NSU war eine deutsche Automarke, die von 1873 bis 1977 existierte. Ihre Firmengeschichte ist untrennbar mit der Stadt Neckarsulm verbunden. Im Deutschen Zweirad- und NSU-Museum ist die Innovationsfreude und der Erfindergeist aus Neckarsulm wunderbar nachvollziehbar!
Die Anfänge: Von Strickmaschinen zu Fahrrädern
Die Firma NSU wurde am 27. Juli 1873 gegründet. Das erste Kapitel der NSU Geschichte, begann nicht in Neckarsulm, sondern in Riedlingen an der Donau. Dort gründeten 1873 Christian Schmidt und Heinrich Stoll eine Mechanische Werkstatt zur Herstellung von Strickmaschinen. Sie erkannten früh, dass im südwürttembergischen Raum, die Textilindustrie einen grossen Aufschwung zu nehmen begann.
Bereits 1886 begann die Firma, die 1884 in eine AG umgewandelt wurde, mit der Produktion der immer beliebter werdenden Fahrräder, um sich 1892 ganz aus der Produktion von Strickmaschinen, die für das Unternehmen nicht mehr lukrativ genug waren, zurückzuziehen. 1897 wurde Schmidts Firma in "Neckarsulmer Fahrradwerke Aktiengesellschaft" umbenannt. Das Unternehmen florierte, der Umsatz stieg und die Produktion von Motorrädern begann.
Die ersten Fahrräder von NSU
- 1886: Beginn der Zweiradproduktion mit dem Hochrad "Germania"
- 1888: Niederräder, wie z.B. das Sicherheits-Zweirad „Pfeil“
Expansion und Innovation
Unter dem Markennamen N.S.U. (NeckarSUlm) begann 1900 die Motorradproduktion. Und das in ununterbrochener Folge bis 1967. Motorräder aus Neckarsulm wurden überall in der Welt verkauft und wurden bald legendär.
Zwischen 1907 und 1910 stagnierte der Umsatz, was zum Anlass genommen wurde mit der Automobilproduktion zu beginnen. Folgerichtig begannen sie nach dem dreirädrigen „Sulmobil“ die Entwicklung von Automobilen mit dem Namen „Neckarsulmer Motorwagen“.
Mit Ausbruch des 1. Weltkriegs produzierte man mit ca. 1.200 Arbeitern rund 13.000 Fahrräder und 2.500 Motorräder. 1938 stellten 3.500 Mitarbeiter schon rund 136.000 Fahrräder und 63.000 Motorräder her.
Und da war das Motorfahrrad „NSU-D Quick“ eines der meistverkauften mit Stückzahlen von über 240.000 Exemplare die von 1936 bis 1953 gebaut und verkauft wurden. Dieses 98-cm³-Motorfahrrad, das als Herren- und Damenfahrrad erhältlich war, hatte ca. 3 PS, fuhr maximal 55 bis 60 km/h und verbrauchte knapp 2 Liter/100 km.
Kriegsjahre und Wiederaufbau
Den ersten Weltkrieg und die Wirtschaftskrisen danach überstand das Werk weitgehend unbeschadet. 1926 sah man sich genötigt mit Schebera AG in Berlin zu fusionieren, es folgte die Umbenennung in "NSU Vereinigte Motorenwerke AG". Jedoch gerät die neue Unternehmung durch Verluste des Berliner Werks in Schwierigkeiten.
Mit Hilfe Fiats sollte das Unternehmen saniert werden. Das Automobilwerk in Heilbronn wurde von Fiat übernommen und die NSU Automobil AG gegründet. 1927 hält auch in Neckarsulm die Fliessbandfertigung endgültig ihren Einzug. Die Wirtschaftskrise von 1929 traf auch die NSU-Werke schwer. Massenentlassungen und Kurzarbeit gehörten zum Alltag. 1932 wurde die Automobilproduktion ganz eingestellt.
Erst 1933/34 in Folge gestiegener Nachfrage durch die Motorisierung der Wehrmacht für den kommenden Krieg und dem Ende der Wirtschaftskrise erholten sich die NSU-Werke. Während des 2. Weltkrieges musste die gesamte Produktion unter Einsatz von Zwangsarbeitern auf Rüstungsgüter umgestellt und mit Kriegsende die Produktion vorübergehend eingestellt werden. Das Werk wurde gegen Ende des Krieges stark zerstört.
Erfolge und Niedergang
1947 zeichnete sich dann bereits die allmähliche Gesundung des Unternehmens ab, das zunächst wieder in die Motorradproduktion und Mitte der 50er Jahre mit dem NSU-Prinz in die Autoproduktion einstieg. Zeitweilig steigt NSU zum grössten Zweiradproduzenten in der Welt auf. Quickly, Max, Fox und Lux sind Modelle die Motorradgeschichte schrieben. Mit einem motorisierten Fahrrad knatterte NSU ins 20. Jahrhundert.
Schon vor dem 2. Weltkrieg war man einer der größten Motorradhersteller, um dann mit Modellen wie Quickly, Fox und Max 1955 zur weltweiten Nummer 1 aufzusteigen. Auch mit seinen Autos war NSU bahnbrechend, erst mit den Kleinwagen vom Typ Prinz, dann schließlich mit dem legendären Wankel, dem Ro 80.
Ende der 50er Jahre wurde zuerst die Motorradproduktion und Mitte der 60er Jahre die Fahrradproduktion eingestellt, da die Produktion mangels Nachfrage zu unrentabel ist. Mit dem Einbruch des Motorradmarktes stieg die NSU in Neckarsulm 1958 in den Automobilbau ein.
NSU entwickelte den NSU/Wankel-Motor und verbaute ihn im legendären Modell Ro 80. Eines der bekanntesten Modelle von NSU war der Prinz, der 1957 auf den Markt kam. Der Prinz war ein kleines, wirtschaftliches Auto, das in verschiedenen Versionen hergestellt wurde, darunter eine Sportversion mit einem Wankelmotor.
In den 1960er Jahren expandierte NSU und kaufte die Firma Auto Union, die später Teil von Audi wurde. NSU produzierte weiterhin Autos, darunter den Ro 80, der ebenfalls mit einem Wankelmotor ausgestattet war. Trotz des Erfolgs von NSU in den 1960er Jahren geriet das Unternehmen in den 1970er Jahren in finanzielle Schwierigkeiten und wurde schließlich von Volkswagen übernommen.
Fusion und Gegenwart
Um mit dem wachsenden Konkurrenzdruck mithalten zu können vereinigte sich das Unternehmen 1969 mit der Autounion GmbH (Hauptgesellschafter VW) zur NSU Autounion AG, aus der dann 1985 die Audi AG, mit Sitz in Ingolstadt hervorgegangen ist.
1969 schließlich zur Fusion der NSU Motorenwerke AG mit der Ingolstädter Auto Union GmbH. Rückwirkend zum 1. Januar entstand so die Audi NSU Auto Union AG mit Sitz in Neckarsulm.
Heute zählt das Audi Werk Neckarsulm über 14.500 Beschäftigte, die hier den A6, A8 und den neuen A2 produzieren.
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