Malerische Fjorde, unendliche Wälder und eine unberührte Wildnis - Skandinavien ist nicht ohne Grund ein Paradies für Naturliebhaber. Das gilt allerdings nicht nur für Wanderer, Campingurlauber und Co., sondern auch für Radfahrer. Die weitläufigen Landschaften und die unzähligen gut ausgebauten Radrouten bieten ideale Bedingungen für ausgedehnte Zweiradtouren für jeden Geschmack und jedes Können.
Warum Skandinavien für Radreisen?
Wenn du eine Radreise in Skandinavien unternehmen willst, führt dich dein Weg aller Wahrscheinlichkeit nach Dänemark, Finnland, Norwegen oder Schweden. Zwar gibt es bisweilen auch Radtouristen, die es auf die Färöer-Inseln oder nach Island verschlägt, jedoch ist dort die Streckenauswahl stark begrenzt.
- Dänemark: Bekannt für seine flachen Strecken und gut ausgebaute Radinfrastruktur.
- Finnland: Ein skandinavischer Geheimtipp mit idyllischen Seen und tiefen Wäldern.
- Norwegen: Bietet vielfältige Landschaften und Herausforderungen, von gemütlichen Ausflügen bis zu schweißtreibenden Radtouren in Fjorden.
- Schweden: Das beliebteste Ziel aufgrund seiner radfahrfreundlichen Topografie und der großen Auswahl an Radwegen.
Radfahren in Norwegen
Ob gemütlicher Ausflug durch malerische Städtchen oder schweißtreibende Radtour in die tief eingeschnittenen Fjorde - in der vielfältigen Landschaft Norwegens finden Radfahrer immer die passende Herausforderung. Es kommt daher nicht von ungefähr, dass die Begeisterung für Radtouren in Norwegen laut des Tourismusverbandes „Visit Norway“ in den letzten Jahren stark zugenommen hat.
Beliebte Radrouten in Norwegen
Norwegen ist dabei auch die Top-Adresse für alle, die es richtig sportlich mögen. So gibt es unter anderem in Hafjell, Trysil und Geilo große Bikeparks. Das 543 Kilometer lange Rennradrennen Trondheim-Oslo, auch Styrkeprøven genannt (die große Kraftprobe), gilt unter Hobbyradfahrern als besondere Herausforderung.
- Rallarvegen (82 km): Wegen seiner Geschichte wird der Rallarvegen Bahnarbeiterweg genannt.
- EuroVelo 1 - Atlantikküstenroute (2.727 km): Der norwegische Abschnitt führt vom Nordkap an der Atlantikküste entlang bis nach Bergen.
- Die Pilgerroute - Halden - Oslo - Nidaros (600 km): Einmal quer durchs Land, von der schwedischen Grenze in die Hauptstadt und weiter bis nach Trondheim.
- Die Kanalroute (466 km): Noch kürzer ist die Kanalroute. Zwar führt diese Route einmal quer durchs Land, beinhaltet aber viele Highlights.
- Fjorde und Berge - Bergen - Finse - Oslo (1.000 km): Für alle, die Berge und Höhenmeter lieben.
- Die Numedal-Route (950 km): Auch hier geht es hoch hinaus.
Tipps zur Planung einer Radtour in Norwegen
Bei der Planung einer Solo-Radtour oder Reise gibt es viele Fragen zu berücksichtigen. Die folgenden Abschnitte helfen dir, deine Tour optimal vorzubereiten und durchzuführen.
1. Zielsetzung: Suche dir ein Ziel!
Die Vorstellung, irgendwo allein unterwegs zu sein, kann befremdlich wirken. Doch es gibt viele Gründe, warum es sich lohnt, allein mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Manchmal möchte man einfach nur raus und seinen Gedanken freien Lauf lassen, sich bewegen und machen, worauf man Lust hat. Oder es geht für mehrere Tage weg.
Eine Solo-Tour, die ich plane, hat meist ein bestimmtes Ziel, das örtlich, Personen oder Event bezogen sein kann. Es motiviert mich während der Tour sehr, mir solche Vorgaben zu geben. Wie schön das Radfahren sonst auch sein mag, nicht immer klappt alles wie geplant. Doch mit meinem Ziel vor Augen bin ich meist eher gewillt, weiter zu fahren, falls es mal nicht so gut läuft.
Persönliche Ziele, wie die ersten 200 km am Stück fahren, sind hilfreich, aber auch nicht in Stein gemeißelt! Für mich ist es wichtig, dass Ziele erreichbar erscheinen und gegebenenfalls anpassbar sind! Sei es eine bestimmte Streckenlänge, die erste Übernachtung draußen allein oder das Erreichen eines bestimmten Ortes (in einer bestimmten Zeit) - du bestimmst, was du machen möchtest! Und zwar nur du!
2. Grenzen: Kenne deine Grenzen und teste sie!
Persönliche Grenzen helfen mir abzustecken, wie weit ich gehen möchte - sei es mit meinen körperlichen Fähigkeiten oder im mentalen und persönlichen Rahmen. Wie weit kann ich überhaupt fahren, bevor mein Körper erschöpft ist oder ich einfach keine Lust mehr habe? Traue ich mich allein nachts mit dem Rad durch den Wald zu fahren? Wie sicher fühle ich mich unterwegs auf dem Fahrrad? Wie weit entferne ich mich aus meiner Komfortzone?
Einige Grenzen müssen nicht starr sein und können sich verändern. Ab und zu mag ich es, meine persönlichen, körperlichen und mentalen Grenzen auf dem Fahrrad zu prüfen, kennenzulernen oder gar zu erweitern! Doch wie funktioniert das für etwas, was du noch nie gemacht hast? Schwierige Frage und doch wieder nicht. Der Sprung ins kalte Wasser kann sehr lehrreich sein, aber er ist nicht immer notwendig.
Etwas allein machen zu können, heißt nicht, es allein lernen zu müssen! Mir hat es sehr geholfen, mich mit Freunden auszutauschen und mit dem Fahrrad raus zu fahren und zu reisen. Dabei begann ich ein Gefühl für meine Fähigkeiten zu entwickeln, zu testen, wie weit ich mit dem Rad fahren kann oder was ich eigentlich wirklich auf einer Tour brauche. Irgendwann kommt er dann, der Schritt nach vorn und rein ins Solo-Abenteuer.
Weißt du, wie lange du auf dem Rad sitzen kannst, bevor du keine Lust mehr hast oder spürst, dass es reicht? Finde es doch heraus! Denn für die Routenplanung kann es hilfreich sein, zu wissen, welche Distanzen du radfahren kannst, falls du bestimmte Tagesstreckenlängen berechnen willst. Natürlich spielen auch Terrain, Wetter und Stimmung mit rein, doch mit jeder Tour lernst du dazu. Erst sind es vielleicht 30 km, dann 50, dann 80 und schließlich die magische 100 km Grenze. Distanzen sind für dich irrelevant? Auch gut. Du kannst auch von Ort zu Ort, Café zu Café oder in Stunden fahren. Ich meine, was ist eine bessere Motivation, als von Eisdiele zu Eisdiele zu radeln? Außerdem hält es dich davon ab, ständig auf diesen Kilometerstand zu schauen!
3. Vorbereitung: Bereite dich vor & teste deine Ausrüstung!
Einfach mit dem Fahrrad losfahren und herausfinden, was für dich funktioniert, ist für Tagesausfahrten eine ganz schöne Variante, denn zu viel Planen kann dich auch verrückt und unsicher machen. Andererseits sorgt ein wenig Vorbereitung bei längeren Touren oder Reisen auch dafür, dass es dann währenddessen alles etwas entspannter abläuft. Das Thema richtige Vorbereitung kann also sehr individuell ablaufen. Wie bereits im Abschnitt Zielsetzung formuliert, gehöre ich eher zur Fraktion: Ausführlich planen. Ich informiere mich einfach gern vorher und prüfe, was mich erwarten kann auf meiner Strecke. Dadurch erhalte ich ein gewisses Gefühl von Planungssicherheit und Stressfreiheit.
Für mich inkludiert das…
- die Wahl des passenden Fahrrads (inkl. Teile, also passende Reifen, Übersetzung, Sattel usw.).
- das Planen einer Route (obwohl selbst das optional sein kann, aber zur besseren Orientierung und Zeiteinschätzung beiträgt).
- zu entscheiden, wie ich navigiere (Smartphone, Navigationsgerät, Papierkarte, Schilder)?
- herauszufinden, wie ich anreise, falls ich nicht von zu Hause losfahre (Bahn, Fähre, Flieger).
- die Entscheidung, wo und wie ich essen will (Kocher, Imbiss, Restaurant, Supermarkt?).
- die Suche nach Verpflegungspunkten (und gegebenenfalls Übernachtungsorten).
- das Packen der passenden Ausrüstung.
- das eigene Fahrrad zu kennen und z.B. einen Platten flicken zu können.
- regionale Besonderheiten zu prüfen.
- Notfallkontakte und Versicherung (besonders bei Auslandreisen) parat haben.
Wenn ich ein neues Fahrrad habe oder neue Ausrüstung, führe ich diese normalerweise vor einer Reise erst einmal auf eine Testfahrt aus. So mache ich mich mit allem vertraut und kenne bei einer längeren Tour mein Equipment. Ich weiß es zu nutzen oder gar zu reparieren. Du musst dein Fahrrad nicht komplett auseinander nehmen können - auch wenn das bestimmt ein Bonus ist, den ich auch nicht bieten kann ;-).
Aber zumindest das Laufrad ausbauen und einen Schlauch flicken und wechseln können oder die Kette wieder einhängen, sind ein leicht zu lernendes Pflichtprogramm. Es gibt zahlreiche Anleitungen online, Videos, Texte und Fotos. Das vermittelt auch für eine mögliche Panne unterwegs mehr Ruhe und Sicherheit, auch wenn es immer ein nerviges Übel ist.
4. Equipment: Finde heraus, was du wirklich brauchst!
Die Frage der Ausrüstung ist eine ganz individuelle und definitiv abhängig von der Reiseregion und Infrastruktur: Für eine Tagestour brauche ich nicht viel mehr als mein Fahrrad, Getränke, Snacks und vielleicht ein Repair-Kit, eine Pumpe und Werkzeug. Für eine Radreise darf es etwas mehr sein: Je nach Ort und Art der Tour kann die Ausrüstung stark variieren.
Folgende Fragen können außerdem bei der Ausrüstungswahl helfen:
- Was habe ich vor? Will ich weit reisen und muss möglichst viel mitnehmen, plane ich Übernachtungs- oder Mehrtagestouren oder möchte ich eher Tagestouren angehen?
- Wie sind die Wetteraussichten? Inwiefern beeinflusst das mein Ausrüstung und meine Kleidung?
- Schlafe ich in Pensionen und spare mir Gepäck oder nehme ich Zelt und Schlafsack mit und campe? Je nachdem, was in meiner Reiseregion vorhanden ist oder wie ich bevorzuge unterwegs zu sein, macht diese eine riesigen Unterschied, in der Art und Menge an Ausrüstung.
- Will ich mit klassischem Radreise Set-Up und Gepäckträger fahren oder lieber im Bikepacking-Modus alles ans Rad schnallen? Vollausstattung oder Minimalismus? Wo bekomme ich rein, was ich mitnehmen will?
- Wo und wie esse ich? Nehme ich eine Kocher mit oder kehre ich ein bzw. verpflege ich mich vor Ort?
- Was kann ich mir an Equipment leihen, was habe ich und was muss ich kaufen?
Nicht alles muss oder kann sofort gekauft werden! Je nach Reiseplan, kann das schnell teuer werden. Warum also nicht leihen oder gebraucht kaufen? Gerade wenn die Sachen nicht regemäßig in Benutzung sind, ergibt das Kaufen wenig Sinn. Frag im Freundeskreis herum oder gar via Social Media! Ich habe mir schon Reisrucksack, Schlafsack oder Zelt ausgeliehen und bin sehr gut damit gefahren. Über die Zeit kam dann nach und nach meine eigene Ausrüstung hinzu!
Anreise nach Norwegen
Du hast deine Radreise geplant? Dann musst du nur noch die Anreise organisieren.
- Dänemark: Die Anreise nach Dänemark ist am einfachsten. Das deutsche Nachbarland erreichst du am besten per Bus oder Zug. Je nach Ausgangsort oder Ziel kann auch eine Fähre sinnvoll sein.
- Finnland: Wesentlich komplexer ist die Anreise nach Finnland. Hier ist meist das Flugzeug das Reisemittel der Wahl. Eine Fährstrecke zwischen Deutschland und Finnland gibt es von Travemünde nach Helsinki.
- Norwegen: In Norwegen hängt das Reisemittel stark vom Ziel ab. Wer zum Nordkap möchte, gelangt dorthin am einfachsten mit dem Flugzeug. Ansonsten sind der Zug und die Fähre umweltfreundlichere Alternativen.
- Schweden: Auch in Schweden hängt das Reisemittel vom Ziel ab. Südschweden ist ähnlich wie Dänemark einfach per Bus, Fähre oder Zug zu erreichen.
Unterkünfte und Verpflegung
Neben Hotels und Pensionen gibt es in ganz Skandinavien ein groß ausgebautes Netz an Jugendherbergen. Praktisch: Oftmals sind Waschmaschinen vorhanden, auch ein Frühstück kann manchmal gebucht werden. Wer es abenteuerlustiger will, schläft in einer der vielen Biwakhütten, die es oftmals an Seen gibt.
Besonders spannend ist für Radreisende allerdings das Jedermannsrecht („Allemansrätten“). Dieses ermöglicht es dir, wild zu campen, wenn du gewisse Grundregeln befolgst. Die skandinavischen Länder eignen sich damit perfekt für Bikepacking-Abenteuer.
Die Verpflegung unterwegs ist ebenfalls sehr einfach. Soweit nicht anders angegeben, ist Leitungswasser in den skandinavischen Ländern trinkbar. An vielen Orten gibt es zudem frei zugängliche Wasserhähne oder Quellen, an denen du deine Trinkflaschen auffüllen kannst. Wenn du im hohen Norden unterwegs bist, ist es allerdings sinnvoll, die Landkarten genau zu studieren. Tankstellen und Co.
Vorteile des Radfahrens in Skandinavien
- Die Natur: Egal ob Finnland, Norwegen oder Schweden - im Norden findest du traumhafte Landschaften, die deine Radtouren definitiv bereichern werden.
- Die Strecken: Dabei macht es keinen Unterschied, ob du mit dem Gravelbike, einem klassischen Trekkingrad oder in den Städten mit dem City-Bike unterwegs bist - es gibt Routen für jeden Geschmack und jede Leistungskategorie.
- Die Freiheit: Das Jedermannsrecht („Allemansrätten“) ermöglicht es dir, wild zu campen, wenn du gewisse Grundregeln befolgst. Die skandinavischen Länder eignen sich damit perfekt für Bikepacking-Abenteuer.
- Die Mitternachtssonne: Noch vor Dunkelheit am Ziel ankommen? In Skandinavien ist das im Sommer sicher kein Problem. Die magische Mitternachtssonne wird dir das Finden des richtigen Weges immer erleichtern.
- Der Verkehr: Abseits der großen Städte sind die vielen Landstraßen kaum befahren.
Wichtige Hinweise für Norwegen
- Licht am Rad: Sehr wichtig ist es, gutes, verlässliches Licht am Rad zu haben. Die meisten Tunnel sind gut beleuchtet, aber dennoch recht dunkel. Einige sind sogar unbeleuchtet!
- Tunnelinformationen: Unbedingt vorher informieren, ob ein Tunnel mit dem Rad befahren werden darf! Im Zweifel sind lange Umwege erforderlich.
- Fähren: Ohne Fähren geht nichts. Toll: Fähren sind für Radfahrer und Fußgänger kostenlos! Nur die Schnellfähre durch den Sognefjord war kostenpflichtig.
- Campingplätze: Norwegen ist das Land der Wohnmobile. Entsprechend viele Campingplätze findet man, auf denen ein Zelt immer noch Platz findet, auch in der Hochsaison. Einige Plätze sind zum Teil wie Ferienparks ausgestattet, mit allem Komfort (Waschmaschine, Trockner, Kinderanimation Grillplätze, uvm.) und dementsprechend teuer.
- Wetter: Das Wetter in Norwegen ist unbeständig. Von 0° bis 30° hatte ich alles. Inklusive Wind und Regen. Die Ausrüstung sollte also maximal flexibel sein.
- Verpflegung: Die Norweger sind keine großartigen Gourmees. Es ist sinnvoll, eigene Trockennahrung mitzunehmen.
- Bezahlung: Gezahlt wird ÜBERALL mit digital mit Karte oder App.
Zusammenfassung
Mit der richtigen Planung und Vorbereitung steht einer unvergesslichen Radtour in Norwegen nichts im Wege. Genieße die atemberaubende Natur, die Freiheit des Jedermannsrechts und die unendlichen Möglichkeiten, die dieses faszinierende Land zu bieten hat.
Beispielrouten in Skandinavien
| Land | Route | Länge (ca.) | Beschreibung |
|---|---|---|---|
| Dänemark | Dänischer Ostseeradweg | 820 km | Gemütliches Radfahren entlang der Küste im südlichen Dänemark |
| Finnland | EuroVelo 10 - Ostseeküsten-Route | 1.790 km | Entlang der fast gesamten finnischen Ostseeküste |
| Norwegen | Rallarvegen | 82 km | Historischer Bahnarbeiterweg durch beeindruckende Landschaften |
| Schweden | Kattegattleden | 370 km | Küsten-Radwanderweg von Helsingborg nach Göteborg |
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