Die Olympischen Sommerspiele finden nur alle vier Jahre statt. Für viele Athleten sind sie das Highlight ihrer Karriere. In den Radrennen der Spiele von Paris wird es für viele Fahrer aber nicht „nur“ um das Dabei-Sein gehen.
Die Besonderheiten der Straßenrennen in Paris
Die Straßenrennen von Paris werden in mehrfacher Hinsicht besonders. Zum einen führen die Strecken mitten durch die Stadt. Zum anderen sind die Rennen der Männer und der Frauen länger als alle olympischen Straßenrennen jemals zuvor. Und auch das Renngeschehen wird anders sein. Denn: Nur je 90 Fahrer - und einen Tag später 90 Fahrerinnen - werden bei den Rennen an den Start gehen.
Gestartet werden die Events im Schatten des Eifelturms, ehe das Peloton die Stadt in südwestliche Richtung verlässt. Vorbei am Schloss Versailles geht es hügelig und kurvenreich weiter. Nach 210 Kilometern kehrt der Tross wieder ins Stadtgebiet zurück. Dann sind es noch knapp 60 Kilometer bis ins Ziel. Ein 18,4 Kilometer langer Rundkurs mit einem Anstieg - der Côte de la Butte Montmartre am Fuße der weltberühmten Pariser Kirche Sacré-Cœur - wird dann im Finale zweieinhalbmal umfahren, bevor es hinunter zum Ziel am Trocadero geht. Die Frauen fahren auf demselben Rundkurs in Paris. Die Daten ihres Rennens: 158 Kilometer mit insgesamt 1700 Höhenmetern.
Die Entscheidungen der Straßenrennen finden am zweiten Olympia-Wochenende, am 3. und 4. August statt. Eine Woche vorher werden jeweils 35 Männer und 35 Frauen am 27. Juli, einen Tag nach der Eröffnungsfeier, um olympisches Edelmetall im Einzelzeitfahren fahren. Der Kurs ist derselbe: 32,4 Kilometer, fast tellerflach, mit nur 150 Höhenmetern. Der Startschuss fällt in der Parkanlage nahe des Invalidendoms, einem historischen Ort. Hier liegt unter anderem Napoleon Bonaparte begraben. Nur ein paar Meter weiter auf der Brücke Pont Alexandre III liegt die Ziellinie. Maximal zwei Zeitfahrer können pro Nation starten. Die männlichen deutschen Athleten haben sich aber nur für einen Startplatz qualifiziert. Auch im Straßenrennen dürfen nur zwei Männer im deutschen Trikot starten.
Streckenführung des Einzelzeitfahrens
Der Start befindet sich beim Invalidendom, das Ziel ist nur wenige Meter entfernt an der Pont Alexandre III. Dazwischen geht es unter anderem über die Pont de Sully und vorbei am Place de la Bastille, wobei im Rennverlauf insgesamt zwölf Kurven durchfahren werden, die kniffligste ist eine Links-Rechts-Kombination in der Nähe des Vélodrome Jacques Anquetil. Spätestens auf der fünf Kilometer langen Schlussgeraden jedoch sollten die Spezialisten den Unterschied ausmachen können.
Favoriten und Teilnehmer
Zu den Favoriten muss man vor allem die Klassiker-Spezialisten zählen, denn der wellig-kurvige Kurs mit seinen Kopfsteinpflasterabschnitten kommt ihnen entgegen. Somit sind die „üblichen Verdächtigen“ vorne zu erwarten: etwa Mathieu van der Poel und Wout van Aert, der Niederländer und der Belgier, die „ewigen Rivalen“, die seit den Nachwuchsklassen um die großen Siege kämpfen. Wout van Aert gehört auch im Zeitfahren zu den Favoriten - neben den Spezialisten Filippo Ganna, Joshua Tarling und dem amtierenden Weltmeister, seinem belgischen Landsmann Remco Evenepoel.
Titelverteidiger ist der Slowene Primož Roglič, während sein Landsmann Tadej Pogačar - natürlich - bei jedem Rennen, bei dem er antritt, immer ein Top-Favorit ist. Demnach ist klar: Pogačar ist - auch wenn ihm die Strecke wenig entgegenkommt - der Mann, den es zu schlagen gilt. Er, van der Poel und Evenepoel werden während des Rennens unter ständiger Beobachtung stehen. Auch endschnelle Klassiker-Spezialisten wie der dänische Ex-Weltmeister Mads Pedersen zählen zu den Favoriten.
Alle Nationen mussten bei der Nominierung berücksichtigen, dass sie nicht nur ausgewiesene Klassikerfahrer nominieren, sondern auch solche, die im Kampf gegen die Uhr bestehen können, denn die Nominierungsbestimmungen erlauben keinen Einzelstart in einer Disziplin.
Mit der Maximalanzahl von vier Startplätzen gehen bei den Männern Belgien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien und Slowenien an den Start - bei den Frauen Belgien, Italien, die Niederlande, Polen und die Schweiz. Die deutschen Männer haben wohl nur Außenseiterchancen, auf die Medaillenränge zu fahren, da sie sich nur für zwei Startplätze qualifiziert haben. Dabei sein werden bei den Männern Maximilian Schachmann und Nils Politt.
Bei den Frauen treten Antonia Niedermaier, Franziska Koch und Liane Lippert an. Lippert und Co. werden sich vor allem gegen die Niederländerinnen „zur Wehr setzen“ müssen. Denn diese treten mit Top-Fahrerinnen wie Demi Vollering, Lorena Wiebes, Shirin van Anrooij oder Marianne Vos, die bereits 2012 in London die Goldmedaille im Straßenrennen gewann, an. Auch die amtierende Weltmeisterin Lotte Kopecky aus Belgien ist zu den großen Favoritinnen zu zählen.
Nominierte Teams (Auswahl)
- Deutschland:
- Frauen: Franziska Koch, Liane Lippert, Antonia Niedermaier
- Männer: Nils Politt, Maximilian Schachmann
- Luxemburg:
- Frauen: Christine Majerus
- Männer: Alex Kirsch
- Österreich:
- Frauen: Anna Kiesenhofer, Christina Schweinberger
- Männer: Marco Haller, Felix Großschartner
- Schweiz:
- Frauen: Elise Chabbey, Elena Hartmann, Noemi Rüegg, Linda Zanetti
- Männer: Stefan Küng, Marc Hirschi
Zeitplan der Radsport-Wettbewerbe
- Samstag, 27. Juli: Einzelzeitfahren
- Samstag, 3. August: Straßenrennen Männer
- Sonntag, 4. August: Straßenrennen Frauen
Nur 90 Männer und 90 Frauen dürfen in diesem Jahr auf der Straße bei Olympia starten - extrem kleine Starterfelder für die langen Straßenrennen also. Das Rennen der Männer findet am 3. August statt (live auf discovery+), die Frauen sind am 4. August an der Reihe.
Ausblick auf das Rennen der Männer
Das Männer-Rennen mit seinen 275 Kilometern könnte ein offenes werden - mit Tadej Pogacar fehlt ein großer Favorit, mit Mathieu van der Poel und Wout Van Aert sind zwei der besten Klassiker-Spezialisten am Start - beiden dürfte der Kurs mit seinen Anstiegen liegen. Oder kann sich Remco Evenepoel zum ersten Doppel-Olympiasieger auf der Straße und im Zeitfahren küren?
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