Ohrenschmerzen (Otalgie) können viele Ursachen haben und sind meist sehr schmerzhaft und unangenehm.
Die Beschwerden können anhaltend oder anfallsartig auftreten und stechend, pulsierend, ziehend, brennend oder dumpf sein. Kauen kann die Beschwerden verschlimmern.
Möglich sind auch begleitende Symptome wie ein Druckgefühl im Ohr, Ohrgeräusche, Hörprobleme, Schwindel, Fieber, Ohrenfluss, Juckreiz oder Schmerzen in anderen Kopfregionen.
Kinder sind besonders häufig von einer Otalgie betroffen.
Was verursacht Ohrenschmerzen?
Hervorgerufen werden Ohrenschmerzen meistens durch eine Entzündung; Auslöser können aber auch eine Infektion, eine Verletzung des Trommelfells oder ein Verschluss des Gehörgangs sein.
Die häufigste Ursache von Ohrenschmerzen ist eine akute Mittelohrentzündung (Otitis media). Sie geht meist mit sehr starken Schmerzen einher.
Nicht selten tritt sie als Folge eines Schnupfens oder von Halsschmerzen auf.
Die dabei auftretenden Keime wie Bakterien oder Viren steigen dann vom Nasen-Rachen-Raum in das Mittelohr auf.
Bakterien (zum Beispiel Pneumokokken und Haemophilus influenzae Typ b) sind in mehr als 70 Prozent der Fälle für Mittelohrentzündungen bei Säuglingen und Kleinkindern verantwortlich.
Möglich, wenngleich selten, gelangen Keime durch ein defektes Trommelfell in das Mittelohr und sorgen dort für eine Infektion.
Darüber hinaus kann sich der Gehörgang verschließen.
Des Weiteren gibt es Ohrenschmerzen, deren Ursache außerhalb der Schmerzquelle liegt.
So können Ohrenschmerzen zum Beispiel durch Entzündungen an den Zähnen (Karies, Wurzelentzündungen, schief wachsende Weisheitszähne) sowie durch Fehlstellungen oder Gelenkprobleme des Kiefers auftreten.
Eine weitere Ursache für Ohrenschmerzen können Muskelverspannungen im Bereich des Schulter-Nacken-Gürtels sein, aber auch Bandscheibenschäden in der Halswirbelsäule.
Steht der Mensch unter Stress, kann sich dies auf die Psyche auswirken und Ohrenschmerzen ohne körperlich erkennbaren Grund verursachen.
Weitere Ursachen für Ohrenschmerzen sind Entzündungen der Gaumenmandeln und der Ohrspeicheldrüse.
Anhaltende Ohrenschmerzen, die nach wenigen Tagen nicht von selbst wieder verschwinden, können auch auf bösartige Tumore in Hals oder Kopf hinweisen.
Ohrenschmerzen durch Fahrtwind beim Radfahren
Fahrtwind ist oft, neben Zug- oder kalter Luft, ein typischer Auslöser für Ohrenschmerzen.
Die Zugluft begünstigt eine Reizung des Gehörgangs und kann sogar eine Entzündung - in der Fachsprache Otitis externa - hervorrufen.
Zu Ohrenschmerzen kommt es gerne, wenn wir auf einer längeren Reise zu viel kalte Luft, Fahrtwind oder Zugluft abbekommen.
Aber auch nach einer kurzen Strecke mit dem Cabrio, auf der man sich die frische Luft durch die Haare sausen lässt, klagen nicht selten anschließend die Ohren.
Wie äußern sich Ohrenschmerzen?
Juckreiz und (starke) Ohrenschmerzen im betroffenen Ohr (meist einseitig) sind typische Symptome.
Beim Kauen oder durch Druck auf den Gehörgangseingang verstärken sich die Schmerzen.
In der Regel ist der Gehörgang gerötet und geschwollen, manchmal auch schuppig.
Das Ohr kann so stark anschwellen, dass der Patient auf dem betroffenen Ohr schlechter hört.
Zusätzlich kann Sekret aus dem Ohr fließen.
Bei weiterem Fortschreiten schwellen Ohrmuschel und Lymphknoten im oberen Halsbereich an.
Wann sollte man Ohrenschmerzen ärztlich abklären?
Nicht alle Ohrenschmerzen sind behandlungsbedürftig.
Treten sie beispielsweise als Folge einer Flugreise oder einer Bergwanderung auf, ist ein Arztbesuch nicht nötig.
Selbst Mittelohrentzündungen, so stark sie auch schmerzen, heilen in der Regel innerhalb von zwei bis drei Tagen von selbst wieder aus.
Medizinische Leitlinien empfehlen bei unkomplizierter Mittelohrentzündung ein anfängliches abwartendes Vorgehen (Watchful Waiting) über 48 Stunden.
Säuglinge bis sechs Monate sollten stets einem Ohrenarzt vorgestellt werden, da sie oft an einer akuten Mittelohrentzündung leiden.
Zum Hals-Nasen-Ohrenarzt sollte man immer dann gehen, wenn die Ohrenschmerzen länger anhalten und/oder von weiteren Symptomen begleitet werden.
Wie werden Ohrenschmerzen behandelt?
Bei einer akuten Mittelohrentzündung verordnet der Arzt in der Regel ein Schmerzmedikament, das zeitnah eingenommen beziehungsweise Kindern verabreicht werden sollte.
Für Kinder eignen sich vor allem Schmerzmedikamente mit den Wirkstoffen Ibuprofen oder Paracetamol, die es in verschiedenen Darreichungsformen gibt: etwa als Saft, Tabletten, Dragees oder als Zäpfchen.
Nur ein Arzt oder eine Ärztin kann entscheiden, wie schlimm die Entzündung ist und ob unter Umständen eine antibiotische Therapie angezeigt ist.
Wie bereits erwähnt, kann zunächst auch abgewartet werden, wie sich das Krankheitsgeschehen entwickelt.
In diesem Fall sollte nach spätestens 48 Stunden eine Nachkontrolle erfolgen, bei Säuglingen bis zum Alter von 24 Monaten sogar schon nach 24 Stunden.
Die Behandlung von Ohrenschmerzen richtet sich nach der Ursache.
Liegt eine Entzündung vor, geht es darum, die Infektion einzudämmen.
Das geschieht bei Bedarf mit Antibiotika, Antipilzmitteln (Antimykotika) oder auch mit Kortisonpräparaten.
Sind die Schleimhäute im Nasen-Rachen-Raum geschwollen, muss die normale Belüftung im Ohr wieder hergestellt werden.
Dazu können für beschränkte Zeit abschwellende Nasentropfen eingesetzt werden.
Bei einer Gehörgangsentzündung kommen in der Regel entzündungshemmende oder antibiotische Ohrentropfen zum Einsatz.
Bei einer Mittelohrentzündung müssen nicht immer Antibiotika eingesetzt werden.
Oft reicht es aus, sich zu schonen und die Ohren mit Wärme, zum Beispiel Rotlicht, zu behandeln.
Was können Sie selbst bei Ohrenschmerzen tun?
Ein ebenso bewährtes wie wirksames Hausmittel gegen Ohrenschmerzen sind warme Zwiebelsäckchen oder Zwiebelwickel.
Sie sollen die Beschwerden sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen lindern.
Die in der Zwiebel enthaltenen Schwefelverbindungen wirken antibakteriell und entzündungshemmend.
Manche Menschen empfinden warme Kamillesäckchen bzw. Dampfbäder mit Kamille oder Kochsalz als schmerzlindernd und hilfreich.
Beide Säckchenarten lassen sich gut mit einem Stirnband oder einer Mütze am Ohr fixieren.
Eine andere Möglichkeit, die Schmerzen zu lindern, ist eine Bestrahlung des Ohrs mit Rotlicht; hierbei sollte jedoch unbedingt darauf geachtet werden, die Augen zu schützen.
Gehen Ohrenschmerzen mit einer Erkältung einher, sollte der Betroffene viel trinken (am besten Wasser und Kräutertees), um den Schleim zu verflüssigen.
Vorbeugung von Ohrenschmerzen durch Fahrtwind
- Ohren, Kopf und Hals schützen: Packen Sie sich am besten immer gut ein, wenn Sie mal wieder eine Runde mit dem Cabrio drehen.
- Geeignete Kopfbedeckung: Besser geeignet als eine Baseballkappe sind Tücher, Schals oder entsprechende Kopfbedeckungen, die die Ohren ebenfalls mit einschließen.
- Verspannungen vermeiden: Schmerzhafte Verspannungen im Nackenbereich, die oftmals durch starken Fahrtwind oder Zugluft ausgelöst werden, können ebenfalls bis in die Ohren ausstrahlen.
- Zugluft vermeiden: Achten Sie nach Möglichkeit immer darauf, dass weder Sie noch Ihr Kind konstant kalter Luft, einer Klimaanlage oder einem Luftzug ausgesetzt sind.
- Mütze tragen: Bei kalten Temperaturen empfiehlt es sich außerdem, die Ohren mit einer Mütze zu schützen oder eine andere Kopfbedeckung zu tragen.
Weitere Tipps zur Vorbeugung von Gehörgangsentzündungen
- Früh zum Arzt/zur Ärztin: Suchen Sie bei Symptomen wie hartnäckigem Juckreiz im Ohr oder Ohrenschmerzen frühzeitig eine ärztliche Praxis auf.
- Vorsicht bei Kosmetika: Verhindern Sie möglichst, dass Kosmetika wie Haarshampoo in großen Mengen ins Ohr gelangen.
- Ohren trocken halten: Achten Sie darauf, die Ohren möglichst trocken zu halten.
- Vorsicht bei Ohrstöpseln: Auf Watte im Ohr oder Ohrstöpsel beim Schwimmen sollten Sie lieber verzichten.
- Hygiene bei Ohrhörern & Co.: Wer zu Gehörgangsentzündungen neigt, sollte Utensilien, die direkt in der Ohrmuschel platziert werden, regelmäßig mit einer alkoholischen Lösung reinigen.
- Keine Reinigungsversuche: Versuchen Sie nicht, den Gehörgang mit Wattestäbchen oder anderen Utensilien zu säubern.
- Zu viel Ohrenschmalz? Manche Menschen haben tatsächlich Probleme mit zu viel Ohrenschmalz - beispielsweise durch das Tragen eines Hörgerätes.
- Eventuell Ohrentropfen: Wer immer wieder Probleme mit Gehörgangsentzündungen hat, kann - falls aus ärztlicher Sicht nichts dagegen spricht - vorbeugend essigsaure Ohrentropfen aus der Apotheke anwenden.
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