ein halbes Kilo an Gewicht ein und soll die Bremsperformance erhöhen. Weitere zwei Kilogramm speckt die „SP“ durch die Verwendung einer Lithium-Ionen-Batterie ab. Da zusätzliche Komponenten wie ein Lenkungsdämpfer und die Cockpitverkleidung verbaut sind, beläuft sich die Gewichtsreduzierung im Vergleich auf zwei Kilogramm.

Sportliches Potenzial der Monster SP

Das sportliche Potenzial der Monster SP dürfte sich durch den Lenkungsdämpfer, der die Stabilität beim Beschleunigen und in Kurven verbessern soll, sowie durch die Erstausrüstung mit Pirelli Diablo Rosso IV-Reifen weiter erhöhen. Außerdem hat Ducati für die „SP“ alle Fahrmodi neu kalibriert, um die Änderungen am Fahrwerk zu berücksichtigen.

Hinzugekommen ist der neue Fahrmodus „Wet“. Dieser soll für mehr Sicherheit auf nasser Fahrbahn sorgen und wird die Leistungsfähigkeit des Motorrads an die Wetterverhältnisse anpassen und ergänzt die bekannten Fahrmodi „Sport“ und „Touring“. Alle Modi können über das 4,3-Zoll-TFT-Farbdisplay bedient werden. Zur Serienausstattung gehören wie auch beim Basismodell Kurven-ABS, Traktionskontrolle und Wheelie-Kontrolle. Alle Elektronikhilfen können individuell angepasst werden.

Als weitere elektronische Hilfe steht eine Launch Control zur Verfügung, die eine maximale Beschleunigung aus dem Stand heraus erlaubt.

Ducati Monster: Naked-Bike mit 111-PS-Motor

Zwar bleibt der aktuellen Monster-Generation die eigenwillige Monster-Silhouette erhalten, doch wurde das Design stark verändert. Das Modell wirkt mainstreamig, betont modern, luftig-leicht und wieselflink. Letzteres liegt unter anderem am leicht reduzierten Radstand, und dem um 18 auf 188 Kilogramm fahrfertig reduziertem Gewicht. Die 17-Zoll-Räder sind vorne mit 120/70er- und hinten mit 180/55er-Pneus bestückt.

Vorne gibt es eine Upside-down-Gabel mit 43er-Rohren, hinten eine Alu-Zweiarmschwinge. Die Bremsscheiben von Brembo mit radial montierten Vierkolben-Bremssätteln kommen auf 32 beziehungsweise 24,5 Zentimeter Durchmesser. Ganz traditionell wird die Monster von einem V2 angetrieben. In diesem Fall kommt der aus Multistrada oder Hypermotard bekannte Testastretta 11 in nurmehr einer Hubraumvariante mit 937 Kubikzentimeter zum Einsatz.

Dazu wurden die Assistenzsysteme verfeinert. Die Elektronik wurde speziell auf das neue Fahrwerk abgestimmt. Die Monster SP ist mit voll einstellbaren Federelemente von Öhlins ausgestattet, der Federweg wurde vorne und hinten leicht erhöht. Drei individualisierbare Fahrmodi sollen für entsprechend mehr Fahrspaß sorgen. Die neue, rote Lackierung wurde von der MotoGP inspiriert.

Der riesige Unterschied

Bei keiner anderen Sport-Version unseres Fünfer-Vergleichs ist der Abstand zur Basis so groß wie bei der Ducati Monster SP - mehr Elektronik, schärfere Geometrie und zusätzlich zum Öhlins-Federbein sogar eine Öhlins-Gabel an der Front! Ich möchte in diesem Vergleich natürlich möglichst objektiv bleiben und keines der fünf sportlichen Mittelklasse-Naked Bikes unglaubwürdig in den Himmel heben oder verunglimpfen.

Aber der Vergleich mit der eigenen Monster-Schwester sei mir an dieser Stelle bitte gestattet: Die Monster SP ist für mich nicht nur die zwar teurere, aber auch bessere Monster, sondern eigentlich die einzige Monster, die es geben sollte und müsste. Der riesige Unterschied nicht nur zur eigenen Schwester sondern auch zu den vier Konkurrentinnen ist das Fahrwerk. Nur weil Öhlins vorne und hinten drauf steht, müsste es natürlich nicht unbedingt besser sein, allerdings sind die vollständig verstellbaren Komponenten richtig sensibel und gut abgestimmt.

Keine Spur von unnötiger Härte oder gar schmerzhaftem Durchknallen, stattdessen steht sogar ausreichend Komfort für ein sportliches Naked Bike, das nicht nur auf der Rennstrecke, sondern auch auf der Landstraße angreifen will, zur Verfügung.

Die Bremsanlage

Ein weiterer Punkt, der auf der Ducati nicht nur besser als bei der hauseigenen Schwester ist, sondern auch den vier Kontrahentinnen in diesem Vergleich um nichts nachsteht, ist die Bremsanlage. So brachial zupacken, dabei aber präzise dosierbar bleiben, schafft kaum eine andere, wenn auch sowohl die KTM 890 Duke R und die Triumph Street Triple RS wie die Monster SP auf Brembo Stylema-Bremssättel vertrauen.

Die Bremse der Yamaha MT-09 SP wird dem sportlichen Anspruch jedenfalls nicht ganz gerecht und die Kawasaki Z900 SE hat bei aller Sportlichkeit immer noch eine etwas zahmere Anlage im direkten Vergleich. Dass die Monster SP mit unter 190 Kilo fahrfertig hinter der KTM die zweitleichteste Maschine ist, hat dabei offenbar nicht nur auf die gute Bremsperformance, sondern auch auf das Handling einen positiven Einfluss.

Da macht es einfach nur Spaß, die Monster SP durch die Kurven zu werfen und sich auf die Präzision aller anderen Komponenten wie eben Fahrwerk, Bremse und Quickshifter zu verlassen. Da kann man sogar verschmerzen, dass die Monster SP mit ihren 111 PS bei 9250 Umdrehungen die Schwächste im Vergleich ist, denn der Ducati-typische V2-Motor dreht kraftvoll hoch und liefert die Leistung in Kombination mit den Vibrationen, die man von einem Triebwerk aus Bologna erwarten darf.

In Sachen Elektronik passt ebenfalls alles, neben Kurven-ABS und schräglagenabhängiger Traktionskontrolle stehen auch Wheelie-Control, drei Fahrmodi, Launch-Control und Connectivity beim Farb-TFT-Cockpit zur Verfügung. Angesichts des vergleichsweise exorbitant hohen Preises wäre es aber auch vermessen, wenn die Monster SP keine umfangreiche Ausstattung böte.

Weitere Details

Maximaler Grip, Performance und Zielgenauigkeit sagt Continental selbst über den ContiSportAttack 4 - und liegt damit keineswegs falsch. Immerhin bot der CSA4 bei unseren ambitionierten Testfahrten auf den fünf sportlichen Nakeds mit seiner Blackchili-Gummimischung tatsächlich ordentlich Grip und Traktion sowie enorme Zielgenauigkeit beim Einlenken. Besonders fein war und ist die kurze Aufwärmzeit.

Der ContiSportAttack 4 braucht für einen Reifen, der auch für Rennstreckeneinsätze bei gelegentlichen Trackdays (am besten natürlich die 1000PS-Bridgestone Trackdays) genutzt werden kann, erstaunlich wenig Einfahrzeit. Geht es sehr sportlich zur Sache, erscheint das Fahrwerk an der Standard Monster etwas lasch. An der SP bleiben nun selbst bei den ambitioniertesten Manövern kaum mehr Wünsche offen.

Die feinen Öhlins Komponenten verhelfen zu mehr Performance und lassen sie extrem satt und präzise durch die Radien gleiten. Der Motor läuft im Vergleich mit der Konkurrenz recht rau, gleichzeitig begeistert aber der Druck, und die Drehfreudigkeit welche der V2 liefert. In Sachen Technik und Ausstattung muss angemerkt werden, dass das Elektronikpaket eines der besten im Test war - mit viel Spielraum auf individuelle Anpassungen.

Anders als bei der Schwester Ducati Monster passt alles viel stimmiger zusammen: Das voll verstellbare Öhlins-Fahrwerk erfüllt seinen Zweck optimal, die Brembo Stylema-Bremsanlage packt vehement zu und die Sitzposition ist zwar sportlich, aber immer noch angenehm. Sogar der Motor passt sehr gut in das Konzept, er will gedreht werden und liefert oben raus am meisten Power. Sucht man einen Makel, ist es am ehesten das Ruckeln des V2 in tiefen Drehzahlen.

Die SP-Version ist zwar die eindeutig teurere, aber auch eindeutig bessere Ducati Monster. Da passt einfach alles großartig, weil Ducati-typisch sportlich zusammen. Das voll verstellbare Öhlins-Fahrwerk (also auch die Gabel in Schwedengold!) erfüllt seinen Zweck optimal, die Brembo Stylema-Bremsanlage packt vehement, aber nicht unangenehm zu und die Sitzposition ist mit der etwas mehr nach vorne geneigten Ausrichtung zwar sportlich, aber immer noch angenehm.

Sogar der Motor passt sehr gut in das Konzept des sehr sportlichen Mittelklasse-Naked Bikes - er will gedreht werden und liefert oben raus am meisten Power. Sucht man einen Makel an der Monster SP ist es am ehesten das Ruckeln des V2 in tiefen Drehzahlen, wahre Fans des 90°-V2-Triebwerks stoßen sich daran aber keineswegs. Am Preis darf man sich ebenfalls nicht stoßen, die Italiener lassen sich die Performance der SP-Version ziemlich hoch vergüten.

Ducati Monster Leser-Experience 2024

Seit dem 2. August testen 4 MOTORRAD-LeserInnen die Ducati Monster. Regelmäßig berichten sie von ihren Erfahrungen und Testeindrücken mit der Monster.

Eindrücke nach 4 Testwochen von Maren Mydla

  • Was hat dich an der Monster überzeugt? "Ich bin nach 4 Wochen Leser-Test immer noch hin und weg vom Handling!"
  • Was hat dich an der Monster überrascht? Ich bin immer noch von dem guten Handling der Monster überrascht. Sie meistert auch bei schnellen Gangwechseln jede Situation.

Eindrücke nach 4 Testwochen von Marc Beckord

  • Marc, was hat dich an der Monster überzeugt? "Der Ducati Quickshifter (DQS) überzeugt mich so sehr und macht so einen Spaß, dass ich ihn auf meiner eigenen Maschine vermisse."
  • Was hat dich an der Monster überrascht? Überrascht hat mich, dass die Wärmeentwicklung des hinteren Zylinders auch bei aktuell hohen sommerlichen Temperaturen für den Motor nie kritisch wird. Die Lichtausbeute bei Nacht ist toll und das Kaltlauf-Ruckeln des Motors angenehm kurz.

Eindrücke nach 4 Testwochen von Markus Poser

  • Markus, was hat dich an der Monster überzeugt? "Überzeugend ist für mich immer noch der Look und die Tatsache, dass man die Monster wie ein Leichtkraftrad bewegen kann."
  • Was hat dich an der Monster überrascht? Überrascht hat mich dann doch eher im negativen, dass man bei Kleinigkeiten wie den Tankaufklebern, die Sparflamme angemacht hat. Hier stehen die Ecken des Schriftzuges ab, so dass man Angst hat, die Aufkleber nach dem Waschen in den Händen zu haben. Da erwarte ich von Ducati als Premium-Marke mehr. Positiv überrascht war ich, dass man im Soziusbetrieb sehr angenehm fahren kann. Der Durchzug ist wirklich top, und wenn man mit dem Schaltautomaten erst einmal vertraut ist, dann sorgt der für ein echtes Plus an Komfort.

Eindrücke nach 4 Testwochen von Steve Ziegler

  • Steve, was hat dich an der Monster überzeugt? "Mich hat das Gesamtkonzept Monster überzeugt. Das geringe Gewicht von 179 Kilogramm leer, Quickshifter, 111 PS und fast 100 Nm Drehmoment stehen der Monster wirklich sehr gut."
  • Was hat dich an der Monster überrascht? Das die Monster mir nach 2 weiteren Testwochen unheimlich viel Spaß bereitet und zu jederzeit kontrollierbar ist.

Tabelle: Technische Daten Ducati Monster SP

Merkmal Wert
Motor V2, Testastretta 11
Hubraum 937 Kubikzentimeter
Leistung 111 PS bei 9250 U/min
Gewicht fahrfertig 188 kg
Federung vorne Öhlins NIX30-Gabel
Bremsen vorne Brembo Stylema, 320 mm

Preis & Verfügbarkeit Ducati Monster SP

Die Ducati Monster SP soll zu einem Preis von mindestens 15.290,-- Euro ab Ende dieses Jahres in den Handel kommen. Sie wird auch in einer leistungsreduzierten A2-Version erhältlich sein. Auf der Intermot wird die neue Ducati nicht zu sehen sein.

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