Effektiver Gehörschutz ist auf dem Motorrad unabdingbar, will man möglichst lange ums Hörgerät herumkommen. Würden Sie sich freiwillig und ohne Gehörschutz über mehrere Stunden das infernalische Gekreische einer Kreissäge antun? Natürlich nicht, denn so rund 100 Dezibel auf die Ohren können auf Dauer nicht wirklich gesund sein.
Aber auch Motorradfahrern sei ein solcher Schutz ans Herz gelegt. Denn: „selbst in leisen Helmen liegt das Geräuschniveau bei flotter Landstraßenfahrt grob zwischen 85 und 95 dB. Bei Autobahntempo kann der Pegel je nach Windschutz und Helm schon mal bis zu 110 dB anschwellen. Das kann auf Dauer auch das strapazierfähigste Ohr nicht ab, ohne Schaden zu nehmen“ so argumentiert die Motorrad News in Ausgabe 9/2021.
Seien wir doch mal ehrlich, viele lieben das Motorradfahren unter anderem wegen des Klangs der Maschine. Keine Frage, wir zählen uns selbst dazu. Jedoch sind die Motor- und Endschalldämpfergeräusche noch nicht alles, was unser Gehör auf dem Bike verarbeiten muss. Oft vernachlässigt, aber sie machen den größten Teil der Fahrgeräusche aus, die Windgeräusche. Noch dazu kommen auch die Abrollgeräusche der Reifen.
Natürlich spielen auch viele andere Faktoren eine Rolle, wie z.B. die eigene Fahrweise, die Drehzahl, die gefahrene Geschwindigkeit, die Art und Bauweise des Helmes, die Sitzposition und vieles mehr. Wir haben verschiedene Arten von Gehörschutz ausprobiert, um das Fahren so angenehm wie möglich zu machen, denn durch den Lärm nimmt auch gleichzeitig der Stresspegel zu. Das kann im öffentlichen Straßenverkehr böse Enden. Trotzdem ist es wichtig auch weiterhin alle Nebengeräusche zu hören, denn wer das Martinshorn nicht mehr mitbekommt, macht sich strafbar. Nicht jeder Gehörschutz ist zum Motorrad fahren geeignet.
Der aktuelle Motorrad News Test im Überblick
„Einfach mal die Kresse halten: Wenn die Umwelt zu laut wird, muss ein Gehörschutz her. NEWS testet zwölf Paar Ohrstöpsel auf der Straße und im Labor.“Was wurde getestet?Im Vergleich waren 12 Paar Ohrstöpsel, darunter eine Otoplastik, die außer Konkurrenz getestet und daher nicht benotet wurde. Die Testergebnisse reichen von 7 bis 12 von jeweils 15 möglichen Punkten. Wir arbeiten unabhängig und neutral.
In diesem Test von zwölf querbeet eingekauften Ohrstöpseln geht es also nicht nur um die reine Geräuschdämpfung, es geht vor allem um die Motorradpraxis-Tauglichkeit. Und zu der gehört nicht unwesentlich der Tragekomfort; denn der beste Ohrstöpsel hilft nicht wirklich, wenn er daheim liegen bleibt.
Die Testkandidaten im Detail
- Alpine Plug & Go Earplugs: Keine Allerwelts-Ohrstöpsel, sondern ein Gehörschutz, der die Besonderheiten des Motorradfahrens gut berücksichtigt. Die Handhabung erfordert etwas Übung, aber zur Belohnung gibt’s besten Tragekomfort. Und das zum sehr fairen Preis.
- Hansaplast Lärmstop Ohrstöpsel: Ein klassischer Fall von Universal-Ohrstöpsel, der seinen Job aber auch auf dem Motorrad noch ganz ordentlich erledigt. Ganz stark in Sachen Tragekomfort.
- Hearos Ear Plugs: Handhabung und Tragekomfort gehen in Ordnung - zumindest theoretisch. Doch jede kleine Lageveränderung kann unangenehm werden. Dass die Dämpfungswerte im Motorradeinsatz eher bescheiden ausfallen, macht’s nicht besser.
- LUX Gehörschutzstöpsel: Für den kurzzeitigen Einsatz am Rasenmäher oder der Schlagbohrmaschine mögen die Baumarkt-Einweg-Ohstöpsel vielleicht noch taugen. Unterm Motorradhelm haben sie aber nichts verloren, denn sie schwächeln in allen relevanten Bereichen.
- Mack’s Soft Foam Earplugs: Packungsbeschriftung („Dreamgirl“) und Stöpsel-Farbe mögen irritieren, doch im wahren Motorradfahrerleben überzeugen die günstigen Weichteile vollauf. Handhabung, Tragekomfort und Dämpfung stimmen - ein klarer Fall von „Kauftipp“.
- Noton Gehörschutz: Als Universal-Gehörschutz machen die sehr leichten Stöpsel genau das, was sie sollen: komplett dicht. Das ist für den Motorrad-Landstraßenbetrieb nicht optimal, da wichtige Nebengeräusche ggf. verloren gehen; für die Autobahn aber top.
- Ohropax Classic: Der Klassiker wirbt mit dem Motto „Ideal zum Schlafen und Entspannen“. Vom Motorradfahren ist nicht die Rede, und das ist auch ganz gut so. Denn umständliche Handhabung, mäßiger Tragekomfort und praxisfremde Dämpfung nerven.
- Ohropax Color: Ohropax kann auch anders, nämlich durchaus motorradtauglich. Der Landstraßenbetrieb ist allerdings nicht die ganz große Stärke der bunten Dinger.
- Wellnoise Silikon Blau: Funktionieren prinzipiell wie die klassischen Ohropax, nur etwas besser. Aber nicht gut für den Motorradeinsatz, denn das Dämpfungsverhalten ist nicht wirklich praxisgerecht. Immerhin sind sie wiederverwendbar und schmieren nicht.
- 3M 1100 DS: Einfache Handhabung, toller Tragekomfort und ...
Weitere getestete Ohrstöpsel
- Nonoise: Nonoise setzt auf Keramikfilter im Inneren der Ohrstöpsel, um die hochfrequenten Windgeräusche zu schwächen und trotzdem Gespräche zu ermöglichen. Mit Erfolg, der Sprachbereich ist relativ schwach gedämpft, was zu einer angenehmen Wahrnehmung führt. Je nach Ohr können die langen Stile der verhältnismäßig großen Stöpsel beim Überstreifen des Helmes stören.
- Race-Filter: Die Dämmung der Race-Filter verläuft relativ gleichmäßig über den niedrigeren Frequenzbereich und verstärkt sich nach oben etwas. Der Klang fühlt sich nie unnatürlich an. Insgesamt trägt sich der Gehörschutz angenehm und bereitet auch in der Handhabe keine Schwierigkeiten.
- Crescendo Moto 25: Pinlock fertigt nicht nur Anti-Beschlagscheiben für Helmvisiere, sondern hat auch Gehörschützer im Programm. Im Pack finden sich zwei Paar Stöpsel in unterschiedlichen Größen. Sie teilen sich ihre Tugenden mit den Crescendo Moto 25, denen sie bis auf die Farbgebung gleichen. Das bedeutet gleichmäßige Dämpfung, hoher Komfort beim Einsetzen und Tragen.
- Ohropax Silicon Pink: Aus hautfreundlichem Silikon gefertigt sollen die Ohropax Silicon Pink in jedes Ohr passen und zudem wasserdicht abschließen. Klingt nicht schlecht, mit eher schwacher Dämpfung in den Höhen sind sie für Motorradfahrer jedoch weniger gut geeignet. Zumal die vor dem Gehörgang platzierte Masse zwar druckfrei sitzt, aber nicht besonders fest. Ein enger Helmeinstieg lässt die Stöpsel leicht verrutschen.
- Loop Earplugs: Die Loop Earplugs sehen mit ihren ringförmigen Griffen auf den ersten Blick etwas befremdlich aus, funktionieren aber sehr manierlich. Mit den Ringen lassen sie sich sehr einfach und präzise im Ohr positionieren. Das Verrutschen beim Helmaufsetzen hält sich wider Erwarten in überschaubaren Grenzen. Zusätzliche Dämpfungselemente erlauben eine Anpassung an die Gegebenheiten und Vorlieben.
- Individuell angepasster Gehörschutz von Kind: Bei dem Hörgerätehersteller Kind kann man sich einen angepassten Gehörschutz mit verschiedenen Filtern anfertigen lassen. Wir haben uns für die grünen (mittlere Dämpfung) und roten (starke Dämpfung) Filter entschieden. Zuerst wird vor Ort im Laden das Ohr ausgegossen und so ein passgenauer Abdruck des eigenen Ohrs erzeugt. Anschließend hat man viele Möglichkeiten, was Farbe und Ausstattung angeht. So kann man z.B. eine Trageschlaufe oder kleine Griffe mit einarbeiten lassen. Wir haben die Grundausstattung genommen. Farblos transparent ohne Schnick-Schnack. Lediglich grüne und zusätzlich rote Filter. Alles in allem hat der Spaß 170 € gekostet. Nicht gerade günstig aber es hieß, man kann sie ein Leben lang verwenden. Das Einsetzen ist kein Vergleich zu der Schaumstoffvariante. Kein Anfeuchten des Gehörgangs, kein Zusammenrollen, nicht am Ohr ziehen. Einfach reinstecken und fertig. Auch der Tragekomfort hat auf Anhieb überzeugt, man spürt sie einfach nicht. Mit den grünen Standardfiltern ist der Geräuschpegel beim Fahren kaum minimiert und wir haben daher direkt die stärker dämpfenden roten Filter eingesetzt. Deutlich besser, alles ist angenehm leiser. Dennoch hört man den Motor und andere Verkehrsteilnehmer genau so wie ohne Gehörschutz. Auch in den Pausen kann man sich ganz normal unterhalten ohne Sie aus dem Ohr zu entnehmen. Bis dahin sehr überzeugend, doch leider gibt es auch eine Kehrseite. Das Material der anatomischen Ohrstöpsel ist aus weichem Silikon. Dadurch kann die Haut nicht mehr atmen und fängt an zu schwitzen. Im Gegensatz zum Schaumstoffstöpsel, welcher tief in den Gehörgang eingeschoben wird, sitzen die Maßanfertigungen nur oberflächlich. Beginnt das Ohr nun zu schwitzen, kann es schnell passieren dass der Gehörschutz herausrutscht. Zumindest soweit, dass die Filterwirkung gleich Null ist. Sehr schade.
- MotoSafe von Alpine: Als dritter Kandidat ins Rennen gehen die MotoSafe von Alpine. Das Einsetzen der MotoSafe geht mit der mitgelieferten Einsetzhilfe sehr leicht und schnell. Auch der Tragekomfort ist sehr gut. Ähnlich wie die Maßanfertigung vom Hörgerätehersteller Kind, besitzen auch die MotoSafe eine minimale Öffnung. Das bietet den Vorteil, dass sich kein Druck auf den Ohren aufbaut, wie es beim Schaumstoff der Fall ist. Ein Druckausgleich ist somit problemlos möglich, wenn man die Pässe rauf und runter fährt. Die Verständigung bei Pausen klappt auch ohne Entnehmen der Ohrschützer. Auch beim Fahren und Unterhalten über ein Kommunikationssystem, wie dem Sena 50S oder dem Sena 30K in unseren Tests, versteht man die mitfahrenden Biker einwandfrei. Alpine bietet ebenfalls unterschiedliche Filtersysteme an. Allerdings kann man diese nicht austauschen, sondern muss sich vor dem Erwerb entscheiden. Unser Testsieger steht somit fest. Der Gehörschutz von Alpine ist die ideale Lösung und bietet das beste Preis Leistungsverhältnis. Für nur etwa 15 Euro bekommt man einen sehr guten Gehörschutz, der die gleiche Filterwirkung wie die teure Maßanfertigung hat. Zudem bieten sie ebenfalls einen tollen Tragekomfort und man kann man sie immer wieder verwenden.
- Schaumstoffgehörschutz von Würth: Der Schaumstoffgehörschutz, hier vom Hersteller Würth, bietet in der Praxis einen sehr guten Geräuschschutz, ist aber beim längeren Tragen unangenehm. Auf den ersten Metern fühlt es sich sehr ungewohnt an. Alles ist so still und stumm. Windgeräusche werden extrem gefiltert. Aber eben auch alle anderen Nebengeräusche. Einerseits sehr angenehm, da man sich voll und ganz auf das Fahren konzentrieren kann, andererseits auch gefährlich. Vor allem im Stadtverkehr und auf zweispurigen Straßen. Alles was man nicht hört, muss man mit den Augen umso genauer wahrnehmen. Ein weiterer Nachteil ist, dass man sich in den Pausen nur schwer unterhalten kann. Hier sollten die Ohrstöpsel entfernt werden. Sind sie draußen, fühlt man sich gleich viel befreiter. Zu empfehlen ist diese Art von Schutz nur auf der Rennstrecke.
Weitere Aspekte des Gehörschutzes beim Motorradfahren
Neben den genannten Tests und Produkten gibt es noch weitere wichtige Aspekte beim Thema Gehörschutz für Motorradfahrer:
- Individuelle Anpassung: Otoplastiken von Audia Akustik kosten etwa 100 Euro und sind speziell auf Motorradfahrer abgestimmt. Gespräche sind nahezu uneingeschränkt möglich, während die Filter Störgeräusche effektiv abdämpfen. Die gute Passform ist selbstverständlich.
- Lärmmessung beim Helmtest: Bei diversen Helmtests des ADAC war das Geräuschverhalten der getesteten Helme sehr unterschiedlich. Einem mittleren Schalldruckpegel von rund 84 dB(A) bei 100 km/h des leisesten Helms im Test standen schon 92 dB(A) beim zweiten und gar fast 95 dB(A) beim lautesten Helm entgegen. Übrigens: Schon drei dB(A) werden als Lärmverdoppelung empfunden.
- Gefahren durch Lärm: Die individuelle Obergrenze des zu ertragenden Schalldruckpegels ist bei Menschen zwar unterschiedlich, hohe Schalldruck-Belastungen über längere Zeit führen aber unausweichlich zu akuten Gehörstörungen bis hin zu Schwerhörigkeit, Tinnitus oder sogar Taubheit. Werte aus dem gewerblichen Lärmschutz machen das Problem deutlich: Zonen mit Schalldruckpegeln von über 85 dB(A) gelten als Lärmbereiche, für Arbeiten dort muss ein Gehörschutz zur Verfügung gestellt werden. Bei Pegeln über 90 dB(A) muss sogar zwingend ein Gehörschutz getragen werden. 85 dB(A) gilt als Bezugsschalldruckpegel, nur bei diesem oder darunter darf acht Stunden gearbeitet werden. Mit steigender Lärmbelastung reduziert sich die Arbeitszeit.
Gehörschutz-Motorrad Vergleich
Die besten Gehörschutz-Motorrad: Wählen Sie Ihren persönlichen Testsieger aus der Bestenliste.
| Produkt | Modell | Umgebungsgeräusche wahrnehmbar | Wiederverwendbar | Vorteile | Nachteile | Unsere Bewertung |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Alpine MotoSafe Pro | Alpine MotoSafe Pro | Ja | Ja | sehr hohe Lärmreduktion, besonders hoher Tragekomfort, unterschiedliche Aufsätze enthalten, hypoallergenes und silikonfreies Material, patentierter Windfilter | nur für das Motorradfahren geeignet | sehr gut |
| Alpine MotoSafe Tour | Alpine MotoSafe Tour | Ja | Ja | sehr hohe Lärmreduktion, besonders hoher Tragekomfort, hypoallergenes und silikonfreies Material, patentierter Windfilter | relativ wenig Ohrstöpsel inbegriffen | sehr gut |
| Sonicshop EarBikers Ohrstöpsel | Sonicshop EarBikers Ohrstöpsel | Ja | Ja | mit eingebauter Lüftung, inkl. Reinigungsspray und Aufbewahrungsdose, wiederverwendbar | nur für das Motorradfahren geeignet | sehr gut |
| Eardial ED2 | Eardial ED2 | Ja | Ja | sehr hohe Lärmreduktion, besonders hoher Tragekomfort, hypoallergenes Material, ergänzende eardial-App | nicht für laute Umgebungen geeignet | sehr gut |
| Hearprotek HP16 | Hearprotek HP16 | Ja | Ja | vielseitig einsetzbar, sehr hohe Lärmreduktion, besonders hoher Tragekomfort | nicht ausschließlich für das Motorradfahren entwickelt | sehr gut |
| Alpine MotoSafe Race | Alpine MotoSafe Race | Ja | Ja | sehr hohe Lärmreduktion, besonders hoher Tragekomfort, hypoallergenes und silikonfreies Material, patentierter Windfilter, auch als MotoGP-Edition erhältlich | relativ wenig Ohrstöpsel inbegriffen | sehr gut |
| Senner MotoPro | Senner MotoPro | Ja | Ja | sehr hohe Lärmreduktion, hypoallergenes Material | relativ wenig Ohrstöpsel inbegriffen | gut |
Zum Schluss noch ein Appell an alle: Geizt nicht beim Thema Gehörschutz. Eure Ohren werden es euch später danken! Denn der Verlust ist ein schleichender Prozess der irreparabel ist. Zudem sei erwähnt, dass ein Hörgerät weitaus teurer ist. Wer einmal mit Gehörschutz gefahren ist, gewöhnt sich schnell daran und man möchte Ihn nicht mehr missen.
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