Die Geschichte der Norton Motorradmodelle

Norton Motorcycles, ein Name, der in der Welt der Motorräder für Tradition, Innovation und sportliche Erfolge steht. Die Geschichte dieser britischen Marke ist reich an Höhen und Tiefen, von glorreichen Siegen auf der Rennstrecke bis hin zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten und Wiederbelebungsversuchen. Dieser Artikel beleuchtet die wichtigsten Etappen und Modelle in der Geschichte von Norton.

Die Anfänge und Etablierung des Mythos

Die Gründung des Ursprungsunternehmens Norton Manufacturing Co. fand 1898 durch James Lansdowne Norton in Wolverhampton statt. Ab 1913 begann die englische Firma damit, Motorräder zu produzieren. Das erste Motorrad, das von James H. Norton entwickelt wurde, war ein Einzelstück, das er 1902 größtenteils aus Teilen anderer Marken zusammensetzte.

Die Norton-Rennmaschinen hatten in den 1920er Jahren schon eine beeindruckende Siegesserie hingelegt. Dabei hielt man an der seit 1911 verwendeten langhubigen Dimensionierung von 79/100 mm bei vielen Modellen über Jahrzehnte fest. Der ab 1929 eingesetzte OHC Motor wurde zum Synonym für Norton, leistungsstark und standfest. Der Mythos der „Unapproachable Norton“ wurde durch Seriensiege der CS1, der International- und Manx- Modelle weiter manifestiert.

Diese CS1 von 1929 zeigt noch einige Konstruktionsdetails, die von Walter William Moore designed wurden und sich auch in seinem späteren NSU Supersport Bullus Design wiederfinden. Nach seinem Wechsel von Norton zu NSU wurde der Norton-Motor von Arthur Carrol und Joe Craig redesigned und war bereit für eine weitere erfolgreiche Evolutionsgeschichte, die über drei Jahrzehnte weitergeführt wurde.

Technische Daten (CS1, 1929)

  • Motor: 490 ccm, Einzylinder, 4-Takt, OHC, Königswelle
  • Bohrung/Hub: 79/100 mm
  • Leistung: ca. 25 PS
  • Getriebe: 3-Gang

Erfolge im Rennsport

Das bis heute bekannte und berüchtigte Isle of Man Motorradrennen, der Tourist Trophy, gewann ein Norton Motorrad beim ersten Lauf 1907. Ab diesem Zeitpunkt begann der Siegeszug von Norton und machte diese zu der erfolgreichsten europäischen Motorradmarke. Norton war auch im Motorradrennsport sehr erfolgreich und holte zwischen 1949 und 1952 acht Fahrertitel sowie neun Konstrukteurstitel im Rahmen der Motorrad-WM.

Schon 1927 wurde die Norton mit dem flachen Stecktank durch ein neues, noch schnelleres Modell ersetzt. Damit kam der ohc-Motor von Walter Moore ins Spiel, der Norton vom Start weg in den Motorradolymp katapultierte. Dabei nahmen die unterschiedlichen Bauserien auch an Motorradwettbewerben teil, bei denen sie zahlreiche Siege errangen. So siegte 1924 Alec Bennett mit einer ohv-Norton auf der Senior-TT. Mit dem berühmten Walter Moore im Seitenwagen gelang G.H. Tucker im gleichen Jahr der Sieg der Gespann-TT. Diese Erfolgsgeschichte ging weiter: 1926 siegte der berühmte Stanley Woods mit einer Norton ohv auf der TT. Und auch Nortons zukünftiger Rennleiter und Konstrukteur Joe Craig gewann mit ihr viermal hintereinander den Ulster-GP.

Kriegsjahre und Nachkriegszeit

Wirtschaftlich von größer Bedeutung war auch die Tatsache von Vorteil das Norton zu Beginn des Zweiten Weltkrieges Motorräder der berühmten 16er Serie in modifizierter Form in sehr großen Stückzahlen für das britische Militär auslieferte. Ein großer Teil der über 100.000 Stück großen Serie wurden nach dem zweiten Weltkrieg wieder von der Armee zurück in die Wirtschaft verkauft und lief in privaten Händen noch viele Jahre bzw. einige Maschinen tun dies heute noch.

Nach dem Krieg wird die Produktion wieder aufgenommen, die Modelle 16 und 18 sind jedoch veraltet, der Absatz bricht zusehends weg, daher muß die Entwicklung neuer Modelle forciert werden. Die Zweizylinder Modelle werden ab 1947 serienmäßig eingeführt und lösen die Einzylinder auf der Beliebtheitsskala der Käufer ab. Diese werden sogar 1963 komplett aus der Produktion gestrichen. Ein Novum in der Geschichte von Norton.

Die Ära der Commando und wirtschaftliche Schwierigkeiten

Kurzfristige Besserung erhofft man sich durch die Eingliederung in einen Firmenverbund, gemeinsam mit verschiedenen anderen britischen Motorradmarken wie Matchless oder A.J.S., den AMC Associated Motor Cycles, den Verbundenen Motorradwerken. Leider half das der Marke Norton kaum, 1960 wurde der Konkurs angemeldet und alles was Norton betraf direkt an AMC verkauft. Auch hier war trotz neuer Modelle und der Weiterführung der bekannten Marke Norton den Wettbewerb zu stark. Bei einem erneuten Konkurs 1974 wurde die Marke Norton gemeinsam mit Villiers verkauft. Trotz aller Versuche, der negativen Entwicklung der britischen Motorradindustrie entgegenzuwirken, musste die Firma 1972 zu Norton-Villiers umfirmiert werden. 1974 ließ sich der Konkurs trotz Staatshilfen nicht mehr vermeiden.

Bis 1977 fertigte man lediglich das Modell Norton Commando in geringer Stückzahl an. Immer wieder wechselte das Werk seinen Besitzer. Trotzdem wollte sich kein wirtschaftlicher Erfolg einstellen.

John Player Norton (1973)

Eigentlich ein Anachronismus auf Rädern, dennoch wurde die 1973er-John Player Norton mit ihrem wegweisenden Monocoque-Chassis zur Legende. Sie besiegte stärkere Gegner und nahm viele Konstruktionsmerkmale aktueller GP-Renner vorweg. Von der Monocoque-JPN wurden nur drei Exemplare gebaut (plus einem vierten Prototypen-Chassis), und diese auch nur für die Saison 1973. Der unerwartete TT-Sieg mit Peter Williams beim Formula 750-Rennen auf der Isle of Man machte sie jedoch zur Legende, die bis heute als Gradmesser für moderne Rennmotorräder gilt.

Die Geschichte der John Player Norton begann 1971 und ist untrennbar mit Peter Williams verbunden. Norton-Boss Dennis Poore gab Williams den Bau eines Prototypen mit dem 750er-Commando-Triebwerk in Auftrag. Die in Thruxton beheimatete Rennabteilung von Norton-Villiers übernahm die Entwicklung der Rennmaschine, die neben Williams vom frischgebackenen 250er-Weltmeister Phil Read gefahren werden sollte. Als Team-Manager konnte außerdem der frühere Suzuki-Werksfahrer Frank Perris gewonnen werden.

Die entscheidende Geburtshilfe für das John Player Norton-Team leistete jedoch Dennis Poore, dem es als ehemaligem Autorennfahrer gelang, seine Kontakte in die Rennszene zu nutzen und Imperial Tobacco dieses Projekt schmackhaft zu machen. Der Tabakhersteller hatte 1968 mit der Marke „Gold Leaf“ auf den Formel 1-Rennwagen von Lotus das Zigarettensponsoring im Rennsport salonfähig gemacht. Und sollte mit der Marke John Player nun auch bei den Motorrädern als Sponsor des Norton-Rennstalls zum Vorreiter werden.

Technische Details der John Player Norton

  • Motor: 750er-Commando-Triebwerk
  • Leistung am Hinterrad: ca. 67 PS bei 7200 U/min
  • Leistung an der Kurbelwelle: 76 PS
  • Cw-Wert: 0,39
  • Gewicht (trocken): 159 kg

Neuanfang und Expansion

Aber auch weiterhin war die Marke Norton immer wieder von Veränderung geprägt, Mitte der 1980 Jahre firmierte man wieder als Norton Motors Limited um wirtschaftlich wieder etwas Fuß zu fassen, dieser kleine Erfolg half aber wenig, immer wieder musste um die Erhaltung der einst so erfolgreichen Marke gebangt werden. Dabei wird das bekannte Modell Commando in verschiedenen Varianten angeboten und auch da das Know How vorhanden ist, der Rennsport weiter gefördert.

Norton Motorcycles, Teil der TVS Motor Company Group, kündigte auf dem Goodwood Festival of Speed 2024 seine Pläne für eine weltweite Expansion an. Mit einer Investition von £200 Millionen (ca. Auf dem Goodwood Festival of Speed begrüßte Norton eine Delegation internationaler Journalisten. Das Führungsteam - bestehend aus Sudarshan Venu, Dr. Robert Hentschel und Richard Arnold - präsentierte die Vision der Marke und erläuterte die Strategie für die globale Expansion. Ab dem nächsten Jahr sollen sechs neue Modelle über einen Zeitraum von drei Jahren eingeführt werden. Diese neuen Norton-Motorräder folgen der Firmenphilosophie „Design, Dynamik und Detail“.

Dank der Investitionen von TVS Motor wurde die Forschung und Entwicklung bei Norton erheblich verbessert. Dies zeigt sich im One of One V4SV, inspiriert von Steve Hislop’s „White Charger“, der jeden Tag des Festivals den Goodwood Hillclimb meisterte. In diesem Jahr wurde zudem die Erfüllung und Lieferung von Bestellungen für Kunden der vorherigen Firma abgeschlossen, nach einer Investition von £2.3 Millionen (ca. 2.6 Millionen Euro, 2.9 Millionen USD) in die Entwicklung und Re-Engineering der Commando- und V4-Plattformen.

Das "One-of-One"-Programm

Hintergrund für die Replika der RCW588 "White Charger" auf Basis der aktuellen Norton V4 SV ist das neue "One-of-One"-Programm von Norton. Dieses Programm bietet die Chance, die eigene Norton noch vor Fertigung nach den eigenen Wünschen lackieren zu lassen. Dazu folgt der Beschreibung der Wünsche ein Designvorschlag von Norton. Der Bau der selbstgestalteten Norton V4 SV, CR oder der 961 Commando dauert dann 4 bis 6 Monate. In der Zeit werden immer wieder Updates des Designs per Video gesendet oder selbst der Besuch im Werk ermöglicht.

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