Oberschenkel Brennen Beim Radfahren: Ursachen und Lösungen

Es passiert beim Radfahren immer mal wieder: Ein Zwicken im Rücken, die Füße oder Finger werden taub, der Po schmerzt, oder die Oberschenkel brennen. Was kann man gegen diese Schmerzen tun?

Fahrrad-Ergonomiespezialist Dr. Kim Tofaute erklärt, was Tourenfahrer und E-Biker präventiv und während der Tour gegen die jeweiligen Schmerzen tun können.

Warum Brennen die Oberschenkel Beim Radfahren?

Schon während der Tour wird das Treten schwerer, die Oberschenkel brennen, den Muskelkater spürt man dann aber erst so richtig am nächsten Tag. Dieser Effekt kann laut Tofaute zwei Gründe haben: erstens eine Übersäuerung, weil man sich bei der Tour überschätzt hat. Zweitens mangelnde Bewegung, weil der Körper die Belastungen noch nicht kennt.

Beides kann man schnell steigern, wenn man öfter das Rad nutzt. Dennoch rät der Experte zu einem langsamen Herantasten: „Zwischendurch auch während der Fahrt einmal die Beine lockern und bei Pausen dehnen oder hochlegen. Auf gute Regeneration nach der Tour achten. Auch beginnt man bei Überanstrengung stark zu schwitzen.

Weitere Ursachen für Schmerzen und Beschwerden beim Radfahren

Neben brennenden Oberschenkeln gibt es weitere typische Beschwerden beim Radfahren. Hier sind einige davon und was man dagegen tun kann:

  • Schmerzen im Genital- und Gesäßbereich: Da der Kontaktpunkt Sattel-Gesäß den Großteil des Gewichts während der Fahrt trägt, sind Poschmerzen bei den ersten Touren aufgrund mangelnder Gewöhnung obligatorisch. Mit der Zeit und vielen Kilometern ändert sich das und das Gesäß gewöhnt sich an die anfänglich ungewohnte Belastung.
  • Rückenschmerzen: Rückenschmerzen gehören ebenfalls zu den typischen Problemen beim Radfahren und treten speziell auf ersten längeren Touren auf. „Der Körper muss sich auf anfänglich ungewohnte Belastungen einstellen. Also lieber häufiger fahren und Pausen machen, als gleich mit einer Gewalttour starten“, sagt Tofaute. Außerdem sei auf einen geraden Rücken und eine entspannte Haltung zu achten.
  • Nackenschmerzen: Der Nacken gehört vor allem für Menschen mit sitzender Tätigkeit zu den Problembereichen. Nicht nur beim Radfahren ist es deshalb wichtig, den Nackenbereich regelmäßig zu entspannen. „Eine Nackenmassage oder spezielle Gymnastik abseits des Rades bewirkt schon erste Besserung“, meint der Experte. Regelmäßige Pausen, etwa jede halbe Stunde, oder Änderungen der Griffposition können während der Tour Abhilfe schaffen.
  • Taube Hände: Lastet zu viel Druck auf den Händen oder ist das Handgelenk abgeknickt, können Hände und Finger während der Radtour schnell taub werden. Mit steigendem Alter kommt die Problematik eines Karpaltunnel-Syndroms hinzu.
  • Knieschmerzen: Knieschmerzen sind in der Regel eine Einstellungssache. „Speziell viele E-Biker/-innen haben den Sattel falsch eingestellt und sitzen zu tief. Ein richtig eingestellter Sattel sorgt dafür, dass der Druck auf die Knie minimiert wird“, erklärt der Experte.
  • Taube Füße: Laut Tofaute können taube Füße oftmals mit falschen Schuhen zusammenhängen. Zu kleine Schuhe sorgen für Druckstellen. „Füße schwellen zudem während der Fahrt etwas an. Nachschnüren lohnt sich deshalb oder die Schuhe während einer Pause ausziehen und so die Durchblutung fördern“, sagt Tofaute.
  • Beckenschmerzen: Beckenschmerzen können unterschiedliche Ursachen haben, z. B. drückt der Sattel zu stark in die Weichteile oder das Becken wird beim Pedalieren verdreht. „Deshalb ist es wichtig, dass die Sitzposition stimmt. Nicht nur in der Höhe, sondern auch die Sattelneigung muss passen“, so der Experte.

Tipps zur Vorbeugung und Behandlung von Schmerzen beim Radfahren

Hier sind einige Tipps von Dr. Kim Tofaute, um Schmerzen beim Radfahren vorzubeugen und zu behandeln:

  • Richtige Sattelwahl: „Dass der von vornherein verbaute Sattel auch passt, ist ein Glücksspiel. Die Investition in einen neuen Sattel ist deshalb immer zu überlegen. Bei Schmerzen im Genitalbereich lohnt sich beispielsweise ein Sattel mit Entlastungszonen und Aussparungen“, rät Dr. Kim Tofaute. Kaufinteressierte sollten bei der Auswahl zudem Form, Größe, Geschlecht und Fahrstil einbeziehen.
  • Entlastung des Gesäßes: Für die Tour hat der Fachmann auch einen Tipp: „Hin und wieder aus dem Sattel gehen und das Gesäß entlasten.“
  • Passende Kleidung: Jeans können aufgrund ihrer Nähte auf längeren Touren zu Reibungen führen. „Radhosen sind zu empfehlen oder Sportunterwäsche ohne Nähte.
  • Richtige Radeinstellung: „Es lohnt sich, die Einstellung des Rades zu überprüfen. Oft sind es nur kleine Punkte, die geändert werden müssen. Dabei unterstützen Video-Tutorials oder spezielle Tools, wie zum Beispiel die Fitting-Box“, so der Experte.
  • Nacken entspannen: „Eine Nackenmassage oder spezielle Gymnastik abseits des Rades bewirkt schon erste Besserung“, meint der Experte. Regelmäßige Pausen, etwa jede halbe Stunde, oder Änderungen der Griffposition können während der Tour Abhilfe schaffen.
  • Ergonomische Griffe: Er empfiehlt zusätzlich einen Wechsel zu ergonomischen Griffen mit einer größeren Auflagefläche und Hörnchen, sogenannten „Barends“, für unterschiedliche Griffpositionen.
  • Passende Pedale und Schuhe: Zur besseren Kraftübertragung und für eine große Standfläche rät er, möglichst breite Pedale und feste Schuhe zu kombinieren.
  • Beine lockern und dehnen: „Zwischendurch auch während der Fahrt einmal die Beine lockern und bei Pausen dehnen oder hochlegen. Auf gute Regeneration nach der Tour achten. Auch beginnt man bei Überanstrengung stark zu schwitzen.
  • Passende Schuhe: Zu kleine Schuhe sorgen für Druckstellen. „Füße schwellen zudem während der Fahrt etwas an. Nachschnüren lohnt sich deshalb oder die Schuhe während einer Pause ausziehen und so die Durchblutung fördern“, sagt Tofaute.
  • Dehnübungen und Gymnastik: Mit Dehnübungen und Gymnastik wird die Muskulatur gestärkt und Schmerzen verhindert. „Tägliches Dehnen von zwei Minuten ist dabei ausreichend. Das kann jeder zu Hause machen.“
  • Ausreichend Essen und Trinken: „In diesem Fall sollte man darauf achten, dass man während der Tour genügend isst und trinkt“, meint Tofaute.

Wann zum Arzt?

Wenn die Schmerzen beim Radfahren häufiger auftreten, sollten man sie genau lokalisieren und näher untersuchen lassen. Es können beispielsweise auch Schäden am Herz die Ursache sein. Dann am besten einen Arzt konsultieren. „In so einem Fall bloß nicht auf Dr. Google hören“, warnt der Fachmann.

Die Bedeutung von Ergonomie und Bikefitting

Dr. Achim Schmidt, ein Sportwissenschaftler, betont, dass die meisten Radfahrprobleme auf Mängel bei Material und Sitzeinstellung zurückzuführen sind. Er empfiehlt ein Bikefitting statt eines Arztbesuchs. Bikefitting kann helfen, die optimale Sitzposition zu finden und Beschwerden vorzubeugen.

Das Piriformis-Syndrom beim Radfahren

Eine spezielle Ursache für Rückenschmerzen beim Radfahren ist das Piriformis-Syndrom. Dabei reizt der Piriformis-Muskel im Gesäßbereich den Ischiasnerv, was zu Schmerzen führt, die bis ins Bein ausstrahlen kann. Regelmäßiges Dehnen des unteren Rückens und der Hüftmuskulatur kann Verspannungen lösen.

Übungen zur Dehnung des Piriformis-Muskels

  • Dehnen des Piriformis-Muskels: Leg dich auf den Rücken und beuge das zu dehnende Bein in Hüft- und Kniegelenk. Deine Hand umfasst das Knie seitlich. Zieh das in Beugung befindliche Knie Richtung diagonaler Schulter, bis du die Dehnung seitlich in der Gesäßmuskulatur spürst. Halte die Dehnung etwa 15 bis 30 Sekunden.
  • Dehnen der Gesäßmuskulatur: Rückenlage, die Beine gebeugt. Kreuze nun die rechte Ferse über das linke Knie. Beide Hände umfassen den linken Oberschenkel. Ziehe den linken Oberschenkel leicht Richtung Brustkorb, bis im rechten Oberschenkel/Gesäß ein Dehnungsgefühl spürbar ist. Anschließend wechselst du die Seite. Halte die Dehnung etwa 15 bis 30 Sekunden.

Zusammenfassung

Fahrradfahren beansprucht viele Muskelgruppen und Körperbereiche. Entsprechend gibt es beim Radfahren auch kaum einen Bereich, der nicht von Schmerzen betroffen sein kann. Und diese Beschwerden beim Radfahren werden meist nicht nur Stürze verursacht, sondern als Folge falscher Belastung oder Fehleinstellungen des Rades. Doch viele Radfahrer kämpfen mit körperlichen Beschwerden. Auch Taubheitsgefühle im Sitzbereich oder in den Händen sind keine Seltenheit. Diese Beschwerden können den Spaß am Radfahren deutlich schmälern.

Beschwerden beim Radfahren lassen sich in vielen Fällen mit einfachen Anpassungen lindern. Etwa mit einer besseren Sitzposition, geeigneter Ausrüstung oder gezielten Dehnübungen. Ein Arztbesuch ist notwendig, wenn die Schmerzen länger anhalten, mit Schwellungen, Taubheitsgefühlen oder Bewegungseinschränkungen verbunden sind.

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