Die Ursprünge von Olympia sind sehr alt und reichen bis mindestens 2800 v. Chr. zurück. Und Zeus, der Gott von Blitz und Donner, wurde seit mindestens 1000 v. Chr. verehrt. Die ersten offiziellen Wettkämpfe begannen 776 v. Chr. und wurden ohne Unterbrechungen alle vier Jahre wieder ausgetragen.
Alle freien griechischen Bürger konnten daran teilnehmen. Ausgeschlossen waren Sklaven, Frauen und Fremde, die man Barbaren nannte, weil sie nicht griechisch sprachen. Kurz vor Beginn der Wettkämpfe versammelten sich Tausende von Zuschauer aus allen Teilen der antiken Welt in Olympia und verweilten auf den Feldern und unter den Olivenbäumen rund um den Tempel.
Sie kamen hauptsächlich aus Griechenland, aber auch aus Ägypten, von Nordafrika, aus den griechischen Kolonien von Marseille in Südfrankreich und Olbia am Schwarzen Meer. Oft kamen sie aus rivalisierenden oder gerade miteinander im Krieg befindlichen Städten, aber die Olympischen Spiele waren so wichtig und prestigeträchtig, dass man eine Gefechtspause einlegte.
Die Eintragung für die Spiele erfolgte als Selbstauskunft über Herkunft und Alter, letzteres war wichtig für die Zuordnung zu der entsprechenden Altersgruppe. Beispielsweise wurde 468 v. Chr. Pherias aus Aigina ausgeschlossen, weil er noch zu jung war, aber bei den folgenden Spielen wurde er in die Gruppe der Knaben (paides) aufgenommen und gewann das Pankration.
Der erste Tag war für ein Reinigungsritual vorgesehen. Die Athleten versammelten sich im Bouleuterion und − während die Priester an der Statue des Zeus ein Opfer darbrachten − schworen Fairness, Disziplin und Beachtung der Regeln. Ein solcher Eid hat sich leicht modifiziert bis in unsere Zeit fortgesetzt.
Verletzungen der Regeln wurden streng bestraft. Hatten Athleten versucht, durch Bestechung zu gewinnen, wurden sie gezwungen, auf eigene Kosten Statuen des Zeus zu errichten. Die Inschriften auf den Basen besagen, dass man nicht mithilfe von Geld, sondern mit Körperkraft und Schnelligkeit der Füße siegen müsse.
Die antiken Griechen waren begeistert von der Schönheit der Körper und vom Wettkampf, den man Agon nannte − was Schmerz, Kampf und Leidenschaft bedeutete − und von dem sich die moderne Bezeichnung Agonie ableitet. Die am meisten mit diesem Begriff verbundene Disziplin war der Faustkampf, der ursprünglich aus der griechischen Welt stammte. Diese Disziplin wurde bei den Olympischen Spielen 688 v. Chr. eingeführt.
Sogar heutige Boxer wären bestürzt über den antiken Faustkampf, der absolut regellos und unfair war: es gab keine Gewichtsklassen, keine Runden mit Erholungspausen, kein Wasser und keine gepolsterten Handschuhe. Die Hände waren nur durch Lederstreifen geschützt. Als ab 146 v. Chr. die Römer an den Olympischen Spielen teilnahmen, wurden in diese Streifen kleine Metallnägel eingefügt, die die Haut des Gegners verletzten, der auch am Kopf getroffen werden konnte. Die Karrieren der Sportler konnten sehr erfolgreich sein, wegen der häufigen Todesfälle aber auch sehr kurz.
Auch wenn die Athleten der Antike nicht über so anspruchsvolle Sportgeräte wie die heutigen verfügten, stellten ihre Statuen ebenso perfekte Körper dar wie die modernen Sportler aufweisen. Offensichtlich unterzogen sie sich täglich harten Trainingseinheiten. Für den Weitsprung oder den Wettlauf trainierte man mit halteres aus Stein, die wie Hanteln in der Hand gehalten wurden.
Der Faustkampf war ohne Zweifel die Disziplin, die am häufigsten mit dem Tode endete, aber sie wurde recht bald vom Pankration (seit 648 v. Chr.) übertroffen, einem Ringen mit bloßen Händen, bei dem es lediglich verboten war, zu beißen und die Augen des Gegners einzudrücken. Den heutigen Vorstellungen entsprach eher der korrektere Ringkampf, auch wenn Würgegriffe sowie das Brechen der Finger und Knie erlaubt waren. Der „Ring“ war im Inneren des Stadions eingerichtet. Es gab zwei Arten des Ringkampfes, im Stand und am Boden. Es siegte derjenige, der zuerst dreimal seinen Gegner zu Boden geworfen hatte.
Die gefährlichsten Sportarten aber waren die Wagenrennen mit den Zwei- und Viergespannen im Hippodrom. Die riskantesten Stellen des Rennens waren die Kurven, die die Wagen zwangen, bei hoher Geschwindigkeit um 180° zu wenden. Dies hatte Zusammenstöße sowie Stürze zur Folge: Die Wagen zerbrachen, die Wagenlenker stürzten aus dem Wagenkasten und die Pferde fielen übereinander. Im Hippodrom erhob sich der Altar des Gottes Taraxippos (bzw. Poseidon Hippios), des Schutzherrn der Pferde, dem man vor den Rennen Gaben brachte, damit die Pferde nicht erschrecken. Mit einem komplizierten Mechanismus wurden Fehlstarts verhindert.
Sieger waren aber nicht die Wagenlenker und die Jockeys, sondern wie heute auch die Besitzer des Rennstalls. So konnten die Frauen, die nicht zu den Agonen zugelassen waren, zumindest als Eigentümer der Pferde teilnehmen. Kyniska aus Sparta wurde als erster Frau der Sieg in einem Wagenrennen bei den Olympischen Spielen 396 v. Chr. zuerkannt, nachdem sie selbst ihre Pferde zugeritten hatte. Es gab aber auch Galopprennen.
Nach Olympia kam man nicht nur wegen der Spiele, sondern auch um zu sehen und gesehen zu werden. So kamen auch die Philosophen Sokrates, Platon und Aristoteles. Der Historiker Herodot las aus seinen Werken auf den Stufen des Zeustempels; aber man kam auch, wie heute zum Vatikan, um die großartigen Kunstwerke zu bewundern, die einen „Wald von Skulpturen“ bildeten, wie ein antiker Schriftsteller schrieb.
Die Griechen liebten harmonische Körper, weil sie der Meinung waren, dass die körperlichen Proportionen mit dem inneren Gleichgewicht übereinstimmen würden. Bei den Olympischen Spielen waren die Sieger des Pentathlon besonders angesehen: Die fünf Sportarten waren Laufen, Weitsprung, Speerwerfen, Diskoswerfen und Ringen.
Seit 720 v. Chr. kämpften die Athleten nackt. Auch die Homosexualität - zumindest die männliche - wurde in Griechenland nicht als Verfehlung angesehen, sondern war ein verbreiteter Brauch. Ein Gang durch Olympia, bei dem man die schönen und harmonischen Körper bewunderte, konnte auch sexuelle Erregung erzeugen. Die Homosexualität hatte eine wichtige soziale Funktion, weil sie die Unberührtheit der Frauen schützte.
Merkwürdigerweise konnten die Mädchen und die jungen Frauen trotz der Nacktheit der Athleten und der Brutalität der Spiele anwesend sein, dagegen war dies den verheirateten Frauen streng verboten. Die Frauen hatten ihre eigenen Wettkämpfe, die Heraia, die sie zu Ehren der Hera, der Gattin des Zeus, veranstalteten. Die Laufstrecken für die Frauen in drei Altersstufen wurde im Vergleich zu den männlichen Athleten um ein Sechstel verringert. Im Unterschied zu den Männern trugen die Mädchen einen kurzen gegürteten Chiton, der die rechte Schulter bis zur Brust freiließ. Ihre Wettkämpfe und Siege galten als ein Übergangsritus vor dem Ehestand.
Der zweite Tag begann mit dem Stadionlauf. Die Spiele wurden zu Ehren des Göttervaters Zeus abgehalten, sein Tempel liegt seit einem Erdbeben im 4. Jh. n. Chr. in Trümmern. Vor seinem Tempel erhob sich auf einem hohen dreieckigen Postament die Statue einer Victoria, die bei den Griechen Nike hieß.
Was erhielten sie nun als Gegenleistung für diesen großen Aufwand? Einen Olivenzweig − undenkbar in unserer modernen Zeit, in der man oftmals an Millionengagen gewöhnt ist. Diesen Zweig hatten sie nach ihrer Heimkehr getragen wie ein König seine Krone, und sie wurden wie Kriegshelden mit prächtigen Geschenken ausgezeichnet. Der wirklich große Preis aber war ein anderer: die Erinnerung an sie und damit ihre Unsterblichkeit.
Olympische Spiele der Neuzeit
Auch wenn manche Chronisten die Anfänge bis ins Mittelalter verlegen - das Fahrrad ist ein Kind der Neuzeit. Karl Drais erfindet 1817 in Mannheim das einspurige Zweirad, das noch keine Pedale hat, sodass sich der Fahrer vom Boden abstoßen muss. Trotz der Erfindung des Kettenantriebs (1878), der Abkehr vom Hochrad zur niedrigen Form (um 1880) und der Einführung des Luftreifens (1888) steckt die Sportart noch in den Kinderschuhen, als die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit in Athen über die Bühne gehen. Danach verabschiedet sich das Straßenrennen jedoch aus dem Programm, ehe es 1912 in Stockholm wieder aufgenommen wird. Über die Distanz von 320 km setzt sich der Südafrikaner Rudolph Lewis durch.
Der Straßen-Radsport bleibt in der Folge olympisch, fristet aber gegenüber anderen Sportarten ein Schattendasein, das vor allem aus dem Fehlen der Berufsfahrer resultiert. Im Gegensatz zu anderen Disziplinen (zum Beispiel Leichtathletik) sind die besten Athleten auf dem Rad seit jeher Profis. Radsport-Legenden wie Gino Bartali, Fausto Coppi, Jacques Anquetil oder auch Eddy Merckx bringen es somit nie zu olympischen Ehren. Erster deutscher Olympiasieger auf der Straße wird Olaf Ludwig, der 1988 in Seoul Gold holt.
Während das Straßenrennen eine lange olympische Tradition hat, wird das Einzelzeitfahren zwischen 1932 und 1996 nicht ausgetragen. Stattdessen gehen von 1960 bis 1992 Vierer-Teams im Mannschaftszeitfahren über 100 km auf die Strecke.
Radsport bei den modernen Olympischen Spielen
Bei den ersten Olympischen Sommerspielen der Neuzeit 1896 gehörte auch der Radsport zum Programm, sowohl auf der Straße als auch in der Bahn. Letztere Disziplin blieb fast durchgängig im Programm, nur 1912 wurde darauf verzichtet. Erst 1988 in Seoul (Sprint) wurde ein Frauen-Wettbewerb aufgenommen, mittlerweile werden bei den Frauen ebensoviele Medaillen vergeben wie bei den Männern.
Der Straßenradsport pausierte nach seiner Premiere 1896 bis 1912. Bis 1924 wurde ein Einzelzeitfahren ausgetragen, ab 1928 wurde es vom Straßenrennen abgelöst. Von 1960 bis 1992 wurden im Vierer-Teamzeitfahren Medaillen vergeben. Seit 1996 (Atlanta) stehen das Straßenrennen und das Einzelzeitfahren gemeinsam im Programm. Die Frauen fahren seit 1984 um olympisches Edelmetall, seit 1996 auch im Kampf gegen die Uhr. Einen deutschen Triumphator gab es zuletzt im Jahr 2000 (Sydney), als Jan Ullrich das Straßenrennen gewann.
Insgesamt finden bei Olympia zwölf Entscheidungen statt: im Einzelsprint, Teamsprint, Keirin (ein japanischer „Kampfsprint“, bei dem die Geschwindigkeit zunächst durch einen Schrittmacher gedrosselt wird), 4000-Meter-Mannschaftsverfolgung und im Mehrkampfwettbewerb Omnium.
Für die Straße hat der BDR bei den Männern vier Startplätze erhalten. Zwei der vier Starter bestreiten das Einzelzeitfahren. Neben Maximilian Schachmann (Berlin) tritt Nikias Arndt (Buchholz) im Kampf gegen die Uhr an, zudem sind Rundfahrt-Spezialist Emanuel Buchmann (Ravensburg) sowie Simon Geschke (Berlin) nominiert. Bei den Frauen hat der BDR ebenfalls vier Startplätze, auch hier bestreiten zwei Fahrerinnen das Einzelzeitfahren.
Erfolge und Favoriten in Tokio
Der BDR kann mit berechtigtem Optimismus nach Tokio fliegen, beim Bahnradfahren sind gerade die Sprinterinnen fester Bestandteil der Weltelite. Im Ausdauerbereich hoffen die Vierer zumindest auf Bronze, Roger Kluge hat im Omnium sowie im Madison mit Theo Reinhardt Chancen auf Edelmetall. Die Corona-Pandemie hat zur Absage zahlreicher Bahn-Wettbewerbe geführt, das tatsächliche Leistungsvermögen der internationalen Athletinnen und Athleten ist schwer einzuschätzen.
Für die Wettkämpfe auf der Straße ist die Liste potenzieller Olympiasieger sowohl im Straßenrennen als auch im Zeitfahren lang. Wilco Kelderman (Niederlande), Marc Hirschi (Schweiz), Geraint Thomas (Großbritannien), Richard Carapaz (Ecuador) - leicht wird die Gold-Mission für Schachmann nicht. Trotzdem ist dem deutschen Radler, der für Olympia die Tour de France ausließ, am Fuji vieles zuzutrauen. Er zählt zu den Kletterspezialisten beim BDR, was sich aufgrund der topografisch sehr schwierigen Strecken als Vorteil erweisen könnte. Bei den Frauen führt der Olympiasieg über die Niederländerinnen um Anna van der Breggen und Annemiek van Vleuten. Die beste Deutsche Lisa Brennauer zählt nicht zu den Favoritinnen.
Zeitplan der Radsportwettkämpfe in Tokio 2021
- Auf der Bahn starten die Wettkämpfe bei den Olympischen Spielen 2021 am 2. August. Bis zum 8. August wird um Edelmetall gefahren.
- Für die Straßen-Radler wird es schon am Tag nach der Eröffnungsfeier spannend: Am 24. Juli wird bei den Männern der Olympiasieger im Straßenrennen gesucht, tags darauf sind die Frauen dran. Am Mittwoch, den 28.
Die Besonderheit des Marathonlaufs
In der Folge geht es natürlich auch um einen besonderen Sportbewerb, der wie kein anderer für die Spiele steht und für sie erfunden wurde: Der Marathonlauf. Bei einem Ruderbewerb in Paris 1900 wurde er von zwei niederländischen Athleten kurzerhand aus dem Publikum als Steuermann eingesetzt, um Gewicht zu sparen. Das hat auch geklappt, die beiden Ruderer gewannen das Rennen, aber nach dem Siegerfoto verschwand der Junge wieder.
Bahnradsport
Olympia-Medaillen gibt es im Radsport nicht nur auf der Straße, sondern vor allem auf der Bahn zu gewinnen. Bei den ersten Sommerspielen der Neuzeit in Athen 1896 werden in fünf Wettbewerben die Sieger gekürt. Drei Jahre zuvor haben die Radsportler auf der Bahn ihre WM-Premiere gefeiert.
Auf dem 250 Meter langen Oval mit den stark überhöhten Kurven erreichen die Top-Fahrer Geschwindigkeiten von rund 80 km/h. Die Fahrräder haben nur einen starren Gang und keine Bremse. Als "Königsdisziplinen" gelten der Sprint sowie die 4000-Meter-Mannschaftsverfolgung. Das deutsche Quartett ist bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney das erste Team, das die Vier-Minuten-Grenze unterbietet.
Vier Kilometer in drei Minuten und 42 Sekunden - mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 64,8 km/h: Das ist der aktuelle Weltrekord im „Vierer“. Der Ablauf: Vier Fahrer reihen sich auf, finden sich nach dem Start, bilden eine Formation, lösen sich ab im Kampf gegen den Windwiderstand. Bis zu den Olympischen Spielen von Tokio im Jahr 1964 standen gerade einmal zwei olympische Goldmedaillen in der deutschen Olympia-Erfolgs-Bilanz. 1936 hatten Toni Merkens im Sprint und Ernst Ihbe und Carly Lorenz im Tandem Gold gewonnen.
Deutsche Erfolge im Bahnradsport
Karl Link, der einzige heute noch lebende Olympiasieger aus dem Tokio-Vierer, erinnert sich: „Die Spiele selbst waren für uns gar nicht mehr so strapaziös, viel schlimmer war es zuvor bei den Ost-West-Ausscheidungen. Die erste haben wir gewonnen, die zweite verloren. Dann wurden wir in Paris Weltmeister, was aber immer noch nicht reichte.
Für Karl Link und seine Teamkollegen Lothar Claesges, Karl-Heinz Henrichs und Ernst Streng, damals alle 22 Jahre alt, begann das Abenteuer Olympia bereits auf dem Frankfurter Flughafen. Als die vier das erste Mal die offene Bahn von Tokio testeten, wurde die Stimmung nicht besser. Im ersten Duell gegen England klappte dann nicht viel, und auch der italienische Vierer fuhr eine bessere Zeit als die Deutschen.
Erst einige Hundert Meter vor dem Ziel holten die Deutschen auf. Am Ende entschieden sieben hundertstel Sekunden über Olympia-Gold. Henrichs und Link traten auch vier Jahre später unter dem Bundestrainer Gustav Kilian bei den Spielen von Mexiko City an. Zusammen mit Udo Hempel und Jürgen Kißner erreichten sie das Finale gegen Dänemark, wurden aber anschließend wegen eines Regelverstoßes disqualifiziert.
Mannschaftsgold gab es dann erst wieder 1972 bei den Olympischen Sommerspielen in München. Udo Hempel, Günther Schumacher, Jürgen Colombo und Günter Haritz setzten sich im deutsch-deutschen Duell gegen den Vierer der DDR durch. Ein Jahr später, 1983, wurden Rolf Gölz, Roland Günther, Gerhard Strittmatter und Michael Marx in Zürich Weltmeister und gewannen bei den Olympischen Spielen 1984 schließlich die Bronzemedaille.
Olympische Sommerspiele 1984 in Los Angeles
Auch 1984: Freddy Schmidtke, ein 23-jähriger Obergefreiter aus Worringen bei Köln, fuhr in Los Angeles im 1000-Meter-Zeitfahren das Rennen seines Lebens. Er war mit 1:06,104 Minuten drei Zehntel schneller als der Kanadier Curtis Harnett und gewann die Goldmedaille.
Am ersten Wettkampftag sorgte die junge Deutsche Sandra Schumacher nicht nur für die erste deutsche Medaille überhaupt. Auch ihr dritter Platz im Straßenrennen der Frauen, die zum ersten Mal bei Olympischen Spielen in einem Straßen-Wettbewerb antraten, war eine kleine Sensation. Profi-Athleten waren bei Olympischen Spielen damals nicht zugelassen. Beim Überraschungssieg des US-Amerikaners Alexi Grewal belegte Thomas Freienstein als bester Deutscher dann jedoch „nur“ den 22. Der Straßenvierer fuhr dann im 100-Kilometer-Zeitfahren mit fast zehn Minuten Rückstand auf die siegreichen Italiener nur auf Rang zwölf.
Der damalige Vizepräsident Hans Schwelm wetterte: „Das war keine Mannschaftsleistung, keine Moral. Der Überraschungs-Olympiasieger des Männerrennens, Alexi Grewal, war eigentlich als Helfer eingeteilt, um den US-Topfahrer David Phinney zu unterstützen, dessen Frau Connie Carpenter am Morgen Olympiasiegerin geworden war.
Olympische Sommerspiele 2004 in Athen
Bei den Olympischen Sommerspielen von Athen 2004 erfüllten dann vor allem die Bahn-Sprinter die Erwartungen der deutschen Fans: Jens Fiedler, René Wolff und Stefan Nimke fuhren in jenem Jahr zur Goldmedaille im Teamsprint.
Der Tour-de-France-Sieger von 1997, Jan Ullrich, 2000 in Sydney Olympiasieger, verpasste im Straßenrennen am steilen Athener Hausberg Lykavittos den Anschluss, als der Italiener Paolo Bettini erfolgreich attackierte. Am Ende fuhr Ullrich auf den 19. Platz. Kritik an ihm wurde schon vor dem Rennen laut, da er sich angeblich nicht optimal auf die Spiele vorbereitet hatte. Drei Plätze besser war noch Michael Rich aus Reute: Er wurde Vierter.
Ein „gefundenes Fressen“ für die Medien war dann auch die Zieldurchfahrt von Judith Arndt, die als Zweite des Frauen-Straßenrennens über die Linie rollte - und zwar mit einem ausgestreckten Mittelfinger. Es war das Bild einer Athletin, die den Moment ihres größten Triumphes dazu nutzte, vor einem Millionenpublikum ihr Missfallen über die Nominierungspolitik des Verbandes auszudrücken.
Remco Evenepoel: Doppel-Olympiasieger
Gold im Zeitfahren hat er schon - und im Straßenrennen zieht Remco Evenepoel einfach nach. Das gab es noch nie. Das belgische Wunderkind hat fast alles gewonnen.
Doppel-Olympiasieger wie Evenepoel - dazu hatte Merckx wegen des damals fehlenden Zeitfahrens im olympischen Programm auch nicht die Chance - schon gar nicht. "Das ist historisch. Was für ein Tag", sagte Evenepoel. Am Samstag nach der Eröffnungsfeier hatte der Weltmeister bei den Sommerspielen schon den Kampf gegen die Uhr gewonnen. Nun legte er mit Gold im Straßenrennen nach. "Ich bin so stolz, als erster Fahrer der Geschichte das Double zu schaffen", sagte Evenepoel.
Die Premiere bei der Tour de France beendete er im Juli als Dritter auf dem Podest, nebenbei gewann er das Weiße Trikot des besten Jungprofis. "Meine Saison ist unbeschreiblich", sagte Evenepoel. Als Bonus löste der Belgier den 2000 erfolgreichen Ullrich als jüngsten Olympiasieger ab. "Einfach grandios", urteilte Maximilian Schachmann staunend.
Der Rennverlauf
Selbst ein Defekt etwas mehr als drei Kilometer vor dem Ziel, ausgerechnet am weltberühmten Louvre, stoppte Evenepoel nicht. Über eine Minute hatte er nach 273 Kilometern und dem längsten Rennen der Olympia-Geschichte auf die anderen Medaillengewinner Valentin Madouas und Christophe Laporte aus Frankreich Vorsprung. Dabei hatte Politt mit einer Attacke rund 60 Kilometer vor dem Ziel das spektakuläre Finale eröffnet und sich mit fünf anderen abgesetzt. Doch nach einem brachialen Antritt von Weltmeister Mathieu van der Poel bei der erstmaligen Überquerung des Monmartre-Anstiegs zur Sacré-Cœur schlossen die Spitzenfahrer auf - und Politt verließen gut 30 Kilometer vor dem Ziel die Kräfte.
Lediglich 90 Fahrer machten sich am Morgen am Eiffelturm auf den Weg in den Südwesten von Paris. Deutschland war mit nur zwei Profis vertreten, die Top-Nationen wie Belgien mit vier Fahrern. Die geringe Teamgröße erschwerte es, das Rennen zu kontrollieren - und so bot sich Außenseitern die Chance, sich zu zeigen. Fahrer aus Ruanda, Uganda, Thailand, Marokko und Mauritius setzten sich noch in Paris ab, fuhren maximal 15 Minuten Vorsprung heraus.
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