Die Gemeinde Bad Zwischenahn hat eine neue orts- und gemeindeübergreifende Radwegeverbindung zwischen Bad Zwischenahn und Oldenburg geplant, um den Radverkehr nachhaltig zu fördern. Diese Verbindung ist insgesamt rund 10 km lang und verknüpft erstmals u.a. die großen Siedlungsgebiete Petersfehn (Gemeinde Bad Zwischenahn) und Friedrichsfehn (Gemeinde Edewecht) mit Bad Zwischenahn und der Stadt Oldenburg. Angebunden wurden auch das größte Gewerbegebiet der Gemeinde in Kayhauserfeld (rund 3.000 Beschäftigte) sowie das Schulzentrum in Bad Zwischenahn. Mit der Fahrradstraße nach Oldenburg über Specken, Kayhausen, Kayhauserfeld, Petersfehn I und II, Bloh, Kleefeld, Friedrichsfehn und Wildenloh leistet die Gemeinde Bad Zwischenahn einen Beitrag zur Verkehrswende im ländlichen Raum.
Planung und Umsetzung
Die Erarbeitung und Bekanntmachung der mit der Bekanntmachung bereitzustellenden Unterlagen erfolgte im Zeitraum von November 2021 bis März 2022. Von Juni 2022 bis Dezember 2023 hat die Gemeinde Bad Zwischenahn eine Fahrradstraße gebaut, die vom Zwischenahner Meer bis nach Oldenburg führt. Dabei werden die Bauerschaften Specken, Kayhausen, Kayhauserfeld, Petersfehn I und II, Bloh, Kleefeld, Friedrichsfehn und Wildenloh angebunden.
Finanzierung
Die neue Fahrradstraße ist insgesamt ca. 11 km lang und hat etwa 10 Millionen Euro gekostet. Sie wird mit gut 9 Millionen Euro aus dem Bundesprogramm „Stadt und Land“ gefördert. Daran ist die Bedingung geknüpft, dass die Fahrradstraße bis Ende 2023 fertig sein muss.
Herausforderungen
Für die Gemeinde Bad Zwischenahn stellte das enge Zeitfenster von 1,5 Jahren wohl die größte Herausforderung bei diesem Vorhaben dar. Amtsleiter Andreas Gronde zufolge ergaben sich durch die Baumaßnahmen auch erhebliche Einschränkungen für die Anwohner*innen, so dass die Gemeinde in vielen Gesprächen für Akzeptanz werben musste.
Ziele und Erwartungen
Ziel ist es, dass möglichst viele Menschen, die zwischen Bad Zwischenahn und Oldenburg bzw. den anliegenden Bauerschaften mit dem Auto unterwegs sind, aufs Fahrrad umsteigen. Der Gemeinde Bad Zwischenahn zufolge können pro Jahr bis zu 100 Tonnen CO2 eingespart werden. Vor allem der Berufs- und Schüler*innenverkehr soll durch die neue Fahrradstraße sicherer und komfortabler werden. Zusätzlich plant die Gemeinde Bad Zwischenahn weitere neue Radverbindungen, um das bestehende Wegenetz zu ergänzen und dabei auch Siedlungsbereiche in Edewecht und Oldenburg anzuschließen.
Gestaltung der Fahrradstraße
Auf der gesamten Strecke wird der motorisierte Durchgangsverkehr komplett ausgeschlossen, lediglich Anliegerverkehr ist in den meisten Bereichen erlaubt. Zwar können Anlieger*innen die Fahrradstraße mit bis zu 30 km/h befahren, das tatsächliche Tempo geben aber die Radfahrer*innen vor, an die sich der Anliegerverkehr anpassen muss. In den Bereichen, in denen Anliegerverkehr zugelassen ist, weist die Fahrradstraße daher innerorts eine Breite von 5 Metern und außerorts von 5,50 Metern auf. Denn es muss gewährleistet werden, dass Kraftfahrzeuge den vorgeschriebenen Mindestabstand beim Überholen einhalten können. In Bereichen ohne Anliegerverkehr ist die Fahrradstraße 3 Meter breit.
Ursprünglich war geplant, die gesamte Strecke zu asphaltieren. In wenigen Teilbereichen wurde nun doch in Pflasterbauweise gearbeitet, weil dort Gewässer und ein größerer Baumbestand angrenzen. Für einige Verwunderung sorgte zunächst der bis zu 1,3 Meter breite rote Mittelstreifen der Fahrradstraße. Dieser soll die Fahrbahn optisch schmaler machen, Autofahrer*innen sollen auf den ersten Blick erkennen, dass sie den Mittelstreifen überfahren müssen, wenn sie Radfahrer*innen überholen wollen. Das typische „Verkehrs-Rot“ weist dabei, wie es auch sonst in der Region üblich ist, besonders auf den Radverkehr hin.
Kritik und Diskussionen
Auch andere Aspekte sind durchaus umstritten. So wird von einigen Bürger*innen kritisiert, dass die gewählte Strecke gar nicht über das von der Gemeinde angegebene Potential verfüge, andere Strecken seien als Verbindung von Bad Zwischenahn nach Oldenburg besser geeignet. Darüber lässt sich sicherlich diskutieren, jedoch muss bei der Entscheidung für eine Strecke auch berücksichtigt werden, wo sich ein solches Vorhaben überhaupt umsetzen lässt. Der beliebte Radweg entlang der Bahnstrecke kommt dafür zum Beispiel nicht in Frage, weil das Grundstück der Deutschen Bahn gehört, die Gemeinde Bad Zwischenahn hat es nur gepachtet. Dass der Bestand des „Bahn-Radwegs“ nicht sicher ist, spricht gerade für den Ausbau einer alternativen Trasse.
Kritik wurde auch im Hinblick auf den Naturschutz geübt, da die Strecke durch Moorgebiet führt. In der Nähe der Fahrradstraße befinden sich außerdem Brutgebiete geschützter Vogelarten und es mussten auch Bäume gefällt werden. Konflikte zwischen Klimaschutz und Naturschutz werden auch beim weiteren Bau bzw. Ausbau von Radinfrastruktur im ländlichen Raum sicherlich für viele Diskussionen sorgen. Daher ist es besonders wichtig, dass Behörden, ADFC und Naturschutzverbände konstruktiv zusammenarbeiten, um jeweils die bestmögliche Lösung zu finden.
Insgesamt lässt sich feststellen, dass der Baumbestand weitgehend erhalten wurde. Der ursprünglich geplante Verlauf der Trasse musste noch einmal angepasst werden und verläuft daher nicht direkt durch Brutgebiete. Außerdem hat sich die Gemeinde Bad Zwischenahn für eine vergleichsweise schonende Bauweise entschieden, bei der der Moorkörper weitgehend erhalten bleibt.
Verlauf der Fahrradstraße
In Bad Zwischenahn beginnt die neue Fahrradstraße am Heiderosenweg, also recht zentral in der Nähe der Eisenbahnunterführung. Sie verläuft dann weiter über den Erikaweg zur Hermann-Löns-Straße. Das Ende befindet sich an der westlichen Stadtgrenze von Oldenburg. Die Fahrradstraße endet mit der Wildenlohslinie an der Einmündung zum Wildenlohsdamm. Die Verbindung führt also in Richtung Bloherfelde und Eversten. Wer relativ entspannt in Richtung der Oldenburger Innenstadt weiterradeln möchte, kann der ausgeschilderten "Route um Oldenburg" entlang des Bloherfelder Wasserzugs folgen.
Verkehrssicherheit und Verhalten
Wo es keinen Fußweg oder Seitenstreifen gibt, dürfen Fußgänger*innen auf der Fahrbahn gehen. Außerorts gehen Fußgänger*innen am linken Fahrbahnrand. Wenn es innerorts keinen Fußweg gibt, dürfen sie am linken oder rechten Fahrbahnrand gehen. Gehen Fußgänger*innen auf der Fahrbahn, dürfen Radfahrer*innen nur mit ausreichend Abstand bzw. entsprechend angepasster Geschwindigkeit vorbeifahren.
Eröffnung und Würdigung
Nach nicht ganz zwei Jahren Bauzeit ist die Fahrradstraße von Bad Zwischenahn nach Oldenburg Ende April 2024 feierlich eröffnet worden. Sie verläuft ab Bad Zwischenahn über Specken, Kayhausen, Kayhauserfeld, Petersfehn I und II, und Wildenloh. Verkehrsminister Olaf Lies betonte, dass dies nicht nur die längste Fahrradstraße außerorts in Niedersachsen ist, sondern auch einen großen Schritt hin zu einer angenehmeren und nachhaltigen Mobilität darstellt. Bürgermeister Henning Dierks hob die Bedeutung der Fahrradstraße für die Verkehrspolitik und den Klimaschutz hervor und betonte, dass sie eine sichere und komfortable Direktverbindung von und nach Oldenburg bietet.
Knotenpunktsystem im Ammerland
Das Radverkehrssystem in Bad Zwischenahn und im gesamten Ammerland befindet sich auf höchsten modernen Stand. Erkunden Sie die Ammerländer Parklandschaft bei einer Radtour und nutzen Sie dabei ganz einfach unser top ausgeschildertes Knotenpunktsystem. Im gesamten Ammerland kommt flächendeckend ein so genanntes Knotenpunktsystem zum Einsatz. Und das getreu nach dem niederländischen Vorbild. Hunderte Kontenpunkte dienen dabei als zentrale Orientierungsstütze. Sich mit dem Fahrrad verirren ist kaum mehr möglich. Fahren Sie auf Ihrer gewählten Strecke einfach die zuvor von Ihnen notierten Knotenpunkte ab. Hinweisschilder mit Pfeilen zu den nächsten Knotenpunkten helfen zusätzlich zur Orientierung. Sie radeln quasi nach Zahlen.
Mehrere Infotafeln mit Radkarten und dem Ammerländer Routennetz sorgen zusätzlich für noch mehr Orientierungshilfen. Mithilfe der Tafeln lässt sich Ihre Route individuell verändern. Sie entscheiden, ob Sie spontan verkürzen oder Ihre Radtour ausdehnen wollen. Für eine einfache Orientierung ist das Knotenpunktsystem ideal. Zahlreiche Armwegweiser (Richtungsschilder), Zwischenwegweiser und Infotafeln helfen zusätzlich, sich jederzeit in jedem Ammerländer Örtchen zurechtzufinden.
Das Knotenpunktsystem in Bad Zwischenahn ist Teil des Radverkehrsnetzes im Ammerland besteht aus über 300 Knotenpunkten. Die Knotenpunkte sind mit den Zahlen von 01 bis 99 markiert. Durch die Verbindung der Knotenpunkte können Radfahrer ihre eigene Route im Ammerland planen. Die Knotenpunkte sind als "Hütchen" auf Wegweisern montiert, die die Richtung in die nächste Zwischenahner Bauerschaft anzeigen.
| Merkmal | Details |
|---|---|
| Länge | ca. 11 km |
| Kosten | ca. 10 Millionen Euro |
| Förderung | 9 Millionen Euro aus dem Bundesprogramm „Stadt und Land“ |
| Verlauf | Von Bad Zwischenahn über Specken, Kayhausen, Kayhauserfeld, Petersfehn I/II, Bloh, Kleefeld, Friedrichsfehn und Wildenloh nach Oldenburg |
| Ziel | Förderung des Radverkehrs, Verkehrswende, CO2-Einsparung |
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